(Wie man die Traditionen bildete. Die Geschichte Petri (vom Jahre 33 bis 59). Petri Brief (im Jahre 57) von Neu-Babylon, später Bagdad genannt, an seine Diözesangemeinden, welche vom Schwarzen Meer herab über Kleinasien und Asien ausgebreitet waren, und Petri Kreuzigung bei Bagdad (im Jahre 59).
Diese entscheidende Antwort brachte die Heißsporne ein wenig zur Besinnung und sie sagten uns daher: „Wir haben alle Jahrhunderte diese Lehre verzeichnet gefunden und daher glauben wir sie. Freilich ist sie nicht im Neuen Testament verzeichnet, aber durch die Traditionen erhalten, welche die Kirchenväter gesammelt und uns verzeichnet hinterlassen haben. Und diese sind unanfechtbar, weil bereits im ersten Jahrhundert angefangen wurde, diese geschichtliche Wahrheit zu verzeichnen, und dieses durch mehrere Jahrhunderte fortgesetzt und vervollkommnet wurde.“
„Ah, so! Durch mehrere spätere Jahrhunderte fortgesetzt, vervollkommnet und abgerundet, das lässt sich gut anhören, aber nicht so leicht glauben. Wisset ihr nicht, unter welchen Beweggründen diese Notizen entstanden sind? Ihr schweigt, weil ihr es nicht wisset! Ich aber weiß sie, daher höret ihr Meine Aufklärung, für die Ich euch sogar lebendige Beweise liefern könnte. Doch dies später, vorläufig will Ich euch nur die Tatsachen erzählen, und so höret:
Allerdings ist die erste Nachricht aus dem Ende des ersten Jahrhunderts, aber diese erzählt weder die Todesart noch den Ort, wo Petrus gestorben ist. Wenn aber diese nichts weiß, welche soll es dann besser wissen? Wisset ihr nicht, dass die Traditionen höchst unzuverlässig sind, und je später eine Sache aufgezeichnet wurde, desto fraglicher steht es mit der Wahrheit derselben, und so ist es auch hier der Fall.
Man hörte zwar von dem Tode und dem Orte, wo Petrus sein Leben für die neue Lehre ausgehaucht hatte. Man hatte es in Rom auch ganz richtig aufgezeichnet gehabt, aber der Umstand, dass darin Babylon und nicht Rom verzeichnet war, hat den römischen Bischöfen nicht gepasst. Man hat diese Aufzeichnungen daher verborgen gehalten und nur die Tatsache bekannt gemacht, welcher Todesart er gestorben war, und statt Babylon, welchen Namen früher Bagdad als Neu-Babylon führte, da das alte schon in Trümmern lag, die Stadt Rom als den Ort seiner Kreuzigung genannt.
Später aber ist die Originalnachricht vernichtet worden und somit blieb es bei den gefälschten Nachrichten. Freilich wird bei den sogenannten Kirchenvätern annähernd die Todesart usw. erwähnt, aber dieses alles ist nur soviel, was sie da und dort erfuhren. Das Wahre kam nie in die Öffentlichkeit, weil dies das Ansehen des römischen Bischofsstuhles geschädigt hätte. Und somit habt ihr nun die ganze und wahre Geschichte in Hauptzügen erzählt bekommen. Was habt ihr nun darauf zu erwidern?“
Diese Meine Aufklärung brachte die Priester außer sich vor Wut, und sie hätten uns gewiss angreifen lassen, wenn sie unsere Übermacht nicht befürchtet hätten. Dafür aber schrieen sie, und mit ihnen ihre Ortsangehörigen desto mehr, und nannten uns Lügner, Ketzer, Lumpen usw. Wir aber schwiegen und ließen sie austoben.
Als sie wieder ruhiger geworden, sagte Ich zu den Priestern: „Sind das alle eure Beweise für die Richtigkeit des Stuhles Petri in Rom oder habt ihr noch andere, welche auch für uns beweisbar wären? Saget mir doch, wodurch könnet ihr uns überzeugen, dass Petrus von 42 bis 67 ununterbrochen der Bischof von Rom war und dort residiert hätte? Welche geschichtliche Belege habt ihr dafür?“
Die Priester erwiderten darauf: „Die Traditionen, die Aufzeichnungen der Kirchenväter, und diese sind uns maßgebend, nicht aber das, was Du uns auftischst, daher lasse uns bei unserem Glauben, der fest begründet ist und uns allein maßgebend, nicht aber das, was Du erzählst. Denn Du hast keine anderen Beweise als Dich, und das genügt uns nicht. Auch wir verlangen stichhaltige Beweise von Dir, welche so begründet sind, wie Du sie von uns begründet haben willst, nämlich durch zeitgenössische Quellen.“
Darauf erwiderte ich ihnen: „Wenn sonst nichts anderes verlangt wird, so kann Ich schon einige Belege beibringen, und wenn nicht anders geglaubt wird, auch den Petrus, weil wir im Geisterreich sind und da ist vieles möglich.“
Auf diese Rede fingen die Priester zu lachen an und das ganze Volk lachte mit und schrie: „Hört! Hört! Diese Narren sagen uns, wir sind im Geisterreich, wir wären schon gestorben, wovon wir nichts wissen. Höret, mit solchen Reden kommen wir nicht weit, bleiben wir bei der Tatsache und lassen wir solche Narreteien beiseite. Gebt ihr uns die Beweise, dass Petrus nicht volle 25 Jahre Bischof war und in Rom residiert habe?“
Ich erwiderte ihnen: „Wisset ihr nicht, in welchem Jahre Jakob, der Bruder des Johannes, des Evangelisten, von Herodes ermordet wurde?“
Sie sagten: „Das war etwa im Jahre 44.“
„Gut“, sagte Ich, „dann wisset ihr auch, dass Petrus nach dem Tode Jakobi in Jerusalem von Herodes in den Kerker geworfen wurde. Saget mir nun, wie steht es dann mit den ununterbrochenen 25 Jahren Petri in Rom ? Das hält schon die historische Kritik nicht aus, also ist es eine Lüge und zwar die erste. Dann frage Ich euch, was hat Petrus als Bischof von Rom damals in Jerusalem zu suchen und zu tun gehabt?“ Die Priester blieben still und erwarteten Meine weiteren Einwendungen.
Daher sagte Ich: „Saget Mir, wie steht es mit dieser Frage: Paulus erzählt im Galaterbrief und in der Apostelgeschichte, dass er drei Jahre nach seiner Bekehrung, welche im Jahre 34 nach der Steinigung des Stephanus geschah, nach Jerusalem kam. Das war im Jahre 37. Und dann, nach 14 Jahren, das war also im Jahre 51, kam er zu einer religiösen Versammlung wegen der Bekehrung der Heiden und ihrer Beschneidung nach jüdischer Art. Und da traf Paulus die drei Säulen der Gemeinde an: Jakobus, den Bruder Judae, Söhne des Jakobus Alphäus oder Kleophas und der Maria, der älteren Schwester der Leibesmutter Jesu, den Evangelisten Johannes und den Petrus.
Saget Mir, wie verhält sich hier die historisch erwiesene Wahrheit aus dem Neuen Testament mit den römischen Traditionen? Ich sehe die zweite Lüge, dass Petrus nicht ununterbrochen in Rom war. Ich sehe, dass Petrus in Jerusalem eine Säule der Gemeinde war und nicht in Rom. Ich sehe, dass Paulus unvorangemeldet nach Jerusalem kam, und Petrus da als eine der drei Säulen der Gemeinde antraf und nicht etwa von Rom hergerufen wurde. Ich frage euch: Welche Antwort wisset ihr Mir darauf zu geben, die Mir stichhaltig wäre!“
Die Priester standen wie auf Dornen, denn ihre Gemeinde fing an zu sagen: „So steht es mit der historischen Wahrheit? Wir sind also belogen von euch, das ist nicht übel! Und wir glaubten so fest an eure erlogene Geschichte. Höre, lieber Mann! Wenn Du noch etwas weißt, was stichhaltig ist, so erzähle nur. Wir sehen, dass Du die Wahrheit sprichst.“
Ich sagte: „Gut, wenn ihr die Wahrheit hören wollt, so will Ich euch noch weitere Beweise von der Stichlosigkeit der priesterlichen Angaben in Glaubenssachen geben, und somit höret ihr Mich an: Der dritte sehr ausschlaggebende Beweis, dass Petrus nicht der Bischof von Rom war, ist der erste Brief Petri an die christlichen Bekenner in Pontus, Galatien, Kappadocien, Asien und Bithynien. Dieser Brief wurde allgemein als zwischen 51 und 61 verfasst anerkannt und in der Babylon oder später Bagdad genannten Stadt verfasst. Die genannten Länder liegen alle in Asien, vom schwarzen Meere angefangen, entlang in Kleinasien herab bis zur Grenze von Cilicien, und wenn ihr dann noch Syrien dazu nehmet, wo Babylon lag und wo Petrus schon frühzeitig seine Glaubensstationen hatte und sie besuchte, wie die Apostelgeschichte erzählt, wo ihr Petrus in Lydda, Galiläa, Samaria, Joppe, Caesarea, zu Tyrus und Sidon usw. antreffet, also in Judäa, Galiläa, Phönitien, Syrien, Pontus, Galatien, Kappadocien, Bithynien und unter dem allgemeinen Namen Asien, worin viele Gegenden und Orte bei und um die genannten Länder in Asien zu verstehen sind. So wird es euch doch einleuchten, dass Petrus eine große Diözese, wenn man dies nach heutigem Namen bezeichnen würde, zu besorgen hatte, und dass dies nicht in Italien, sondern in Asien war.
Daher schaut aus dieser Aufklärung die dritte große Lüge der römischen Kirche heraus, wonach trotzdem Petrus in Rom und Bischof von Rom gewesen sei. Ich frage euch, ihr Beweise verlangenden Priester, ist das wahr, was ich sagte oder nicht?“
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