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V. Liebe und Weisheit – Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten

Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten

Am Originalscan abgeglichen: Der Lesetext dieser Seite wurde Wort für Wort mit der bereitgestellten dritten Auflage von 1932 verglichen und korrigiert. Historische Schreibweisen und Quellenangaben wurden beibehalten; Zeilentrennungen wurden aufgelöst.

Darin liegt die höchste Weisheit,

daß ihr weise werdet durch die lebendige Liebe. Alles Wissen ohne die Liebe ist nichts nütze! Darum bekümmert euch nicht so sehr um ein vieles Wissen, sondern daß ihr viel liebet, so wird euch die Liebe geben, was euch kein Wissen je geben kann! (Ev 4, Kap. 1, 9)

Ich bin der Weg,

die Wahrheit und das Leben. Wer Mich wahrhaft liebend in seine Seele aufgenommen hat, aber nicht nur gläubig bloß, dem vernommenen Worte nach, sondern vollkommen der Tat nach — zu dem werde Ich allezeit im Geiste kommen und Mich ihm offenbaren und werde ihn erleuchten wie eine hell aufgehende Sonne die finsteren Gefilde der Erde. — Mit einem inneren, geistigen Blicke wird er mehr vom tiefsten Grunde aus kennenlernen als durchs Lesen und bloße Studieren in tausend Jahren. (Ev 5, Kap. 124, 7)

Liebe ist die Wurzel aller Weisheit,

daher liebet, wollt ihr wahrhaft weise werden! So ihr aber liebet, da liebet der Liebe und nie der Weisheit wegen, so werdet ihr wahrhaft weise sein! (H 1, Kap. 90, 13)

Wer die Liebe hat,

das heißt, die reine Liebe zu Gott und aus dieser Liebe heraus zu allen seinen Brüdern, der hat alles, ja er hat das ewige Leben und alle anschaulich klare, heilige Weisheit, nicht eine finstere Gedankenweisheit der Welt, die zu garnichts taugt, als allein den lebendigen Menschen nach und nach zum Tode zu reifen. (H 1, Kap. 174, 10)

Licht durch Tätigkeit.

Wer durch Befolgen des Wortes Gottes seine Seele stets in eine größere Tätigkeit versetzt, in dessen Seele wird es stets heller und lebenswärmer; sie erkennt sich und die in sie einfließende göttliche Kraft immer heller und reiner. Damit erkennt sie Gott und muß Ihn auch stets mehr lieben, wird mit der Ordnung des Geistes Gottes in ihr stets einiger und wird schließlich vom Geiste Gottes ganz durchdrungen und ein Kind Gottes. (Ev 5, Kap. 123, 1 ff.)

Vom Gottsuchen.

So du zu Ihm, deinem Gott und Vater in Jesu gehst, da gehe in der Liebe deines Herzens zu Ihm und nicht mit dem bloßen Verstande! Denn nur durch die Liebe kannst und wirst du Ihn gewinnen und Ihn in Seiner Göttlichkeit auch begreifen; mit dem Verstande aber wirst du ewig nichts ausrichten! Denn nur die reine Liebe ist einer ewigen, endlosen, dem Wesen Gottes entsprechenden Steigerung fähig, während dem Verstande enge Grenzen gesetzt sind, über die er nicht zu klettern vermag. (Ev 4, Kap. 77, 9)

Kopfverstand und Herzenslicht.

Siehe, ein jeder Mensch hat ein doppeltes Erkenntnisvermögen: ein äußeres, das da ist der Kopf- oder eigentliche äußere Seelenverstand. Mit diesem Erkenntnisvermögen läßt sich das göttliche Wesen nie erfassen und begreifen, weil es der Seele gerade nur darum gegeben ward, um das Aeußere der Welt zu erkennen. — Aber die Seele hat noch ein anderes Vermögen, das da nicht in ihrem Kopfe, sondern in ihrem Herzen Wohnung hat. Dieses Vermögen heißt inneres Gemüt. Hat dieses einmal den Begriff vom Dasein Gottes in sich aufgenommen, so wird dieser Begriff sogleich von der Liebe umfaßt und durch ihren Willen festgehalten — welches Festhalten dann ‚glauben‘ heißt. — Durch diesen Glauben, der lebendig ist, wird der wahre, göttliche Geist im Menschen erweckt. Und der beschaut seinen Wecker, erkennt und ergreift ihn dann auch sogleich, richtet sich auf wie ein mächtiges Licht aus Gott und durchdringt die Seele und umwandelt in ihr alles ins Licht. Und dieses Licht ist dann der eigentliche Glaube, durch den jede Seele selig werden kann. (RBl 1, Kap. 35, 2 ff.)

Gott ist die Liebe

und kann darum auch nur durch die Liebe gefunden werden. Aber die Mich suchen mit ihrem hochmütigen Verstande, die werden Mich nicht finden in Ewigkeit. — Mit den Ohren kann man nicht sehen und mit den Augen nicht hören. Jeder Sinn hat seine eigentümliche Einrichtung und ist daher für eine gewisse Verrichtung bestimmt. Ebenso hat das Herz des Menschen, das mit Gott zunächst verwandt ist, allein die Bestimmung, Gott zu suchen und auch zu finden und dann aus dem gefundenen Gott zu nehmen ein neues, unverwüstliches Leben. — Der rechte und lebendige Sinn des Herzens aber ist die Liebe. Wer demnach diesen innersten Lebenssinn recht erweckt und mit ihm Gott zu suchen beginnt, der muß Gott auch ebenso bestimmt und beschaulich finden, wie jeder Mensch, so er nicht völlig blind ist, mit seinem Auge die Sonne alsogleich finden und ihre Lichtgestalt schauen wird. (Ev 3, Kap. 110, 11 ff.)

Viel Wissen — viel Liebe.

Siehe, viel Wissen macht den Kopf schwer und das Erdenleben unbehaglich. Aber viel Liebe im Herzen zu Gott und deinen Brüdern macht das Erdenleben angenehm und benimmt alle Furcht vor dem Tode; denn diese Liebe ist ja in sich das ewige Leben. Wer aber das hat, der wird dereinst auch zu schauen bekommen alle Schöpfung. Denn die wahren Liebhaber Gottes werden erschauen Sein Angesicht. (Jug Kap. 174, 13 ff.)

Textgrundlage: bereitgestellte historische Ausgabe. Originalscan · PDF-Seite 30 →

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