← Zurück zu „UR-Ewigkeit in Raum und Zeit“

Der erste Schöpfungstag – Da ward aus Abend und Morgen, der erste Tag

1-135    Doch die UR-Lichtflut ist gerade der stabile Grund, worauf Du alle Seligkeiten Deiner Kinder baust. Wir aber ebenfalls wollen Dir zum guten Grunde werden, damit jederzeit Deine Tagesrechnung stimmen kann. Wir bedürfen hierzu Deiner fortgesetzten Hilfe. Laß sie uns, göttliche Majestät, stets angedeihen! Möge nun die erste Antwort aus uns sieben eines Sinnes mit Deinem heiligen Ratschluß sein.

1-136    Ewige Allmacht! Du hast die Gesetze der Bedingung und des freien Willens Ofenbart und als gewaltige Pole Deiner Autorität allen Schaffungen gesetzt. Gib Deine Bedingungen in unsere Hände; siehe, wir legen Dir dafür die Willensfreiheit in die Deinen. Du selbst als unser UR sei Mittler zwischen beiden. Es wird immer Deiner Ordnung vorbehalten sein, den Ausgleich beider Fundamente also zu enthüllen, daß jedes Kind Deiner hocherhabenen Gnade eingedenk bleibt. Aus mir unerkannten Allmachtstiefen hast Du mich zu Form und Wesen, zu einem Engelsfürsten geboren, zum Träger einer Deiner Sinneskräfte.

1-137    Da ich noch in Dir war, war ich ein Stück Du Selbst! Ein Strahl trifft mich: Jene Werke waren ungeheuer vorbereitender Aufbau für den UR-Zyklus, in dem Du uns zum eigenen Ich, zu Geschöpf, Geist, Seele und Kind gestaltet hast. Einen Großteil Deiner Wesenheit gabst Du hin; dafür willst Du dieses wundersame Kind-Werk krönen, wie noch mit keinem Deiner Werke je geschah! Welche Wunderherrlichkeit!! Dennoch ahne ich, daß Tage kommen, wo das erhaben angelegte Kind-Werk unfaßliche Kraftproben bestehen muß. Noch weiß ich kein Wie, Warum und Wann; Du hast mir bloß zur Vorschau meine Augen aufgetan.

1-138    Erhabene Heiligkeit! Von Deinem Geist, von Deinem Wort, von Deiner Hände Arbeit hängt der Werklauf ab. Hast Du mich zum Träger einer Deiner Eigenschaften vorbedacht, so laß mich zuvor bitten: Gib mir aus Deiner Schöpfer-Herzkammer die Macht, daß ich die Ordnung dienstbar machen kann. Hast Du uns so Herrliches bereitgestellt, wer von uns, o gnadenreicher UR, mag Dich um Deinen Lohn betrügen?! Darum anerkenne ich das freie Willensgesetz neben Deinen heiligen Bedingungen in hochgerechtem Ausgleich als einzig wahren Ordnungsgrund! Nur so werden Deine Bedingungen das allgewaltige Ziel, wird auch das freie Willensgesetz die Krönung des Kindwerkes herbeiführen. Dann wird am Ende dieses Jahres Dein Jubel auch unser Jubel sein, wenn Du — Allmächtiger und All-Erhabener — im Glanze Deiner Herrlichkeit die Vollendung Deiner Tat-UR-Schöpfung fertig vor Dir siehst!!

1-139    Soll ich dem Werke dienen, so bitte ich Dich abermals: Wirke Du, mein UR, in mir, wie ich jederzeit in Deinem Herzen bleiben möchte. Stets bin ich ein Werksgehilfe, wie Du das von mir erwarten kannst. Gestaltung und Vollendung sind bei Dir! Der Du Deine Tage segnest, segne mich, daß ich in Ewigkeit bestehen mag. Trage mich, dann bin ich ein Träger Deiner Kräfte; führe mich, damit ich führen kann; erleuchte mich, daß ich als Lichtfürst eine wahrhaft helle Fackel werde; stehe Du mir bei, damit ich aus Berufung und Erwählung auch ein Beistand bin, so dieses nötig werden würde. —

1-140    Gelobet sei Dein Name, UR, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Alle Ehre Dir, Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger. An Deiner Seite will Dein erster Engel immer bleiben. Sprich auch zu mir das heilige ‚Amen‘, das Deine liebliche Sadhana aus ihrem Herzen schöpfte und dem Du als Vater der Barmherzigkeit den tiefen Sinn gegeben hast. — Mein geliebter UR, laß Deine Herrlichkeit uns offenbar erkennen.“

1-141    Lichüberflutend und andächtig knien die Engel auf dem blauen Teppich nieder. Haben sie recht gesprochen? — Da klingen heilige Worte durch den Raum; geheimnisvolles Wehen berührt die Kinder, so daß sie alle erschauernd niedersinken. Und das ist es, was ihnen höchste Wonne und zugleich erschütterndes Verstehen bringt:

1-142    „Amen! Und noch dreimal Amen! Das soll wahrhaftig so geschehen!! Wahrlich, auf solche erste Fürsten Meine Arbeit abgestellt, ist das Fundament nicht zu zerstören! Mein Lichtfürst, Träger Meiner ersten Eigenschaft, du sollst an jener Pforte Wache halten, durch die die Kläger schreiten müßten, würden Meine Bedingungen und der freie Wille einst mißbraucht. Zugleich ist es die Pforte der Gesetzesträger mit den unwandelbaren Gesetzen, ohne welche kein Schaffenswerk erhalten bleibt. Der zweite Engelsfürst wird mit dir wachen; denn zwei Wächter bestelle Ich, Meine Gesetze und ihre Einhaltung zu hüten. Jetzt könnt ihr die Größe der schöpferischen Aufgabe nicht ermessen, ihr ahnt sie nur. Doch die Zukunft lehrt sie euch.

1-143    Nun sollen Meine andern Fürsten zeugen, damit der Tag seinen Fortgang hat.“ UR selbst hebt Seine Kinder auf und nimmt Seinen Stuhl wieder ein. Nachdem alle bis auf den siebenten geredet haben, ergibt sich, daß der dritte und vierte Engel die zweite Pforte innehaben, durch die URs Bedingungen den Tagen zuzutragen sind; an der dritten Pforte stehen der fünfte und sechste Engel, über deren Schwelle die Gerechtigkeit — auf ehernen Tafeln als Gravur — zur Offenbarung an das Werk gelangen.

1-144    Nun kniet der siebente Engel auf dem weißen Raumteppich. Es waren gewaltige Antworten vom Heiligtum gehört. UR hebt segnend Seine Hände hoch, feierlicher Glanz erleuchtet Sein Gesicht. Seine Größe, die heilige Erhabenheit ruhen fast fühlbar auf jedes Kindes Haupt. Sie fühlen sich in eine unbekannte Höhe wachsen, eine Höhe, auf der UR thront, wenn Er Sein Werk zur Mitternacht in Seinen Quell versenkt. Seine ehrfurchtgebietende Gestalt erstrahlt im Feuer Seiner Sonne. O Ihr ersten Kinder aus dem Werk der Tat, selig seid ihr zu preisen, daß ihr das erlebt! Noch immer fällt die Pracht der frühen Morgenröte in den Raum, die die Kinder in Gottes Mantel hüllt; und ihr Wesen ruht trotz eigenem Leben in UR, dem Ewig-Einzigen.

1-145    Selig seid ihr zu nennen, liebliches Kind, starke Engel, die ihr schon an diesem Anfang vor dem Angesicht des Herrn verweilen dürft. Und zum dritten seid ihr selig, daß ihr Seines Mundes Rede hört und Ihm Antwort geben könnt. Also seid ihr viertens überselig, da ihr von Seinem Stuhl und Heiligen Herd zuerst berufen seid und sitzt auf euren Stühlen in der Herrlichkeit der Herrschaft. Euere Angesichter tragen Seines Feuerglanzes Widerschein. — Die Stille ist vorbei. UR legt Seine Hände auf das aufgeschlagene Buch. Neuer Lichtglanz, die UR-Sonne hat sich bewegt! Und der All-Heilige spricht also:

1-146    „Meine Sadhana, ihr Fürsten! Ihr gleicht geöffneten Schalen, in die Ich nun den Samen legen kann. Ihr habt nicht nur jenen Entschluß gefaßt, der Mir viel Schöpferfreude brachte, sondern auch gerecht gesprochen, euer eigenes Leben Mir zu überlassen. Noch könnt ihr die Folge nicht ermessen; doch der Tag hat euer Tun schon segensreich erfaßt. Wir — Ich mit euch und ihr mit Mir — werden ihm das Ziel, zubereitet in der viergeteilten Schöpfung, spenden. Aber nicht allein das Ebene, sondern auch ein möglich Unebenes durch der Kinder Freiheit ist zu bedenken. Meine UR-Sonne aber hat es euch verkündet:

DAS HOCHZIEL WIRD ERREICHT!

1-147    Euch leitete der Gedanke an Mich. Das war der ‚Garant‘ der Erfüllung. Ob darüber hinaus auch einmal sich ein Kind verirrt, in Unkenntnis der Folgen, die aus falschen Gedanken, unwahren Worten und einer eitlen Tat erstehn, so werden andere Kinder, die Mir in dieser Schöpfungsmorgenstunde ihr Willensopfer brachten, sich bald mit einem Panzer gürten und das Werk verteidigen. Dann bin Ich ihr stählerner Schild! Weder Schild noch Panzer werden je zerbrechen!!

1-148    Würde außerhalb einer Schutzwehr, die für Meine Getreuen zu errichten wäre, ein Widerstreit entstehen, ja selbst wenn ein Kampf gegen Mich entbrennt, würden Teile der äußeren Schöpfung im Feuerbrand verzehrt — so sei euch gesagt:

Alles das wird vergeblich sein, so es geschieht!

Kein Kindgedanke, löst er sich gleich willkürlich von Mir ab, kann jemals aus der Innerheit Meines UR-Wesens scheiden! —

1-149    Nun ihr eure Entscheidung brachtet, ist auch Meine Entscheidung gefallen. Höret sie! Das Kind-Werk, durch Äonen erwogen, geprüft, erbaut und zur Vollendung zubereitet, in Meinem Schöpfer-, Priester-, Gott- und Vaterteil bis zur inneren Vollkommenheit geführt, wird nun im Tat-UR-Jahr innerlich und äußerlich sich bilden; und nichts vermag auch nur hemmend in das Rad Meiner Allmacht einzugreifen! Das sage Ich, der Ewig-Heilige UR, der Ewig- Einzige und Wahrhaftige!!

1-150    Zum Zeichen dessen sei euch offenbart, daß zwar während der ersten Tat-Jahr-Woche ein Stachel aufzurichten wäre kraft des freien Willens. Wer immer aber einen Stachel wachsen ließe — eine Erkenntnisstunde wäre jedem anberaumt um eurer herrlichen Entscheidung willen; und in derselben würde jener wohl erkennen müssen, daß er nicht Mich treffen, sondern selber bis zum Tode sich verletzen kann! —

1-151    Mein Ziel bleibt unverrückbar bestehen! — Wie Ich euch jedoch zu eurer freien Entscheidung eine wie ungemessene Zeit überließ, so soll dann dem Tag, in dem solcherlei geschähe, innerhalb seiner Zeitgrenze in Gnaden auch eine wie ungemessene Zeit belassen sein, in der nach jedem Fall eine Erkenntnisstunde kommt. Für Meine Zeit wäre diese eine Sekunde, für Meinen Raum eine winzigkleine Zelle; für den Abgeirrten aber qualvollste Ewigkeit!“

1-152    UR begibt sich vor den Heiligen Herd. Weiß leuchtet Sein Gewand, mit breitem Goldsaum und silbernen Sternen ausgeschmückt. Goldene Schnüre hängen von den Schultern bis auf die Hüften nieder. Ein geflochtener Gürtel, wie ein Regenbogen blitzend, besetzt mit Saphiren, Topasen, Rubinen und Diamanten, hält das Kleid. Die Krone gleißt, und auf der Brust leuchtet das Zeichen der UR-Sonne. So überaus herrlich angetan, unbeschreiblich in Seiner höchsten Majestät, steht Er vor dem siebenten Fürsten und spricht:

1-153    „Mein Lichtengel, Träger der siebenten Eigenschaft, du sollst am vierten Tore stehen, Hüter und Wächter Meiner ewigen Sanftmut, die als alles belebendes Wasser aus der Opferschale fließt. Durch Deine starken Hände soll der Strom geleitet sein. Wem du ihn gibst, der wird vor Meinem Angesicht bestehen; wem du ihn vorenthälst, wird Mich nicht schauen! Handle nach deinem Herzensgebot und lasse es nach Meinem Vatersinn sein Werk verrichten.“ Er wendet sich an alle:

1-154    „Meine Kinder, noch könnt ihr das Gesagte im erst angebrochenen UR-Jahr kaum begreifen, weil alles erst allmählich seine Steigerung erfährt. Dennoch ist euch die Ahnung eines Schöpfungsschicksals bewußt. Doch Ich sage euch: Jedes Schicksal liegt in Meiner Rechten, das seiende wie auch das künftige! Schmiedet sich ein Kind selbst ein törichtes Geschick, muß Ich darum auch sein Schicksal senden, so behalte Ich Mir trotzdem Meine Gnadenwaltung vor.

1-155    Nun sollt ihr aber euere Berufung erhalten“ Er führt Sadhana rechts an den Heiligen Herd, gibt ihr sieben Weihrauchkräuter und heißt sie diese nacheinander ins Feuer des silbernen Tellers werfen, sobald Er die Engelsfürsten ruft. Welche Seligkeit für sie, erstmals heiligen Dienst zu tun. UR begibt sich auf die Herrschaftsseite des Herdes, rückt den ersten Leuchter in den Tellerkreis und läßt Sadhana eine silberne Glocke vor den Leuchter schieben. Er schlägt am Siegelbuch die erste Seite auf und winkt das erste Engelspaar herbei.

1-156    „Es werde! Du erster Lebensgeist, beherrsche den Anfangstag des Tat-UR-Jahres durch Meine heilige Ordnung aus dem ersten Grundelement! Sei Dominant des Tages, damit das ganze UR-Jahr in gerechter Ordnung sich auf Meine Macht, Kraft, Gewalt und Stärke stützen kann. Im Zeichen des Feuers sollen Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel den Kindern den Impuls des Wortes und der Tat erbringen, so daß aus diesem allen einst die herrliche Folge anzugliedern ist.

1-157    Streckt eure Hände aus über den Heiligen Herd. Du, Cherubim, bist Uraniel, der Ordnung Hoheitsträger aus Meinem Inneren des Schöpfer-herz-teils; du, Seraphim, bist Urea, die Hoheitsträgerin nach dem äußeren Prinzip. Ihr seid eine Fackel bei Meinem Stuhl. Als Engelsfürst sende Ich euch aus, die Ordnung zu vertreten. Nehmt das Zeichen eurer Würde an.“ UR zieht unter der Silberglocke eine Waage vor, behaucht sie einmal, und zwei Händepaare nehmen sie in Empfang.

1-158    „Auf dieser Waage“, sagt Er, „soll jedes Kind und jede Tat gewogen werden. Was ihr wiegt, das bleibt gewogen; was ihr wägt, das bleibt zurück, bis aus Raum und Zeit ein neuer Aufstieg kommt! Gewogen wird, was sich in Meine Ordnung Fügt; gewägt, was sich dawider stellt. Seid Hüter Meiner unwandelbaren Gesetze, die durch euer Tor getragen werden. Prüfet auf der Waage auch die Kläger, sollten solche doch erstehn, um Mein Gericht herauszufordern. Stellt sie hin, wo sie für immer bleiben soll.“ Tief sich neigend geben Uraniel und Urea die Waage an den gleichen Platz, wo sie vordem stand und antworten:

1-159    „O Ewig-Heiliger UR, Du bist der Heilig-Höchste! Aus Deiner Hand empfingen wir die Waage, an Deinen Ort geben wir sie gern zurück. Du hast uns berufen; sieh, unsere Arbeit an Deinem Werk sei unser Dank. Als Hoheitsträger Deiner Ordnung wollen wir die Hüter Deines Feuers, Deiner unwandelbaren Gesetze sein. Ehe aber jemals Kläger kämen, stehen wir durch Dich als ewige Erfüller Deiner Ordnung da. Und wir werden prüfen! Was der Wägung anheimfällt, soll Deine Stätte nicht betreten, als bis die Stunde der Erkenntnis schlägt. Doch dürfen wir vor Deinem Angesicht der erste Deiner Engelsfürsten sein, so bitten wir: Bleibe immer unser UR, unser ein und alles!“ Wieder neigen sich die reinen Geister nieder und opfern kniend Lohn und Dank.

1-160    Als sie sich erheben, steht UR vor ihnen, heftet an die rechte Schulter ihrer Gewänder ein blaues Band, das sich an der linken Hüfte zu einem losen Knoten zusammenschlingt und bis auf den Kleidsaum fällt. Nach dem erhaltenen Segen schreiten sie zu ihrem Thronstuhl zurück, und es werden alle übrigen Engelspaare berufen entsprechend der ihnen anvertrauten Eigenschaft. In dieser Berufung liegt ihre große Gleichberechtigung, ihre einheitliche Mitarbeit. Die Tageswahl des ersten Fürsten berührt in keiner Weise diese Gleichheit. Das ist werkbedingt. — Nun folgt eine größere Belehrung, die allen gilt und deren Schluß lautet:

1-161    „Meine liebliche Sadhana, ihr Fürsten, Ich habe euch Mein Werk und das Werk euch anvertraut. Den Grundstein guter Erkenntnis bildet die in Meinem Sinn gerecht beantwortete Frage und die Annahme des freien Willensgesetzes. Damit sind eine ganze Reihe Bedingungen verknüpft, die sich erst auf diesem Weg einhalten lassen.

1-162    Ich sprach von den ‚unwandelbaren Gesetzen‘. Würden Raum und Zeit nur solche Art erhalten, so wäre von Anfang an das freie Willensgesetz überflüssig. Ich erschaffe aber kein Gesetz, das andere gleichfalls bestellte Gesetze annulliert. Beide Begriffe, unwandelbar und frei, sind zwei Gegensätze, deren Ineinanderfügen und gerechter Ausgleich höchsten Einsatz fordert, und zwar nicht allein von der Ordnung als dem Dominant des ersten Tages, sondern alle Grundlebensstrahlen und Sadhanas persönliches Bewußtsein müssen auf den Plan treten, ansonst kein Ausgleich für die Kinder möglich wird.

1-163    Wie leicht in Wahrheit beides, unwandelbar und frei, zur herrlichen Werkeinheit zu bringen ist, wird euch gezeigt. Seht, wie leicht sich Meine rechte und linke Hand ineinanderfügen, obwohl die Arme rechts und links am Körper angewachsen sind. Durch beide Hände wird eine vollwertige Tat erzielt! Dasselbe gilt der Tiefe und Höhe, Weite und Nähe Meiner UR-Wesenheit. Wer will sie als Raum zusammenfügen? Wer aber mit Meinem Geist und einzig um des Werkes willen aus der Tiefe zur Höhe, aus weitester Ferne in Meine innerste Herzensnähe strebt, der hat vollwahr in sich diese UR-Dimensionen vereinigt und gibt‘s her nach für ihn keine Trennung oder Gegensätzlichkeit.

1-164    Die Tage werden manches bringen, was den Anschein starker Gegensätzlichkeit erweckt. Dennoch werden die unwandelbaren Gesetze als Grundstock Meiner gerecht gestellten, Mir vorbehaltenen Bedingungen mit dem freien Willensgesetz, das als Grundstock die Wandelbarkeit besitzt, zu höchster Harmonie gelangen. Ja, ernstlich: Die fundamentalen Grundpfeiler der Vollendung des Tat-UR-Jahres sind

unwandelbares und wandelbares

Prinzip, Bedingung und Freiheit!

1-165    Dieser sich ausgleichende Gegensatz betrifft jedes Hauptwerk, ewig von MIR ausgehend für den Aufbau und das Ziel; und alles Nebenwerk, das die Beweglichkeit der Richtung und des Laufes erhält, ist von den Kindern frei auszuüben. Jedes Hauptwerk hat in seinem Aufbau das unwandelbare Gesetz, im Ziel die Bedingungen, während die Nebenwerke in der Richtung eine gesetzmäßige Wandelbarkeit tragen, der Lauf hingegen dem freien Willen unterworfen ist.

1-166    Ein durch Kinder freiherrlich gebildetes Teilwerk trägt aber auch Aufbau und Ziel in sich insofern, als im Kinde sich weit eher Gedanke und Folge zusammen fügen, während Wort und Tat erst allmählich werkgemäß erstehen. Das geschieht aus Meiner Hilfe, zwar geheim Meinem UR-Sein entsprungen; sie wurzelt größtenteils in den wandelbaren Gesetzen, weil durch sie ein Kind leichter zur Vollendung heranzubilden ist, ohne es seiner Willensfreiheit zu berauben.

1-167    Ihr fragt, was wandelbare Gesetze sind und wie sie in Meiner UR-Ordnungsbahn einzugliedern wären, Nun seht: Aus einem puren Nichts kommt freilich nichts; und ohne Gedanke, Wort und Tat gibt es keine Offenbarung. Hat aber jemand einen Gedanken gefaßt, so bildet er ihn notgedrungen aus und spricht: So will ich‘s tun! Er kann auch mit einem andern Kind gemeinsam schaffen oder kann — was das Beste ist — Mich um Hilfe bitten und obwohl sein Gedanke richtig sei. Die Entscheidung beruht schon auf einer Wandelbarkeit, wenn das Kind mit einem anderen oder bewußt mit Mir zur guten Tätigkeit gelangt. Ausschlaggebend ist immer der Gedanke, weniger die Begleitumstände. Ein im Herzen geprüfter Gedanke kann beste Früchte bringen.

1-168    Diesem liegt das Gesetz der Vollständigkeit zur Grunde. Nun kommt es aber darauf an, ob der kleine Werkmeister auch Richtung und Lauf bestens überprüft. Hätte Ich dem Werkgedanken allein ein gutes Soll als unwandelbares Gesetz gegeben, so wäre die freie Kindarbeit daran gebunden, und es käme die Bedingung mit dem freien Willen in Konflikt. Macht das Kind aber schon bei seinen Plänen Fehler, so stellt ein wandelbares Gesetz die Ausführung in Abhängigkeit; das heißt, der kleine Werkmeister muß nun selber sehen, wie er seinem Werk die nicht selten innerlich geschaute Schönheit angedeihen lassen kann.

1-169    Hier zeigen wandelbare Gesetze eine unbegrenzte Güte an. Raum und Zeit sind Mein! Überlasse Ich beide den Kindern auf längere Sicht, so bringt mancher Umweg dennoch Nutzen, indem das Werdende so oft umwandelt wird, bis es das gedachte Ziel erreicht. Daß ein Umweg zweckdienlich erfolgt, ist Meiner Fürsorge überlassen. Nur völlig falsche Werke fordern Bedingung und Unwandelbarkeit heraus. Ob aber solches überhaupt geschieht? Wäre das mit der UR-Gesetzmäßigkeit zu vereinigen? Oder: Was könnte den Lauf eines Schöpfungstages ungefährdet und ungehemmt gestalten? Durch euere Anerkenntnis hat das freie Willensgesetz volle Gültigkeit. Eine zwangsläufige Führung oder Rückbildung ungerechter Werke sind an sich ausgeschlossen.

1-170    Dabei rücken die drei weiteren Fragen näher. Ich sprach von einer Möglichkeit, daß sich durch willkürliche Inanspruchnahme des freien Willens eine ordnungswidrige Tat ergibt, aber solchen Falles weder Tat noch Kind zwangsläufig umgeändert oder etwa aufgelöst werden brauchen, sondern durch Erschließung neuer Wege das Kind samt Tat der Schöpfung, im Vollernst also MIR, erhalten werden kann.

1-171    Aus dem Werkraum ist nichts herauszunehmen und außerhalb hinzustellen; dennoch würde eine Falschtat das Kind von Meinem inneren Wesen lösen, weil es die Verbindung aufgehoben hätte. So würde es in eine sonderbare Konstellation geraten. Nämlich: Im Augenblick, wo es sich von Meinem Wesen löst, ist es unfrei geworden, ist an seine schöpfungswidrige Tat gefesselt, als Gefangener seiner selbst. Das ist eine bittere Haft, weil solcherart die Einsicht fehlt, die erst durch unbedingte Führung hergeleitet werden muß.

1-172    Auf die eigene Erkenntnis kommt es aber dabei an. Würde hingegen ein Abweichen bis hart auf die letzte Daseinsgrenze erfolgen, dann werde Ich als Schöpfer keinesfalls nur des Gesetzes freien Willen und dessen Wandelbarkeit dulden, weil so dem Werk Gewalt geschähe. Das darf nicht sein! Ich werde das zur freien Entfaltung gegebene Willensgesetz aufs höchste beachten, doch auf dieses die Bedingungen zu einer restlosen Wiedergutmachung begründen.

1-173    Eine Wiedergutmachung kann große, sogar ein höchstes Opfer nach sich ziehen, und es bliebe zu erwägen, ob eine Vollerlösung möglich sei. Dazu nun die drei angekündigten Fragen, und zwar: Soll eine Wiedergutmachung durch das freie Willensgesetz oder nur aus den Mir vorbehaltenen Bedingungen geschehen? — Zweitens: Können Einzelopfer, die eines Werktages Zeit ungebührlich überlasten, eine Wiedergutmachung erstellen oder wäre ein einmaliges UR-Opfer aufzubringen, das sowohl die Bedingungen wie auch das freie Willensgesetz rechtfertigen? — Und drittens: Darf ein höchstes Opfer eine Vollerlösung innerhalb von sieben Tagen folgen, oder sollte so ein Kind — nach Erkenntnis zwar begnadigt — vier Schöpfungswochen fern von Meinem Herzen leben müssen, damit es lange spürt, was es Mir und Meinem Werke tat? — Diese Fragen sind genau zu prüfen, den euer Werden hängt mit davon ab. Auf einiges will Ich euch verweisen:

1-174    Die Wiedergutmachung besäße zwei Wege, einen, der das Kind beträfe, und einen, der durch andere Kinder einen Ausgleich brächte. Welcher Weg müßte wohl der erste sein? Wäre einer vom anderen abhängig zu machen? Weiter: Käme schon das genannte UR-Opfer in Betracht, so würde dieses einen Opfersinn, wenn auch als heiligen Schatten, über alle Kinder werfen. Wäre das gerecht, so sie Mir ihre Treue hielten? Aus welchem Grunde sollten sie die etwa folgenden Kindopfer auf sich nehmen? Warum unverschuldete Last tragen?!

1-175    Wie aber, wenn nicht nur aus Unkenntnis, sondern aus bösem Willen abstrakt gehandelt würde? Müßte aus Gerechtigkeit nicht mindestens die Zahl aller Opfer und deren Zeitverlust ertragen werden, um dergestalt eine Vollerlösung zu erlangen? Denn Meine Gerechtigkeit ist das oberste unwandelbare Gesetz! — Würde aber so der letzte Erlösungsakt nicht bis zu einem Jahresende hinausgeschoben sein? Ihr Kinder könnt die Zeiten und Wege nicht ermessen, nicht die Last der Opfer wiegen, die aufzubringen wären, wenn eine Falschtat aus bösem Willen käme! Geschähe aber schon aus freiem Wiedergutmachungswillen der Schöpfungsausgleich durch einen Heils- und Erlösungsplan, wer — so frage Ich — möchte jenes große, heilige einmalige Opfer freiwillig auf sich nehmen? Wer brächte das zuwege?!

1-176    O Meine Kinder, bei allem kommen keine willkürlichen Lenkungen in Betracht, weil Ich Mich nicht um Meinen Lohn betrügen will! — Doch zunächst genug davon; der Verlauf der ersten Schöpfungstage wird euch die Fragen noch erhellen. — Folgt Mir daher, denn bisher habt ihr nur Mein Heiligtum gesehen. Aber Herrlichkeiten warten ja auf euch; und viel Schönes ist zu erschaffen, wobei ihr als Meine Helfer Mir zur Seite stehen dürft.“

1-177    UR schreitet über den blauen Teppich durch das erste Tor, gefolgt von Sadhana und Seinen sieben Fürsten. Draußen bleiben die Kinder staunend stehn. Die Tiefe eines Raumes, von dem ein Teil wie von einer Mauer eingehegt ist, tut sich ihnen auf. Dahinter sehen sie unermeßliche Lichtfelder. Vor den Toren des Heiligtums befindet sich ein Quell, aus dem vier Wasser strömen, das Heiligtum einmal umfließen und jedes eine den Kindern noch unbekannte Richtung nimmt.

1-178    Um den Quell stehen vier Lebensbäume. UR erklärt ihnen die Gebilde. Die Lichtfelder erweisen sich als sieben aneinandergereihte Sphären. Nebelhafte Dinge sehen sie darin, die noch der Anrührung bedürfen, um offenbar zu werden. Eine Hochflut schöpferischer Harmonie erwacht, unfaßbar in ihrer Herrlichkeit. Die Kinder sind im Anblick all dessen tief versunken. UR läßt ihnen Zeit, ist ja ihre Freude Sein reichster Lohn. In Seinem UR-Herzen schlagen ihre Herzen bang-selig wider. Endlich deutet Er voraus und sagt:

1-179    „Kommt, wir wandern durch das Licht! Nehmt es in euch auf, es ist urewiges Leben, was ihr genießt. Ja, Mein Leben gibt euch Kraft, um Schöpfungstaten zu vollbringen; hört, Meine Glocke verkündet eine Tagesstunde.“ UR schreitet zur Lichtmauer. Da folgt neues Staunen. Denn alles bisher erlebte Licht war weich, fließend, es drang durch ihre Körper, sie fühlten es innen ebenso wie außen. Nun aber? — Ehrfurchtsvoll und scheu berühren sie die Mauer; sie ist konstant. Sie probieren, ob sie wie das Licht im Heiligtum wandeln können, doch die Mauer bleibt Substanz.

1-180    UR tritt an den Mauerteil, der der Quelle gegenüberliegt, schlägt mit der rechten Hand dagegen und ruft: „Hephata!“ Alsbald wird ein sich öffnendes gewaltiges Tor sichtbar, und ein Lichtweg führt hinaus. Langsam schreitet UR voran, Seine Kinder sollen alle Herrlichkeit genießen. Wohin führt UR? Welch sonderbare Fragen, die Uraniel bedenkt. Kommt Er nicht vom Licht und führt allein ins Licht? — Da wendet UR sich um, beruft Uraniel und Urea an Seine linke, Sadhana an Seine rechte Seite; dicht folgen die andern Fürsten. Er sagt:

1-181    „Dein Gedanke war gut, Mein Erster, ja, Ich komme aus dem Licht, bin es selbst und führe in das Licht! — Wer an Meiner Seite bleibt, wer Mir dicht folgt, der kommt und geht vom Licht zum Licht! — Nun aber seht voraus!“ Die Kinder tun es. In einiger Entfernung erhebt sich ein Hügel. „Willst Du, liebevollster UR, uns dahin führen?“ Sadhana blickt — von kindlicher Liebe beseelt — zu Ihm auf.

1-182    „Ja, Meine Sadhana, denn viel müßt ihr erlernen, damit Mein Werk an euch vollkommen wird.“ Auf der Höhe versammelt UR alle um sich und deutet hin über zum Heiligtum. Da sehn die Kinder auf hohem Berg das ‚Haus des Herrn‘ in seiner unerhörten Pracht. Lichtwelle auf Lichtwelle strömt heraus, eine die andere bis zu des Tages Raum- und Zeitufer drängend. Sie erinnern sich, daß des Hauses Mauern auch kompakt sind wie jene der Lichtmauer, in die URs ‚Hephata‘ die Pforte schlug. Nun schimmert‘s ihnen wie Kristall entgegen. Sie erkennen sogar jede Einzelheit vom Innersten. Fast befremdet sehen sie auf UR, keines wagt zu fragen. Liebfreundlich sagt Er zu ihnen:

1-183    „Meine Kinder, diese Schau soll für euch eine Sonderlehre sein. Ihr sollt Mich gedächtnishaft in euch tragen, wie Ich euch von jeher in Mir trug. Es wundert euch, von hier aus das Innere des Heiligtums zu sehen; doch ist‘s kein Wunder. Wie möglich aber könnt ihr das Innere erblicken, obwohl es feste Mauern hat?“ Die Kinder denken nach. Sadhana sagt, das käme daher, weil alles URs Licht sei und weil sie mit ihren Augen es durchdringen dürften.

1-184    „Du hast recht Sadhana. Doch ein Weiteres, warum das Innere des Heiligtums von hier aus zu erkennen ist.“ UR wendet sich an Uraniel und Urea. „Mein Engelsfürst, wir befinden uns auf dem Ordnungshügel, der dir übergeben wird. So meine Ich, du kannst das zweite wissen.“ Uraniel (auch Urea) verneigt sich, sieht zum schönen Wunderbild hinüber, dann auf UR, und seine Augen strahlen auf. Er ruft:

1-185    „O UR, wie herrlich – und wie einfach! Du bist ja selber Deines Heiligtums Inneres! Bist Du bei uns, so auch Dein Allerheiligstes! Obwohl die sichtbare Gestaltung Deiner Kinder wegen jenen herrlich hohen Platz erhalten hat, wird doch das Innerste da zu finden sein, wo Du, All-Heiliger, gerade weilst. Wir sehen es in der Ferne, weil wir Dich ganz nahe bei uns haben.“ Alle freuen sich über diese Antwort, und UR legt segnend Seine Hand auf des Ersten Haupt.

1-186    „Gut gedacht und ausgeführt, Mein Erster! Aber nun merke auf: Ich gehe jetzt für eine kurze Zeit von euch, dann sehet zu, daß euch das Innerste des Heiligtums nicht versinkt.“ Bei diesem Wort ist UR entrückt; die Kinder sahen nicht wohin. Sie wenden sich zum hohen Berge um, doch das Bild bleibt offenbar. Wie kommt das? Zum ersten Mal beraten sie sich selbst. Viel ist zu bedenken und zu sagen. Als der siebente Fürst äußert, das Allerheiligste würde nur dann unsichtbar sein, wenn sie UR nicht gedächtnishaft im Herzen trügen, wie Er will, aber alles gegenwärtig bliebe in der bewußt anerkannten Allgegenwart des UR, steht Er wieder mitten unter ihnen, liebkost sie und sagt:

1-187    „Liebe Kinder, ihr habt Mich erfreut! Ja, wer Meine Allgegenwart im Herzen trägt, dem bin Ich auch wahrhaftig nahe und überschütte ihn mit Meinen Gaben. Bei solchen Kindern bin Ich jederzeit, ob sie Mich sehen oder nicht. Es seien euch beide Antworten aber auch ein Zeichen: Ordnung und Barmherzigkeit gleichen eine Gegensätzlichkeit der vorerwähnten beiden Schöpfungsfundamente urgerechtest aus. — —

1-188    Nun aber ist anderes zu werken. Seht, der Hügel gehört Uraniel und Urea, und die Ordnung dominiert an diesem Tag. Was aber soll der Ort, an dem so gut wie nichts ersichtlich ist? Gewiß habe Ich ihn werden lassen; doch das Sinnbild zu enthüllen bleibt euch überlassen. Nun, Uraniel und Urea, was soll mit ihm geschehen?“ Sagt Urea:

1-189    „O UR, dieser Hügel gleicht sehr unserm Inneren. Nun wir jedoch bewußtes Leben haben, liegt es an uns, wie wir das verwerten Dank Deiner großen Güte konnten wir schon viel erkennen, auch Dein Heiligtum von hier aus äußerlich und innerlich beschauen. Das betrifft aber mehr das Äußere bei uns, während das Innere noch armer Acker ist, sonst müßte dieser Ordnungshügel bei kleinem Besseres ergeben. Hilf uns, damit unser Inneres Dir bald zur rechten Freude dient und unser Hügel ein wahrhaftiger der unwandelbaren Ordnung wird.“

1-190    „Ich muß dich loben, Meine Urea“, sagt UR, „du hast das Sinnbild wahr erfaßt. Ja, was euch gegeben wird, ist ein Vergleich mit einem Werk, dazu ein Hinweis, Mein Wesenhaftes in euch lebendig und vollkommen zu gestalten. Meine Hilfe ist euch allezeit gewiß! — Nun aber noch Zweck und Ziel. Warum wurde dieser Hügel und wird der Ordnung übergeben? Prüft genau; des Tages reiche Zeit gab euch genügend Geisteskraft, zur Erkenntnis zu gelangen.“ Da sehen die Kinder eine herrliche Strahlung zwischen UR und Heiligtum hin und her fluten. Dabei kommt Uraniel auf eine Idee, und er sagt:

1-191    „O heiligster UR, laß mich in dieser Gnadenstunde Dich ‚Vater‘ nennen. Du willst ja vom freien Willensgesetz her uns ein Vater sein. Nun sieh, der Zweck des Hügels wird darin bestehen, daß ein Platz vor Deinem Heiligtum den kommenden Kindern dienen soll. Hier sind die Grundlebensproben abzulegen, hier ist das große Ziel, wo alle trotz unfaßbarer Erhabenheit Dein heiliges Wesen in der Vaterherzkammer suchen lernen. Und hier werden sie es finden! Vater, sprich, habe ich es recht erkannt?“ Uraniel streckt zaghaft seine Hände aus und kann doch nicht anders, als von sich aus die heiligen Hände zu erfassen; er klammert sich an ihnen fest. Da sagt UR:

1-192    „Wohl dir, Mein Ordnungsfürst! Du hast erkannt, was Ich dem Schöpfungstage bin, ja dem ganzen Tat-UR-Jahr! Ich bleibe ewig Schöpfer, Priester, Gott! Aber über diese Jahrzeit will Ich allen Wesen vornehmlich der VATER sein! Doch kennen, erkennen muß Mich jedes Kind. Wer das Vertrauen hat wie du, wer aus sich nach Meinen Händen faßt, der hat ein Werk vollbracht nicht bloß für sich, sondern für den ganzen Tag und dessen Kinder!

1-193    Nun du so recht ins Werken kamst, so arbeite auch weiter. Der Raum soll keine leere Hülle bleiben. Sieh dir Mein Heiligtum auf hohem Berge an, vielleicht sendet dir die UR-Sonne einen weiteren Erkenntnisstrahl.“ Sie schauen alle angestrengt hinüber und bemerken bald aus dem Zentrum der UR-Sonne eine Strahlung flimmern. Wie aber die Schöpfung Raum und Zeit bedarf, das flutende Licht aufzunehmen, genauso auch die Kinder, bis es in ihnen Personifikation gewinnt. Darum erläutert UR noch manches Zweckdienliche aus vergangenen und künftigen Werken, um sie zur ersten Schöpfungstat heranzureifen. Nach der Belehrung sagt der erste Engel:

1-194    „Allheiliger UR, aus Deiner herrlichen Enthüllung erkenne ich Dich als den großen Bildner, und wir dürfen in freier Schaffenskraft die Nachbildner sein. Meine erste Erkenntnis war also richtig. Es würde aber keinem Kinde, so es hier eine Grundlebensprobe ablegen und gewogen werden müßte, etwas helfen, fände es einen kahlen Lichthügel vor. Du sprachst auch von der inneren und äußeren Gestaltung Deiner Werkgedanken. Also bitte ich Dich, heiliger Vater, laß auf diesem Hügel ein gutes äußeres Spiegelbild Deines Heiligtums erstehen, in welchem ich als Dein Ordnungsträger des von Dir zu heiligenden Amtes walten darf, im Sinne auch des Hoheitszeichens, Deiner Waage.“

1-195    „Das kann geschehen“, entgegnet UR. „Doch wenn du meinst, daß es richtig sei, auf diesem Hügel ein Meinem Heiligtum getreues Spiegelbild zu schaffen, so meine Ich, du tust es selbst und bedarf es nicht, daß Ich einen Finger dabei rühre.“ Darob erschrickt Uraniel. Hat er falsch geredet? Nein, sein Herz ist ruhig und — er sieht die Freundlichkeit der sanftdunklen Augen URs. Da greift er zum zweiten Male nach den gnadenvollen Händen und sagt: „O Du mein UR, wäre ich auch tausend Male fähig, solches zu vollbringen — ohne Dich will ich es nimmermehr errichten und niemals etwas tun, wo DU nicht mit am Werke wärest! Überlasse mir bitte Deine Schöpferhände und sieh, von diesen festgehalten, will ich mit Deinem heiligen Wort und Tat gestalten, wie sie gedanklich in mir fertig steht.“

1-196    Kaum hat Uraniel ausgesprochen, erhebt sich auf der Hügelspitze eine, wenn auch kleinere Wiedergabe des Heiligtums. Den Kindern wird bewußt, wie ein Werk entsteht, wenn sie auch die Zeit des Werdens noch nicht messen können. Ihre Freude ist sehr groß; aber keines hat Verlangen, hinzueilen. Sie bleiben um UR geschart, der lobend sagt:

1-197    Du bist ein guter Baumeister; laß uns nun dein Haus besehn.“ Er deutet auf die beiden Tempelpforten. „O UR“, entgegnet demütig der Engel, „nennst Du mich einen Baumeister, wo Du doch ganz allein der höchste Bauherr bist?! Sieh, ich war nur Dein Gehilfe.“ Der Fürst kniet vor seinem König, es hat ihn überwältigt. Auch die andern. UR segnet sie ob ihrer Demut. Dann heißt Er Uraniel-Urea vorangehen. Sie tun es, warten aber an den Türen, und Uraniel sagt: „Heiliger UR, in mein Haus tritt Du zuerst, damit Dein Segen, Frieden, Leben und Dein Licht die erste Einkehr haben. Auch sind zwei Eingänge da, und ich weiß nicht, welchen ich Dir öffnen darf.“

1-198    „Ist das so schwer zu raten?“ fragt UR. Da sagt Sadhana: „O Vater, die vier Pforten Deines Hauses stellen Deine hochheilige Vierwesenheit dar. Diese beiden Türen aber sollen Sinnbild unsrer guten Worte und möglichst noch besseren Taten sein. Durch welche Du freilich Einkehr halten willst, weiß ich nicht.“ „Richtig erkannt, Meine Sadhana! Habt stets zwei Tore, die ins Inwendigste führen; und laßt beide offen stehen, besonders jene guter Taten. Merket auf:

1-199    Durch die Tür des reinen Wortes kehre Ich mit Meinem Frieden immer bei euch ein; durch die Tür der guten Taten trage Ich euer selbsterworbenes Eigentum als Segen in den ganzen Tag! Damit bringe Ich euch als gerechtes Opfer Meinem Reiche dar.“ Über diesen Hinweis sind die Kinder hoch erfreut. Wieder scharen sie sich dicht um UR, und von Ihm geführt, treten sie ins Haus der Ordnung ein.

1-200    Welch Jubel, als sich auch das Innere dem Heiligtum angeglichen zeigt. Ein Thron für UR, ein Altarherd, das Gestühl, Geräte und vor allem — Licht! Dürfen sie nicht annehmen, daß sie sich während der vergangenen Tageszeit dem Ziel näherten? — Als sie alles beschauen, finden sie auf dem Altar die Waage vor. Wie kommt das heilige Tageszeichen hierher? Uraniel fragt innerlich den Vater. Für ihn steht fest: Die Waage gehört auf den Heiligen Herd! UR sagt lächelnd:

1-201    „Seid unbesorgt! Was in Meinem Heiligtum errichtet ist, bleibt dort! Welches Kind mit Mir die Bindung hält, mag leben, wo es will, so ist es, und sein Eigentum bei Mir verwahrt. Das vereint das Kind mit Mir zur heilig-unlösbaren Ehe! Raum und Zeit ergeben keine Hindernisse, wenn ein Herz in Meinem schlägt und Mein Anbild in des Kindes Herzen wohnt. Belasse darum diese Waage hier, Uraniel, sie steht daselbst am rechten Platz.“

1-202    UR begibt sich auf den Thron, heißt die Kinder, sich in ihre Stühle setzen, die dem Altar näher stehen als im Heiligtum dem Herd. Und nun erhalten sie im Ordnungshaus eine weitgehendste Belehrung über die Entstehung eines Werkes, über Lichtzufluß, Lebenseinfluß, über unsichtbare und sichtbare Waltungen. Sie wandern, ohne das Haus zu verlassen, durch den Raum, erleben kaum vorstellbare Zeiten und lernen sehen, daß dieses für sie ungeheure Taggebilde eine einzige sehr kleine Zelle in der UR-Ewigkeit ist.

1-203    Ahnend schauen sie die Aneinanderreihung ungezählter Schöpfungszellen. Dabei füllt sich der Tag mehr und mehr mit Lebendigkeit; und das Werden macht die Kinder schauern. In einer Pause, die ihnen zur Verarbeitung des Erhaltenen gelassen werden muß, scharen sie sich einmütig um den Thron. Hier feiert URs Vaterherz seinen ersten schönsten Sieg der Tat. Die Kinder kehren wie aus ferner Fremde heim. Als UR sie segnend berührt, haben sie nahezu den ersten Schöpfungstag nach dem bekannten doch kaum erkannten Wort „Es werde Licht“ erlebt. — Nun wandeln alle herrlichst erstandenen Gebilde dem sich nahenden Schöpfungsabend zu. UR spricht:

1-204    „Meine Kinder, die ihr aus Meinem heiligen Wesen geboren seid, die Ich urewig in Mir trug und tragen werde ohne Grenze, ohne Zeit, ihr habt mit Mir fast einen Schöpfungstag vollendet, und der Feierabend bricht herein. In der letzten Abendstunde sollt ihr jene Befähigung erhalten, die euch am zweiten Tag zu neuem, herrlicherem Werk erwachen läßt. Ich habe dich, liebliche Sadhana, berufen und erwählt, Mir zu zeigen, den Werken das Dual zu sein, und dich, Meinen ersten Engelsfürsten dazu, dem Ordnungstag Mein Grundfundament in äußerer Gestalt zu bringen. Für das ‚Es werde‘ öffnete Ich die erste Herzkammer Meiner UR-Wesenheit und ließ den Schöpferstrom heraus.

1-205    Das nächste Werk verlangt schon eine Zweiheit, darum muß der zweite Fürst Meines Reiches mit dem Ordnungsträger die Türen schließen, hinter der das Tagewerk und seine Kinder neue Kräfte sammeln können. Tretet beide vor.“ Die Lichtfürsten folgen dem Gebot. „Vereinigt eure Hände und empfanget für die Abendarbeit eure Weihe.“ Da knien sie nieder, und auch die andern neigen sich in Demut und in Anbetung. Aus URs ATMA weht es durch den Raum des Hauses, und durch die Fenster flutet das UR-Sonnenlicht in goldigroter Pracht.

1-206    „Trotz Beendigung des Tages“, spricht UR weiter, „bleibt ihr fortan Meine Ersten, wie auch alle noch aus euch zu erweckenden Geschöpfe Meine Kinder werden sollen. Das entnahm Ich Meinem Quell, habe es jedoch durch euer Wesen dargestellt. Dessen seid durch schöpfungsgute Tat stets eingedenk. Habt immer in der einen Hand die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen, in der anderen das euch gegebene freie Willensgesetz, und gleicht unwandelbare und wandelbare Gesetze aus. Auf diese Weise wird Mein Tat-UR-Jahr gekrönt!“

1-207    Die Engel — von UR gesegnet — berühren ihre Waage. Sadhana kniet bis zuletzt. Bittend streckt sie ihre Hände aus und sagt: „O Vater, Du hast von Deinen sieben Ersten gesprochen, von künftigen Lebewesen und was sie werden sollen. Was aber, o UR, bin ich?“ Die Frage ist gerecht und hat den Stempel demutsvoller Liebe. Also antwortet UR:

1-208    „Meine Sadhana, die Tage werden es dich lehren! Ich habe dich zu Meinem Negativ erkoren, zur Trägerin des heiligen Dual, Sinn- und Spiegelbild Meiner Mir gegenüberstehenden Tätigkeit. Lerne daraus und erkenne, was du sein sollst; das Werdende wird dich lehren, was du bist! Die Engelsfürsten sind die Hoheitsträger Meiner Wesenheit, allein, auch sie sind erst recht als solche Meine Kinder! Du jedoch, Liebling Meines Herzens, bist der UR-Schöpfung Kind!!

1-209    Einmal, wenn deine Hauptprüfung vorüber ist, wirst du wissen, was das alles zu bedeuten hat. Da du unter allen Kindern das geschöpflich Höchste und somit Schwerste trägst, gebe Ich dir ein Gefühl, demnach du stets ahnen kannst, was es heißt: Kind der UR-Schöpfung zu sein. — Behalte dieses Wort im Herzen, es soll dir immer neu erwachen. Das ist an dich der Abendsegen Meines ersten Tat-Jahr- Tages!

1-210    Nun kommt! Die letzte Stunde neigt sich ihrem Ende zu, und da sollt ihr im Heiligtum zu Hause sein. Denn darin sollt ihr ruhm, bis neue Morgenröte einen neuen Tag verheißt.“ — UR erhebt sich, schreitet voran durch die zweite Pforte des Ordnungshauses, hinauf nach Licht-Heilig. Schaffensmüde folgen Ihm die Kinder. Hinter ihnen sinken Werk und Lichtgebilde in die Nacht. Über den blauen Teppich führt UR sorglich Seine Kinder heim. Auf dem Weg haben Uraniel und Urea sich nach ihrem Haus umgesehen. Ein freundlich ernster Schein war über das Ewige Gesicht geglitten. Einmal noch versammelt UR die Seinen um den Heiligen Herd und spricht:

1-211    „Meine Kinder, ihr habt alles, Weg und Werk, vom ersten Ordnungstag der Tat erlebt. Blicket ihr zurück, um sie zu zählen, so würde euch das nie gelingen. Nach einer Offenbarung könnt ihr euch am Abend wenden, und das bin Ich allein! Ich bin euer Weg vom Morgen bis zum Abend, die Bahn, die euch gerechte Rückschau gibt, das Werk, das euch bis zur letzten Stunde eures Tageslebens offenkundig bleibt. —

1-212    Ihr, Uraniel und Urea, habt euch nicht nach der vollbrachten Arbeit umgesehen, sondern wolltet einen letzten Blick auf eine Gabe werfen, die euch aus Meiner Macht geworden war. Es war eine lobenswerte Rückschau! Damit ist Meine letzte Belehrung an diesem Tag verbunden: Laßt Meine Hände allzeit mit euch schaffen, denn ICH bin der höchste Schaffer ganz allein! So getan, wird euer Inneres und Äußeres in Mir den festen Ankergrund besitzen. Dann vereinigt sich Meine Schöpferfreude und eure ewig gesegnete Seligkeit, daraus ein jeder Schöpfungstag sein herrliches ‚Vollendet‘ haben wird.

1-213    Doch hört! die UR-Glocke schlägt.“ Acht wundersame Töne; ihr Hall verklingt erst an der Tagesgrenze von Raum und Zeit. Während dem gibt UR den zwei ersten Fürsten einen goldenen Schlüssel und heißt die Pforten zuzumachen. Sie können aber nur drei Tore schließen, das erste beim blauen Teppich hat ein anderes Schloß, eilend kehren sie zurück und melden es. UR fragt:

1-214    „Muß das nicht so sein? Oder wollt ihr einen andern Schlüssel?“ Nach Besinnen verneigt sich Uraniel tief und sagt: „Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Du hast Herrliches an uns getan! Nun erkenne ich: Das erste Tor gilt Deinem Schöpferwesen, aus dem Deine Werke werden. Kein Kind, und sei es höchstvollendet nach dem Ratschluß der Allmächtigkeit, vermöchte diese Pforte zuzuschließen.

1-215    Du kannst wohl die Herzkammern Deiner Vater-, Gott- und Priester-Wesensteile schließen; aber Deiner Werke wegen muß die Schöpferherzkammer auch in den uns völlig unbekannten UR-Nächten offen sein. Denn Du bist UR! Deine Nächte sind in Dir das Licht der Ruhe, in der die Kinder und die Werke für den nächsten Tag gesegnet und entfaltet werden. Aber Du. All-Heiliger, ruhst nie!! In der Nacht entwickelst Du die größte schöpferische Tätigkeit. Im Dunkel Deiner Gnade bereitest Du die Herrlichkeit des neuen Schöpfungstages, einer ewigen Offenbarung vor!

1-216    Darum hat die Schöpferpforte keinen Schlüssel; ewig bleibt sie offen, wie ewig Du UR Selber bist! Das Herrlichste von allem Herrlichen hast Du uns als letzte Gabe Deines überreichen Tages aufbewahrt. Darum sei Du hoch gelobet und gepriesen, Ehre Dir und unser Dank, Ruhm, Gebet und Anbetung. Du hast alle Macht, Kraft, Gewalt und Stärke. Heilig, heilig, heilig bist Du, Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Heilig bist Du, o UR! !“ Viermal donnert das ‚Heilig‘ durch den Raum, sein Hall vermengt sich mit dem letzten Glockenecho. Auf die Kinder sinkt ein wunderbares Dämmern. Seligkeiten ohne Ende nehmen sie in ihren Schöpfungsschlaf hinein. — Geheimnisvoller Schleier umhüllt das Heiligtum; selbst die UR-Sonne hat ihren Glanz bedeckt. Die Nacht ist aufgestiegen. — —

1-217    UR sitzt allein auf Seinem hocherhabenen Stuhl, um Ihn her die Herrlichkeiten aller eingebrachten Güter aus dem ersten Ordnungstag. Da breitet Er im Jubel segnend Seine Hände aus, über alle Kinder, über allen Reichtum, über all Sein Werk. — Und Er legt behütend alles in die Quelle Seiner Mitternacht und sagt zu sich selbst:

Es ist alles gut geworden!

Mein Tagwerk ist vollbracht!

← Zurück zu „UR-Ewigkeit in Raum und Zeit“