← Zurück zu „Von dem Neuen Jerusalem und seiner himmlischen Lehre“
141. Alles Freie gehört der Liebe an, denn was der Mensch liebt, das thut er mit Freiheit; daher auch alles Freie Sache des Willens ist; denn was der Mensch liebt, das will er auch; und weil die Liebe und der Wille das Leben des Menschen ausmachen, so macht auch das Freie dasselbe aus: hieraus kann erhellen, was das Freie ist, daß es nämlich das ist, was zur Liebe und zum Willen und somit zum Leben des Menschen gehört: daher kommt, daß dem Menschen das, was er aus der Freiheit thut, als aus seinem Eigenen kommend erscheint.
Druckseiten 136–137 im Original
142. Aus dem Freien heraus Böses thun, erscheint als Freiheit, ist aber Sklaverei, weil dieses Freie aus der Liebe zu sich und aus der Liebe zur Welt stammt, und diese Liebearten aus der Hölle sind; eine solche Freiheit verwandelt sich auch wirklich in Sklaverei nach dem Tode; denn ein Mensch, der solche Freiheit hatte, wird dann in der Hölle ein niedriger Sklave: dagegen ist mit Freiheit das Gute thun, die Freiheit selbst, weil es aus der Liebe zum Herrn und aus der Liebe zum Nächsten kommt, und diese Liebearten aus dem Himmel sind; diese Freiheit bleibt auch nach dem Tode, und wird alsdann zum wahrhaft Freien; denn ein Mensch, der diese Freiheit hatte, wird im Himmel wie ein Sohn des Hauses: dies lehrt der Herr so: „Jeder, der die Sünde thut, ist der Sünde Knecht; der Knecht bleibt nicht beständig im Hause; der Sohn bleibt beständig darin; wenn der Sohn euch frei macht, so werdet ihr wahrhaft frei sein,“ Joh. 8, 34. 35. 36 Da nun alles Gute vom Herrn ist, und alles Böse von der Hölle, so folgt, daß es Freiheit ist, vom Herrn geführt zu werden, und Sklaverei, von der Hölle geführt zu werden.
143. Die Freiheit, Böses und Falsches zu denken, und auch zu thun, so weit nicht die Gesetze davon zurückhalten, hat der Mensch zu dem Ende, daß er umgebildet werden könne; denn das Gute und die Wahrheiten müssen, damit sie Sache seines Lebens werden, seinem Lieben und Wollen eingepflanzt werden, und dies kann nicht geschehen, wenn er nicht die Freiheit hat, sowohl das Böse und Falsche, als das Gute und Wahre zu denken; diese Freiheit wird vom Herrn jedem Menschen gegeben; und wenn dieser das Gute und Wahre denkt, so pflanzt, in wie weit er dann nicht das Böse und Falsche liebt, in so weit der Herr jenes seinem Lieben und Wollen, somit seinem Leben ein, und bessert ihn so. Was im Freien eingesäet wird, das bleibt auch, was hingegen im Gezwungenen eingesäet wird, das bleibt nicht, weil das Erzwungene nicht aus dem Willen des Menschen, sondern aus dem Willen dessen kommt, der zwingt. Daher kommt auch, daß der aus der Freiheit hervorgehende Gottesdienst dem Herrn gefällt, nicht aber der aus dem Zwang kommende Gottesdienst; denn der aus der Freiheit hervorgehende Gottesdienst ist ein Gottesdienst aus der Liebe, der aus dem Zwang hervorgehende Gottesdienst aber nicht also.
Druckseiten 137–138 im Original
144. Die Freiheit, das Gute zu thun, und die Freiheit das Böse zu thun, sind, obgleich sie in der äußern Erscheinung einander gleich sehen, so sehr verschieden, und stehen so weit von einander ab, als Himmel und Hölle; wirklich stammt auch die Freiheit, das Gute zu thun, aus dem Himmel, und heißt die himmlische Freiheit; wogegen die Freiheit, das Böse zu thun, aus der Hölle stammt, und die höllische Freiheit heißt: in wie weit auch der Mensch in der einen ist, in so weit ist er nicht in der andern; denn niemand kann zwei Herren dienen, Matth. 6, 24; was auch daraus erhellt, daß die, welche in höllischer Freiheit sind, meinen, Sklaverei und Zwang sei, nicht nach Willkühr das Böse wollen und das Falsche denken dürfen, und daß dagegen die, welche in himmlischer Freiheit sind, vor dem Wollen des Bösen und dem Denken des Falschen zurückschaudern, und wenn man sie dazu nöthigen wollte, gequält werden würden.
Druckseiten 138–139 im Original
145. Weil das Thun mit Freiheit dem Menschen als aus seinem Eigenen kommend erscheint, so kann deshalb die himmlische Freiheit auch das himmlische Eigene genannt werden, und die höllische Freiheit kann das höllische Eigene heißen: das höllische Eigene ist dasjenige, in welches der Mensch geboren wird, und dieses ist das Böse; das himmlische Eigene dagegen ist dasjenige, in das der Mensch umgebildet wird, und dieses ist das Gute.
146. Hieraus kann erhellen, was der freie Wille [Liberum Arbitrium] ist, daß er nämlich darin besteht, mit Selbstbestimmung [ex arbitrio] oder mit Willen [ex voluntate] das Gute thun [zu können], und daß in dieser Freiheit diejenigen sind, welche vom Herrn geführt werden; und vom Herrn werden diejenigen geführt, welche das Gute und Wahre um des Guten und Wahren willen lieben.
147. Welcherlei Freiheit er habe, kann der Mensch an dem Angenehmen erkennen, während er denkt, redet, handelt, hört und sieht; denn alles Angenehme gehört der Liebe an.
Aus den Himmlischen Geheimnissen.
148. Alle Freiheit ist Angehör der Liebe oder Neigung, weil der Mensch das, was er liebt, mit Freiheit thut, N. 2870. 3158.8987.8990.9555. 9591. Weil die Freiheit Angehör der Liebe ist, so ist sie eines Jeden Leben, N. 2873. Es giebt eine himmlische Freiheit, und eine höllische Freiheit, N. 2870. 2873. 2874.9589, 9590. Die himmlische Freiheit ist die der Liebe zum Guten und Wahren, N. 1947. 2870. 2872. Und weil die Liebe zum Guten und Wahren vom Herrn ist, so ist die Freiheit selbst, vom Herrn geführt werden, N. 892. 905. 2872. 2886. 2890. 2891. 2892. 9096.9586. 9587 bis 9591. Der Mensch wird in die himmlische Freiheit vom Herrn eingeführt durch die Wiedergeburt, N. 2874. 2875. 2882. 2892. Freiheit muß der Mensch haben, um wiedergeboren werden zu können, N. 1937. 1947.2876.2881. 3145. 3158. 4031.8700. Sonst könnte die Liebe zum Guten und Wahren dem Menschen nicht eingepflanzt, noch ihm angeeignet werden scheinbar als das Seinige, N. 2877. 2879.8700. 2880. 2888. Nichts wird mit dem Menschen verbunden, was zwangsweise geschieht, N. 2875. 8700. Könnte der Mensch auf dem Wege des Zwangs gebessert werden, so würden Alle selig werden, N. 2881. Der Zwang ist bei der Besserung verderblich, N. 4031.
Der Gottesdienst aus der Freiheit ist [wirklich] Gottesdienst, nicht aber derjenige aus Zwang, N. 1947. 2880. 7349.10097. Die Buße muß im Zustand der Freiheit geschehen, und diejenigen, die im Zustand des Zwangs geschieht, hat keine Kraft und Geltung, N. 8392. Welche Zustände die des Zwanges sind, N. 8392.
Dem Menschen ist gegeben, mit der Freiheit der Vernunft zu handeln, damit das Gute für ihn vorgesehen werden könne, und darum muß er in der Freiheit sein, auch das Böse denken und wollen und sogar es thun zu können, so weit die Gesetze es nicht verbieten, N. 10777. Der Mensch wird vom Herrn zwischen Himmel und Hölle, und so im Gleichgewicht gehalten, damit er in der Freiheit sei um der Besserung willen, N. 5982. 6477. 8209. 8987. Was in der Freiheit eingesäet wird, bleibt, nicht aber was im Zwang, N. 9588. 10777. Darum wird niemahls Jemanden die Freiheit genommen, N. 2876.2881. Keiner wird vom Herrn gezwungen, N. 1937. 1947. Wie der Herr den Menschen durch die Freiheit zum Guten führt, sofern Er ihn nämlich durch die Freiheit vom Bösen ablenkt, und zum Guten hinlenkt, so sanft und leise ihn leitend, daß der Mensch nicht anders weiß, als alles gehe von ihm aus, N. 9587.
Das Sichselbstzwingen geht aus der Freiheit hervor, nicht aber das Gezwungenwerden, N. 1937. 1947. Der Mensch soll sich zwingen, dem Bösen zu widerstehen, N. 1937. 1947. 7914. und auch das Gute zu thun wie aus ihm selber, dennoch aber anerkennen, daß es vom Herrn kommt, N. 2883. 2891. 2892. 7914. Der Mensch hat eine größere Freiheit in den Versuchungskämpfen, in welchen er überwindet, weil alsdann der Mensch sich inwendig zwingt, dem Bösen zu widerstehen, obgleich es anders erscheint, N. 1937. 1947. 2881. Der Herr thut dies durch die dem Innern Menschen eingeflößte Neigung zum Guten und Wahren, ohne daß der Mensch darum weiß, N. 5044. Die höllische Freiheit ist, sich von der Liebe zu sich und von der Liebe zur Welt und von deren Begierden führen lassen, N. 2870.2873. Die, welche in der Hölle sind, kennen keine andere Freiheit, N. 2871. Die himmlische Freiheit steht eben so weit ab von der höllischen Freiheit, als der Himmel von der Hölle, N. 2873. 2874. Die höllische Freiheit ist an sich betrachtet Sklaverei, N. 2884. 2890. weil es Sklaverei ist, von der Hölle geführt zu werden, N. 9586. 9589.9590.9591.
Alle Freiheit ist wie das Eigene und diesem gemäß, N. 2880. Der Mensch empfängt durch die Wiedergeburt vom Herrn ein himmlisches Eigene, N. 1937. 1947.2882. 2883. 2891. Wie das himmlische Eigene beschaffen ist, N. 164.5660. 8480. Dieses Eigene erscheint dem Menschen wie sein Eigenes, ist aber nicht sein, sondern des Herrn bei ihm, N. 8497. Die, welche in diesem Eigenen sind, sind in der Freiheit selbst, weil es Freiheit ist, vom Herrn geführt zu werden, und von Dessen Eigenem, N. 892. 905. 2872. 2886. 2890. 2891. 2892. 4096.9586. 9587. 9589.9590.9591.
Druckseiten 139–142 im Original
149. Daß die Freiheit eine Folge des Gleichgewichts zwischen Himmel und Hölle ist, und daß der Mensch, wenn er nicht Freiheit hat, nicht gebessert werden kann, ist in dem Werke von dem Himmel und der Hölle gezeigt worden; von dem Gleichgewicht selbst, N. 589 bis 596, und von der Freiheit, N. 597 bis zu Ende; allein zu näherem Verständniß, was Freiheit sei, und daß der Mensch durch sie umgebildet wird, will ich Folgendes daraus anführen: „Es ist gezeigt worden, daß das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle ein Gleichgewicht zwischen dem Guten, das aus dem Himmel, und zwischen dem Bösen ist, das aus der Hölle kommt, daß es also ein geistiges Gleichgewicht ist, das seinem Wesen nach Freiheit ist. Das geistige Gleichgewicht ist aber darum Freiheit, weil es Statt hat zwischen Gutem und Bösem, und zwischen Wahrem und Falschem, und diese geistiger Art sind; weshalb denn das Vermögen, das Gute oder das Böse zu wollen, und das Wahre oder das Falsche zu denken, und das eine vor dem andern zu erwählen, die Freiheit ist. Diese Freiheit wird jedem Menschen vom Herrn gegeben, und Keinem je genommen; sie ist zwar vermöge ihres Ursprungs nicht [Eigenthum] des Menschen, sondern des Herrn, weil sie vom Herrn kommt, sie wird aber dennoch mit dem Leben dem Menschen wie das Seinige geschenkt; und dies zu dem Ende, daß der Mensch umgebildet und selig gemacht werden könne, denn ohne Freiheit findet keine Umbildung und Seligmachung Statt. Jeder kann aus einiger Vernunftanschauung sehen, daß in des Menschen Freiheit liegt, böse oder gut, redlich oder unredlich, gerecht oder ungerecht zu denken; und daß er auch gut, redlich und gerecht reden und handeln kann, aber nicht böse, unredlich und ungerecht, wegen der moralischen und bürgerlichen Gesetze, durch die sein Aeußeres in Banden gehalten wird. Hieraus erhellt, daß der Geist des Menschen (und dieser ist es, welcher denkt und will,) in der Freiheit ist, nicht aber so das Aeußere des Menschen, welches redet und handelt, außer wenn dies nach den oben genannten Gesetzen geschieht. Daß der Mensch nicht umgebildet werden kann, wofern er nicht in der Freiheit ist, gründet sich darauf, daß er in Böses aller Art geboren wird, welches doch erst entfernt werden muß, damit er selig werden könne; und es kann nicht entfernt werden, wofern er es nicht in sich sieht, und es anerkennt, und hernach es nicht will, und zuletzt es verabscheut, dann erst wird es entfernt: dies kann nicht geschehen, wofern nicht der Mensch sowohl in Gutem, als in Bösem ist; denn aus dem Guten kann er das Böse sehen, nicht aber aus dem Bösen das Gute: das geistige Gute, das der Mensch denken kann, lernt er von Kindheit an durch das Lesen des Wortes, und durch die Predigt; und das moralische und bürgerliche Gute durch das Leben in der Welt; dies ist das Erste, warum der Mensch in der Freiheit sein muß. Das Andere ist, daß dem Menschen nichts angeeignet wird, als was aus einer seiner Liebe angehörenden Neigung gethan wird; das Uebrige kann zwar [in ihn] eingehn, aber nicht weiter als in's Denken, und nicht in's Wollen, und was nicht bis in's Wollen des Menschen eindringt, das wird nicht das Seine; denn das Denken nimmt das Seine aus dem Gedächtniß, der Wille aber aus dem Leben selbst; nichts ist irgend frei, was nicht aus einer dem Lieben angehörigen Neigung kommt; denn alles, was der Mensch will oder liebt, das thut er mit Freiheit; daher kommt, daß die Freiheit des Menschen und die seiner Liebe oder seinem Willen angehörende Neigung Eins sind; dazu also hat der Mensch Freiheit, damit er vom Wahren und Guten angeregt werden, oder es lieben, und dieses somit wie sein eigen werden könne: mit Einem Wort, was nicht in der Freiheit bei dem Menschen eingeht, das bleibt nicht, weil es nicht Sache seiner Liebe oder seines Willens ist, und was nicht Sache der Liebe oder des Willens des Menschen ist, das gehört nicht seinem Geist an; denn das Sein des Menschengeistes ist Liebe oder Wille. Damit der Mensch in Freiheit sei, um gebessert werden zu können, wird er seinem Geiste nach mit dem Himmel und mit der Hölle verbunden; denn bei jeglichem Menschen sind Geister aus der Hölle und Engel aus dem Himmel; durch die Geister aus der Hölle ist der Mensch in seinem Bösen, durch die Engel aus dem Himmel aber ist der Mensch im Guten aus dem Herrn, somit im geistigen Gleichgewicht, das ist, in der Freiheit. Daß jedem Menschen Engel aus dem Himmel und Geister aus der Hölle beigesellt sind, sehe man in dem Abschnitt von der Verbindung des Himmels mit dem menschlichen Geschlecht, N. 291 bis 302.“
NEUOFFENBARUNG