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32. Die alleinseligmachende Kirche

(Der Himmel ist die Verbrüderung aller Menschen. Geistige Entsprechung der überwundenen Untugenden im Menschen. Ein großer, aber sehr armer Ort der Römisch-Katholischen. Die römische als alleinseligmachende Kirche? Papst ein Stellvertreter Christi? Petrus war nie in Rom. Die Geschichte wird durch zeitgenössische Belege und nicht durch Schimpfen und Zanken bewiesen.)

Still und in sich gekehrt, wanderte die große Gesellschaft vorwärts und dachte nach über die große Aufgabe, welcher man gewachsen sein muss, um den Himmel zu erwerben und zum Vater zu kommen. Jetzt erst war es ihnen klar, warum die Verheißungen Christi so lange nicht in Erfüllung gehen konnten. Sie sahen nun ein, dass in den Himmel kommen soviel heißt als: Die Verbrüderung aller Völker, Sprachen, Nationen und Religionen ohne jeden und allen Unterschied.

Jetzt ward ihnen das Geheimnis der Verbrüderung des Wolfes mit dem Lamm, des Löwen mit dem Rind usw. klar, dass dies die inneren Leidenschaften zwischen Menschen und ihren abstoßenden Unterschieden bedeutet, welche überwunden und gezähmt werden müssen. Darum nahm sich jeder vor, das Äußerste ertragen zu wollen ohne Murren, ohne böse und vergeltungssüchtig zu werden.

In diesen stillen Betrachtungen und Vorsätzen kamen wir endlich in den sehr bedeutenden Ort, der aber lauter arme und in Fetzen gehüllte Menschen barg. Wir traten nun langsam ein und fragten, wer da wohne, obwohl schon alle aus meiner Aufklärung wussten, wer darin sich befand. Sogleich traten einige Priester auf und sagten: „Hier ist eine römische Gemeinde, wer aber seid ihr? Auch römischer Religion?“

Nun meldete Ich Mich und sagte: „Was ist das für eine Religion, die römische?“

„Nun ja, hast du noch nie gehört von römisch-katholischer oder römisch-christlicher Religion? Was bist du für ein Mensch, der diese Religion noch nicht kennt, sie ist doch auf der ganzen Erde verbreitet, und du hast noch nie etwas davon gehört?“

Ich aber antwortete ihm: „Jawohl, Ich habe schon gehört davon, aber Ich kenne keine römische und römisch-katholische, sondern nur eine christliche als alleinseligmachende Religion.“

„Nun ja, das ist ja die römisch-katholische.“

„Ja gut, saget Mir aber das, warum nennet ihr sie nicht die christliche Religion, da doch Christus ihr Stifter war und der war nie in Rom?“

Darauf antworteten die Priester: „Das ist wohl wahr, dass Christus leiblich nie in Rom war. Aber geistlich, denn Er ist Gottessohn und als solcher ist Er überall, somit auch in Rom und Er ist es, dessen Stellvertreter unser Papst, der heilige Vater in Rom ist. Der Papst als Nachfolger Petri und Stellvertreter Christi nennt nun die christliche Religion, deren Haupt auf Erden der Papst ist, die römisch-katholische, weil ihr Haupt in Rom residiert, wo der erste Papst, der Apostel Petrus, zuerst seinen Bischofstuhl aufgerichtet hatte.“

Auf diese Antwort gab Ich ihnen die Frage auf, sie sollten Mir aus der Heiligen Schrift nachweisen, dass Petrus in Rom und der erste Bischof von Rom war, da Ich das nirgends begründet fände.

Diese Frage brachte die Priester in Wut und sie fingen uns zu beschimpfen und zu verdächtigen an, dass wir Ketzer seien und wahrscheinlich Protestanten, die sich jetzt breit machten, um die wahre Mutterkirche des Christentums zu schädigen.

Ich unterbrach sie aber und sagte: „Höret, ihr Unverträglichen! Die Geschichte wird nicht mit Schimpfen, Zanken und Verdächtigen bewiesen, sondern durch zeitgenössische schriftliche Beweise. Wo habt ihr nun diese, die uns allein maßgebend sind?“

Wieder hoben die Priester an zu schimpfen, dass wir Ketzer seien, wenn wir das nicht glaubten, was die unfehlbare Kirche zu allen Zeiten gelehrt habe, und somit müsse es auch wahr sein, was sie behaupten.

„Gut“, sagte Ich, „Ich will euch gern glauben, da es Mir nicht darum zu tun ist mit euch zu streiten und eure Religion in den Kot zu ziehen, sondern bloß, um die Wahrheit zu erfahren, ob sich das wirklich so verhält, wie ihr behauptet, denn Mir geht die Wahrheit über alles und von der trete Ich nicht um ein Haar ab, also auch euch gegenüber nicht, und daher müsset ihr euch schon besser zusammennehmen, uns Rede zu stehen.“

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