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31. Erscheinlichkeiten in der Landschaft, die das Innere ihrer Bewohner anzeigen

(Auftreten und Rede Martin Luthers und die brausende Begrüßung seitens der Ortsgenossen. Letztere werden in die Gesellschaft aufgenommen. Reise in eine sehr steinige Gegend, als Abbild des Inneren ihrer Bewohner. Prüfung der Tugenden der werdenden Himmelskinder an fanatischen Katholiken. Die Liebe ist der Wanderstab zum Vater.)

Nach diesen Worten trat Martin Luther auf und begrüßte sie mit folgendem Gruß: „Liebe Brüder und Schwestern! Als Begründer der protestantischen Religion, Dr. Martin Luther…“. Bei dieser Nennung erschallte ein brausendes: „Hoch unser Lehrer und Apostel der Reformation!“

Als der Jubel sich legte, fuhr er weiter fort: „Als Lehrer der wahren Christuslehre teilte ich Freud und Leid mit euch, wie das wechselvolle Leben es mitbrachte. Nach vieljähriger erfolgreicher Tätigkeit hat es der liebe himmlische Vater beschlossen, und mich aus der Welt des Wirrwarrs und der Verfolgung geistigen Lebens zu Sich gerufen. Hier stehe ich nun vor euch und kann euch mit Freude erzählen, dass mein Leben gesegnet und mein Lohn groß ist, denn ich bin auf dem Wege zum Vater, was auch aus der Begleitung der Jünglinge, die uns ein so schönes Loblied zu Gott für die geschenkte und gesegnete Mahlzeit sangen, zu ersehen ist. Auch die himmlisch gute Mahlzeit beweist euch, dass wir von Engeln umgeben und in Gottes Liebe vorwärts gehen.

Eure Bereitwilligkeit, uns mit Obst zu bewirten, hat die beste Wirkung auf unseren vielgeliebten Führer zum Vater ins Neue Jerusalem gehabt. Daher hat Er beschlossen, durch mich euch zu verkünden, dass eure gegenseitige und Gottes- und Nächstenliebe Ihn bewogen hat, auch euch mitzunehmen. Daher bleibet gleich bei uns und lasset alles stehen. Es werden schon andere in diese Gegend kommen und euren Ort einnehmen, während ihr mit uns zum Vater Jesus kommen könnt, wo ihr viel Schöneres und Besseres antreffen werdet, als das, was ihr hier verlasset. Darum überlegt nicht viel, sondern ergreifet die seltene Gelegenheit und kommet mit!“

Die Ortsbewohner ließen sich das nicht zweimal sagen, sondern als Martin Luther geendet hatte, riefen alle: „Hosianna unserem Gott und Heiland Jesus! Halleluja unserem vielgeliebten Jesus, unserem Erlöser! Wir gehen mit, wir wollen alle gehen und niemand bleibe zurück! Denn was wir hier gesehen und erlebt haben, ist uns ein genügender Beweis, dass du die Wahrheit gesprochen. Daher hoch unserem Glaubenslehrer Dr. Martin Luther!“

Damit war die Rede und auch unser Aufenthalt hier beendet, und so brachen wir auf, nachdem unsere Menschenmenge bereits bei 200.000 Köpfe groß war, in eine andere sehr unwirtliche Gegend gehend. Nach mehrstündigem Marsch kamen wir endlich in eine sehr steinige Gegend, wo kein rechtes Wachsen, sondern nur Wuchern der Gewächse anzutreffen war.

Ich sagte zu der Gesellschaft: „Sehet an die Gegend! Wie die Menschen innerlich sind, so sieht auch ihre äußerliche Umgebung aus, denn sie wurde aus ihrem inneren geistigen Leben in die Erscheinlichkeit gestellt, und so sehet hier die unwirtliche Gegend des geistigen Lebens ihrer Bewohner. Hier werden wir ein Sträußchen der Überwindung unserer Natur auszufechten haben, um nicht strafbar vorzugehen.

Bisher haben wir Protestanten gesammelt auf unserem großen Fischzuge. Nun kommt eure Geduld zur Probe gegen unduldsame römisch-fanatische Priester und ihre Gläubigen. Nehmet euch zusammen, dass ihr Böses mit Gutem, mit Liebe erwidert. Denn die Bewohner des Himmels müssen vollkommen sein in Liebe, Demut und Geduld wie ihr Vater Jesus, sonst sind sie unreif für den Himmel, wo nur die Liebe regiert. Deshalb habe Ich euch hierher geführt, um eure Tugenden zu prüfen.

Die Kinder des Vaters müssen nur gute Tugenden haben und keinen Unterschied unter den Menschen kennen. Also kein Religionshass, kein Nationalhass, kein sonstiges Übel an Nebenmenschen darf sie beirren, sondern sie müssen alle gleich, ob Freund oder Feind betrachten. Denn wie Gott keinen Unterschied unter Seinen Kindern kennt, so dürfet auch ihr keinen kennen wollen. Sie sind eure Brüder und Schwestern, weil ebenso Kinder desselben Vaters wie ihr. Darum müsset ihr die äußerste Geduld mit ihnen haben und nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern mit Gutem. Denn so lange sie böse sind und Unterschiede zwischen Menschen machen, so lange sind sie geistesfinster, und wer kein Licht in der Finsternis hat, den soll man nicht hassen und verdammen, sondern liebreich bei der Hand nehmen und durch liebevolle Belehrung aus seinem geistigen Labyrinth führen.

Seht, das ist eure Aufgabe auf unserer Wanderung, und je früher ihr euch bewährt habt als Kinder des Vaters, desto früher werden wir am Ziel unserer Prüfungswanderung sein und zum Vater gelangen. Ihr müsset voller Liebe sein, und wenn dies erreicht wird, dann seid ihr am Schluss der Prüfung. Also merket euch diese für euch entscheidende Belehrung, denn sie ist der Wanderstab zum Vater der Liebe. Nun aber wollen wir unser Glück probieren und so gehen wir mutig los, nur das Ziel der Erlösung dieser armen Seelen vor uns habend und betreibend.“

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