Von dem Verdienst

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150. Die, welche Gutes thun um zu verdienen, thun nicht Gutes aus Liebe zum Guten, sondern aus Liebe zum Lohn; denn wer verdienen will, will belohnt werden; die so thun, sehen und suchen ihre Lust im Lohn, und nicht im Guten; daher sie nicht geistig, sondern natürlich sind.

Druckseite 144 im Original

151. Das Thun des Guten, das [wirklich] gut ist, muß aus der Liebe zum Guten kommen, somit um des Guten willen geschehen; die, welche in dieser Liebe sind, wollen nichts von Verdienst hören, sondern lieben es zu thun, und finden ihre Freude darin; und umgekehrt werden sie betrübt, wenn man glaubt, es geschehe irgend ihrer selbst wegen: es verhält sich damit beinahe wie mit denen, welche den Freunden Gutes thun um der Freundschaft willen, dem Bruder um des Bruderbandes willen, der Gattin und den Kindern um der Gattin und Kinder willen, dem Vaterland um des Vaterlandes willen, somit aus Freundschaft und Liebe; die, welche gut denken, sagen auch und überzeugen, daß sie nicht wohl thun um ihrer selbst, sondern um jener willen.

Druckseiten 144–145 im Original

152. Die, welche Gutes thun um des Lohnes willen, thun das Gute nicht aus dem Herrn, sondern aus sich; denn sie haben vor Allem sich selbst im Auge, weil ihr eigenes Wohl, und das Wohl des Nächsten, welches das Wohl des Mitbürgers, der menschlichen Gesellschaft, des Vaterlandes und der Kirche ist, betrachten sie bloß als Mittel zum Zweck; daher kommt, daß in dem Guten der Verdienstlichkeit das Gute der Liebe zu sich und zur Welt verborgen liegt, und dieses Gute ist vom Menschen, und nicht vom Herrn; und alles Gute, das vom Menschen ist, ist nicht gut, ja so viel in ihm von dem eigenen Ich und von der Welt verborgen liegt, ist es böse.

Druckseite 145 im Original

153. Die echte Liebethätigkeit und der echte Glaube sind ohne alle Verdienstlichkeit; denn die Lust der Liebethätigkeit ist das Gute selbst, und die Lust des Glaubens ist das Wahre selbst; weshalb die, welche in dieser Liebethätigkeit und in diesem Glauben sind, wissen, was das nicht auf Verdienst ausgehende Gute ist, nicht aber die, welche nicht in Liebethätigkeit und Glauben sind.

Druckseite 145 im Original

154. Daß man das Gute nicht um des Lohnes willen thun soll, lehrt der Herr selbst bei Lucas: „Wenn ihr die liebet, welche euch lieben, welchen Dank habt ihr davon, denn die Sünder thun dasselbe: liebet vielmehr eure Feinde, und leihet, ohne etwas dafür zu hoffen, dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein,“ 6, 32. 33. 34. 35. Daß der Mensch nichts Gutes, das [wirklich] gut wäre, aus sich thun könne, lehrt der Herr ebenfalls bei Johannes: „Der Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn aus dem Himmel gegeben.“ 3, 27. und anderwärts: „Jesus sagte: Ich bin der Weinstock, ihr die Reben; wie die Rebe keine Frucht bringen kann von sich selber, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an Mir bleibet: wer in Mir bleibt, und Ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnet ihr nichts thun,“ 15, 4 bis 8.

Druckseiten 145–146 im Original

155. Weil alles Gute und Wahre vom Herrn ist, und nichts vom Menschen, und weil das Gute vom Menschen nicht gut ist, so folgt, daß keinem Menschen Verdienst zukommt, sondern allein dem Herrn; das Verdienst des Herrn ist, daß Er aus eigener Macht das menschliche Geschlecht errettet hat, und auch diejenigen errettet, welche das Gute aus Ihm thun. Daher kommt, daß im Worte derjenige ein Gerechter heißt, dem das Verdienst und die Gerechtigkeit des Herrn, und ein Ungerechter derjenige, dem die eigene Gerechtigkeit, und eigenes Verdienst zugesprochen wird.

Druckseite 146 im Original

156. Eben die Freudigkeit, welche der Liebe, Gutes zu thun ohne Absehen auf Belohnung, innewohnt, ist der Lohn, der in Ewigkeit bleibt; denn in dieses Gute wird vom Herrn der Himmel und die ewige Glückseligkeit hineingegeben [insinuatur].

Druckseite 146 im Original

157. Denken und glauben, daß in den Himmel diejenigen kommen, welche das Gute gethan haben, und daß man Gutes thun müsse, um in den Himmel zu kommen, heißt nicht den Lohn als Zweck im Auge haben, somit auch nicht ein Verdienst in die Werke setzen; denn so denken und glauben auch die, welche das Gute aus dem Herrn thun; sondern die, welche so denken, glauben und thun, ohne in der Liebe zum Guten um des Guten willen zu sein, diese haben solches Absehen, und setzen [Verdienst in Werke].

Aus den Himmlischen Geheimnissen.

Druckseiten 146–147 im Original

158. Dem Herrn allein kommt Verdienst und Gerechtigkeit zu, N. 9715. 9979. Das Verdienst und die Gerechtigkeit des Herrn ist, daß Er aus eigener Macht das menschliche Geschlecht errettet hat, N. 1813. 2025. 2026. 2027. 9715. 9809. 10019. Das Gute der Gerechtigkeit und des Verdienstes des Herrn ist das Gute, das im Himmel herrscht, und dieses Gute ist das Gute Seiner Göttlichen Liebe, aus welcher Er das menschliche Geschlecht errettet hat, N. 9486.9715. Kein Mensch kann aus sich die Gerechtigkeit werden, noch sie mit irgend welchem Recht sich zuschreiben, N. 1813. Wie im andern Leben diejenigen beschaffen sind, welche sich Gerechtigkeit zuschreiben, N. 942.2027. Im Worte heißt ein Gerechter derjenige, dem die Gerechtigkeit und das Verdienst des Herrn zugesprochen wird [addicitur], und ein Ungerechter derjenige, der eigene Gerechtigkeit und eigenes Verdienst [sich zuschreibt], N. 5069.9263. Wer einmahl gerecht ist aus dem Herrn, wird fortwährend gerecht sein aus Ihm, denn die Gerechtigkeit wird nie die eigene des Menschen, sondern [bleibt] fortwährend die des Herrn, N. 9263. Die, welche an die Rechtfertigung [so wie sie gelehrt worden] in der Kirche glauben, wissen wenig von der Wiedergeburt, N. 5398.

Der Mensch ist in so weit weise, als er alles Gute und Wahre dem Herrn, und nicht sich zuschreibt, N. 10227. Weil alles Gute und Wahre, das [wirklich] gut und wahr ist, vom Herrn kommt, und nichts vom Menschen, und weil das vom Menschen kommende Gute nicht gut ist, so folgt daraus, daß keinem Menschen Verdienst zukommt, sondern allein dem Herrn, N. 9975. 9981. 9983. Die, welche in den Himmel eintreten, legen alles eigene Verdienst ab, N. 4007. und denken nicht an Belohnung für das Gute, das sie gethan haben, N. 6478.9174. Die, welche aus [dem Gesichtspunkt] der Verdienstlichkeit denken, erkennen in so weit nicht an, daß alles [Werk] der Barmherzigkeit ist, N. 6478. 9174. Die, welche aus [dem Gesichtspunkt] der Verdienstlichkeit denken, denken an Lohn und Vergeltung; verdienen wollen ist daher so viel als belohnt werden wollen, N. 5660.6392.9975. Solche können den Himmel nicht in sich aufnehmen, N. 1855.9977. 8478. [9978.] Die himmlische Glückseligkeit besteht in der Neigung, Gutes zu thun ohne Absehen auf Belohnung, N. 6388.6478.9174.9984. In wie weit jemand im andern Leben Gutes thut ohne Absehn auf Belohnung, in so weit fließt das Selige in zunehmender Weise vom Herrn her ein, wird aber, sobald man an Belohnung denkt, sogleich zerstreut, N. 6478. 9174.

Das Gute soll man thun ohne Absehen auf Belohnung, N. 6392. 6478. beleuchtet, N. 9981. Die echte Liebethätigkeit ist ohne alle Verdienstlichkeit, N. [2273.] 2343. 2373. 2400. 3887.6388 bis 6393. Weil sie aus der Liebe, somit aus der Lust, Gutes zu thun, stammt, N. 3816. 3887. 6388. 6478. 9174. 9984. Unter dem Lohn wird im Worte verstanden das Angenehme und Selige im Thun des Guten für Andere ohne Absehen auf Lohn, und dieses Angenehme und Selige empfinden und fühlen die, welche in echter Liebethätigkeit sind, N. 3816. 3956. 6388.

Die, welche Gutes thun um des Lohnes willen, lieben sich, und nicht den Nächsten, N. 8002. 9210. Im Worte werden unter den Miethlingen [mercenarii] im geistigen Sinne diejenigen verstanden, welche Gutes thun um des Lohnes willen, N. 8002. Die, welche Gutes thun um der Belohnung willen, wollen im andern Leben bedient werden, und sind mit nichts zufrieden, N. 6595. Sie verachten den Nächsten, und zürnen selbst dem Herrn, daß sie keinen Lohn empfangen, indem sie sagen, sie hätten [ihn] verdient, N. 9976. Die, welche bei sich den Glauben von der Liebethätigkeit getrennt haben, machen im andern Leben den Glauben und auch die guten Werke, die sie in äußerer Erscheinung gethan hatten, zu etwas Verdienstlichem, N. 2371. Wie noch weiter im andern Leben die beschaffen sind, die ein Verdienst in Werke gesetzt hatten, N. 942. 1774. 1877.2027. Sie sind dort in der Unterwelt [in terra inferiore], und es kommt ihnen vor, als spalten sie Holz, N. 1110. 4943. 8740. und dies darum, weil das Holz, besonders das Holz Schittim, ganz eigentlich das Gute des Verdienstes bezeichnet, N. 2784. 2812. 9472. 9486. 9715. 10178.

Die, welche Gutes gethan hatten um der Belohnung willen, sind im Reiche des Herrn Dienstleute [servitia], N. 6389. 6390. Die, welche ein Verdienst in die Werke setzen, unterliegen in den Versuchungen, N. 2273. 9978. Die, welche in der Liebe zu sich und in der Liebe zur Welt sind, wissen nicht, was es heißt, das Gute ohne Rücksicht auf Belohnung thun, N. 6392.

Druckseiten 147–149 im Original