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Weiterer Anhang – Leseteil 1 – Der große Advent – Zur Wiederkunft Christi (1904)

Der große Advent – Zur Wiederkunft Christi (1904)

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Nr. 216.

Minste zum Verständnis Offenbarung Jahaannes „Apokalypse“

genannt.

Empfangen durch Gottfried Maherbofec um 1d. Jui 1875,

Diese Offenbarung Johannes oder — wie Ich sagen möchte — dieses Sittengemälde der ganzen Zeit, welche nach Meinem Uebergange ins Geisterreich (bis nun und bis zu Meiner Wiederkunft) über eure Erde kam, diese Ofssenbarung ist schon von so manchem gelehrt sein Wollenden erklärt, durchforscht und auseinandergesetzt worden, und doch hat noch Keiner von Allen den rechten Schlüssel gefunden, weder die Bücher dieses hl. Wortes zu erschließen, noch die Begebenheiten und Zeitabschnitte richtig zu beurteilen, welche alle nach Meinem Heimgange kommen mußten, so lange der Mensch als freies Wesen der eigene Herr seiner Handlungen war.

Jetzt, da wir beinahe am Ende der ganzen Prophezeiung stehen, und das Meiste schon vorüber ist, jetzt will Ich euch Schritt für Schritt diese Offenbarung erklären, damit ihr dann selbst beurteilen könnet, wie weit Alle von dem eigentlichen Sinne entfernt waren, und nur buchstäb— lich heraus finden wollten, was doch nur durch Entsprechungen erklärt werden kann.

So lange der Mensch die Deutung oder den geistigen Sinn der Worte — was man Entsprechung heißt — nicht begreift, so lange ist es umsonst, Meine Worte im innersten Sinne fassen zu wollen. Selbst die große Masse

der (neuen) Worte, welche ihr bis jetzt erhalten habt, zeugen von dem

Nehmlichen; denn, was ihr selbst oft eingestanden habt, je öfter ihr sie leset, desto geistiger, oft auch verschiedener (gegen früher) wird euch deren Inhalt klar.

Ihr müßt nur von dem Grundsatze ausgehen, daß Ich als höchster Geist nur geistig denken und reden kann, und daß Ich dem Standpunkte der Bildung des menschlichen Geistes gemäß diese geistigen Gedanken

Mr. 216. Wiederkunft Chrintt. 11 und Ideen dann in für euch faßliche Worte einkleide, daß aber bei diesen Worten — so wie ihr sie auffasset und leset — dies noch lange nicht ihre letzte Deutung ist.

So ließ Ich einst Johannes diese Geschichte niederschreiben, indem Ich seiner Auffassungsgabe Meine Ideen anpaßte “); denn hätte Ich anders mit ihm gesprochen, so hätte er Mich nicht verstanden, hätte Meine Worte entweder mißdeutet, oder sich selbe gar nicht zu schreiben getraut, aus Furcht, das Opfer einer Täuschung zu werden.

So findet ihr in dieser Offenbarung nur symbolische Bilder, findet den „Zorn Gottes“, die Plagen und noch Mehreres, was in jener Zeit selbst bei den Propheten öfters gebraucht, aber nicht hatte so verstanden werden sollen, da Ich der Gott der Liebe weder Zorn, Haß noch Rache üben kann, das — wenn ihr es genau bedenket — nicht möglich ist, wo Ich als Gott, wenn Mir etwas nicht recht ist, oder etwas gegen Meine Pläne wäre, durch plötzliche Vernichtung oder durch moralischen Zwang Alles sogleich in die rechte Ordnung bringen könnte.

Sollte Ich vielleicht in Brand geraten über Dinge, die Ich Selbst so und nicht anders geschaffen habe, sollte Ich etwa einen Fluch aussprechen über Geschöpfe, die eben, weil Ich sie als frei hinstellte, fehlen und fallen mußten, damit sie die großen göttlichen Eigeuschaften und ihren Wert erkennen sollen, aber eben gerade durch das Gegenteil!

Wie könntet ihr das Licht schätzen, wüßtet ihr von einem Schatten oder Finsternis nichts, wie die wohltuende Kraft der Wärme begreifen, kennetet ihr die Kälte nicht! wie die erhabene Tugend, Sittlichkeit, moralische Gefühle begreifen, wenn nicht die G egensätze davon exislieren würden! wie eine Idee eines geiftigen Fortschrittes begreifen, wenn ihr nicht den Weg nach abwärts wisset.

Sehet, aus allem Diesem geht hervor, daß in allen Schriften des alten und neuen Testaments so manches dort enthalten, was nicht so gemeint ist, wie der Buchstabe es zeigt; sondern was erstens der Auffassung jener Zeit wohl angemessen, doch für ewig den großen Keim des Geistigen enthält, wo bei euch jetzt lebenden Menschen angefangen, eure Nachkommen, dann die Geister im höchsten Jenseits in allen ihren Abstufungen, und selbst die Engels-Geister noch immer etwas Höheres darin finden werden, je höher sie selbst stehen, und je größer ihre eigene geistige Ausbildung und Einsicht ist.

So sind alle Meine Worte zu nehmen, so waren sie und werden sie für immer eine reiche Fundgrube geistiger Schätze sein, die nie ein Ende erreichen werden, weil eben Ich als unendlicher Geist nur Unendliches denken und reden und durch Meine Knechte schreiben lassen konnte.

Jetzt habt ihr ohngefähr eine schwache Idee von dem, was in jedem Meiner Worte liegen kann und muß, und jetzt wollen wir also um einen Schritt weiter gehen und mit den ersten Kapiteln der Offenbarung anfangen.

Sehet, die ersten Kapitel dieser Offenbarung beschäftigen sich mit den nach Meinem Heimgang existierenden Sieben Gemeinden, welche als die ersten und besten zur Basis dienen sollten, Meine Religion oder

„*) wie dies eine Grundregel auch des reineren Spiritismus ist, daß der sich mitteilende Geist seine Ideen und Gedanken in den im Medium vorfindenden Formen gibt. D. Hog.

die Auslegung und Aufklärung des (durch Mich chriftl. vergeistigten) jüdischen Religionskultus zu erhalten, und zu zeigen, wie man vom Formellen und Zeremoniellen nach und nach zum geistigen Verständnisse übergehen solle.

So wie Ich Selbst einst sagte: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern es zu befestigen“ (und zu vollenden), oder den in der jüdischen Religion niedergelegten Grund-Wahrheiten ihren rechten eigentlichen Wert wiederzugeben, was denn in der Zeitenfolge öfter geschah, und auch der Zweck Meiner nun seit mehr als drei (nun sechs) Decennien euch direkt gegebenen Worte ebenfalls wieder ist.

Diese Gemeinden, welche nur aus wenigen Auserwählten bestanden, waren eben als Anfänger, abgesehen von der Verfolgung durch Andersgläubige, auch noch dem Fehler der Miß deutung Meiner Worte ausgesetzt, und daher die symbolische Erwähnung, daß die Glieder der einzelnen Gemeinden sich an ihre Führer halten sollten, welche als Sterne oder Lichter ihnen den Weg zeigen werden, den sie gehen follten, und nebenbei auch einig mit den Führern, die Gemeinden (und die Einzelnen) dann selbst „Leuchter“ oder Wegweiser für Andere werden mögen, die noch in Finsternis wandeln. —

In den ferneren Kapiteln folgen dann die Ermahnungen an die einzelnen Gemeinden, wo, wie bei allen Glaubenslehren, falsche Propheten, übereifrige Verbreiter und alle möglichen Verirrungen des menschlichen Herzens vorkommen, weil eben das Verständnis Meines Wortes, so einfach es auch war, doch von verschiedenen Menschen auch verschieden aufgefaßt wurde.

Ferner waren diese Gemeinden eben auch nicht alle in den nehmlichen Verhältnissen, teils unter sich, teils mit denen, mit welchen sie leben mußten, und so allen Versuchen ausgesetzt, denen eine kaum sich bildende Gemeinde, in was immer für einem Sinne, eben ausgesetzt sein wird.

Ihr werdet in diesen sieben Gemeinden alle möglichen Verhältnisse finden, die bei frei denkenden Menschen stattfinden müssen, als: das eifrige Anhängen an eine Glaubenskehre, sowie das teilweise Abfallen von derselben, das eifrige Auffassen, sowie das Mißverstehen derselben, das Hinund Herschwanken zwischen geistiger und weltlicher Richtung, gerade so wie ihr selbst, da ihr doch auch eine Gemeinde gleichsam bildet, es von (und unter euch) selbft erfahren könnet, wie „weder kalt noch warm“ (Kap. 3, 16), bei euch eben so anwendbar ist, als einst vor mehr als tausend Jahren, und wie auch ihr mit der euch umgebenden Welt in Streit geraten werdet, je mehr ihr Meiner Lehre anhängen wollet, und je mehr sodann euer Tun und Treiben mit dem der übrigen Welt im Gegenfatze steht.

Sy war es mit der Gründung jeder neuen Religionssekte, welche glaubte, einen bessern Weg eingeschlagen zu haben, und so ist es jetzt bei ench und wird es bei noch vielen andern sein, welche Meine Worte der Welt nutzbar machen möchten.

Etwas muß ich noch bei diesen ersten Kapiteln erwähnen, nehmlich daß gerade die Siebenzahl als geistiges Symbol erwähnt ist, da es sieben Sterne und sieben Gemeinden u. s. w. find.“)

*) so sind es denn auch 7 Siegel, 7 Posaunen, 7 Zornschalen. D. Hsg.

Nun diese Zahl „Sieben“ euch etwas näher vor euer geistiges Auge zu führen, muß Ich euch vorerst aufmerksam machen, daß ihr überhaupt alle ungeraden Zahlen einer näheren Beachtung unterziehet, damit ihr die Wichtigkeit derselben und sodann die Zahlen wie 3 oder 7 besser verstehet.

Sehet, wenn ihr die „Siebenzahl“ oder auch „Drei“ aufmerksam betrachtet, so müsset ihr bemerken, wollet ihr etwas symetrisch beurteilen, daß bei Drei die zwei (einzelnen) Glieder auf der einen wie auf der andern Seite, und bei Sieben drei auf jeder Seite zu stehen kommen:

— A* * KE 3 —

denn geistig genommen ist nur so eine Harmonie ermöglicht, wenn eine Grundbasis oder ein Mittelpunkt sich wo befindet, um den sich Alles bewegt, von ihm abhängt und auf ihn gestützt ist.

Nun, ihr habt bei Drei stets die mittlere Zahl als Mittelpunkt anzunehmen, wo die andern relativ von selbem abhängen und aus ihm hervorgegangen, oder erst durch ihn zur Deutung gekommen siud, so ebenfalls. mit den Sieben, wo Drei auf jeder Seite die aufbauenden, ergänzenden und verbindenden Faktoren des Ganzen sind.

Nehmet also, wie es heißt, Meine sieben Eigenschaften,“ so findet ihr die „Ordnung“ in der Mitte, denn ohne Ordnung kann ja nichts bestehen, und so ist dieselbe der Grundpfeiler alles Geschaffenen, wenn es erhalten werden soll, und ihr sehet, daß bei diesem, obwohl Ordnung aus Liebe, Weisheit und Wille hervorgegangen, doch die Ordnung die Basis der ersteren und die Basis der nächstfolgenden Eigenschaften sein muß, nehmlich die Basis des Ernstes, der Geduld und der Barmherzigkeit.

Nehmet die ersten drei Eigenschaften Liebe, Weisheit und Wille, so ist wieder die „Weisheit“ gleichbedeutend mit Ordnung der Grundpfeiler der ersteren, und nehmet ihr die letzteren drei, so ist Geduld die Hauptsache zwischen Ernst und Barmherzigkeit; denn wenn Ich freie Wesen Mir gleich erschaffen habe, so muß doch die Geduld vorerst da sein, damit Ich nicht im nächsten Augenblicke Mein eigenes Machwerk zerstören möge.

Was Ich euch hier von Meinen Eigenschaften vorführe, könnte Ich euch auch beweifen in dem Gesetze der sieben Farben und der sieben Töne, wo ebenfalls Farben und Töne materielle Entsprechungen Meiner geistigen Eigenschaften sind; aber es ist hier nicht der Ort dazu, sondern wir werden nun zu den nächsten Kapiteln und ihrer Explikation schreiten, denn wie die Offenbarung großartige Gemälde aller Phasen Meiner Religionslehre vorstellt, so müssen auch die Erklärungen in großen aber deutlichen Umrissen euch zeigen, wie Alles vor sich gegangen, und wie nun bald das tausendjährige Reich, oder Ende (des alten menschlich irrtümlichen, d. h. materialistischen Systems), öder Rückkehr zum ersten Anfang (spiritual. Wesen) wieder diese Harmonie herstellen soll, die einst zwischen Mir und Meinen Jüngern herrschte, und später zwischen Mir und der ganzen Menschheit hergestellt werden wird, damit nur Ein Hirte und Eine Heerde sei. Amen.

) Siehe im gcoßen Evang. Johannis Bd. 7, Kp. 17—21 und Predigt 16, 32 Liebe, Weisheit, Wille, Ordnung, Ernst, Geduld, Barmherzigkeit. D. Hsg.

Fortietzung am 19. Juti Nachmittags 1875.

Das weitere Kapitel bespricht ein Gesicht Johannis, welches ihm den Herrn und Schöpfer zeigt als Höchsten der Himmel, eben in dem Bilde, wie es die dort Lebenden gewohnt waren zu sehen, d. h. auf einem Throne sitzend, von den Aeltesten und Höchsten umgeben, welche noch mit goldenen Kronen geziert waren.

Hier sehet ihr wieder, daß, um verständlich zu sein, Ich Mich seiner d. h. des Johannes Intelligenz bedienen mußte, und so ist auch die Zahl der

Aeltesten 24, nämlich die Zahl, welche in Jerusalem die obersten Priester

hatten, wo 25 mit dem Hohenpriester den ganzen Rat repräsentierten.

Was die vier Tiere anbetrifft, und das gläserne Meer, so sind

erstens die Tiere selbst verkörperte Attribute Meines eigenen Ichs, nämlich der Löwe als Stärke oder Allmacht, das Kalb als Sinnbild der Sauftmut, der Mensch als geistige Potenz, und der Adler als Beherrscher des Universal—

Aethers. Wenn diese Tiere alle mit vielen Augen geziert waren, und ebenfalls Flügel wie die Adler hatten, so bedeutet Solches die allgemeine Herrschaft über Erde und Himmel; und das gläserne Meer stellt die Allwissenheit vor, welches damit sagen wollte: Vor dem Auge Gottes ist Alles durchsichtig, nichts eutgeht Ihm, und mit der Schnelligkeit eines Adlers durchfliegt Sein Blick das ganze Universum, mit der Kraft eines Löwen regiert Er Alles, mit der Sanftmut eines Kalbes gleicht Er alle Mißzustände aus, und mit dem Geiste gleich einem Meuschen als Seinem Ebenbild veredelt und vergeistigt Er Alles, damit selbst das Materielle seines geistigen Ursprunges eingedenk dorthin einst gelange, von wo es ausgegangen; und nachdem alle Kräfte der Schöpfung, bewußt und unbewußt, sich vor dem Allein-Herrn beugten, fielen auch „die Aeltesten“ auf ihre Kniee nieder, welche die geistig große Welt im Jenseits vorstellen sollten, um dem Schöpfer als höchstem Herrn das gebührende Lob darzubringen.

So ward dem Johannes vorerst gezeigt in bildlicher Entsprechung, was die Majestät eines Gottes ist, ehe er zu begreifen fähig war, was Derjenige eigentlich war, Welchen Er, der Herr, auf diese kleine Erde herabsteigen hieß, um die Menscheu vor dem gänzlichen Verluste ihrer geistigen Würde zu retten. —

Dieses ist der GEiugang zu dem ganzen großen Gährungsprozesse,

welcher geistig auf dieser Erde angebahnt wurde, damit die einzige und reinste.

Lehre faktisch begründet werde, die es wert war, daß der Herr als menschlicher Erdensohn solches herbe Loos ertrug, um durch Seine größte Erniedrigung die höchste Potenz meuschlicher Würde den Erdbewohnern wieder neu zu übermitteln.

Was nun im Verlaufe der Zeiten sich diesem Probleme Alles entgegenstellte, wie es seinen Verlauf hatte, und was das Eudresultat von Allem sein wird, dieses schildern in entsprechenden Bildern die nächstfolgenden Kapitel, so wie es wirklich auch geschah, wo das Göttliche von Meuschen zuerst erhoben, dann erniedrigt wurde, aber endlich wieder in die Höhe gebracht, am

Ende als Geistes-Sieg über die Materie ein bleibendes Reich des Friedens

und der Ruhe bringen wird.

Das nächste Kapitel zeigt dem Johannes ein Buch von allen Seiten beschrieben, mit 7 Siegeln versperrt. Dieses bedeutet Meine einzige und wahre Lehre, welche Ich den Meuschen faßlich in zwei Geboten Allen verkündigte, und wo dieses Verkündigen durch den „Menschensohn“ als „Lamm“, Sinnbild der Unschuld und Duldung, dieses mit Meinen sieben Eigenschaften gefestete Lebensbuch „entsiegeln“ heißt, daß Er es der ganzen Schöpfung und den Erdmenschen besonders bekaunt machen sollte!

Und wie das Lamm — oder Ich als Gott-Mensch auf Erden — die 7 Siegel nach einander lösen und selbe den 7 Grund-Eigenschaften Meines eigenen Ichs entsprechen mußten, weil Mein Erlöser-Akt nicht allein dieser Erde, sondern der gauzen materiellen und geistigen Schöpfung galt, so werdet ihr anch finden, daß schon das erste Sinnbild, nämlich die 7 Hörner und 7 Augen, entsprechend dem wirklichen Ernste oder festen Willen oder Kraft bezeichnet, mit welcher Ich Meine Mission ausführte und noch ausführen werde, begleitet mit der Eigenschaft des Allsehens in Bezug auf jedes dieser göttlichen Attribute. —

Das erste Siegel stellt euch das Bild vor, wie aus dem Buche ein weißes Roß entstieg, als Sinnbild Meiner allumfassenden Liebe, gekrönt durch alle anderen Eigenschaften, und mit einem Bogen, auch die härtesten Herzen zu verwunden, damit Alles in Liebe einst sich auflöse.

Aus Liebe wurde die Welt erschaffen, aus Liebe stieg Ich zur Erde nieder, und aus Liebe soll der erste Grundstein bestehen, welcher Meine göttliche Lehre auf Erden gründen soll, und der nie zu überwinden sein wird.

Das zweite Siegel brachte ein rotes Pferd, Sinnbild der Weisheit, oder menschlich gesagt, der Verstand, die Beurteilungskraft, die kritisch alles abwägen will, sie wird die göttlich himmlische Lehre mit dem materiellen Sein vergleichen, wird dadurch die Differenzen aufdecken, welche natürlich hervortreten müssen, wo zwei Herren zu dienen unmöglich, und daher nicht Friede, sondern Streit das Resultat sein wird, wie die menschlichen Leidenschaften mit den göttlichen Prinzipien des geistigen Seelenmenschen in Konflikt kommen, woraus dann Fanatismus auf der einen, wie auf der andern Seite, Religionskriege im Aeußern und Gewissenskämpfe im Innern erzeugt werden; als notwendige Folge, wo zwei Extreme als Gegensätze sich gegenüberstehen.

Das dritte Pferd, welches heraustritt, war schwarz, und hatte eine Waage in der Hand; es war der feste und gerechte Wille, welcher sich vorgenommen, Das zu vollführen, oder den Endzweck ungestört durch alle Hindernisse zu verfolgen; der Wille ist auch entsprechend der Gerechtigkeit, welche die Taten abwiegt, und wo sodann die guten sich selbst vergelten, und die schlechten sich selbst bestrafen.

Gerechtigkeit oder Billigkeit sollte überall walten, ebenfalls in Glaubenssachen, wie im sozialen Leben; Ich als Christus lehrte die Menschen ihre eigene schon gehabte Lehre besser verstehen, lehrte ihnen die Liebe, lehrte ihnen die Weisheit, welche die Liebe in's gerechte Maß „weiset“, lehrte ihnen Toleranz oder Gerechtigkeit gegen Alles und Alle, und so sind schon diese 3 Siegel der Schlüssel, wie Meine Lehre sich ausbreiten sollte, wenn sie diesem Zweck, die Veredlung des Menschengeschlechtes zum Ziele habend, erreichen wollte. —

Das vierte Siegel) zeigt euch ein fahles Pferd, d. h. von unbestimmter Farbe, nicht kalt und nicht warm, oder bildlich, wie es dort heißt, „der Tod“; denn der Tod bezeichnet ja nicht das Aufhören, sondern nur Verwandlung, und so ist auch die Farbe des Pferdes entsprechend der Weg bei der Verwandlung durch Meine Lehre, entweder aufoder abwärts zu schreiten. Aufwärts zur höheren Vergeistigung bei der Annahme derselben, und abwärts bei Vertierung selbst der edelsten Eigenschaften, die Ich als Schöpfer in's menschliche Herz gelegt habe.

Dieses Siegel, entsprechend der Ordnung oder dem gesetzmäßigen Gange alles Geschaffenen, führt dann ganz natürlich zur Erklärung des fünften Siegels, wo die Opfer bildlich dargestellt sind, die der Lehre zu lieb durch die Leidenschaften des Menschen materiell fallen. Es ist auch nebenbei schon der Sieg angedeutet, welcher Jedem zu Teil wird, der das Materielle verachtend, dem Geistigen sein Höchstes, was er auf Erden hatte, seine eigene Natur und seinen eigenen materiellen Leib zum Opfer bringt. So ward, wie vorher die Waage der Gerechtigkeit, hier die Vergeltung und die höchsten Freuden entsprechend dargestellt, welche Denen werden, die mitten im Kampfe das Banner ihres Gottes und Seiner Lehre hoch zu tragen und zu schützen vermögen.

Das sechste Siegel zeigt euch eine gänzliche Revolution auf dem ganzen Erdballe, d. h. entsprechend — es wird der Trieb zur geistigen Lehre alle sozialen Verhältnisse verändern wollen, die eifrige Hast, das Eine zu erreichen, wird die Gegner zu eben solcher anspornen, es wird Krieg und Zerstörung im Innern und Aeußeren entstehen, Machthaber werden gegen schwache Völker, und die Völker gegen die Machthaber anstürmen, wenn ihre Rechte zu sehr geschmälert werden, und so wird die Religion der Liebe, des Friedens und der Duldung in ihrem Kampfe um ihren eigenen Bestand nnr das Entgegengesetzte hervorrufen, und diese Mächte werden einander so lange bestreiten, bis das Geistige siegen wird. Dieses sechste Siegel entspricht also dem Ernste, was nichts Anderes heißen will, als: Alles Streben dagegen ist umsonst: wo ein Gott Sein göttliches Recht geltend machen will, müssen selbst die Steine nachgeben, denn Sein ist das Recht und die Glorie in Ewigkeit, Amen! —

Und siehe, die mit dem Siegel Gezeichneten entsprechen denen, welche überwunden hatten, und welehen die Seligkeiten zu Teil wurden, wo Ich einst sagte: „Die Mein Wort glauben und darnach kun, die werden Seligkeiten im Jenseits geniezen, von denen kein menschliches Ange je gesehen, noch gehöret hat.“

Diese Seligkeiten sind schon durch den Anzug als weißes Kleid der Unschuld entsprechend angezeigt, und sie werden den Preis empfangen für alle die Leiden und Trübfale, welche sie für Mich und im Namen Meiner Religion geduldet haben. —

So wird sich das ganze Gemälde nach und nach entwickeln, worin vom ersten Liebesworte bis zu allen Religionskriegen, Verfolgungen und fanatischen Priester-Opfern die ganze Geschichte Meiner Lehre in gewissen Zeitperioden klar dargestellt wird.

) „Siegel“ bezeichnet ja „Zeichen“ und „befestigendes Zeugnis.“ D. O28.

Das Eröffnen des siebenten Siegels oder das Ende des ganzen Entwickelungsprozesses, welches in diesem Kapitel dem Johannes vorgeführt wird, und wo trotz aller Plagen und Schrecknisse doch nur die Barmherzigkeit ihr letztes Werk ausübt, ist in den sieben Posaun enrufen und den folgenden Plagen abgebildet, welche nur Reinigungsmittel sein werden, um die Menschen zum Besten zurückzuführen. Die Posaunenrufe sind ebenfalls so viele Entsprechungen von den moralisch-geistigen Verändernugen, welche in dem menschlichen Gemüte vorgehen müssen, sobald das zweischneidige Schwert des Zweifels eingreift und der Argwohn des Unglaubens seine Geisel schwiugt.

So ward bildlich das Räucherwerk (Opfer) auf dem Altare der Liebe eine Plage für die selbstsüchtige Menschheit; wie bildlich Alles verdorrte, so verschloß der Mensch im Allgemeinen allen edlen Eigenschaften sein Herz, er wollte von keiner Religion wissen, die Aufopferungen verlangt, die seinen irdischen Leidenschaften den Zaum anlegen will. —

So wie bildlich Feuer Alles zerstört, so zerstörten auch die selbstsüchtigen Leidenschaften alles Gute wieder, Verfolgungen traten an die Stelle der Toleranz in Glaubenssachen, mit Blut suchte man zu tilgen, was nur geistiger Natur, und ebendeswegen unvertilgbar war; so waren die ersten (christlichen) Zeiten noch unter den Römern, wo alle möglichen Gräuel der fanatischen Religionsgebräuche der heidnischen Priester selbigen den Stempel religiöser Weihe aufdrückten.

Was Einzelnen geschah, das wurde später auf große Massen ausgedehnt; je mehr die Gläubigen wuchsen, desto mehr die Verfolgungen gegen dieselben, je größer der Eifer für die reine Lehre, desto größer die Opfer des Märtyr-Todes. Und so gestalteten sich nach dem Verfalle des römischen Reiches die neuen Verhältnisse, wo zwei Bischöfe auf dem Throne saßen, der eine in Byzanz, der andere in Rom; selbst unter sich nie einig, unterstützten sie diese Disharmonie stets um eigenen Vorteiles willen; statt wie früher Christen verfolgungen bei den Heiden waren, wurden jetzt von den Päpsten (Christen-) Menschen in Masse verfolgt, die nicht Das glaubten, was sie für Recht hielten, oder was ihnen gerade konvenierte, für den Augenblick als Recht zu erklären.

Fortsetung am 20. Juli 1875.

Von der Zeit der Teilung des römischen Reiches, wo später aus dem Bischofe in Rom „ein Papst“ wurde, von der Zeit der Spaltung an beginnen die Religionskriege, die Zwistigkeiten der Konzilien, die Verfolgungen durch kirchliche Inquisitionen, die Knechtung der Könige durch die Päpste, und endlich die Kreuzzüge, dann die Reformations-Bemühungen, deren blutige Folgen in allen Ländern, so wie durch die Vermischung der menschlichen Rassen die Entwicklung der verschiedenen Krankheiten, wie Pest u. s. w., welche alle durch die Posaunenrufe, so wie durch die Zornschalen bildlich dargestellt, denn Jünger Johannes sich zeigten; eben so das entsprechende geistige Bild „des Weibes Kampf mit dem Drachen“, als Bild des Kampfes der menschlichen Leidenschaften und weltlichen Juteressen mit dem geistigen Fortschritt und der Liebe- Lehre, die Geburtsnöten, das einmal begonnene Werk zu Ende zu führen, so wie der heftige Streit, den das Vöse gegen Alle auspornte, die sich dem besseren Geistigen zuwandten.

Alle diese von Johannes geschauten Bilder drücken nichts Anderes aus, als den heftigen Widerstand, den erstens Meine Lehre hervorrufen mußte, und den natürlichen Fortgang, wie so zwischen Gut und Böse das Gute doch endlich siegen muß und wird.“)

Stoßet euch nicht an der Form der Bilder, sie waren der Auffassung jener Zeit und der Schreibart von damals gemäß. Anders konnte auf viele Jahrhunderte hinaus nicht auf die Menschheit eingewirkt werden, die wenig Liebe kanute, und höchstens nur der Furcht wich. Hätte Ich den ganzen Eutwickelungsprozeß bis auf heute in ench gangbarer Sprache als „Gott der Liebe“ schreiben lassen, so wären die Worte verhallt, und um den geistigen Sinn hätte sich Niemand bekümmert. —

Auch du, Mein Schreiber, warst gestern noch sehr bekümmert wegen der Auslegung der „Offenbarung Johannes“, weil Ich dir nicht Bild sür Bild erklärte, was das Eine und was das Andere im Entsprechungssinne bedeuten solle, ja, du wolltest jogar Alles liegen lassen, und diese Mitteilung nicht fortsetzen.

Siehst du, Mein Kind, hier hast du eben menschlich geurteilt, wie Viele vor dir, welche die Erklärungen auf dem nämlichen Wege suchten, aber wie die Mühe deiner Vorgänger vergebens war, so wäre es auch die deinige gewesen. —

Die „Skorpione“, die „Drachen“ mit 7 Köpfen, 10 Hörnern und goldenen Kronen bedeuten alle die vielseitige Auslegung Meiner Lehre, wie sie manchmal durch weltliche Macht unterstützt selbst die Menschen zwang, gewisse religiöse Dogmen und Zeremonien anzunehmen, woraus dann Religions-Sekten entstanden sind.

Die aus der Geschichte euch bekannte Herrschaft der Kirche, ihre Tendenzen und die Mittel, welche sie gebrauchte, um zur Macht zu gelangen, zu welcher sie sich eigentlich erhoben, und wie da Menschen in Fülle dem Fanatismus der römischen Kirche und ihrer In quisitionen gefallen sind; dieses Alles sind diese Bilder, die, wenn ihr die Geschichte der Päpste, der Könige und der Völker (mit geist. Verst.) lesen wollt, vor euren Augen gleich einem Panorama vorüberziehen würden.

Die spätere Beschreibung, wie endlich die religiöse Stimmung nach und nach wieder nachläßt, wie das Materielle den Sieg (scheinbar) davonträgt, wie Gold und Silber (nun) mehr gesucht wird als geistiger Reichtum, dieses könnt ihr in den folgenden Kapiteln lesen, wo auch wie anfangs das siegreiche Steigen des Bösen unter dem Mantel von religiösem Kultus, sodann durch die Entdeckungen der Wissenschaften das Darniedersinken des ersteren, aber auch jeder Religiosität und der Uebergang zum Materialismus gezeigt wird.“)

So ist in diesen Bildern der Fall der römischen Kirche vorausgesagt, nicht aber als wenn Ich sie verwürfe, sondern wie sie sich selbst den Untergang gegeben, und aus eigenen Werken ihren Lohn haben muß.

Die getöteten Propheten deuten auf das Märtyrtum hin in

1) Dieler letzte Kampf und Sieg des heiligen Wortes wird wohl bezeichnet mit der „Schlacht von Hermaggedon“? D. Osg.

Textgrundlage: bereitgestellte historische Ausgabe. Originalscan · PDF-Seite 81 →

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