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Zur Wiederkunft Christi – Leseteil 4 – Der große Advent – Zur Wiederkunft Christi (1904)

Der große Advent – Zur Wiederkunft Christi (1904)

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Sehet, wie aber nun des Satans Gemüt beschaffen ist, so spiegelt es sich auch in der ganzen Natur aller Dinge ab. Die Witterung des Winters war wie ein Frühling; denn die bösen Geister der Luft begaben sich in eine ähnliche falsche Ruhe, wie da ist die ihres Meisters. Durch solche Ruhe aber wollten sie der Erde eine große Trockniß und einen vollen Mißwachs bereiten; denn es hätte durch die ungestörte Wärme des Winters alle Frucht bis zur Blüte getrieben werden sollen, dann aber zur Unterdrückung eines plötzlichen Aufstandes der bösen Geister in der Luft durch die Friedensgeister eine starke Alles erstarren machende Kälte eintreten sollen, wodurch dann freilich die meisten Früchte der zumeist bewohnbaren Erde wären zu Grunde gerichtet worden; aber siehe da, der Satan hat sich verrechnet!

Ich ließ die Früchte nicht zur Blüte kommen, und sandte die stärklsten Friedensgeister in den Tagen des Winters, in denen des Sonnenlichtes Wärme die tätigsten Geister in den Pflanzen schon zur Arbeit anfachen könnte, zur Erde herab, und diese nahmen und nehmen noch alle die falschruhigen bösen Geister der Luft ohne alle Gnade und Schonung gefangen, und treiben sie an, jählings zu betreten den gerichteten Weg der Ordnung, aus der allein einst für sie die wahre Freiheit erstehen kann; daher falle euch diese gegenwärtige Witterung auch nicht lästig, denn sie ist ein guter Segen für alle Früchte der Erde.

Gleichwie aber diese Witterung gewisserart ein Aushängeschild dessen ist, was des Lebens Feind vorhatte, und noch vorhat, und wie er von Mir aus dagegen traktirt wird, eben also ist diese Märzwitterung als ein prophetisches Zeichen gegenüber der politischen nun beinahe über die ganze Erde ansgebreitet.

Der 15. März war es, als Ich euch Meine Gnade gab; der 15. März

war es, als sich beinahe alle Völker der Erde erhoben, da sie also vom Geiste der Welt angestachelt wurden zur Alles verheeren machen sollenden Bewegung, welcher Geist da ist des Lebens Feind; aber da sandte Ich ihm

starre und sehr harte Friedeusgeister entgegen, bevor noch die rechte Blüte

den edelsten Zweigen des Lebens entstammte. Daher ist nun allerorts eine Art Erftarrung mit untermengten Stürmen eingetreten, und es sieht das politische Wetter recht böse aus, als wollte es alles zerstören; aber fürchtet euch deshalb ja nicht!

Denn ein 15. März kam auch von Oben, und in ähnlicher Weise zu noch anderen Brüdern ganz im Geheimen, und harrt nun einer wirklichen Erstehung; wieder kam ein 15. März, der alle Völker wie Spreu durcheinander trieb, und die Großen von ihren Thronen; und wieder kam ein 15. März, recht kalt und frostig, als möchte er alle Saat des vorigen Jahres verderben; aber befürchtet das ja nicht; nur dem Gefühle kommt es also vor, der Wirklichkeit nach ist es ganz anders.

Er schützt nur die edle noch nicht aufgebrochene rechte Blüte der Ordnung, des Lebens und der wahren Freiheit des Geistes.

Kümmert euch daher nicht, was nun geschieht; lasset sie stürmen, die für den Sturm geschaffen, und lasset sie knechten, die an der Knechtschaft hängen.

Ich aber fage euch: Eben daraus wird das wahre Leben auf einmal wie ein hellster Blitz aus der schwarzen Wolke hervorbrechen, und die Wolke wird vergehen; aber der Blitz wird sein Licht nimmer zurücknehmen, sondern leuchten fort und fort!

Wie aber der 15. März nicht fern ist dem Frühlinge, da ihn nur sieben Tage von ihm trennen, also wird auch der geistige Frühling nicht fern sein von seinem Vorgänger, nämlich dem geistigen 15. März. Deß seid ihr vollends gewiß und sicher; denn also wird und also muß es werden. Amen. Das sage Ich, euer HErr, euch zu euerem vollen Troste.

Amen! Amen! Amen!

Das große Myrgenrut vder der Pyraufgang zur Ankunft des Herrn. Empfangen durch Jakob Lorber am 6. April 184n. Wer ein Licht hat, der stelle es nicht unter einen verhängten Tisch, allwo es vergeblich leuchtet, da sein Schein nur kaum die Fußspitzen einiger weniger und müßiger Tischlagerer spärlich erleuchtet, was zu gar nichts taugt, indem doch das ganze Gemach finster ist, und die am Tische lagern, nicht sehen, was auf dem Tische ist, oder was sie sonst umgibt; sondern ein jeder nur mit einigem Lichte Begabte stelle sein Lämpchen auf den Tisch und lasse es brennen und erleuchten den Tisch und das Gemach; und so auf diese Art recht viele Lichtlein am Tische brennen und leuchten, so wird es hell im Gemache und sehr hell am Tische, also, daß sich darob jeder eintretende Gast verwundern wird, und wird sagen: „Ei, wie ist's da doch so hell, und wie wohl tut uns, die wir eine lange Nacht durchgewandelt haben, diese Helle nun! Ja, sie kommt uns vor als wie ein Morgenrot.“

Da also das Licht so sehr erquicket das Leben und dasfelbe wahrhaft erwecket, sogar auf eine künstliche Art erzeugt, d. h. auf dem Wege der reineren Vernunft und des geläuterten Verstandes, wie sehr nötig ist es daher, daß in dieser Zeit ein Jeder, der nur irgend ein gutes und brauchbares Lämpchen besitzt, dasselbe nun hervorholt, es wohl reinigt, es reichlich mit Oel verfieht und dann anzündet, auf den Tisch der reineren Erkenntnis stellt, und allda leuchten läßt Allen, die an diesem Tische lagern, und auch den Nebengästen, die sich nur immer in diesem Gemache befinden.

Der Gang dieser Zeiten zeigt allerklärlichst an, woran es nun am meisten gebricht, nämlich am Licht. Was nützt es da von der Liebe zu predigen, was von der Haltung der Gottesgebote, so Diejenigen, denen gepredigt wird, sich in aller Finsternis befinden, und dem Prediger in's Gesicht sagen: „Was redest du von dem, was du ebensowenig je gesehen und empfunden hast als wir? Was würdest du wohl zu uns sagen, so wir dir vom Lichte und von den wohlerleuchteten Dingen vorpredigen möchten, und verlangen von dir, daß du uns den' vollsten Glauben beimessen sollest in Allem, was wir dir nur immer vorsagen wollten, während wir doch samt dir niemals ein Licht und ebensowenig erleuchtete Gegenstände gesehen haben? Siehe, du würdest uns das Gleiche eutgegnen und am Ende sagen: Was plappert ihr Jünger der Nacht daher, und wollet mir Dinge glauben machen, die ihr nie gesehen und gefühlt habet? — Schaffet daher eher ein Licht auf den Tisch, und betrachtet es und gebet alles genau an, was ihr sehet und bemerket, so werde ich es euch leicht glauben können; denn euer Lampenschein wird auch erhellen mein Kämmerlein. Siehe, eben also zünde du zuvor selbst ein Licht an, bevor du predigest, alsdann werden auch wir glauben, daß das wahr ist, was du uns nun in der vollsten Nacht glauben machen willst.“

Daher sei hier nicht nur Allen, die eines bessern Willens sind, und der Lehren vom wahren Leben bedürsen, sondern auch allen Lehrern gesagt, daß sie alle ihre Lämpchen nun reinigen sollen, und sie versehen reichlich mit gutem Oele; und so die Lämpchen mit Oel reichlich versehen sind, daß sie dann auch sogleich angezündet werden und gestellt auf den gastlichen Tisch der rechten Einsicht und Erkenntnis; denn der Tag ist herangerückt, an dem die letzte große Verheißung in die Erfüllung gehen wird.

Es steht geschrieben von dieser Zeit, wie sie beschaffen sein wird; und sehet, die vorhergesagten Erscheinungen sind nun da im Vollmaße; wer kann sie verkennen?

Sind aber nun allerunzweideutigster Maßen die vorhergeweissagten Erscheinungen eingetroffen, wer mag noch fernerhin zweifelu daran, daß nun nicht auch in Bälde jener große Tag eintreffen werde, der eine abermalige größte, letzte und daher bleibende Ankunft Dessen mit sich bringen wird, von Dem die beiden Engel aus den Himmeln an der Stelle, an der er hinauffuhr in Sein Reich, aussagten zu denen, die Ihm nachweinten (Apostel- Geschichte Kap. 1, Vers 10 und 11): „Was weilet ihr nun traurig da, und schauet Dem nach, Der aufgefahren ist in Sein Reich? Seid getröstet und ziehet nach Hause; denn diefer Jesus, Deu ihr num gesehen habet auffahren in die Himmel aller Himmel, Derselbe wird einst so wie Er nun aufgefahren ist, wieder hernieder kommen, und richten alle Geschlechter der

Erde. Wohl denen, die Er als gerecht finden wird; diese werden Seine Kinder und Er ihr HErr und Vater sein; wehe hingegen aber Allen, die in aller Ungerechtigkeit verharrt sind; wahrlich, ihre Verantworkung wird ihnen zum Mühlstein am Halse werden!“

Was diese beiden Engel Gottes, und was Ich als der HErr und Gott Selbst von der einstigen Wiederkunft Christi vorhergesagt habe, das ist nun zur Reife gekommen, und wird geschehen in der Bälde; denn die Vorbereitungen sind nun schon beinahe alle in's Werk gesetzt worden; der Menschen Herzen sehen nun aus, wie diese Zeiten mit ihren grauenhaften Erscheinungen; sie sind voll Herrschsucht, Geiz, Neid, Fraß, Völlerei und Hurerei, voll Hader, Zank, Schmähsucht, voll Raub, Krieg, Mord und Pestilenz jeglicher Art. Der Unfrieden und die Lieblosigkeit und vollste Unbarmherzigkeit hat sich ihrer bemächtiget, und dadurch ist nun auch solch eine Trübfal über die Erde gekommen, wie ihres Gleichen eben diese Erde noch nicht getragen, gefühlt und geschmeckt hat; es ist daher nötig, daß dieser trübseligsten Zeit bald ein Ende gesetzt werde, da sonst noch Jene, die bisher zu den Auserwählten gezählt wurden, Schiffbruch leiden könnten.

Bevor aber Ich als der HErr und Schöpfer alles Lebens wieder kommen kann, muß der Erdboden von allem Unkraute gar fein gereiniget werden, und diese Reinigung geht soeben auf allen Punkten der Erde vor sich.

Wer nun an feiner Seele wissentlich krank ist, und nicht trachtet, daß seine Seele gesund werde, der wird nicht lange machen, bis er zu Grunde gehen wird!

Die Zeit der Reinigung aber wird dauern kürzestens vier Wochen; deun es wird nun Stunden geben, in deuen mehr geschehen wird, als ehedem in einem Jahrhunderte. Ein längerer Termin ist gesetzt auf vier Monate; denn es wird nun Tage geben, von denen einer mehr bedeuten wird, als ehedem ein volles Jahrhundert. Noch ein weiterer Termin ist gesetzt auf vier Viertel Jahre; denn es wird nun in einer Woche mehr geschehen, als in der Vorzeit in einem vollsten Jahrhunderte; und noch ein weitester Termin ist gesetzt auf vier Jahre und noch eine Kleinigkeit der Zeit hinzu; denn es werden nun Monde kommen, in denen mehr geschehen wird, als in der Vorzeit in sieben Jahrhunderten!

Diese Zeit aber ist nun wie ein Morgenrot zu jenem Tage, der da kommen wird, entweder zum Heile für die Gerechten und für alle Jene, die eines sanften und guten Herzens sind, und lieb haben ihre Brüder und Schwestern in Meinem Namen; aber dieser Tag wird auch kommen wie ein Dieb über alle Jene, die Meiner nicht achten und haben ein hartes und stolzes Herz, und halten sich für besser und angesehener als ihre Brüder, in was immer und wegen was immer.

Wer aus euch in was und wegen was immer sich für besser hält als seinen Bruder, der wird an diesem kommenden Tage gar sehr zu Schauden werden; denn von diesem Tage an soll aller äußere Unterschied aufhören, und in großen Ehren werden nur die stehen, die nun um Meines Namens willen verachtet oder gewisserart nur mitleidig als ehrliche Menschen gednldet werden; aber so sie in irgend einer Gesellschaft etwa auch etwas gelten wollen, da werden sie sogleich in ihre nichtssagenden Schranken zurückgewiesen. Solche Menschen werden aber an diesem Tage groß nnd glorreich hervorgehen, während die gegenwärtigen Honoratioren in was immer sehr klein werden bedacht werden. Meine Erwählten aber werden glänzen, mehr als die Sonne am Mittage!

Es zeigt aber ein natürliches Morgenrot keinen günstigen schönen Tag an; denn man sagt: Des Morgens Not ist des Tages Not und des Abends Tod! Aber also wird es beim geistigen Morgenrot nicht sein, wohl aber ganz umgekehrt; denn wie das natürliche Morgenrot alle Herzen erquickt, so wird dies geistige große Morgenrot alle Herzen mit großer Furcht und Bangigkeit erfüllen; denn es wird seine Farbe vom Blute und vom großen Brande der Welt, darunter zu verstehen sind die großen und kleinen Kriege, nehmen.

Aber wie das natürliche Morgenrot ein ungünstiges Zeichen für den darauf folgenden Tag ist, so wird aber das au sich selbst schtimme geistige Morgenrot nur als ein sehr günstiger Vorläufer des kommenden großen Tages des Heils zu betrachten und zu nehmen sein.

Dieses Alles habe Ich so eingerichtet, und lasse nun Alles also geschehen, wie es geschieht.

Wer aus euch aber will Mir in den Weg treten und sagen: Herr! Du bist ein grausamer Gott, hast eine Freude am Blute der vielen Hingeschlachteten, und handelst wie ein ewiger Tyrann? Zu dem sei es gesagt: Der Meister ist nicht da, daß Ihn da richteten seine Werke; sondern Er wird sie richten recht und gerecht. Ihr sollet daher auch nicht fagen: Siehe, dies Volk hat Recht und jenes hat Unrecht, und dieser und jener Feldherr tut Fluchwürdiges, oder seine Vorgänge sind gesegnet. Also sollet ihr auch weder eine Freude noch eine Trauer haben, so ihr erfahret, daß diese oder jene Partei entweder gesiegt hat oder weidlichst geschlagen wurde.

Ueberhaupt sollet ihr ench gar nicht viel kümmern, ob das, was nun geschieht, recht oder unrecht sei; denn Ich lasse alles das also geschehen, wie es geschieht; und Ich meine, daß Ich doch der HErr genug dazu bin, und bin weise genung, und bin gut geuug! — Wer aber aus euch nun anders denken und urteilen will, der muß daher aber auch mehr Herr sein wollen, als Ich es bin, und muß notwendig weiser und besser sein als Ich.

So aber Jemand das zu sein wähnt, wenn auch gerade nicht in seinen Gedanken, aber dennoch durch seine Reden und Taten, der bändige aber hernach auch die Elemente, zeichne den Sternen ihren Gang vor, gebiete den

Winden, dem Meere und dem mächti en Feuer im Junern der Erde; ger ge hrigen 5 . 5 9

biete den Wolken, und schaffe der Sonne und dem Monde, daß sie beffer der Erde dienen, als wie es manchmal der Fall ist. Denn wer sich für hinreichend weise hält, den Bewegungen der freien Meuschen sein Urteil anzupassen und mit einer gewissen hartnäckigen Bestimmtheit zu sagen: „Die Herrschaft Oesterreichs ist arg und böse; seine Kriege, seine Siege und Ge— setze sind eine Schmaeh; Rußland handelt unter aller Kritik; nur von Frauk— reich und Deutschland hängt das Heil der Völker ab;“ o zu dem sage Ich: Gut, gut! Weil du so weise bist, und gar so gründlich alle die Handlungen, Gesetze, Verfügungen, Verhältnisse und Bewegungen der verschiedenen Völker zu beurteilen im Stande bist, was sogar für die weisesten Engel schwerer ist, als ein ganzes Sonnengebiet in der strengsten Ordunng zu erhalten, so solle so ein verständigster und weisester Richter über alle Völker denn sich auch an die Leitung der Sonne und des Mondes machen; er solle den lästigen Winter abschaffen, und solle auch das Loch verstopfen, von wannen die kalten Winde herkommen. So ihm aber die Sonne im Sommer doch etwas zu warm werden solle, da wird seine Weisheit ja doch auch im Stande sein ein Mittel zu finden, um der Sonne ihre zit große Hitze auszutreiben. Ist ihm die zu starke Anhäufung des Polareises etwa zuwider, nun, so kann er ja das unterirdische Polarfeuer recht anfachen, und das wird schon seine alten auflösenden Dienste tun. Und wenn am Ende etwa doch Altersschwäche oder andere Kraukheiten so frech sein sollten und beschleichen den Leib eines solchen Völkerweisen, nun, das wird für ihn etwa doch ein wahrer Spaß sein, sich augenblicklich wieder zu verjüngen und sein Fleisch unsterblich zu machen.

Sollten aber solch weise Völkerrichter bei sich etwa doch verspüren, daß ihnen die Leitung und Besorgung des Universums unausführbar sein solle, was gegen die Leitung der freien Völker freilich wohl nur etwas ganz Leichtes wäre, da sollen sie dann aber auch ganz demütig in ihre fündige Haut zurückkriechen und sagen: „HErr! ich habe gar gewaltig gesündigt vor Dir, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig!“

Da sollen sie dann aber auch wieder Gnade und Erbarmung finden, und es solle ihnen ein rechtes Licht gegeben werden, das sie auf den rechten Erkeuntnis-Tisch stellen sollen und auch stellen werden, bei welchem Lichte

sie aber dann anch bald und leicht erkennen werden, ob ihre Urteile über 7— die verschiedenen Völker recht oder unrecht waren. * 5 Ich sage euch: Menget euch in nichts, und bleibet fein

zu Hause, auf daß, so Ich in der Bälde kommen werde, Ich

euch auch daheim antreffe, euch kröste, stärke und aufnehme in

Mein neu zu gründendes Reich auf Erden und in allen Sternen!

Aber so Ich euch nicht daheim autreffen werde, so möget ihr es euch dann selbst zuschreiben, so ihr an dieser Meiner größten und letzten Ankunft entweder gar keinen oder nur einen sehr geringen Teil haben werdet.

Ich sage euch: Ich allein bin der HErr der ganzen Unendlichkeit, uud sonst gibt es ewig Keinen! Was ihr sehet, denket, wahrnehmet, empv- sindet und fühlet, und noch endlos mehr, was vor euch verborgen ist, das Alles ift allein Mein Werk.

Vedenket, denn also spricht der HErr Jehova Zebaoth: Was könnet ihr Mir sagen, wenn Ich es mit denen halte, die ihr verachtet? Was wollt ihr Mir sagen, so Ich eine Hure an Mein Herz drücke und eine betschwesterlich fromme Sittenund Sündenrichterin von Mir weise? Was wollt ihr Mir sagen, so Ich in der Zukunft bei lauter Zachäusen einkehren werde, und werde allen sogenannten Gottesdienern den Rücken kehren? Was werdet ihr Mir ferners sagen können, so Ich künftighin, wie es auch vorher war, eure wohlerzogenen Töchter von Meiner Türe weisen werde und werde dafür die gemeinsten Gassendiruen aufnehmen, und sie zu Meinen Gesellschafterinnen machen?

Ja, wahrlich, Ich sage es aller Welt: Eine Martha, eine Magdalena, eine Ehebrecherin, ein samaritisches Weib und eine Hure wird Mir angenehmer sein, als alle die fein und überaus sittlich erzogenen Töchter, die blos deshalb keine Huren sind, weil das vor der Welt eine Schande wäre; denn was würde die Welt dazu sagen?! Wenn die Welt so etwas erführe, da wäre es ja nur zu sicher um das anzuhoffende irdische Glück geschehen! O so es aber auf Mich aunkäme, und die Welt vor den

Augen der Menschen kein gültiges Richteramt ausübete, dann wäret ihr mit curen Kindern beiweitem nicht so heiklich als nun!

Ich sage euch aber das nicht etwa darum, als hielte Ich dafür, daß es schlecht wäre, die Kinder fein und sittsam zu erziehen; o nein, das will Ich damit gar nicht gesagt haben; aber daß ihr eure Kinder vielmehr der Welt als Meinetwegen fein und sittlich erziehet, und bringet ihnen dadurch eine beiweitem zu große Ueberschätzung ihres sogenannten besseren Menschenwertes bei, welche Ueberschätzung eine Grundwurzel alles Hochmutes ist, das ist vor Mir ein Gräuel!

Und da muß Ich offen und klar gestehen, daß Mir eine von aller Welt verachtete, und von allen Fleischsünden stinkende Hure bei weitem lieber und angenehmer ist, als eine ganze Million eurer allerfeinst und allersittlichst gebildeten Töchter und Söhne.

Ich will damit aber auch nicht sagen, daß Mir die Hurerei etwa lieber sei, als ein tugendhafter reiner Lebenswandel; denn nichts Unreines kann in Mein Reich eingehen; aber das sage Ich, daß, so mit der feinen und zarten Sittenund Religionsbildung zugleich ein die geringere Menschheit geringschätzender, ja manchmal sogar verachtender Hochmut in der engsten Verbindung steht, Mir jede bis zur letzten Zehenspitze herab verachtete und unter alle Kloaken hinab gedemütigste Hure um sehr vieles lieber und angenehmer ist, als eure vor der Welt hochansehnlichen Kinder; so wie Mir auch jener Hauptlump von einem Zöllner, der in den Tempel kam, allda sein schmähliches Leben nur zu sehr fühlte an geheiligter Stätte, und darum bei sich gewisserart also sprach: „Nein ich bin doch ein zu heilloser Lump für diefen geheiligten Ort! Gar nicht würdig bin ich, meine zu sündhaften Augen dort hinauf zu erheben, wo die Gerechten sich freuen vor dem Heiligtume Gottes; daher ist es auch billig, daß ich diesen Ort sogleich verlasse und ihn nicht entheilige!“ lieber war, als jener mit sich überaus zufriedene Pharisäer, der Gott nicht genug loben und preisen konnte, weil Er ihn gar so rein und fehlerfrei gemacht habe. Ich sage es hier nun Allen der vollsten Wahrheit gemäß, die allein jeden Menschen wahrhaft frei machen kann:

ES gibt vor Mir im Grunde des Grundes nur so ganz eigentlich eine einzige Sünde, welche die Mutter aller anderen Sünden ist, und diese Sünde heißt: Hochmut!

Aus dem Hochmute aber geht daun alles Andere, was nur immer Sünde heißt, hervor, als da ist, Selbsisucht, Herrschlust, Eigenliebe, Neid, Geiz, Wucher, Betrug, Dieberei, Raub, Zorn, Mord, Trägheit zur rechten Arbeit, der süße Müssiggang auf Kosten der unhochmütigen Arbeiter, Haug zum Wohlleben und Großtun, Gailheit des Fleisches, Unzucht, Hurerei, Gottesvergessenheit, und endlich wohl auch oft eine gänzliche Gottlosigkeit, und mit dieser der vollste Ungeh orsam gegen alle Gesetze, mögen sie göttlichen oder blos politischen Urfprunges sein.

Betrachtet jede dieser aufgezählten Hauptsünden für sich ganz analytisch, und ihr werdel am Grunde einer jeden den Hochmut ersehen. Wer dann aller seiner vermeintlichen tausend Sünden wie mit einem Schlage los sein will, der sehe allein darauf, daß er seines wie immer gearteten Hochmutes ledig werde, so wird er auch ledig sein aller seiner anderen

Sünden; denn viele Sünden sind ohne Hochmut gar nicht denkbar, und das darum, weil er der alleinige Grund dieser Sünden ist.

Sünden aber, die ohne Hochmut begaugen werden, sind keine Sünden, weil sie den Grund zur Sünde nicht in sich bergen.

* Es würde aber Jemand sein, der sonst gerecht wäre, und Niemand zu ihm sagen könnte: Siehe, dieser und jener Sünden hast du dich schuldig gemacht, aber er täte sich darauf viel zu gute, und achtete sich für viel besser als jene, die er als grobe Sünder erkennt. Wahrlich, da nützet ihm alle seine Gerechtigkeit nichts; denn da er sich auf seine Gerechtigkeit und Unbescholtenheit etwas zu gute täte, so wäre er schon vom Hochmute befangen, und somit vor Mir schlechter als einer, der sein Leben lang — aber natürlich ohne allen Hochmut — in seinem Fleische gesündigt hätte, was an und für sich wohl auch eine starke Sünde ist, aber selbst mit dem

* geringsten Hochmute in gar keinem Vergleiche steht.

5 Daher lasse sich aber nun auch ein Jeder durch dieses Morgenrot ganz scharf durch und durch erleuchten, und spüre ja sorgfältigst in seinen erleuchteten Lebenswinkeln und Kammern fleißig nach, ob er nicht irgendwo etwas antreffen möchte, was so mit dem Hochmute irgend eine Aehnlichkeit haben könnte. Trifft er so etwas in seinem Innern an, so verabscheue er es augenblicklich, und strebe alsbald mit allen Kräften darnach, daß er seines noch so gering scheinenden Hochmutes los werde, sonst wird dieser mit der Zeit zu wachsen anfangen wie eine Schmarotzerpflanze am sonst gefunden Aste eines Fruchtbaumes, und den soust edlen Menschen ebenso zu Grunde richten geistig, wie die Schmarotzerpflanze den fonst ganz gesunden Baum.

Der Hochmut, wie immer geartet er auch sein möchte, und von wo immer er seinen Ursprung nehmen mag, ist für Seele und Geist eine allergiftigste Stickluft aus der Hölle, durch die in kurzer Zeit alles Leben zu Grunde gehen muß. Daher noch einmal für tausendmal gesagt:

Hütet euch vor Allem nur vor dem Hochmute! wollet ihr vor Mir als gerecht und gerechtfertigt erscheinen, und wollt ihr am kommenden großen Tage euch Meiner sichtbaren Gegenwart erfreuen; aber so nur ein Atom irgend eines Hochmutes in euch verbleibt, so werdet ihr von Mir zwar sagen hören, daß Ich auf der Erde zu Meinen Freunden gekommen bin; so ihr aber rufen werdet: „HErr! HErr! Komme auch zu uns!“ da werde Ich dennoch nicht zu euch kommen, dieweil ihr nicht allem Hochmute entsagt habet.

Wohl wisset ihr Vieles, was Millionen nicht einmal zu ahnen vermögen; aber darum seid ihr nicht um ein Haar besser als jene, die von alledem keine Ahnung haben, was bei euch schon ein erfahrungsreiches Wis- en, ja manchmal sogar ein förmliches Schauen geworden ist; aber so ihr mit euerem Wissen auch die rechte Demut vereiniget, dann wird euch freilich das tiefe Wissen im Bereiche des rein Geistigen von einem unberecheubaren großen Nutzen sein. —

Auf daß sich aber ein jeder Mensch richten kann und erforschen sein ganzes Wesen, so will Ich zu dem Behufe eine sonderheitliche Anleitung geben, uach der man gar leicht ersehen wird können, au welche Eigenschaften sich der schändlichste Hochmut beim Menschen anklebt, und allda fortwuchert.

Manche Meuschen beiderlei Geschlechtes haben gewisserart von Geburt an ein züchtigeres Fleisch, und enthalten sich demnach auch um Vieles leichter von all' den sinnlichen Gelüsten des Fleisches. Diese Menschen triumphieren dann aber gewöhnlich nicht über sich selbst, sondern hauptfächlich über ihre Nebenmenschen, deren Natur aus nicht so keuschen Substanzialspezifiken zusammengesetzt ist. Diese also um vieles leichter keusch lebenden

Meuschen aber verachten dann gewöhnlich diejenigen, denen es wirklich einen großen Kampf kostet, um der fleischlichen Werke sich zu enthalten. Ja, solche Menschen können oft beim besten Willen nicht das in die Ausführung bringen, was den Andern ein Leichtes ist.

Wenn nun solche sich der fleischlichen Werke leicht enthaltende Menschen über die in diesem Punkte Schwachen sich lustig machen, sie schmähen und oft verfluchen, und ihnen die Hölle an den Hals schleudern, da sie sich natürlich für besser und unfehlbarer halten, als ihre schwächeren Brüder und Schwestern; da verfallen solche fleisehlich ohne ihr besonderes Verdienst Reineren schon dem Hoch mute, und sind dadurch schon bei weitem größere Sünder in sich selbst, als ihre schwachen Nebenmenschen; denn jedes Sichfür mehr-, höher, besserund vorzüglicher-halten als seinen Nebenmenschen

in was immer, rührt schon vom Hochmute her, und ist an sich vor Mir schon schlechter, als was ein Hochmütiger in was immer als schlecht bezeichnen möchte; denn schon die geringste Art des Hochmutes ist bei weitem ärger, als jede andere Sünde für sich!

Textgrundlage: bereitgestellte historische Ausgabe. Originalscan · PDF-Seite 18 →

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