Vom Gewissen

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130. Das Gewissen wird bei dem Menschen aus der Religion [ex religioso], in der er ist, gemäß der Aufnahme derselben inwendig in sich, gebildet.

Druckseite 129 im Original

131. Das Gewissen wird bei dem Menschen der Kirche durch Glaubenswahrheiten aus dem Worte gebildet, oder aus der Lehre aus dem Worte, gemäß der Aufnahme derselben im Herzen; denn wenn der Mensch die Glaubenswahrheiten weiß, und sie in seiner Weise auffaßt, und hernach sie will, und sie thut, dann entsteht ihm ein Gewissen; die Aufnahme im Herzen geschieht im Willen, denn der Wille des Menschen ist es, was das Herz heißt. Daher kommt, daß diejenigen, welche Gewissen haben, aus dem Herzen reden, was sie reden, und aus dem Herzen thun, was sie thun; auch haben sie kein getheiltes Gemüth, denn gemäß dem, was sie als wahr und gut erkennen und glauben, thun sie auch.

Druckseite 129 im Original

132. Es kann bei denen, die in den Glaubenswahrheiten erleuchteter sind, als Andere, und welche in klarerem Innewerden sind, als Andere, ein vollkommeneres Gewissen geben, als bei denen, die weniger erleuchtet sind, und in dunklerem Innewerden stehen.

Druckseite 129 im Original

133. Im wahren Gewissen ist das eigentliche geistige Leben des Menschen, denn in ihm ist sein Glaube verbunden mit der Liebethätigkeit; weshalb aus dem Gewissen handeln bei ihnen so viel ist, als aus ihrem geistigen Leben handeln, und gegen das Gewissen handeln ihnen so viel ist, als gegen dieses ihr Leben handeln. Daher kommt, daß sie in Friedensruhe, und in innerer Glückseligkeit sind, wenn sie nach dem Gewissen handeln, und in Unruhe und Schmerz, wenn sie gegen dasselbe handeln: dieser Schmerz ist es, welcher Gewissensbiß genannt wird.

Druckseiten 129–130 im Original

134. Der Mensch hat ein Gewissen für das Gute [Conscientia boni] und ein Gewissen für das Gerechte; das Gewissen des Guten ist das Gewissen des Innern Menschen, und das Gewissen des Gerechten ist das Gewissen des Aeußern Menschen; das Gewissen des Guten ist, den Vorschriften des Glaubens gemäß aus innerer Neigung handeln, das Gewissen des Gerechten aber ist, den bürgerlichen und sittlichen Gesetzen gemäß aus äußerer Neigung handeln. Diejenigen, welche ein Gewissen für das Gute haben, haben auch ein Gewissen für das Gerechte; diejenigen aber, welche nur ein Gewissen für das Gerechte haben, sind im Vermögen, das Gewissen für das Gute zu empfangen, und empfangen es auch, wenn sie unterwiesen werden.

Druckseite 130 im Original

135. Das Gewissen bei denen, die in der Liebethätigkeit gegen den Nächsten stehen, ist ein Gewissen des Wahren, weil es durch den Glauben des Wahren gebildet wird; bei denen aber, welche in der Liebe zum Herrn sind, ist ein Gewissen des Guten, weil es durch die Liebe zum Wahren gebildet wird; das Gewissen von diesen ist ein höheres Gewissen, und wird ein Innewerden des Wahren aus dem Guten genannt. Diejenigen, welche ein Gewissen des Wahren haben, sind aus dem geistigen Reiche des Herrn, diejenigen hingegen, welche das höhere Gewissen haben, welches Innewerden genannt wird, sind aus dem himmlischen Reiche des Herrn.

Druckseite 130 im Original

136. Doch Beispiele werden klar machen, was Gewissen ist: wer eines Andern Güter bei sich hat, ohne des Andern Wissen, und so ohne Furcht vor dem Gesetze, vor Verlust der Ehre und des Rufes, dieselben sich aneignen könnte, sie aber dennoch dem Andern zurückerstattet, weil sie ihm nicht angehören, der hat ein Gewissen, denn er thut das Gute um des Guten, und das Gerechte um des Gerechten willen. Und wieder: wer ein Amt erhalten kann, aber sieht, daß ein Anderer, der sich auch darum bemüht, dem Vaterlande nützlicher ist, dieser hat, wenn er dem Andern die Stelle überläßt um des Wohles des Vaterlandes willen, ein gutes Gewissen: so verhält es sich auch im Uebrigen.

Druckseiten 130–131 im Original

137. Hieraus kann man den Schluß machen, wie die beschaffen sind, welche kein Gewissen haben; sie werden durch den Gegensatz erkannt; so zum Beispiel diejenigen, welche um irgend welchen Gewinnes willen machen, daß das Ungerechte als gerecht, und daß das Böse als gut erscheint, und umgekehrt, die haben kein Gewissen; diese wissen auch nicht, was Gewissen ist, und wenn sie belehrt werden, was es ist, so glauben sie es nicht; und Einige wollen es nicht wissen. Von dieser Art sind die, welche alles um ihrer selbst und der Welt willen thun.

Druckseite 131 im Original

138. Die, welche kein Gewissen in der Welt annahmen, können auch im andern Leben kein Gewissen annehmen, somit nicht selig werden; und dies darum nicht, weil sie keine Unterlage haben, in welche der Himmel, das heißt, der Herr durch den Himmel einfließen und durch die Er einwirken, und sie zu Sich heranziehen könnte; denn das Gewissen ist die Unterlage und das Aufnahmsgefäß des Einflusses des Himmels.

Aus den Himmlischen Geheimnissen.

Druckseiten 131–132 im Original

139. Von dem Gewissen. Die, welche kein Gewissen haben, wissen nicht, was Gewissen ist, N. 7490. 9121. Es giebt Einige, welche über das Gewissen lachen, wenn sie hören, was es ist, N. 7217. Einige glauben, das Gewissen sei nichts; Einige, es sei etwas traurig Stimmendes, ein natürliches Schmerzgefühl, entspringend entweder aus Ursachen im Körper, oder aus Ursachen in der Welt; Einige, es sei etwas bei dem großen Haufen von der Religionsansicht Herrührendes, N. 950. Einige wissen nicht, daß sie ein Gewissen haben, während sie es doch haben, N. 2380.

Die Guten haben Gewissen, nicht aber die Bösen, N. 831. 965. 7490. Gewissen haben die, welche in der Liebe zu Gott und in der Liebe zum Nächsten sind, N. 2380. Gewissen haben hauptsächlich die, welche vom Herrn wiedergeboren worden sind, N. 977. Die, welche bloß in den Wahrheiten sind, und nicht in einem denselben gemäßen Leben, haben kein Gewissen, N. 1076. 1077. 1919. Die, welche aus dem natürlichen Guten das Gute thun, und nicht aus Religion, haben kein Gewissen, N. 6208.

Der Mensch hat Gewissen aus der Lehre seiner Kirche, oder aus seiner Religion [ex religioso], und dieser gemäß, N. 9112 Das Gewissen wird bei dem Menschen aus Dingen gebildet, die zu seiner Religion gehören, und die er für wahr hält, N. 1077.2053.9113. Das Gewissen ist ein inneres Band, durch das der Mensch angehalten wird, das Gute zu denken, zu reden und zu thun, und durch das er abgehalten wird, das Böse zu denken, zu reden und zu thun, und zwar dies nicht um seiner selbst und der Welt, sondern um des Guten, Wahren, Gerechten und Rechten willen, N. 1919.9120. Das Gewissen ist ein inneres Gebot [dictamen], so oder nicht so zu thun, N. 1919. 1935. Das Gewissen [conscientia] ist ein Bewußtsein [conscientia] des Wahren und Rechten in seinem Wesen, N. 986. 8081. Der neue Wille bei dem wiedergebornen geistigen Menschen ist das Gewissen, N. 927. 1023. 1043. 1044. 4299.4328. 4493.9115.9596. Aus dem Gewissen kommt dem Menschen geistiges Leben, N. 9117.

Es giebt ein wahres Gewissen, ein unechtes Gewissen, und ein falsches Gewissen, wovon N. 1033. Das Gewissen ist ein um so mehr wahres, als es aus mehr echten Wahrheiten gebildet worden ist, N. 2053. 2063.9114. Das Gewissen ist im Allgemeinen ein gedoppeltes, ein inwendiges und ein auswendiges, das inwendige ist das des geistig Guten, das seinem Wesen nach das Wahre ist, und das auswendige ist das des moralisch und bürgerlich Guten, das seinem Wesen nach das Aufrichtige und Gerechte, im Allgemeinen das Rechte [rectum], ist, N. [6207.] 8042. 10296.

Der Gewissensschmerz ist eine Beängstigung des Gemüths wegen des Ungerechten, Unaufrichtigen und jeglichen Bösen, von dem der Mensch glaubt, es sei wider Gott und wider das Beste des Nächsten, N. 7217. Wenn Angst gefühlt wird, während der Mensch böse denkt, so kommt dies vom Gewissen her, N. 5470. Der Gewissensschmerz ist ein Beängstigtwerden wegen des Bösen, das der Mensch thut, so wie auch wegen des Verlustes des Guten und Wahren, N. 7217. Weil die Versuchung ein Kampf des Wahren und des Falschen im Inwendigen des Menschen, und weil in den Versuchungen Schmerz und Beängstigung ist, so werden in geistige Versuchungen keine Andere zugelassen, als Solche, die Gewissen haben, N. 847.

Solche, die Gewissen haben, reden und handeln aus dem Herzen, N. 7935. 9114. Solche, die Gewissen haben, schwören nicht ohne Noth [in vanum], N. 2842. Die, so Gewissen haben, sind in inwendiger Freudigkeit, wenn sie das Gute und Gerechte nach dem Gewissen thun, N. 9118. Die, welche Gewissen in der Welt haben, haben auch Gewissen im andern Leben, und sind hier unter den Seligen, N. 965. Es findet ein Einfluß des Himmels Statt in das Gewissen bei dem Menschen, N. 6207. 6213. 9122. Der Herr regiert den geistigen Menschen durch das Gewissen, das diesem ein inneres Band ist, N. 1835. 1862. Die, welche Gewissen haben, haben ein inwendigeres Denken, die aber kein Gewissen haben, haben bloß ein auswendiges Denken, N. 1919. 1935. Die, welche Gewissen haben, denken aus dem Geistigen, die aber kein Gewissen haben, denken bloß aus dem Natürlichen, N. 1820. Die, welche kein Gewissen haben, sind bloß äußerliche Menschen, N. 4459. Der Herr lenkt die, welche kein Gewissen haben, durch äußere Bande, welche alle die Dinge sind, welche Gegenstand der Selbst- und Weltliebe sind, und von daher mit der Furcht vor dem Verlust des Rufes, der Ehre, des Amtes, des Gewinns, der Güter, und mit der Furcht vor dem Gesetze und für das Leben zusammenhängen, N. 1077.1080.1835. Solche, welche kein Gewissen haben, und dennoch durch diese äußern Bande sich lenken lassen, können gleichwol in der Welt in hohen Aemtern stehen, und das Gute eben so wohl thun, als die, welche Gewissen haben; allein sie [thun es] in äußerer Erscheinung in Folge äußerer Bande, diese hingegen in der innern Form in Folge innerer Bande, N. 6207.

Die, welche kein Gewissen haben, wollen das Gewissen bei denen, die es haben, zerstören, N. 1820. Die, welche in der Welt kein Gewissen haben, haben auch im andern Leben kein Gewissen, N. 965.9122. Daher haben die, welche in der Hölle sind, keinerlei Gewissenspein wegen ihres Bösen in der Welt, N. 965. 9122.

Die Gewissensängstlichen [conscientiosi], wer und wie beschaffen, und wie lästig sie sind, und welchen Dingen sie in der geistigen Welt entsprechen, N. 5386.5724.

Die, welche aus dem geistigen Reiche des Herrn sind, haben ein Gewissen, und zwar ist dasselbe in ihrem Verstandesgebiet gebildet, N. 863.865.875.895. 927. 1043. 1044.1555. 2256.4328.4493. 5113.6367.8521.9596. 9915. 9995. 10124. Anders verhält es sich mit denen, die im geistigen Reiche des Herrn sind, N. 927.2256. 5113. 6367.8521. 9915.9995. 10124.

Druckseiten 132–135 im Original

140. Von dem Innewerden. Innewerden [Perceptio] ist, durch einen Einfluß vom Herrn sehen, was wahr und gut ist, N. 202. 895.7680. 9128. Das Innewerden findet bloß bei denen Statt, die im Guten der Liebe vom Herrn zum Herrn sind, N. 202.371.1442. 5228. Das Innewerden findet Statt bei denjenigen im Himmel, welche während sie als Menschen in der Welt lebten, die Lehren der Kirche, die aus dem Worte waren, sogleich in's Leben übergehen ließen, und sie nicht erst im Gedächtniß niederlegten; wodurch das Inwendige ihres Gemüths zur Aufnahme des göttlichen Einflusses gebildet wurde, und weshalb nun im Himmel ihr Verstand fortwährend in der Erleuchtung ist, N. 104.495.503.521.536.1616. 1791.5145. Sie wissen Unzähliges, und für ihre Weisheit giebt es keine Grenzen, N. 2718. 9543. Die, welche im Innewerden sind, raisonniren nicht [non ratiocinantur] über die Wahrheiten des Glaubens, und würden sie raisonniren, so verlören sie ihr Innewerden, N. 586. 1398. 5897. Die, welche aus sich selbst wissen und weise sind, können kein Innewerden haben, N. 1386. Die Gelehrten fassen nicht, was dieses Innewerden ist, aus Erfahrung, N. 1387.

Die, welche im himmlischen Reiche des Herrn sind, haben ein Innewerden, diejenigen hingegen, die im geistigen Reiche sind, haben kein Innewerden, sondern statt desselben das Gewissen, N. 805. 2144. 2145.8081. Die, welche im himmlischen Reiche des Herrn sind, denken nicht aus dem Glauben, wie die, welche im geistigen Reiche des Herrn sind, weil die, welche im himmlischen Reiche sind, im Innewerden aller Dinge des Glaubens vom Herrn her sind, N. 202. 597.607. 784. 1121. 1387. 1398. 1442. 1919. 7680.7877.8780. weshalb die himmlischen Engel bei den Wahrheiten des Glaubens bloß sagen: ja ja, nein nein, weil sie nämlich dieselben innewerden und sehen, wogegen die geistigen Engel in Erörterungen über die Glaubenswahrheiten eingehen, ob es so sei, oder nicht so sei, N. 2715. 3246.4448.9166, 10786; wobei erklärt werden die Worte des Herrn: „Eure Rede sei: ja ja, nein nein, was darüber ist, das ist vom Uebel,“ Matth. 5, 37. Weil die himmlischen Engel aus einem Innewerden die Wahrheiten des Glaubens wissen, so wollen sie den Glauben nicht einmahl nennen, N. 202. 337. Unterschied zwischen den himmlischen Engeln, und den geistigen Engeln, N. 2088. 2669. 2708. 2715. 3235. 3240. 4788. 7058. 8521.9277. 10295. Von dem Innewerden derer, welche zur Aeltesten Kirche gehörten, die eine himmlische Kirche war, N. 125. 597.607. 784. 895. 1121. 5121.

Es giebt ein inwendiges und ein auswendiges Innewerden, N. 2145.2171. 2831. 5920. Es giebt in der Welt ein Innewerden des Gerechten und Billigen, selten aber ein Innewerden des geistig Wahren und Guten, N. 2831. 5937.7977. Das Licht des Innewerdens ist ein ganz anderes als das Licht der Bestärkung, und es hat keine Aehnlichkeit, obgleich es Einigen als ähnlich erscheint, N. 8521. 8780.

Druckseiten 135–136 im Original