← Zurück zu „Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten“

III. Nächstenliebe – Leseteil 1 – Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten

Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten

Am Originalscan abgeglichen: Der Lesetext dieser Seite wurde Wort für Wort mit der bereitgestellten dritten Auflage von 1932 verglichen und korrigiert. Historische Schreibweisen und Quellenangaben wurden beibehalten; Zeilentrennungen wurden aufgelöst.

Seid allezeit barmherzig

und ihr werdet auch bei Mir allezeit Barmherzigkeit finden. Wie ihr euch verhalten werdet gegen die armen Brüder und Schwestern, also werde auch Ich Mich verhalten gegen euch. Ich sage und rate es euch allen: Seid voll Dienstfertigkeit untereinander, überbietet euch im Wohltun, liebet euch wahrhaft untereinander, also, wie Ich euch liebe, so werdet ihr aller Welt zeigen, daß ihr wahrhaft Meine Jünger und in eurem Geiste vollends Meine wahren Kinder seid! Denn das ist die Bestimmung aller Meiner Kinder, daß sie sich hier auf dieser Erde gleichfort üben sollen im einstigen großen Geschäfte Meiner Himmel. Denn dort wird alles allein nur die Liebe zu tun haben. Und jede Weisheit, die nicht dem Flammenlichte der Liebe entstammt, wird in Meinen Himmeln ewig nie eine Aufnahme finden und auch nichts zu tun bekommen. (Ev 4, Kap. 97, 8 ff.)

Wer sagt, daß es zur Seligkeit genüge,

nur Gott allein über alles zu lieben, dabei aber vor seinen armen Nächsten Herz und Türe zu schließen vermag, der ist in größter Irre. Denn die Liebe zu Gott ist ohne die Liebe zum Nächsten ewig nicht denkbar und auch nicht möglich. Darum liebet eure Nächsten, weil sie, gleich wie ihr, Gottes Kinder sind, und ihr werdet dadurch auch Gott über alles lieben . . . Die Armen in dieser Welt sind wahrhaft Meine Kinder, die Reichen aber sind zumeist Kinder dieser Welt. . . . Wer demnach der Kinder Liebe hat durch seine Liebe zu den Kindern, der hat auch des Vaters Liebe erworben und mit ihr den ewigen Lohn. (Ev 10, Kap. 140, 4 ff.)

Die größten Taten der Helden

besingt die Welt. Jedoch Ich sage euch, wenn euch einst die große Bibliothek in Meinem Reiche aufgetan wird, so werdet ihr darinnen so manche Großtat mit gänzlich vergeblicher Mühe suchen, wohl aber werdet ihr euch darüber höchlich verwundern, wie in diesen ewigen Büchern des Lebens oft eine von niemand bemerkte, ganz im geheimen geübte Liebestat sich ausnimmt. (Nz S. 101)

Des Herrn Wort

gibt uns Seine Lehre in Samenkapseln. Diese müssen wir säen ins Erdreich unseres Geistes, welches da heißet Liebe. Da wird der Same aufgehen und zu einem Baume der wahren Erkenntnis Gottes und unserer selbst werden, und wir werden von diesem Baume dann zur rechten Zeit vollreife Früchte zum ewigen Leben sammeln können. — Liebe aber ist das Erste; ohne dies gedeiht keine Frucht des Geistes! — Deshalb hob der Herr das harte Mosaische Gesetz der Strafe auf, auf daß ihr in aller Bälde reicher werden sollet an gutem Erdreiche in euren Herzen. Denn der da strafet nach dem Gesetze, hat weniger oder oft wohl auch gar keine Liebe; bei ihm wird der göttliche Wortsame sonach ganz schlecht gedeihen! Der aber gestraft wird, der befindet sich ohnehin im Gerichte, in dem keine Liebe ist, da das Gericht der Tod der Liebe ist. — Daher sollet ihr lieber an euren Nächsten die Fehler gar nicht sogleich ersehen, sondern mit ihnen nachsichtig und geduldig sein! Und so sie in ihrer Schwäche etwas von Euch verlangen, so sollet ihr ihnen nichts vorenthalten, auf daß sich die Liebe in euch selbst und glücklicherweise auch in euren schwachen Brüdern mehre! Wird diese einmal reichlich in euch wie in euren Brüdern vorhanden sein, so wird der göttliche Same wohl gedeihen in euch, und der Schwache wird dann in seiner Stärke euch wohl ansehen und euch vielfach vergelten, was ihr ihm in seiner Schwäche erwiesen habt. — So ihr aber karg seid und hart gegen eure schwachen Brüder, so werdet ihr selbst nie zu einer Gottesfrucht in euch gelangen, und das Gericht der Schwachen wird am Ende auch euch ins Verderben ziehen. — So der Herr sagte: „Wer von dir verlangt den Rock, dem gib auch den Mantel hinzu!“, da wollte Er bloß andeuten, daß ihr, die ihr reich seid und viel besitzet, den Armen, so sie zu euch kommen, auch reichlich und viel geben sollet! Denn dadurch werdet ihr dann auch sobald zu vielem Erdreich in euren Herzen kommen und sonach selig sein im Besitze solch wahren Erdreiches, und die Armen werden euch wahrhaft segnen; denn aus euren Herzen werden sie die tatkräftigste Predigt des wahren Evangeliums Gottes vernehmen und aus ihr selbst stark werden euch zur ewigen Stütze! (Ev 1, Kap. 43, 4 ff.)

Was ist das für ein Gottesdienst,

so ihr nur am Sabbat Gottes gedenkt, unter der Woche aber nie?! Ist denn Gott nicht an jedem Tage der gleiche unveränderliche Gott? Läßt Er nicht an jedem Tage, ob er ein Sabbat oder Werktag sei, Seine Sonne aufgehen und ihr Licht spenden über Gerechte und Ungerechte, deren es stets bei weitem mehr gibt als der Gerechten? — Arbeitet Gott nicht Selbst an jedem Tage gleich? Wenn aber der Herr Sich keinen Feiertag nimmt, warum sollen dann die Menschen Sich Feiertage bloß des Müßigganges wegen stellen? Denn etwas anderes beachten sie auch nicht so pünktlich an einem Sabbate als den Müßiggang! Mit dem aber erweisen sie Gott gewiß den schlechtesten Dienst! — Denn Gott will, daß sich die Menschen gleichfort und stets mehr und mehr die Liebetätigkeit angewöhnen sollen, um dereinst im andern Leben aller Arbeit und Mühe fähig zu sein und in solcher Tätigkeit auch allein die wahre und höchste Seligkeit zu suchen und zu finden! (Ev 1, Kap. 50, 5 ff.)

Wer liebevoll auf Gott vertraut,

dem traut auch Gott und verläßt ihn nicht und läßt ihn nicht zuschanden werden! Aber jene, die wohl an Gott glauben, aber Ihm nicht trauen, weil ihnen ihr Herz sagt, daß sie einer Gotteshilfe unwert sind, diesen hilft Gott auch nicht; denn sie haben ja ein Vertrauen allein auf ihre eigenen Kräfte und Mittel, die sie für förmlich heilig halten, indem sie sagen: „Mensch, willst du, daß dir geholfen sei, so hilf dir selbst; denn ein jeglicher Mensch ist sich selbst der Nächste!“ — Aber Ich sage: So ihr zunächst für euch sorgt, so seid ihr von Gott verlassen und ledig Seines Segens und Seiner Hilfe! Denn Gott hat die Menschen aus purer Liebe erschaffen, und so sollen die Menschen denn auch der Liebe in allem entsprechen! — So ihr aber ohne Liebe und Vertrauen auf Gott lebet und handelt, da verkehrt ihr das Himmlische in euch in Höllisches, wendet euch von Gott ab und werdet zu Dienern der Hölle, die euch dann am Ende auch den verdienten Lohn nicht vorenthalten wird, der da heißt der Tod im Zorne Gottes! (Ev 1, Kap. 125, 13 ff.)

Gehet und sorget für eure Welt,

eure Weiber und Kinder, auf daß sie ja nicht nackt herumwandeln und kein Hunger und Durst sie je beschleiche! Es soll sich aber jedoch in Kürze zeigen, was für Gutes ihr ihnen dadurch verschafft! Das sage Ich euch, daß Gott für sie nicht sorgen wird! — Wer da einen Besitz und ein Gewerbe hat, das ihm viel Gewinn verschafft, spart aber den Gewinn nur für sich und seine Kinder und schaut mit bittergesinnten Augen und Herzen herab auf die armen Brüder und scheut sich vor den armen Kindern, die Mangel leiden, und schafft sie von sich, wahrlich, der ist ein Feind Gottes! Denn wie will er Gott lieben, den er nicht sieht, da er doch seinen Bruder nicht liebt, den er vor sich sieht!? — Wer seinen Bruder in der Not verläßt, der verläßt in einem — Gott und Himmel! Und Gott wird ihn verlassen, ehe er sich’s versehen wird! — Wer aber seine armen Brüder nicht verläßt, auch dann nicht, so ihn Gott in eine Prüfung zöge, der soll gesegnet werden, ehe er sich’s versieht, zeitlich und ewig. (Ev 1, Kap. 125, 19 ff.)

Eure Liebe zu euren Kindern

brenne wie ein Licht, aber die Liebe zu den Kindern fremder, armer Eltern sei ein großer Feuerbrand! Denn niemand in der Welt ist ärmer als ein armes, verlassenes Kind. Wer ein armes Kind aufnimmt in Meinem Namen und versorgt es leiblich und geistig wie sein eigenes Blut, der nimmt Mich auf. Daher, wollet ihr Segen von Gott in eure Häuser ziehen und ihn wie ein wohlbestelltes Feld zu reicher Ernte erheben, so leget in euren Häusern Pflanzschulen für arme Kinder an! (Ev 2, Kap. 68, 6 ff.)

Bei Gott gilt nur

ein reines, sanftes, demütiges und liebevolles Herz. Was ihr aber dafür tun könnet, das bestehe darin, daß ihr den Armen, und zumeist den armen Witwen und Waisen, nach rechtem Maße und Ziele gebet; denn das ist Gott wohlgefällig. Aber den Tempel noch mehr bereichern, als er schon bereichert ist, das hat vor Gott nicht den geringsten Wert. — Wißt ihr, wie es im Propheten steht von der Verehrung Gottes im Tempel? Seht, also steht es im Propheten: „Dies Volk ehrt Mich mit den Lippen, aber sein Herz ist ferne von Mir!“ Ich sage euch: Alle großen Opfer, samt den Brandopfern, sind ein Greuel vor Gott; denn alles dessen benötigt Er nicht. Denn was sollet ihr von diesen irdischen Dingen Gott geben, die doch ihr zuvor von Ihm empfangen habt?! Gott bedarf nicht des Brandgeruches von geschlachteten Tieren; aber des Liebebrandes eurer Herzen bedarf Er als euer Vater von euch, Seinen Kindern. (Ev 6, Kap. 206, 13 ff.)

Unser Nächster.

Vom Herrn aufgefordert zu sagen, wen man als seinen Nächsten zu halten und mit Tatliebe zu behandeln habe, sagt der alte Kriegsveteran Markus: „Natürlich wäre in erster Linie der mein Nächster, der meinem Leibe am nächsten stände, und so er einer Hilfe bedürftig wäre, müßte ich sie ihm geben. Wieder wären meine Nachbarn die Nächsten, wenn sie mich angingen um eine Hilfe; ebenso mein Weib und meine Kinder. — Als ich noch ein Krieger war, da waren auch meine Kameraden meine Nächsten, und es war meine Pflicht, ihnen im Falle der Not eine Hilfe zu leisten. Anderseits ist auch wieder jeder Mensch, welcher Religion er auch angehöre, im Falle der Not mein Nächster. Ja, ich meine, daß man sogar einem Haustiere die Hilfe nicht versagen sollte, wenn demselben etwas fehlt. Kurz und gut, wie ich in meinem beschränkten Hausverstande mir’s vorstelle, der Mensch sollte schön fein Gottes Regierung nachahmen und in seinem Tun und Lassen auch seine Sonne über alle Kreatur leuchten lassen. — Freilich kann der Mensch als ein höchst beschränktes Wesen Gott, seinen Schöpfer, nur eben auch höchst beschränkt nachahmen. Aber weil er nach dem Ebenmaße Gottes erschaffen ist, so soll er auch das in sich völlig ausbilden, wozu ihm die Fähigkeiten verliehen worden sind.“ — Sagt der Herr darauf: „Siehe, deine Worte sind recht und wahr. Darum sollst du auch darnach handeln!“ (Ev 2, Kap. 234, 1 ff.)

Es ist endlos besser,

daß da unter den Menschen wachse die Liebe und Sanftmut und wach bleibe zu aller Zeit und dadurch die Teufel zum Schlaf und zur Ruhe nötige, daß sie der Erde nicht schaden — als daß man mit dem dröhnenden Gepolter der Gewalt die Teufel wecke und sie dann die Erde und alles, was darauf ist, verderben. (Ev 1, Kap. 76, 5 ff.)

Gleichnis vom Samariter.

Ein Schriftgelehrter sagt zum Herrn: „Meister, wen soll ich als meinen Nächsten ansehen?“ — Der Herr erwidert: „Ich will dir ein Geschichtlein erzählen. Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho in Geschäften, fiel auf dem Wege aber unter die Räuber. Diese zogen ihn bis auf die Haut aus, schlugen ihn beinahe zu Tode, gingen mit ihrem Raube davon und ließen den Menschen halbtot liegen. Es begab sich aber zufällig, daß ein Priester aus Jerusalem dieselbe Straße hinabzog. Er sah den Menschen, den die Räuber übel zugerichtet hatten, am Wege liegen, ging aber ganz unbekümmert vorüber. Desgleichen kam bald nach dem Priester auch ein Levite und tat wie der Priester. — Bald darauf kam auch ein Samariter an dieselbe Stelle, und als er den Menschen da liegen sah, da jammerte ihn des Halberschlagenen Not. Er ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, goß Oel und Wein hinein, hob ihn auf sein Lasttier und brachte ihn so in eine Herberge und pflegte ihn den Tag und die Nacht hindurch selbst. Als er am nächsten Tage sah, daß es mit dem Verwundeten bei rechter Pflege wohl besser werde, berief er den Wirt, gab ihm zwei Groschen und sagte zu ihm: ‚Da ich dringende Geschäfte habe, so reise ich nun ab; du aber pflege seiner, bis ich in etlichen Tagen wiederkommen werde! Was du mehr brauchen solltest, das werde ich dir dann getreu ersetzen!‘. Dann reiste er ab, und als er nach einigen Tagen wiederkehrte, fand er den Menschen, über den er sich erbarmt hatte, gut gepflegt und so weit geheilt, daß er ihn nach Jerusalem zurückbringen konnte, bezahlte dem Wirte nochmals zwei Groschen und bekleidete den Geheilten noch obendarauf. — Was meinst du nun? Welcher von den dreien war dem, der unter die Räuber und Mörder gefallen war, wohl der Nächste?“ — Da sagt der Schriftgelehrte: „Offenbar der, der ihm die Barmherzigkeit erwiesen hat!“ — Sagt der Herr: „Gut, so gehe hin und tue desgleichen! Ein jeder Mensch, der in irgend etwas deiner Hilfe bedarf, ist dein Nächster; und so du ihm hilfst, bist auch du sein Nächster. Und so du ihm geholfen hast, da hast du ihn als deinen Nächsten auch geliebt wie dich selbst; denn die wahre Nächstenliebe besteht eben darin, daß ihr euren Nebenmenschen alles das tut, was ihr vernünftigerweise wünschen könnet, daß sie im Notfalle auch euch tun möchten.“ (Ev 8, Kap. 63, 7 ff.)

Gastfreundschaft und Wohltätigkeit.

Zum Heilbadbesitzer Markus spricht der Herr: „Diese Herberge wird dir und deinen Nachkommen eine beste Versorgung bereiten. Aber du sorge dafür, daß Mein Name bei deinen Nachkommen fest stehenbleibt; denn mit dem Verluste Meines Namens aus ihren Herzen würden sie auch bald alles andere verlieren! — Wer Mich wahrhaft liebt und seinen Nächsten wie sich selbst, der trägt Meinen Namen wahrhaft und lebendig in seinem Herzen und daran einen Schatz, den ihm alle Ewigkeiten nicht zu nehmen imstande sein werden. — Aber es genügt nicht, Mich nur zu bekennen der Weisheit gemäß, sondern der vollwahren Liebe gemäß im Herzen. — Es werden zu dir kommen allerlei Arme; was du denen tun wirst ohne irdisches Entgelt, das hast du Mir getan, und Meine Liebe wird es dir entgelten. — Wenn jemand zu dir kommt, der nackt ist, den bekleide! Wer ohne Geld zu dir kommt, dem enthalte es nicht vor, so er dessen benötigt in der Welt! — Ich wollte zwar, daß alle Menschen als Brüder ohne dieses verderbliche Tauschmittel untereinander lebeten. Aber da sie solches zur größeren Bequemlichkeit ihres Handels und Wandels als Weltmenschen in der Welt schon von alters her eingeführt haben, so will Ich es denn auch belassen — aber Segen wird es den Menschen erst durch Meine Liebe bringen! — Kurz, in was du jemanden als arm erschaust, und du hilfst ihm für Meine Liebe mit freudigem Herzen, so wirst du allzeit auf Meine Entgeltung rechnen können, die nimmer unterm Wege verbleiben wird! — Es komme z. B. zu dir ein sonst vermöglicher Mensch ins Land, der aber von der Gicht behaftet ist, so rechne ihm nach dem Maße der Billigkeit die Herberge und die Verköstigung; aber das Bad lasse ihm frei! — So aber jemand kommt bloß des Vergnügens wegen ins Bad, dem rechne Bad, Herberge und Verköstigung teurer an denn einem andern! Will er aber die Wahrheit von dir, so gib sie ihm unentgeltlich; denn darin ist er ein Armer! — So aber da kommt ein Weltkluger und will von dir die Wahrheit hören, dem gib sie nicht umsonst, sondern lasse dir bezahlen für ein jedes Wort einen Groschen; denn für solch einen Wahrheitsucher hat die Wahrheit erst dann einen Wert, so er durch vieles Geld zu ihrem Besitze gekommen ist! — Wenn ein Armer hungrig zu dir gekommen ist, dem gib zu essen und zu trinken und entlasse ihn nicht als einen Armen von dir; kommt aber einer, dem es ein Vergnügen macht, bei dir zu Tische zu sein, der zahle auch das, was neben ihm ein Armer verzehrt hat! — Jede Armut unterstütze umsonst, und jedes bloße Vergnügen lasse dir bezahlen!“ (Ev 5, Kap. 5, 5 ff.)

Rechtes Gebet.

Liebster, himmlischer Vater, o Herr und Meister! Ich danke Dir für Deine Belehrung, durch die wir in den Stand gesetzt worden sind, uns selbst zu erkennen und so auch das Reich Gottes in uns! Was wir zu tun haben, das wissen wir nun klarer als je zuvor. Und so wollen wir auch danach handeln und uns von der Welt nicht mehr irreführen lassen! Stärke Du mit Deiner Gnade und Liebe unsern Willen, auf daß auch er stets gleichen Schrittes mit unserem Erkennen bis an das lichtvolle Ziel unseres Lebens wandle. Denn das Erkennen der Wahrheit genügt nicht, wenn an seiner Seite ein träger und schwacher Wille einhergeht! Der Wille aber ist die Kraft der Liebe in uns. Daher stärke, o Herr, in uns vor allem die Liebe zu Dir und zum Nächsten! (Ev 9, Kap. 101, 1)

Zum Herrn kommen Zöllner

und sagen: „Herr und Meister, wir sind große Sünder, die wir vermöge unseres Amtes schon mehrere Jahre lang nicht des Tempels Feste, Opferungen und Predigten besuchen konnten. Aber heute waren wir Deinetwegen im Tempel und vernahmen Deine Worte. Durch diese Worte wurden wir sehr erleuchtet, und wir haben für uns die Ueberzeugung gewonnen, daß Du unfehlbar der verheißene Messias bist, obgleich Dich die Pharisäer nicht als einen solchen anerkennen wollen. — Wir entnahmen aber auch aus Deinen wahrhaftigen Worten, daß Du Selbst kein zu großes Wohlgefallen am Tempel hast. Und so wollen wir Dich, Du Wahrhaftigster, fragen, ob und wie wir von Gott die Vergebung unserer Sünden erlangen können. Dürfen wir noch hoffen, daß uns Gott barmherzig sein wird?“ — Sagt der Herr: „Höret, daß ihr vermöge eures Amtes den Tempel und seine Werke nicht besuchtet, das wäre gerade eure größte Sünde nicht. Aber ihr bedrücktet gar oft sehr die Armen, die euer Zollhaus passieren, und habt auch oft denen, die für euch arbeiteten, den Lohn vorenthalten. Seht, das ist wahrhaft Sünde, und wer sie tut, kommt nicht in den Himmel, sondern in das Gericht und in den Tod! — Denn wer keine Liebe zu seinem Nächsten hat, der hat um so weniger eine Liebe zu Gott, den er doch über alles lieben soll. Denn wer schon seinen Nächsten nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?! Die Liebe zu Gott und daraus die Liebe zum Nächsten aber ist das Leben der Seele. Wer dieses nicht hat, der hat auch kein Leben, sondern nur das Gericht und den Tod in sich. — Ich aber sage euch nun, daß von Mir aus euch eure Sünden vergeben sind, weil ihr solche erkannt, bereut und verabscheut habt. Aber es ist zur vollen Vergebung auch noch das höchst nötig, daß ihr, wo möglich, denen, die von euch irgendwie verkürzt worden sind, das Vorenthaltene ersetzet, und daß ihr in Zukunft nicht mehr sündiget. Tuet also, so werdet ihr das ewige Leben ernten, und eure Sünden sind euch völlig vergeben!“ (Ev 6, Kap. 206, 5 ff.)

So jemand ein Gastmahl gibt

und ladet dazu seine reichen Nachbarn und Freunde, so hat er dadurch zwar nicht gesündigt, aber im Himmel wird er darum auch keinen Lohn zu erwarten haben, dieweil ihm solches seine Freunde hier entgelten können. Daher ladet die Armen zu Gaste, und es wird euch das vergolten werden im Himmel; denn die Armen können es euch hier nicht vergelten! — So ist es auch mit denen, die ihr vieles Geld gegen Zinsen ausleihen und nach einer bestimmten Zeit das Kapital auch wieder zurückbekommen. Sie begehen dadurch, so sie keinen Wucher treiben, eben auch keine Sünde; aber im Himmel werden sie dafür keine Zinsen zu erheben haben — wohl aber dafür, so sie auch den Armen in ihrer Not Geld ohne Zinsen und auch ohne Rückzahlung des Kapitals leihen. Also, den Armen aller Art auf jede mögliche gute Weise helfen, ist das wahre Werk der Nächstenliebe. (Ev 6, Kap. 56, 13 ff.)

Auch das ist Nächstenliebe,

daß man den bedrängten und unkundigen Menschen in allerlei guten und nützlichen Dingen mit gutem Rat beisteht. (Ev 6, Kap. 22, 12)

Die wahre Gottesverehrung

besteht darin, daß man an einen wahren Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, ungezweifelt glaubt, diesen Gott über alles liebt und nach Seinem Willen lebt und handelt und daß man auch seinen Nebenmenschen also liebt wie sich selbst. — Siehe in diesen drei Stücken liegt die wahre Gottesverehrung; alles andere aber ist eitel und hat vor Gott nicht den geringsten Wert! (Ev 7, Kap. 213, 6 ff.)

Ein angenehmes Fest

wirst du Mir feiern, so du täglich nach deinen Kräften einen oder den andern Armen an deinem Tische sättigest. Ich will aber nicht, daß du noch kräftigen Müßiggängern, die arbeitsfähig sind, das Brot der Armen teilst. Wenn solche kommen, so gib ihnen eine ihren Kräften angemessene Arbeit. Werden sie dir diese verrichten, dann gib ihnen auch zu essen und zu trinken. Wenn sie aber die Arbeit nicht annehmen, so gib ihnen auch nichts zu essen! Denn wer da Kräfte hat, aber nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. (Ev 2, Kap. 157, 7 ff.)

Den wohlgefälligsten Dank

bringt Mir, wer Mich über alles liebt. Denn der opfert Mir gleich die ganze Welt. — Nebst der Liebe zu Mir aber gibt es noch eine andere Liebe, die Nächstenliebe. Die Armen am Geiste und an den nötigen irdischen Gütern sind die wahren Nächsten. Was jemand in Meinem Namen denen tut, das tut er Mir. — Wenn du aber Wohltaten an den Armen übst, da tue solches im Verborgenen mit aller Freundlichkeit und zeige es nicht der Welt; denn der Vater im Himmel sieht es. Und des freundlichen Gebers Gabe wird Ihm angenehm sein, und Er wird sie dem Geber hundertfach ersetzen. — Wer aber mit seinem Wohltun vor der Welt prunken will, der hat seinen Weltlohn sich auch schon genommen und fürder keinen mehr zu erwarten. (Ev 3, Kap. 112, 3 ff.)

Seid wahrhaft vernünftig

und habt ein verständiges Herz, tut Gutes jedermann, der irgend eurer Hilfe bedarf! Ja, tut sogar euren Feinden Gutes und segnet jene, die euch fluchen! Dadurch werdet ihr Mir gleichen, denn Ich lasse Meine Sonne leuchten über Gute und Schlechte, und Meine ärgsten Feinde werden täglich aus Meiner allmächtigen Hand mit Wohltaten überhäuft; nur über die zu argen Frevler wird Meine Rute geschwungen. Ja, Ich sage es euch: Ihr alle seid Kinder Meines Herzens und Brüder Meiner Seele. Darum, so ihr betet, so betet nicht den Heiden und Pharisäern gleich mit den Lippen, mittelst Worten von der Fleischzunge gebildet, sondern betet, wie Ich es euch gesagt habe, im Geiste und in der Wahrheit, durch lebendige Werke und Taten der Liebe an euren Nächsten, dann wird jedes Wort in Meinem Namen ein wahrhaftes Gebet sein, das Ich stets und unfehlbar erhören werde; aber die Seufzer der Lippen erhöre ich nie. (Ev 3, Kap. 209, 4)

Die Armut

ist zwar eine große Plage für die Menschen, aber sie trägt den edeln Keim der Demut und Bescheidenheit in sich und wird darum auch stets unter den Menschen verbleiben. Dennoch aber sollen die Reichen sie nicht mächtig werden lassen, ansonst sie sehr gefährdet werden hier und dereinst auch jenseits. — Wenn ihr unter euch Arme habt, so braucht ihr ihnen nicht zu geben, daß auch sie reich würden. Aber Not sollet ihr sie nicht leiden lassen! Die ihr sehet und kennet, denen helfet nach Recht und Billigkeit. — Wer von euch ein Freund der Armen sein wird aus vollem Herzen, dem werde auch Ich ein Freund und ein wahrer Bruder sein zeitlich und ewig, und er wird nicht nötig haben, die innere Weisheit von einem andern Weisen zu erlernen, sondern Ich werde sie ihm in aller Fülle in sein Herz geben. Ich werde Selbst zu ihm kommen allzeit und Mich ihm treulich offenbaren. Seinem Geiste, der die Liebe ist, werde Ich’s sagen, und dieser wird damit die ganze Seele erfüllen. (Ev 4, Kap. 79, 3 ff.)

Textgrundlage: bereitgestellte historische Ausgabe. Originalscan · PDF-Seite 18 →

← Zurück zu „Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten“