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Warum Gott den freien Willen gab

Die Haushaltung Gottes – Band 2 / 259. Kapitel — Des Herrn Rede über die verschiedenen Gottesbegriffe der Menschen

[HGt.02_259,09] Also bin Ich alles in allem! Wie eines Menschen Herz beschaffen ist, also bin auch Ich beschaffen für ihn; und Ich will ewig nicht anders für den Menschen Mich gestalten, als wie er Mich selbst gestaltet hat in sich!

[HGt.02_259,10] Denn es hat niemand eine Kraft, noch eine Macht des Lebens in sich als die nur, die Ich ihm verliehen habe; aber auf daß der Mensch selbständig sei, gab Ich ihm aus Mir auch einen völlig freien Willen und machte alle die ihm verliehenen Lebenskräfte untertan diesem freien Willen, der da von Meinem göttlichen Grundwillen ganz gleich einem zweiten Gotte an und für sich völlig getrennt ist. Wie aber der Wille frei ist, also ist es auch seine Liebe und dann all seine Erkenntnis.

[HGt.02_259,11] Warum aber habe Ich denn den Menschen also eingerichtet? – Weil Ich ihn Mir zu einem vollkommenen Ebenmaße setzte und er sich dann Mir gegenüber vollständig selbst bilden sollte, das heißt: der Mensch soll Mich in sich bilden dann nach seinem Maße, wie Ich ihn zuvor gebildet habe nach Meinem Maße.

[HGt.02_259,12] Also bildet Mich auch der Mensch in sich nach seinem Maße, verzerrt aber Mein ihm zuvor gegebenes Grundmaß oft so sehr, daß diese neue Bildung im Menschen nicht die allerleiseste Ähnlichkeit mit Meinem Grundmaße mehr hat!

[HGt.02_259,13] So bildet der eine Mich, als allzeit die ewige Liebe, zu einem Richter, ein anderer zu einem Rachegott, ein dritter zu einer Buhldirne, ein vierter zu einem alleinig Weisen, ein fünfter zu einer unerbittlichen ewigen Allmacht, ein sechster zu einem Fatum, ein siebenter zu einem Weltenlenker, ein achter zu einem unmäßig erhabenst großen Könige und Herrn Himmels und der Erde, ein neunter zu einem Zornfeuer, ein zehnter zu einer ewig unendlichen Kraft, ein elfter versenkt Mich gar in die Materie – und ein zwölfter gar in seinen Bauch!

[HGt.02_259,14] Und so bildet Mich der eine bald in dies und der andere bald in jenes; aber nur wenige geben sich die Mühe und bilden in ihren Herzen Mich als den heiligen und ewig und allzeit liebevollsten Vater aus.

[HGt.02_259,15] Nun höret, Meine Kindlein! Da der Mensch aber nicht ewig auf der Erde leben kann und darf, sondern diese Scheinunterlage wieder verlassen muß, so wird sich dann in und an seinem Geiste alsbald zeigen, wie er Mich in sich bei diesen seinen Erdenlebenszeiten ausgebildet hat.

[HGt.02_259,16] Zum Vater werden dann nur jene kommen, die Ihn wohlausgebildet in ihren Herzen mitbringen werden, und diese auch werden nur imstande sein, das wahre Urangesicht des ewigen Vaters zu erschauen.

[HGt.02_259,17] Wie aber ein jeder andere Mich in sich verbildet hat nach seinem Behagen, also auch soll er Mich haben fürder, und es soll die Liebe die Liebe, die Erbarmung die Erbarmung, die Weisheit die Weisheit, der Zorn den Zorn, der Richter den Richter, das Gericht das Gericht, der Tod den Tod, das Feuer das Feuer, die Hölle die Hölle und so weiter getreu finden!

Die Haushaltung Gottes – Band 2 / 132. Kapitel — Die Vergänglichkeit der Dinge — ein Irrtum

[HGt.02_132,14] Sind denn nicht alle Dinge nichts anderes als allein nur Meine durch die Liebe festgehaltenen Gedanken.

[HGt.02_132,15] Und die Geister aber freigestellte Ideen Meiner Liebe, darum sie alle haben einen freien Willen und ein freies für sich selbst abgeschlossenes Leben?!

[HGt.02_132,16] Wenn Ich nun einen festgehaltenen Gedanken von Mir wieder freilasse, sage: ist er darum denn wirklich vergangen, wenn Ich ihn von den festhaltenden Banden der Liebe befreit habe und er nun wieder aufsteigt in den großen Kreis Meiner Geister, welche da gleich geformten Feuerflammen alle Unendlichkeit erfüllen?!

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