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II. Gottesliebe – Leseteil 2 – Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten

Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten

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Die rechte Liebe.

Ich setze den Fall, ein Vater sehr vornehmen Standes, etwa ein Fürst, hätte mehrere Kinder. Diese Kinder wissen die Ordnung, wie sie sich zu ihrem Vater begeben dürfen, nämlich ganz geziemend geschmückt, gemessenen Schrittes, die Hände kreuzweise über ihre Brust gelegt und das Haupt demütigst zu Boden gesenkt. — Wenn diese Kinder also vor den fürstlichen Vater kommen, da belobt er sie und entläßt sie dann. — Eines unter den Kindern, ein rüstiger Knabe, aber ist ganz keck, erscheint nicht mit den abgerichteten Kindern — denn solches bringt er nicht über sein liebeglühendes Herz — sondern kommt ganz allein zum Vater gerannt, ist sonst auch mehr nachlässig in seiner Kleidung. Wenn aber dieser Knabe den Vater ersieht, da breitet er seine Arme aus, umfaßt ihn mit aller kindlichen Liebeglut und schreit dabei: „O Vater, Vater! Du mein lieber Vater, wie sehr doch liebe ich dich! Siehe, du mein herrlicher, lieber, guter Vater, ich liebe dich zu sehr, als daß es mir möglich wäre, mich vor dir in den gesetzlichen höfischen Schranken zu bewegen! Ja, ich will eher sterben, als vor dir, o mein Vater, meinem Herzen einen unterdrückenden Liebezwang antun!“ — Ich setze aber nun den Fall, du wärest der Vater solch eines Kindes, was würdest du da, rein nach deinem Vatergefühle, einem solchen Kinde wohl tun? — Du sprichst: „Oh, das würde ich auch über die Maßen lieben!“ — Gut geantwortet! Ich sage dir aber, gerade ein solcher Vater bin Ich auch! Wer demnach auch zu Mir kommt wie dieser kecke Knabe, der wird auch Mir der allerliebste Sohn sein! — Gott kannst du für Sich nicht lieben; aber den Vater kannst du lieben gleich dem kecken Knaben. Und Gott als der Vater wird dann dich auch mit aller Macht Seiner Liebe ergreifen und wird dich setzen in Seinen Schoß als ein wahres, Ihm über alles teures Kind und wird all den andern dann deinetwegen gnädig sein und ihnen die leere Höflichkeit erlassen! — Siehe, das ist die rechte Liebe! Solches beachte! (H 2, Kap. 232, 14 ff.)

Die Liebe ist Mein Urgrundwesen,

aus diesem Wesen geht erst die eigentliche Gottheit oder die durch alle Unendlichkeit ewig wirkende Kraft hervor, welche da ist Mein unendlicher Geist aller Heiligkeit. Dieses Urgrundwesen bin aber Ich Selbst, also wie Ich jetzt [als Jesus] vor dir stehe! — Und aus dieser Brust hier ist die ganze Unendlichkeit erfüllt von Meinem Geiste, der da ist Mein langer, mächtigster Arm und allzeit also wirkt ins Unendliche, wie Ich es in dieser Meiner Brust will. Siehe, demnach bin Ich auch überall durch diesen Meinen Geist vollkommen gegenwärtig und kann da bilden, schaffen und ordnen. Denn Meine Gedanken erfüllen stets den unendlichen Raum, welcher da ist ewig aus Mir; aber zur Erscheinung kommen sie erst da und dann, wo und wann Ich sie mit Meinem Willen ergreife und sie dann festhalte. — Siehe nun, aus eben diesem Meinem Urgrundwesen aber habe Ich auch dich gestaltet, eine zweite, ihrer selbst bewußte, freitätige Liebe aus Mir — nicht nur ein alleiniger Gedanke, sondern eine freie Liebe aus Mir! — So du nun mit Mir eine und dieselbe Liebe bist, wie solltest du demnach nicht Mein Bruder sein, wenn deine Liebe gleich ist der Meinigen?! Daher also sei ohne Furcht und sei Mir stets ein rechter Bruder! Und Ich sage dir, auch du wirst wirken frei im Geiste, wie Ich wirke frei erfüllend die Unendlichkeit. (H 2, Kap. 94, 17 ff.)

Des Raumes Unendlichkeit.

Was ihr des Raumes Unendlichkeit nennet, ist der Geist Meines Willens, der von Ewigkeiten her diese endlose Räumlichkeit gestellt und allenthalben mit Wesen aller Art angefüllt hat. — Dieser Geist aber hat einen Mittelpunkt wesenhaft gestaltlich, in dem alle Macht dieses unendlichen Geistes vereinigt ist zum Wirken. Und dieses Machtzentrum des unendlichen Gottgeisteswesens ist die Liebe als das Leben dieses Geistes. Und diese Liebe bin Ich [Jesus, euer himmlischer Vater] von Ewigkeit. — Obschon sich aber der [unendliche] Geist Gottes überall wirkend äußern kann, so kann Er Sich doch nicht wesenhaft gestaltlich äußern ohne die Liebe. Wo Gott Sich für endliche Wesen, wie ihr Menschen es seid, gestaltlich äußert, da äußert Er Sich sonach durch Seine [in Seinem Machtzentrum wohnende] Liebe, welche da ist das eigentliche Grundwesen Gottes und der Sammelpunkt aller Macht, Kraft und Heiligkeit des unendlichen Geistes! — Sehet, das ist das Wesen Gottes in aller Wahrheit und kann nur mit dem Herzen, aber nie mit dem Verstande begriffen werden. (H 2, Kap. 139, 20 ff.)

Kannst du dir von Gott keinen Begriff machen,

so siehe Mich [Jesus] an — dann hast du jene für ewig gültig und bleibende Form vor dir, unter der allein du dir deinen Gott, Schöpfer und himmlischen Vater vorstellen kannst. Denn Gott ist auch ein Mensch, und zwar der in und aus Sich ewig vollendetste! — Siehst du Mich, so siehst du alles! (Ev 5, Kap. 73, 4)

Jesus, der Gekreuzigte

ist allein Gott über alle Himmel und über alles, was den unendlichen Raum erfüllt. Er allein ist der Urschöpfer aller Dinge, aller Engel, Menschen, Tiere, Pflanzen und aller Materie. Er ist der Vater Seinem urewigen Liebewesen nach, der ewige Sohn Seiner Weisheit und der Heilige Geist Seiner unendlichen Macht, Kraft und Wirkung nach. — An diesen Jesus wende dich im Herzen wahrhaftig und getreu und liebe Ihn, der dich so sehr liebt und liebte, daß Er aus Liebe zu dir wie zu allen Menschen die Menschennatur annahm und des Leibes bittersten Tod über Sich kommen ließ, auf daß dir und allen Menschen ein ewiges Leben ermöglicht werden möchte. Das ewige, Gott völlig gleiche, seligste Leben ist durch Ihn allein ermöglicht worden und als ein unendlicher Schatz gegeben aller Kreatur. Und es bedarf nun nichts mehr und nichts weniger, als diese heilige, große Gabe des heiligen Vaters liebewillig zu verlangen und allerdankbarst anzunehmen — und der Mensch ist selig lebend in Ewigkeit in der Gesellschaft Gottes wie ein zweiter Gott. — Gott, der da ist unser aller Vater Jesus, ist die reinste Liebe, die niemanden richtet und jeden seligst machen will. Aber nur muß der Mensch auch das wollen, was Gottes reinste Liebe will, sonst kann er nicht selig werden. Denn Gott tut niemanden einen Zwang an, am allerwenigsten in der Welt der Geister. Daher wird aber auch jedem nur das zuteil, was er selbst will. Was du demnach willst, das wirst du auch empfangen! — Es gibt aber kein Leben und keine Seligkeit außer in der reinen Gottesliebe. Wer diese in sich aufgenommen hat und selbst das will, was diese heilige Liebe will, der lebt und ist selig für ewig. (RBl 1, Kap. 126, 1 ff.)

Wer Mich nicht liebt Meiner Selbst willen,

der wird nicht dahin kommen, wo Ich bin. Der Mensch muß Gott lieben ohne Gewinnsucht — wie Gott ihn liebt — ansonst er Gottes völlig unwürdig ist. — Ahab, ein Jünger, erwidert dem Herrn: „Das ist eine hohe und tiefe Wahrheit. Aber dennoch möchte ich dazu bemerken, daß es eine völlig uninteressierte Liebe, wenigstens bei den Menschen, nicht geben kann. Denn soviel ich über die Liebe nachgedacht habe, so geht diese Liebe, wenn sie auch noch so rein ist, doch immer mehr oder weniger auf einen Raub aus. — Siehe, ich liebe Dich doch sicher so innig, als Dich nur je ein Mensch lieben kann; ja, so es möglich wäre, da möchte ich Dich aus purer Liebe ganz in meinen Leib und in mein Herz hineinschieben! — Aber nun frage ich, ob ich das auch für irgendeinen anderen, ganz gleichgültigen Menschen fühlen kann!? — Ich muß gestehen — nein! — Und warum nicht? Warum fühle ich das nur bei Dir?! — Die Antwort gibt die Sache selbst! — Ich weiß, wer Du bist und weiß, was Du vermagst, und weiß nun auch, was ich durch Dich und die Beachtung Deiner Lehre erreichen kann. Und das ist denn auch der unbestreitbare Grund meiner heißen Liebe zu Dir. Denn wärest Du nicht das, was Du bist, so wäre meine Liebe zu Dir auch sicher bedeutend schwächer. Ich habe also an Dir und für Dich ein übergroßes Interesse, und darum will und liebe ich Dich! — Ich will nicht behaupten, daß ich Dich nun eines besonderen Gewinnes wegen liebe, denn ich verlasse ja alles auf der Welt um der Liebe willen zu Dir. Aber dennoch geht hier meine Liebe auf einen ganz besonderen Raub aus; denn sie haschet nach Dir, weil Du ihr mehr bist als die ganze Welt! — Es bestimmt stets der größere, entweder materielle oder geistige Wert den Zug der Liebe. Der Kaufmann, der Perlen suchte, verkaufte alles und kaufte die große Perle, die er fand! Warum denn? Weil sie viel mehr wert war denn alles, was er ehedem besaß! Es ist das freilich wohl ein edles Interesse; aber es ist und bleibt dennoch ein Interesse, und ohne das gibt es wenigstens beim Menschen keine Liebe! Und wer mir von einer uninteressierten Liebe, die vielleicht höchstens in Gott Platz haben mag, etwas weismachen will, dem sage ich: ‚Freund, du magst viel Weisheit haben; aber über den Punkt der Liebe hast du noch nie tiefer nachgedacht!‘ — Ja, die göttliche, wahre Liebe unterscheidet sich von der höllischen freilich ganz gewaltig darin, daß die göttliche Liebe zwar auch raubet gleich der höllischen; aber sie gibt alles wieder her! Sie sammelt bloß des Wiedergebens willen, während die höllische Liebe bloß für den eigenen Rachen raubt und nichts wiederhergeben will. — Wenn wir uns aber die Liebe der Himmel aneignen, so wissen wir, daß wir dabei nie zu einem Verlust und Schaden gelangen können, sondern nur in jeder Hinsicht mehr und mehr zu gewinnen haben, je mehr wir hergeben. Wir gleichen da einer Grube, die ins Erdreich gegraben wird; je mehr Erdreich sie verliert, desto größer wird ihr innerer Raum zur Aufnahme des Lichtes und der himmlischen Luft. — Herr, ich meine, daß ich darin nicht unrecht habe. Was sagt da Deine unendlich höhere Weisheit dazu?“ — Sagt der Herr: „Nichts, als daß du darin vollkommen recht hast! Denn wäre die Liebe nicht ein Räuber so oder so, dann wäre sie keine Liebe. Alle Liebe begehrt und will haben. Aber im Zwecke des Habens liegt ein unendlicher Unterschied. Und das scheidet Himmel und Hölle für ewig auseinander!“ (Ev 1, Kap. 204, 25 ff.)

Textgrundlage: bereitgestellte historische Ausgabe. Originalscan · PDF-Seite 15 →

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