Um bei den Menschen mit der Länge der Zeiten in den Wisseuschaften und aus ihnen hervorgehenden Künsten eine volle Reinigung zu bewirken, muß ihnen zuvor Meine Lehre gepredigt sein, und die vielen Götzen samt ihren Priestern und Tempeln müssen zerstört werden! — Ist das geschehen und Mein Evangelium, wenn auch. durch viele falsche Propheten, den Menschen gepredigt worden, dann auch werden sie sähig, sich nach und nach in den Wissenschaften und Künsten zu reinigen, und diese werden dann ein Blitz sein, der vom Aufgange bis zum Untergange alles hell beleuchtet, was da ist auf der Erde; unter dem Aufgange aber versteht man das Geistige, und unter dem Untergange alles Natur mäßige! —“
Jerneres daruber:
„Hast du das wohl verstanden?“ — Sagte Jazarus: Ja, du mir recht schätzenswerter Freund! Das habe ich nun wahrlich recht gut und klar verstanden, und kann nicht umhin, hier die eben nicht bedeutungslose Bemerkung zu machen, daß bei uns Juden in Beziehung auf eine reine Beurteilung der Erscheinnugen in der großen Natur und deren Grunderkenntnis bis jetzt noch nie etwas geschehen ist! Einzelne für sich haben vielleicht wohl so Manches entdeckt und von so mancher Erscheinung auch den Grund eingesehen, aber sie behielten das für sich, und teilten es wohl weislich Niemanden mit; denn für's Erste hatten sie dabei einen guten Verdienst, besonders unter den helleren Heiden, und für's Zweite mußten sie aus Furcht vor den Pharisäern solche Kenutnisse und Wissenschaften verborgen halten, um vou ihnen nicht auf das äußerste verfolgt zu werden. Ich aber bin da der Meinung: Eine rechte Erkenntnis und Beurteilung der tausendfach verschiedenen Erscheinungen in der Natur würde die Menschen am ehesten von allerlei Aberglauben und dessen verderblichsten Folgen abhalten, und es wäre darum für die Folge sehr wünschenswert, daß die Menschen auch in dieser Hinsicht irgend einen gründlichen Unterricht erhalten könuten! Bist Du, o Herr und Meister, damit nicht auch einverstanden?! — Sagte Ich: „Niemand mehr, denn Ich; denn ein Mensch kann die tieferen übersinnlichen Wahrheiten ja nie völlig in ihrer vollen Tiefe fassen und begreifen, so er deu Boden nicht kennt, auf dem er steht und geht, als selbst ein natürlicher Mensch! und Ich Selbst habe euch eben darum ja schon so Vieles erklärt im Gebiete der besonderen Erscheinungen in dieser Naturwelt; Ich habe euch praktisch gezeigt die Gestalt der Erde, und wie da entsteht Tag und Nacht; habe euch gezeigt die Ursache der Sonnund Mondesfinsternisse, der Sternschnuppen, und gezeigt den Mond, die Sonne, alle die Plaueten und den ganzen eudlos weiten gestirnten Himmel. Ich habe euch auch gesagt, daß ein Mensch erst dann Gott vollauf lieben kann, wenn er Ihn in seinen zahllos vielen Werken auch stets mehr und mehr und reiner und reiner erkannt hat. So Ich euch aber solches Selbst sehr anempfohlen habe, so versteht es sich ja wohl von selbst, daß ich mit deiner guten Meinung auch vollends einverstanden bin, und Moses hätte nicht ein 6. und 7. Buch von den Dingen und Erscheinungen in der Natur, und dazu voch einen prophetischen Anhang mit der alten Entsprechungslehre zwischen der Naturund Geisterwelt geschrieben, so er das zur wahren und reinen Vildung der sämtlichen Juden nicht für höchst notwendig erachtet hätte; aber unter der Zeit der Könige schon ist dieser wichtige Zweig der Vorbildung teils durch den im Wahren stets fiusterer und habsüchtiger gewordenen Teil der Priester und andern Teils auch durch die Könige selbst mehr und mehr vernachlässigt worden; und als dann schon unter den ersten Nachkommen das Reich geteilt wurde, da ging dieser Wissenszweig bald derart ganz verloren, daß ihr nun kaum mehr wisset, daß einst eine solche Wissenschast bei den Juden von Moses an bis unter Samuel sehr gepflegt worden ist! Ich habe euch darum schon gar Vieles erklärt, und ihr sehet nun auch schon gar Vieles ein, aber die Hauptsache ist und bleibt das un ablässige Bestreben nach der vollen Wiedergeburt des Geistes in die Seele; denn durch sie ganz allein erst wird der Mensch in alle Wahrheit und Weisheit gehoben, und hat dann ein vollkommenes zusammenhängendes Licht vom Irdischen bis in's rein geistig Him mlische, und mit dem Lichte auch das ewige Leben, was dann endlos mehr ist, als alle Wisfenschaften in allen Dingen der Natur! Was nützete es aber einen Menschen, der auch alle die Dinge und Erscheinungen in der ganzen Naturwelt allerwahrst und genaust vom Größten bis zum Kleinsten erkennete und scharf zu beurteilen im Stande wäre, wäre aber dabei von der Wiedergeburt des Geistes in die Seele deunoch also ferne, wie diese Erde vom Himmel; würden ihm die vielen Wissenschaften wohl das ewige Leben verschaffen können!? Urteile nun, und sage mir dann deine Meinung!“ — Sagte Jazarus: „O Herr und Meister! dann wäre es besser, so der Mensch nie zur Welt geboren worden wäre! Denn ein sich selbst wohlbewußtes Leben, das denken, schließen und so Vieles begreifen und zu Stande bringen kann, und dem, o Herr, Deine Werke oft gar so wunderbar wohl gefallen und es beseligen, wäre ohne einer bestimmten Aussicht auf ein ewiges und vollendetes Fortbestehen nach meiner Ansicht viel tausend Male elender, als das nackte des allerelendesten Wurmes in einer der allerunreinsten und gestankvollsten Pfützen der gauzen Erde, und der einen Menschen zu einer helleren Deukungsweise von der Wiege an heran erzöge, würde an der Menschheit das allergrößte Verbrechen begehen; denn der würde den Meuschen doppelt und noch mehrfach auf die qualvollste Art töten! Denn dadurch würde er aus einem Meuschen ja offenbar die allerelendeste Kreatur zeihen! Das Tier lebt freilich auch, aber es ist seiner selbst sicher nur höchst stumpf bewußt, kann nicht denken, kennt nicht den Tod, weiß nicht zu schätzen des Lebens Wert, und kann darum auch keine Furcht vor dem Tode haben, und ist darum glücklich; aber da sehe man sich den Menschen au, der des Lebens unschätzbaren Wert nur zu gut kennt; so er das inne würde, daß mit des Lebens Tode Alles rein aus und gar werde, der müßte ja gar bald in alle Verzweiflung übergehen, sein Dasein viele tausend Male verwünschen und verfluchen, und der größte Wohltäter der Menschheit wäre daun der, welcher die Macht und Kraft besäße, die gesamte Menschenkreatur auf der ganzen Erde und auch sich selbst zu töten, und somit gänzlich auszurotten, oder er müßte die Kunst besitzen, alle Menschen in den tiessten seiner selbst nicht mehr bewußten Blödsinn zu verfetzen, was am Ende dasselbe wäre, als so er sie Alle getötet hätte. — Wenn ferner der Mensch keine Aussicht, ja nicht einmal irgend eine gegründete Hoffnung auf ein ewiges Leben hätte, so müßte er erstens Gott Selbst, so er an einen glaubete, sein Leben lang, statt loben und preisen, nur verwünschen; Moses und alle Propheten müßte er als die größten Meuschenfeinde verfluchen, und der größte Narr wäre der, welcher auch nur ein Jota des Gesetzes beobachtete! — Aus dem aber gehet doch klar hervor, daß das Bestreben des Menschen, wenn er einmal die Wege kennt, nach der Wiedergeburt seines Geistes in seine Seele das allererste und allerhöchste Bedürfnis sei! Denn ohne dieses hört er auch bei aller seiner noch so klaren Wissenschaft vollends auf ein Mensch zu sein! er ist da weiter nichts als ein wohl verständiges, viel wissendes und dabei ein desto elenderes Tier in Menschengestalt! — — Herr und Meister! — habe ich da Recht oder nicht? — Sagte Ich: „Ganz sicher; und siehe! dennoch gibt es nun eine Unzahl Menscheu auf der Erde, die erstens an gar keinen Gott und Schöpfer glauben, und also auch nicht im geringsten an ein ewiges Leben der Seele; sonderu sie leben ganz gut und vergnügt fort, jauchzen und jubeln, sind dabei noch voll Hochmutes und voll Habgier, lassen Andere für sich arbeiten, und wer sie an ein ewiges Leben der Seele nach dem Tode des Leibes erinnern würde, den würden sie verlachen und verspotten, und zu ihm sagen: Du Narr! wann du einmal gestorben sein wirst, dann komme und lehre uns, und wir werden dir glauben; aber fo lauge du noch selbst samt uns auf den Tod wartest, glauben wir deinen Phautasieworten nicht! Was würdest du dann zu einer solchen Gegenrede sagen?“ Sagt Fazarus: „Herr, da ließe sich freilich wenig, oder für mich eigentlich schon auch gar nichts entgegen sagen! Denn Menschen, die einmal schon zu tief im Tode der Materie stecken, sind kaum mehr vollends zum wahren Glauben, und noch weuiger zum Leben im Geiste zu belehren! Darum meine ich nun, daß Du uns lieber so ein wenig die geistige Bedeutung dieser nun noch wohl sichtbaren drei Sounen erklären möchtest?!“ —
Sagte Ich: „Das werde Ich nun schon auch tun; aber Ich mußte dir denn doch zuvor noch zeigen, daß die Menschen ohne die geringste Aussicht auf ein ewiges Leben, auch mit dem bloßzeitlichen Leben recht sehr zufrieden sind, und solcher Menschen mit der bestimmten Aussicht auf ein ewiges Leben, wie du nun unter Meinen Jüngern auch einer bist, gibt es in; der Zeit noch gar wenige, und es wird auch deren niemals gar viele auf diefer Erde geben.“
„Daß sich aber diese Sache also verhält und leider auch in der späten Zukunft sich also verhalten wird, das zeigt eben diese heutige Erschei- nung der drei Sonnen an. Du und ihr Alle wisset es, daß am Firmamente nur Eine Sonne leuchtet, und ihr sehet nun aber drei?!“
„Also wisset ihr auch, daß es nur Einen wahren Gott und Schöpfer gibt, und dennoch werden durch allerlei falsche Vorspiegelungen in der Folge die dummen Menschen aus dem Einen wahren Gott drei Götter machen!“
„Dann wird das Lebenslicht schwächer werden unter den Menschen auf Erden und die Liebe zu Gott und dem Nächsten wird erkalten; dann werden die wenigen noch Reingläubigen in eine große Furcht gleich diesen kleinen Vögelein geraten, und die Könige der Erde werden gleich werden den gewaltigen Raubtieren und mit einander beständig einen mörderischen Krieg führen, und die zu den drei Göttern
beten, werden nicht erhört werden!“
(Der Antichrist.) „Die erste Neben sonne, die mehr nordwärts
(die griech.-K. 2) nahe zugleich mit der rechten Sonne aufging, die
durch die Entsprechung Mich Selbst vorstellt, bezeichnete den Gegenpropheten oder den Gegengesalbten (od. Antichristen), der aufstehen und sagen wird: Sehet! ich bin der wahrhaft Gesalbte Gottes, mich höret! wollet ihr selig werden! Ich aber sage es euch, daß sich von euch
Niemand verleiten lasse; denn dieser wird sein ein Sendling der
Hölle, wird durch seine Trugkünste tun allerlei wunderliche Zeichen,
und wird schueiden ein gar frommes Gesicht, und beten und opfern.
Aber sein Herz wird sein voll des bittersten Hasses gegen alle
Wahrheit, die er verfolgen wird mit Feuer und Schwert; und er
wird verfluch en Alle, die sich nicht nach seiner Lehre verhalten;
dieser wird auch aushecken die drei Götter, und sie aubeten lassen,
Ich werde als ein „Erlöfer der Welt“ wohl auch darunter sein, aber
geteilt in drei Personen. — Man wird wohl einen Gott im
Munde führen; aber dabei dennoch drei der Person en anbeten,
von denen eine jede für sich auch ein vollkommener Gott sein
soll und wird müssen eigens angebetet werden. Aber nicht lange darauf wird sich eine zweite Nebensonne, oder ein zweiter Gegengesalbter erheben, der den ersten in allem verdunkeln wird; dieser wird noch um zehn Male ärger sein, denn der erste; denn der erste wird doch noch Meinem Worte nicht gar zu hinderlich in den Weg treten,
aber der südliche (Rom?) wird Mein Wort und Meine Lehre im
ganzen förmlich verbieten, und wird aus derselben nur das nehmen,
was gerade in seinen argen Kram taugen wird. — Er wird
Mein Zeichen wohl an allen Straßenecken aufrichten und verehren lassen; aber neben dem werden noch viele tausend andere prangen, und
zumeist solche, an denen er ein Wohlgefallen hat! „In jener Zeit wird Hochmut, Zwietracht und gegenseitiger
Haß den höchsten Grad erreichen; da wird ein Volk wider das andere ziehen, ein Krieg wird dem andern folgen, und es werden kommen große Erdbeben, Mißjahre, Teuerung, Hungersnot und Pest.
Da werde Ich aber dem Gegengesalbten seine Wurzeln verderben, daß er dann welken wird, wie ein Baum, dem man alle Wurzeln abgehauen hat! — Da wird fein viel Fluchens, Jammerns, Heulens und Klagens, und es wird den bösen und nichtigen Nebensonnen ergehen, obschon sich beide von Mir werden ihren falschen Glauz erborgen, wie es nun vor euren eigenen Augen ergeht; sehet! sie werden trüber und trüber, die Sonnengestalt geht in einen schwach schimmernden Dunst über, dafür aber tritt desto herrlicher, gläuzender und erwärmender die Eine wahre Sonne hervor. — Nun sehet ihr auch die Vögelein aus ihren Verstecken hervorgehen und voll Munterkeit begrüßen die eine wahre Sonne mit ihrem Gesange, und die großen Raubvögel verlieren sich und eilen ihren finsteren Wäldern zu!
Und also wird es denn auch geschehen in jenen Zeiten. Alles, was da hoch sein wird, wird erniedrigt werden; die Spitzen der Berge werden müssen zu einem ebenen und fruchtbaren Lande werden! Da wird man nicht fragen und sagen: Wer ist der König über dieses Land, sondern wer ist der erste und größte Wohltäter dieses glücklichen Volkes?! Lasset uns hinziehen zu ihm, auf daß auch wir kennen lernen seine Weisheit nach der Ordnung Gottes! — Wenn diese glückliche Zeit kommen wird, da werden Wölfe, Bären, Lämmer und Hasen friedlich mit einander trinken aus einer Quelle. Habt ihr das Alles nun wohl verstanden?“
Sagte hier unser Nillodemus: „Verstanden hätten wir das nun wohl so ziemlich; aber gerade angenehm klang diese Weissagung nicht, und man möchte hier immer noch fragen und sagen: Aber Herr! muß denn das Alles also geschehen, bis endlich doch einmal Dein Wahrheitslicht ganz frei und ungehindert wird über die ganze Erde leuchten dürfen? — Wir haben nun Dein reinstes Wort und Licht empfangen, und werden es auch also weiter verbreiten und dessen seligste Folgen werden es den Menschen ja doch zeigen, daß das von uns gepredigte Wort das allein wahre und echte ist! Und ich sehe da dann doch nicht ein, wer es da dann noch wagen könnte, dagegen mit einer falschen Lehre aufzutreten?!“
Sagte Ich: „Leichter ist gut reden, als gut handeln, und in dem Handeln liegt der Same des Unkrautes, der auch unversehens mit der Aussaat des reinen Waizeus in das Erdreich des Menschenherzens beim Säen ausgestreut wird; der wird Wurzeln fassen und dann gewaltig fortwuchern also unter dem reinen Weizen und diesen vielfach ersticken und zu Grunde richten! Darum sollt auch ihr nicht nur pur Hörer, sondern vielmehr Täter Meines Wortes sein! Aber auch ihr werdet euch im Handeln der großen und mächtigen Welt wegen zurückhalten, ja ihr selbst werdet Mich wohl im Verborgenen still in euch bekennen, werdet euch aber kaum getrauen aus Furcht vor der Welt in Meinem Namen zu reden, und noch weniger zu handeln; denn es könnte die Welt das merken und euch dann ziehen zur Verantwortung, dieweil sie merkte, daß auch ihr euch nach Mir gerichtet habt, da eure Handlungen solches bezeugten! Und sehet, da wird es dann wahrlich nicht auf die Frage ankommen, warum solches Alles, was Ich euch nun geweissagt habe, wird geschehen müssen, bis in den spätesten Zeiten erst die Wahrheit völlig frei werde und gesegnet die Völker? sondern auf
euch allein wird es da ankommen, ob ihr die Welt mehr
oder weniger fürchten werdet, denn Mich?! Durch eure
Furcht vor der Welt wird der böse Same mit dem Waizen ausgesäet
werden, und daraus werden die beiden Nebenfonnen hervorgehen; und Ich habe auch eben aus dem Grunde nun dieses also entstehen lassen, und auch darum diese Weissagung gemacht, auf daß ihr euch dann erinnern möget noch hier oder auch daun Jeuseits, wenn es also kommen werde, daß Ich euch das Alles schon zum Voraus angezeigt habe! Darum aber sage Ich nun noch einmal, was Ich schon gesagt, habe: Fürchtet die nicht, die wohl euren Leib töten, aber weiter der Seele keinen Schaden zufügen können, sondern so ihr schon Wen fürchtet, da fürchtet viel mehr Den, in Dessen Macht auch das Leben oder der Tod eurer Seelen ruhet!
„Es werden zwar Viele aus euch wohl den rechten Mut an den Tag legen, aber Alle nicht, und selbst aus euch werden sich Mehrere an Mir ärgern. Es wird der Hirt gebunden und geschlagen werden, und die Schafe werden sich zerstreuen, und es wird über sie kommen eine große Furcht, Traurigkeit und Bangigkeit. Aber Ich werde sie dann wieder aufsuchen, versammeln und ihnen geben Mut und Kraft gegen die Feinde des Lichtes aus den Himmeln. Doch nun nichts Weiteres mehr von dem; denn Ich habe euch das nun nur darum gezeigt, daß ihr euch zur rechten Zeit daran erinnern und recht handeln möget, auf daß es bei euch nicht auch heiße nach einem alten Spruche: Aus den Augen, aus dem Sinne!“
(Sechstes und Siebentes Buch Mose.) ö Weiteres darüber
Als die Jünger Meine Rede vernommen hatten, und natürlich auch der Wirt und der geheilte Knecht, der Pharisäer und der Schriftgelehrte, da sagte der Letztere: „Ich habe aus dieser Deiner Rede, Herr und Meister, entnommen, daß Du Deinen Jüngern nicht nur das große Geheimnis vom Reiche Gottes auf Erden enthüllt hast, sondern auch das Naturreich dieser Erde, des Mondes, der Sonne und der Sterne, und gabst mir da einen neuen Beweis, daß eben Du in Deinem Geiste der Schöpfer von all' dem fein mußt, ansonsten Du diese endlos vielen und wundervollen
Dinge Deinen Jüngern nicht hättest erklären und ihnen sogar beschaulich machen können. — Da Du aber Deinen Jüngern Das tun mochtest, die doch auch nur Juden und Menschen sind, möchtest Du denn nicht auch uns in aller Kürze diese wunderbaren Dinge in der Art nur ein wenig beleuchten, daß auch wir einen hellern Begriff überkommen, was wir von dem Monde, der Sonne und von all' den Sternen, Finsteruissen und auch von den vielen Flugsternen halten und glauben sollen? Denn in diesen Stücken sind wir nicht um ein Haar besser daran, als die Heiden.“
Sagte Ich: „Warum habt ihr denn das sechste und siebente
Buch Mosis verworfen und als unächt erklärt, und Den
sogar mit starken Strafen bedroht, der es zu lesen sich unterfinge?
Sieh', in den zwei Büchern hatte Moses die gesamte Naturschöpfung beschrieben mit klaren Worten! ꝛc. (und in dem profet.
Anhange gezeigt den Verlauf seiner Lehre, Meiner Menschwerdung
und Meiner Lehre ꝛc.)“ — Auf die wiederholte Bitte des Schriftgelehrten beschrieb ich den Vieren in möglichster Kürze die Dinge also, daß sie das wohl verstehen konnten, was Ich erklärt habe.
Nach dieser Erklärung, die gut bei einer Stunde lang gedauert hatte, fragte Mich der Schriftgelehrte, ob von Dem auch die Altväter schon irgend eine Kunde gehabt hätten? — Sagte Ich: „Allerdings, und das namentlich die Urbewohner Egyptens; wie aber mit der Zeit die Menschen sich stets mehr und durch allerlei Sünden von dem Einen ewig allein wahren Gotte entfernten und in das blinde Heidentum übergingen und sich verfinsterten, so ging auch solche Kunde zu Grunde, und an ihre Stelle trat eine leere und mit allen Irrtümern erfüllte dichterische Faselei und Phantasterei. So verlor sich die Erdund Sternenkunde; nur bei einigen gar wenigen Weisen irgend in einem verborgenen Winkel der Erde erhielt sie sich noch. Aber Diese achteten es nicht vor den ganz verfinsterten Menschen damit an das Tageslicht zu treten. Und so ist diese Kunde so gut wie gänzlich zu Nichte geworden. Aber in den künftigen Zeiten werden die Menschen schon wieder, und das heller noch denn in der Urzeit, darauf kommen, und Alles berechnen; und das wird zu dem Blitze gehören, der vom Aufgange bis zum Niedergange leuchtet.“
Sagte der Schriftgelehrte: „Von Wem hatte denn Moses und Aaron solche Kunde?“ — Sagte Ich: „Vom Geiste Gottes; obschon er als ein angenommener Sohn des Pharao in die egyptischen Mysterien eingeweiht war, und auch von der alten Sternenwissenschaft und Erdkunde so Manches kennen gelernt hatte, so war aber das dennoch kaum ein trüber Wassertropfen gegen das ganze Meer seiner nachmaligen Erkenntnis, die ihm als dem erwählten Führer des israelitischen Volkes gegeben worden ist vom Geiste Gottes, und ward dadurch erst ein wahrer Gelehrter aus Gott.“
Sagte abermals der Schriftgelehrte: Herr und Meister! Josua als auch ein von Gott erwählter Führer des Ifraelitischen Volkes ins gelobte Land muß von all' dem doch auch die genaueste Kunde gehabt haben, was Moses beschrieben hatte; wie konnte er denn zur Sonne von Jericho sagen: Sonne, stehe still, bis ich alle die Feinde geschlagen! und die Sonne soll seinem Befehle gehorcht haben? — re.
Sagte Ich: Josua hat wohl also gesprochen, aber nicht zur naturmäßigen Sonne, sondern zur Sonne des Geistes, die da bestand in der Lehre Mosis aus Gott; diese fing beim Anblick der großen Uebermacht des Feindes im Glauben und Vertrauen des Volkes stark an zu sinken, — Josua hatte denn mit seinem kräftigen Ausrufe nichts Anderes zum verzagten und schon über Hals und Kopf murrenden Volke sagen wollen, als: Glaubet und vertrauet doch so lauge, bis ihr in Kürze den mächtig scheinenden Feind vor euch werdet vollends geschlagen erblicken, dann möget ihr mit mir das Land, wo Milch und Honig fließt, einnehmen oder wieder in die Wüste zurückkehren! N
Dadurch faßte das Volk wieder Mut im vollen Glauben und Vertrauen auf Gott, Der da ist, war und sein wird die wahre Soune der Seele und ihres Geistes im Himmel und auf Erden. Und siehe, diese von Josua angeredete Sonne blieb im Glauben und Vertrauen des Volkes stehen, erleuchtete es und gab ihm Mut, Klugheit und Kraft und der Feind wurde gänzlich vernichtet bis auf die Hure Rahab, welche den Abgesandten Barmherzigkeit erwies. Hast du das unn verstanden?
Sagt der Schriftgelehrte: Ja, Herr und Meister, das haben wir nun Alle wohl also verstanden, daß wir es nun einsehen, daß Josua mit seinem großartigsten Ausrufe unmöglich einen andern Sinn hat verbinden können; aber warum verstanden Das wir ehedem nicht?
Sagte Ich: Weil von euch schon vor der babylonischen Gefangenschaft die alte, innere Entsprechungswissenschaft gänzlich gewichen ist, denn diese Wissenschaft ist nur jenen Menschen zugänglich und eigen, die im wahren Glauben und Vertrauen an den Einen wahren Gott niemals wankend und schwach geworden sind, Ihn allzeit als den Vater über Alles liebten und ihre Nächsten wie sich selbst; und das, weil die besagte Wissenschaft ja ist die innere Schrift und Sprache der Seele und (innerste) des Gei— stes in der Seele.
Wer diese Sprache verloren hat, der verstehet die Schrift unmöglich, und ihre Sprache kommt ihm in seinem toten Weltlichte wie eine Torheit vor; denn die Lebensverhältnisse des Geistes und der Seele sind ganz anderer Art, als die des Leibes; so ist denn auch das geistige Hören, Sehen, Fühlen, Denken, Reden und die Schrift ganz anders beschaffen, als hier unter den Menschen in der Naturwelt, und darum kann das, was ein Geist tut
Nr. 21. Wiedertunst Christi. 6 und spricht, nur auf dem Wege der alten Entsprechungswissenschaft dem Naturmenschen begreiflich gemacht werden. Haben die Menschen diese Wissenschaft durch ihre eigene Schuld verloren, so haben sie sich selbst außer dem Verkehr mit den Geistern aller Regionen und aller Himmel gestellt und können darum das Geistige in der Schrift nicht mehr fassen und begreifen.“) Sie lesen die geschriebenen Worte nach dem blind eingelernten Laute des toten Buchstabens, und können nicht einmal Das begreifen und Dessen inne werden, daß der Buchstabe tot ist und Niemanden beleben kann, sondern daß nur der innerlich verborgene Sinn es ist, der als selbst Leben Alles lebendig macht. Wenn ihr nun das begreifet, so trachtet denn auch vor Allem nach der Wiedergeburt im Geiste, damit das Reich Gottes in euch lebendig und vollauf tätig werde, so werdet ihr auch wieder in die besagte Wissenschaft der Entsprechungen zwischen Materie und Geist gelangen, ohne welche ihr weder Moses noch irgend einen Propheten je in der Tiefe der lebendigen Wahrheit verstehen könnet und dadurch in euch selbst bemüßigt seid, in Unglauben, allerlei Zweifel und Sünden zu verfallen, statt den vielen Gefahren, die auf euch lauern und euch zu verschlingen drohen, zu entgehen.
Schließlich klarste Eröffnung. un. anus 4-341 —
Sagte der Schriftgelehrte: O Herr und Meister! — Deine Weisheit ist unermeßlich, und wir Menschen sind Dir gegenüber blind wie ein Stein! — Jeßzt erst sehe ich ganz klar ein, worin der Grund des gänzlichen Verfalles im Glauben und Vertrauen auf Gott liegt, und ich sehe es auch ein, daß es in der Zukunft mit dieser Deiner Lichtund Lebenslehre genau also gehen wird, wie es nun mit der Lehre Mosis und der Propheten geht, und daß Du im Ernste wieder auf dieser Erde zu den Menschen zu kommen durch Deine Liebe und Erbarmung wirst genötigt werden; es fragt sich nun nur, ob Du wieder also, wie dies Mal oder vielleicht auf eine andere nur Dir allein bekannte Weise wiederkommen wirst? Möchtest Du uns Das nicht näher andeuten?
Sagte Ich: Ich habe es euch ja ohnehin schon klar zur Genüge gezeigt, wie und auf welche Weise Ich wieder auf diese Erde zu den Menschen kommen werde; wie magst du Mich um Dasselbe wieder fragen?
Sagte der Schristgelehrte: Wahr ist es, Herr und Meister, daß Du uns Solches schon gesagt hast. Wäre ich unn schon im Besitze der Entsprechungswissenschaft, so hätte ich Deiner Rede Sinn auch ganz verstanden; aber ich bin noch ganz außerhalb dieser Wissenschaft, und es ist mir darum nicht Alles klar, was Du über Deine Wiederkunft geredet hast. Siehe! es handelt sich nun bei dieser Frage hauptsächlich nur darum, ob Du wieder als ein Mensch mit Fleisch und Blut wie jetzt, geboren von irgend einem reinen Weibe, oder ungeboren, mehr als Geist und doch auch sichtbarer Mensch, wiederkommen wirst, und wo und unter welchem Volke?! Es ist das vor Deiner unergründlichen Weisheit wohl sicher eine sehr vernunftlose Frage von mir, aber ich bin ja nur erst seit ein paar Stunden ein bekehrter
*) Siehe Nr. 25 dieser Schriften über „Geisterkorrespondenz“ u. s. w. D. Osg.
Mensch, und es ist mir darum nicht zu verargen, wenn ich Dir noch mit allerlei unvernünftigen Fragen zur Last falle!“
Sagte Ich: „Gerade unvernünftig sind deine Fragen nicht, und du hast das volle Recht, darnach zu fragen, was Dir unbekannt ist, und Mir steht offenbar das Recht zu, dir zu antworten so und so, wie Ich es für die Andern zweckdienlich finde. Weil du aber mi schon gefragt hast, so will Ich dir denn auch antworten, und so höre denn:
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