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II. Gottesliebe – Leseteil 1 – Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten

Teil II B – Die Liebe zu Gott und zum Nächsten

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Die Menschen dieser Erde

rief Ich aus dem Zentrum Meines Herzens hervor und schuf sie vollkommen nach Meinem Ebenbilde. Und sie sollen nicht nur Meine Geschöpfe, sondern Meine lieben Kinder sein, die Mich nicht nur als Gott und Schöpfer, sondern als ihren guten Vater erkennen sollen, der sie nach kurzer Prüfungszeit wieder ganz zu Sich nehmen will, damit sie da alles haben, was Er Selber hat, und bei Ihm wohnen ewiglich und mit Ihm beherrschen und ordnen möchten das All. — Aber siehe, alle Meine Geschöpfe lieben Mich als ihren Schöpfer in dankbarer Freude ihres Daseins; aber Meine Kinder wollen ihren Vater nicht und verschmähen Seine Liebe! — Und siehe, Ich bin traurig, wenn Ich sehe, wie stündlich Tausende und tausendmal Tausende dahinwelken und sterben! O wenn Ich ihnen doch nur helfen könnte! Ist es nicht traurig, wenn der Allmächtige nicht helfen kann!? — Du fragst Mich, wie denn das möglich sei? — O ja, sage Ich dir, das ist sehr möglich. Siehe, alle Meine Geschöpfe hängen an Meiner Macht; aber Meine Kinder hängen an Meiner Liebe. Meine Macht gebietet, und es geschieht. Aber Meine Liebe wünscht nur und gebietet in aller Sanftmut den freien Kindern. Und die freien Kinder verstopfen ihre Ohren und wollen nicht das Angesicht ihres Vaters schauen. Und da sie frei sind, wie Ich es bin, kann Ich ihnen nicht helfen, wenn sie es nicht wollen. — Dieses aber soll sich dennoch jeder hinter die Ohren schreiben: Ich bin euer Vater, bin aber auch euer Gott, und außer Mir ist Keiner mehr. — Wollt ihr Mich als Vater? — oder als Gott? — Eure Taten werden Mir die entscheidende Antwort geben! (H 1, Kap. 3, 3 ff.)

Deinen Freunden und Brüdern sage:

Ich, ihr liebevollster Vater, habe schon Meine beiden Arme ausgestreckt, um sie allesamt an Mein Herz ewig zu drücken. Sie sollen sich ja nicht mehr von Mir wenden, sondern unverwandt sollen sie in Mein Angesicht schauen! Und Mein Auge wird es ihnen sagen, ja laut verkünden, wie sehr Ich sie liebe und wie aufrichtig Ich es mit ihnen meine! — Sage ihnen, Ich habe ihre Sünden von Meinen Augen hinweggetan und habe sie gewaschen so weiß wie der Schnee. Es ist nun kein Hindernis mehr! Ich will ihnen kein unsichtbarer Vater mehr sein. Sie sollen Mich allezeit schauen und mit Mir reden und sich freuen. Alle ihre Sorgen sollen sie nur Mir übertragen! — O mit welcher Freude will Ich fernerhin sorgen für sie! O was sind alle Freuden und Seligkeiten Meiner Himmel für Mich, den Vater, gegen die, von Meinen lieben Kindern als einziger, wahrer Vater geliebt zu sein! — Siehe, alle Seligkeiten gebe Ich euch für diese einzige, die Ich nur für Mich bestimmt habe. Alle sollen Meinen Vatergruß empfangen. Und heute noch, wenn sie wollen, sollen ihnen die Pforten der Himmel, das heißt die Augen ihres Geistes, geöffnet werden. Und Ich will noch heute wohnen in ihren Herzen. Nur eins noch sollen sie mit Beharrlichkeit tun, nämlich: ihr Fleisch sollen sie rein waschen aus dem Brunnen, da lebendiges Wasser innen ist. Das heißt aber so viel, daß sie ernstlich in sich gehen, sich ganz erkennen und Mir dann ihre vorgefundenen Gebrechen in ihrem Herzen treu und wahr vortragen sollen. Ich werde den Unrat dann aus ihren Herzen vertilgen und werde sie mit dem Feuer Meiner göttlich väterlichen Liebe erfüllen. Und sodann werde Ich kommen und mit ihnen am Altare das Freudenmahl halten. (H 1, Kap. 3, 8 ff.)

Der einzige, Mir angenehme Dank

ist ein Mich allezeit über alles liebendes Herz. Ich sage dir: Kein Dankopfer, kein Dankgelübde, keine Dankprozession, kein „Te Deum laudamus“, kein Jubelfest ist Mir angenehm. Aber ein Mich allezeit demütig liebendes Herz ist Mir ein unschätzbar köstlicher Edelstein in der Krone Meiner ewigen, göttlichen Macht und Herrlichkeit und ist Mir auch wie ein Balsamtropfen in Mein liebeheißes Vaterherz, der Mich erquickt und die Freude Meiner Gottheit ums Unaussprechliche erhöht. — Daher bleibe du in deiner Liebe zu Mir und suche ewig nichts anderes, so bist du Mir alles, was du sein sollst. Und Ich werde dir auch alles sein, was Ich dir nur immer als dein Gott, Schöpfer und ewig liebevollster Vater sein kann! (GS 1, Kap. 98, S. 459 ff.)

Liebe ist das einzige Band

zwischen Mir und dir. Sie ist die alleinige, wunderbare Brücke zwischen Mir, dem ewig allmächtigen, unendlichen Schöpfer und dir, Meinem endlichen Geschöpfe. — Auf dieser Brücke kann Ich zu dir und kannst du zu Mir kommen, wie da kommt ein liebender Vater zu seinem Kinde und das Kind zu seinem geliebten Vater. (GS 1, Kap. 98, S. 460)

Wohl demjenigen,

ja unendlichmal wohl, der schon auf Erden sich die Liebe zum Herrn zum einzigen Bedürfnisse gemacht hat; denn er hat zur Vollendung seines Lebens den kürzesten Weg eingeschlagen! — Glaubet es mir, meine lieben irdischen Brüder und Freunde! Wer in sich schon auf Erden die Liebe zum Herrn trägt, der trägt auch die Vollendung des Lebens in sich; denn er hat das allerheiligste und allervollkommenste Ziel schon in sich und bei sich. (GS 1, Kap. 7, S. 30)

Warum sollen wir Gott über alles lieben?

Der mit dem kalten Verstand urteilende Mensch könnte da wohl sagen: Wenn ich so recht nachdenke, so finde ich keinen Grund, einen Gott zu lieben — erstens, weil ich etwas Unsichtbares nicht lieben kann, und zweitens, weil ich Dem, der mich erschuf, mich nicht zum Danke verpflichtet fühle dafür, daß Er mich geschaffen hat; denn Er hat mich vorher nicht gefragt, ob mir solches paßt oder nicht, und fragt auch jetzt nicht danach, ob ich als Geschöpf mit meinem Zustande und meiner Stellung, die Er mir unter den Wesen angewiesen hat, wirklich zufrieden bin und mich glücklich fühle. — Dem so urteilenden kalten Verstandesmenschen aber sei erwidert: Seine Liebe macht uns Gott klar durch die geistige, in uns wohnende Welt, ferner durch die uns sichtbar umgebende Welt. Dazu kommt die Offenbarung im Bibelwort. Ferner die weise Führung, die Er den Menschen und Völkern angedeihen läßt, um sie zu Seinen ewigen Heilszielen zu geleiten. Um das wichtigste Gesetz der Schöpfung zur Geltung zu bringen, stieg Gott Selbst zur Erde hernieder und zeigte durch Wort und Tat, was die Liebe zu Gott und zum Nächsten bedeutet. Und nun, wo Mein zweites Kommen nahe ist, gebe Ich Mich wieder durch Meine Knechte und Mägde, durch Schreiber und Sprecher kund, um aufs neue Meine Liebe den Menschen zu offenbaren. (Pr Nr. 43)

Wenn du die Schöpfung beobachtest

kann dir nicht entgehen, daß darin eine gewisse Ordnung besteht und daß die Formen eine weise Beständigkeit haben. Ebenso erkennst du, welche Wirkung das eine oder andere Ding hervorbringt und wozu es gut und brauchbar ist. — Einem bessern Menschenverstande aber muß einleuchten, daß alles Werden, Sein und Bestehen, worin eine bestimmte Form, Beschaffenheit, Nutzwirkung und Endbestimmung wohl zu erkennen ist, von einer solchen Kraft hervorgebracht werden muß, die eine unbegrenzte, unwandelbare und allumfassende Einsicht und Weisheit besitzt und daß du ohne eine solche geistige Urkraft nie einen bestimmt geformten Gegenstand, sei es einen Stein, ein Metall, eine Pflanze oder ein Tier zu Gesichte bekämest. Wir wollen diese Urkraft nun einmal „Gott“ nennen und weiter fragen: „Wo ist denn dieser Gott und wie sieht Er aus? Wie erschafft Er die Dinge, wie bringt Er als ein purer Geist die grobe Materie aus Sich zum Vorscheine?“ — Und siehe, wenn ein Mensch einmal also zu fragen beginnt, dann ist er schon auf einem bessern Wege! Er wird allen Geschöpfen eine höhere Aufmerksamkeit widmen und in ihnen forschen, wieviel von der göttlichen Urweisheit sich darin vorfindet. Und je länger er also prüft, desto mehr der göttlichen Weisheit und Ordnung wird er auch leicht und bald darin finden. — Hat er solches gefunden, so wird er in seinem Herzen auch bald eine Anregung von Liebe zu Gott wahrnehmen und aus solcher Liebe stets mehr und mehr innewerden, daß Gott in Sich Selbst von der mächtigsten Liebe erfüllt sein muß, damit Er eine so große Lust und Freude habe, so wunderbar weise eine unzählige Menge von Dingen und Wesen zu erschaffen, die Zeugen Seiner Weisheit, Macht und Liebe sind. — Je größer und gediegener aber solche Annäherung eines Menschen zu Gott hin wird, desto mehr des Geistes Gottes sammelt sich auch in seinem Herzen, in welchem dadurch der eigene Geist genährt und stets mehr und mehr erweckt wird zur wahren Erkenntnis des eigenen inneren Lebens und seiner Kraft im Vereine mit der Kraft des göttlichen Geistes in ihm. — Hat ein Mensch es einmal dahin gebracht, so ist er schon in der Lebensmeisterschaft, und es geht ihm da nur noch die völlige Einung mit dem göttlichen Liebes- und Willensgeiste ab. Bewerkstelligt er auch das, dann ist er ein ganz vollkommener Lebensmeister und kann alles das bewirken, was Ich, der Herr, nun bewirke. (Ev 6, Kap. 87, 5 ff.)

Liebe Gott über alles heißt:

Verbinde Deine dir von Gott gegebene Lebenswärme mit der dich erschaffenden und erhaltenden Urwärme deines Schöpfers, so wirst du das Leben ewig nimmer verlieren. — Wirst du aber deine Liebe oder deine Lebenswärme freiwillig von der göttlichen Urlebenswärme trennen und gewisserart als ein selbständiges, selbstherrliches Wesen dasein wollen, so wird deine Wärme keine Nahrung mehr haben. Du wirst dadurch in einen stets größeren Kältegrad übergehen. Und je tiefer du hinabsinken wirst in die stets kälterwerdenden Grade, desto schwerer wird es halten, Dich wieder zu erwärmen. Bist du aber in die vollkommene Kälte übergegangen, dann bist du ganz dem Satan anheimgefallen, allwo du keiner Erwärmung mehr fähig bist. Was da mit dir weiter wird, davon weiß kein Engel des Himmels eine Silbe dir zu sagen. In Gott sind freilich unendliche Tiefen. Wer aber wird diese ergründen und dabei das Leben erhalten? (GS 2, Kap. 99, S. 405)

Gott über alles lieben heißt:

Gott und Seinen geoffenbarten Willen von ganzem Herzen zu erkennen suchen und dann aus wahrer innerer Liebe zu dem erkannten Gott danach handeln und sich gegen jeden Nebenmenschen also verhalten, wie sich ein jeder vernünftige Mensch gegen sich selbst verhält. — Wie alles Gute einzig darum geliebt werden soll, weil es gut und wahr ist, so will auch Gott geliebt sein, weil Er allein höchst gut und wahr ist. Dein Nächster aber muß darum ebenso geliebt werden, weil er gleich dir das Ebenmaß Gottes ist und gleich wie du einen göttlichen Geist in sich trägt. — Siehe, das ist der eigentliche Grundkern Meiner Lehre. Und er ist leicht zu beachten, ja um vieles leichter, als die tausend Gesetze des Tempels, die zumeist vom Eigennutz der Tempeldiener angefüllt sind. — Durch die möglichst genaue Beachtung dieser Meiner Lehre wird der im Menschen anfänglich sehr gefesselte Geist freier und freier, wächst und durchdringt endlich den ganzen Menschen und zieht so alles in sein Leben, das ein Leben Gottes ist und daher ewig dauern muß, und zwar in der höchstmöglichen Seligkeit. Ein jeder Mensch aber, der so in seinem Geiste wiedergeboren ist, wird den Tod nimmer sehen, noch fühlen und schmecken, und die Loswerdung von seinem Fleische wird ihm die höchste Wonne sein. (Ev 3, Kap. 53, 5 ff.)

Wie kann man Gott über alles lieben?

Auf diese Frage antwortet Jesus: „Leichteres gibt es wohl nichts in der Welt! Man betrachte die Werke Gottes, Seine Güte und Weisheit und halte gewissenhaft Seine Gebote, liebe seinen armen Nächsten wie sich selbst — und man liebt dadurch auch Gott über alles!“ (Ev 5, 73, 1 ff.)

Die Liebe gleicht einem Oellichte.

Wenn da jemand in ein Gefäß einiges Oel nimmt, das an verschiedenen Punkten der Berge aus kleinen Quellchen des fetten Gesteines aufsteigt, und zündet es an, so wird es zwar wohl alsbald zu brennen anfangen; wenn es sich aber verzehret durch das Brennen, wird da das leergewordene Gefäß wohl auch fortbrennen, wenn kein neues Oel hinzugetan wird? — O mitnichten, sondern da wird mit dem Oele auch die Flamme ausgehen, und es wird das Gefäß finster werden und kalt und tot! — Wenn du aber an der Quelle das Oel anzündest und verwahrest den Ort, da das Oelquellchen in lichter Flamme lodert, vor argen Winden und vor Wasserüberflutung — so wird die Flamme ewig nimmer erlöschen, sondern nur stets herrlicher fortlodern, dieweil solche Flamme nach und nach die Stelle weit um sich her mehr und mehr erwärmt und daher auch stets mehr Oeles dem inneren Urborne entlocken wird! — Siehe nun, wer demnach seine Liebe im Herzen zu Mir wendet und Mich für ewig in dieser seiner Liebe ergreifet, der hat das Oel seines Lebens an der Quelle entzündet, und diese Flamme wird nimmerdar erlöschen, sondern ihm sein ein ewiges, lebendiges Licht. (H 2, Kap. 71, 13 ff.)

Alles kann Ich euch geben,

nur allein die freie Liebe eures Herzens, diese kann Ich niemand geben. Und so Ich solches täte, was wäre da eure Liebe? Ich sage euch, sie wäre nichts als ein fremder Trieb in euch, der euch nötigen möchte wider euren Willen, Mich zu lieben und somit auch anzubeten. Ich aber habe euch zu freien Menschen und Kindern erschaffen und habe einem jeden gegeben einen guten Anteil der Liebe, die da bewirket das Leben in euch. Mit dieser freien, eigenen Liebe müsset ihr Mich erfassen, so werdet ihr das Leben in euch erfassen. (H 1, Kap. 142, 4 ff.)

Die Liebe zu Gott

ist zu vergleichen mit der Liebe zwischen Eltern und Kindern. Sie ist nicht ein leidenschaftlicher Brand, sondern ein sanftes Wehen, ein hochachtendes Gefühl voll erhaben zarten Nachklanges, das den Menschen in seiner Freiheitssphäre nicht beirrt, sondern mit großer Freudigkeit und lebendiger Speise erfüllt und fortwährend Geist, Herz und Leben des Menschen sättigt. (GS 2, Kap. 50, S. 211)

Frage nie: „Herr, wo bist Du?“

Da werde Ich dir nicht sagen: „Hier bin Ich“. Sondern frage sorgfältig dein Herz, ob es Mich liebt. Und Ich werde in deinem Herzen, das Mich liebt, dir zurufen: „Hier bin Ich zu Hause, in aller Fülle Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung.“ (Jug, Kap. 246, 22 ff.)

Ohne die wahre Demut des Herzens

kann Mich niemand wahrhaft liebend in seinem Herzen erfassen und dadurch ein vollkommen freies, ewiges Liebeleben aus Mir erlangen. Wann immer ihr Mich werdet lieben wollen, euer Herz aber nicht stark genug ist, Mich mit flammender Liebe zu erfassen, sondern sich allein mit dem trockenen Gedanken begnügen muß — so denket, es fehlt euch an der wahren Demut. Denn die Demut ist das eigentliche Grundfundament alles Lebens! Habt ihr dieses nicht, was ist dann eure Liebe? — Ein nächtlicher Traum! — Was Meine Erbarmung an euch? — Das Berühren eines Steines mit einem Stocke! — Was Meine Gnade? — Ein Licht einem faulen Baumstocke! — Mein Wort? — Ein unvernommener Schall einem toten Klotz! — Was Meine Liebe zu euch? — Das Wehen eines sanften Windes über ein unempfindliches Steingeröll! — Darum befleißiget euch vor allem der Demut! Wenn ihr deren innerste Wurzel gefunden habt, dann habt ihr auch Mich gefunden in aller Kraft und Macht Meiner Liebe und Erbarmung und das ewige Leben und seine Herrlichkeit. (H 2, Kap. 12, 14 ff.)

Solange ihr im Hochmut verharrt,

werdet ihr anstatt des Lebens nur den ewigen Tod in euch fühlen. Denn der Hochmut treibt die Seele mit aller Gewalt in ihres Leibes Fleisch. Und diese, sich in sich selbst stets mehr und mehr aufblähend, wird dadurch völlig eins mit ihrem Fleische und kann in solch einem Zustande dann nichts anderes fühlen und empfinden als den Tod des Fleisches. — Welche Worte und welche Taten und Zeichen aber sollen dann einer todvollen Seele den Beweis liefern können, daß sie nach des Leibes Tode fortlebt und daß es einen einigen und wahrhaftigen Gott gibt!? — Ihr meint nun freilich, daß ein höchst weiser, allwissender und allmächtiger Gott einem Menschen doch auf irgendeinem Wege ein Licht geben könnte, daß er gewahr würde, wie es mit ihm steht. Das tut Gott immer. Aber der Hochmut des Menschen läßt es nicht zu, daß der Mensch alles dessen in sich innewerde. (Ev 6, Kap. 111, 4 ff.)

Was tat Zachäus,

um Mich am Wege zu erschauen? — Er war klein von Person, lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum. Das heißt soviel als: Der sündige Mensch erkannte seinen Unwert vor Mir. Er war somit voll Demut und glich dem Zöllner im Tempel, der sich auch nicht getraute, sein Haupt aufwärts zu erheben. — Aber die Demut ist die Hauptnahrung der Liebe. Die Liebe wird dadurch mächtiger und kräftiger zu dem, vor dem sie ihren großen Unwert fühlt! Und je unwürdiger sie sich fühlt, desto größer wird ihr Zug zu ihm, weil ihre Achtung in dem Grade wächst, als sie in ihrem eigenen Werte sinkt. Solche Liebe denkt dann nur an den, den sie als ihr höchstes Gut allerhöchst achtet. In dieser Beschäftigung mit dem für solche Liebe höchst achtbaren Gegenstande liegt ein stets heller werdendes Licht, in welchem der Mensch denkt, wie er sich dem erhabenen Gegenstand seiner Beschauung näherbringen könnte! Und dieses Denken und Suchen gleicht dem Vorauseilen des Zachäus. — Er ist auf dem richtigen Wege; aber er weiß auch, daß der Herr das Inwendigste aller Dinge und somit in großem Gedränge ist und auf diesem zwar rechten Wege dennoch nicht zu erspähen sein wird. Aber die Begierde, den Herrn zu schauen, ist mächtiger als dieser Einwurf und mächtiger als dieses Gedrängehindernis und fordert alle Kräfte im Menschen auf, sich zu erheben und einen solchen Standpunkt zu erreichen, von dem aus man inmitten des Gedränges über das Gedränge hinweg dennoch den Herrn erschauen kann. Ein Baum wird erwählt und bestiegen: ein Maulbeerbaum gleich dem Erkenntnisbaume, in dessen Blättern der feine, glänzende Stoff zu den Königskleidern verborgen ist. — Also durch höhere Erkenntnisse und durch das Licht des Glaubens will der Mensch den Herrn erschauen; darum eilt Zachäus voraus und besteigt den symbolischen Baum der Erkenntnis. (Schrft, Kap. 31, 10)

Solange jemand glaubt,

daß er ohne Gott aus sich selbst etwas tun könne oder daß er der göttlichen Gnade und Erbarmung würdig sei, solange auch darf er darauf rechnen, daß ihn der Herr wird harren lassen, bis sich all solcher törichte Wahn in ihm verzehren wird. So er aber zu der inneren Ansicht kommt, daß er nichts ist, nichts vermag, sondern daß der Herr ist alles in allem, der Erste und der Letzte, das Alpha und das Omega — dann erst gibt er sich dem Herrn freiwillig ganz hin. Und da ergreift ihn der Herr und führt ihn den gerechten Weg. — Und so lege du alle deine Liebe zu deinen Brüdern und alle deine Sorge um sie vor die Füße des Herrn, umfasse dieselben mit deinem Herzen über alles heißliebend und du wirst dich sicher überzeugen, daß der Herr gerade da tätig zu werden beginnt, wo der Mensch aus seiner demütigen, inneren Erkenntnis alle seine nichtige Tatkraft und überschwache Willensmacht dem Herrn liebend übertrug. (GS 1, Kap. 91, S. 425)

Suche nicht die Kraft und Macht des Herrn,

sondern suche vielmehr ein Allergeringster in Seinem Reiche zu werden und nichts zu besitzen als Seine Liebe — und nichts zu wünschen als nur bei Ihm zu sein. Dann wirst du ewig wohnen wie ein zartes, vielgeliebtes Kindlein auf den allerheiligsten Armen des ewig allerliebevollsten Vaters! — Siehe, das ist der wahre Grundsatz! Nach dem lebe, und du wirst ganz vollkommen die Kindschaft Gottes schon auf dieser Welt überkommen. (GS 2, Kap. 60, S. 257)

Gottesfurcht und Liebe.

Wahr ist, in der Furcht der Schwachen bin Ich zugegen. Ohne die Gottesfurcht kann niemand den Vater lieben, und wer den Vater liebt, der fürchtet Gott. Daher ist auch Gottesfurcht und Liebe [in gewisser Hinsicht] gleich und kann nicht die eine sein ohne die andere. — Aber doch ist zu merken, daß die Liebe höher steht als die Furcht. Nur in der Liebe ist Leben! In der Furcht aber ist der Tod. Daher soll ein jeder endlich seine Furcht von der Liebe gefangennehmen lassen! . . . Wie lange die Furcht und ihr Versprechen anhält, kann man ja schon an schwachen Kindern sehen, welche ihre in der Furcht versprochene Besserung so lange halten, als der Vater mit finsterer Miene um sie herumdonnert. Hat sich aber des Vaters Miene wieder aufgeheitert, dann ist auch die Furcht hinweg samt allen Versprechungen. Nicht also ist es bei der wahren, echten Liebe. — Willst du also vollkommen sein, so müssen in dir stets drei Teile Furcht und sieben Teile Liebe sein! . . . Die Furcht ist der Same der Liebe. Wie aber der Same in der Erde verfault und der lebendige Keim der Liebe hervorbricht und dann großwächst und lebendige Früchte bringt, also muß auch die Furcht, die alte, verwesen. Aber eben aus dieser Verwesung (in der guten Erde Meiner Liebe zu euch) wird sich eine erstaunliche Frucht erheben, ein Baum des Lebens, unter dessen Aesten selbst des Himmels Bewohner ihre Wohnungen errichten werden. (H 1, Kap. 158, 28 ff. u. 37 ff.)

Solche Demut behagt mir nicht,

so du vor Mir mutlos wirst und fürchtest dich vor Meinen Ohren und Augen! — Wohl aber habe ich das größte Wohlgefallen an einem Benehmen, das völlig gleicht der Verhaltungsweise der kleinen Kindlein, die da keine Furcht vor ihren Eltern haben, sondern allezeit voll guten Mutes sind und vor ihren Eltern drauf los reden und schreien, als wären sie die Herren im Hause. Wenn es sie aber hungert und dürstet, da laufen sie dennoch in aller kindlichen Liebe und Ergebung zu den Eltern und bitten sie um Brot. Und so sie das Brot empfangen aus den Händen der Eltern, danken sie ihnen mehr durch den frohen, heiteren Genuß desselben, als durch eine übertriebene Ehrfurcht und Angst und daneben mit einem viele Arme langen, wenigsagenden Wortdanke. Ist es denn nicht jedem Vater lieber und jeder Mutter angenehmer, so die Kinderchen vor ihnen fröhlichen und heiteren Mutes die dargereichten Gaben genießen und dabei gesund und frisch aussehen wie die Blümchen nach einem erquickenden Regen — als so sie vor lauter Furcht und unermeßlicher Hochachtung vor ihren Eltern zittern und, so ihnen diese liebevollst das Brot reichen, sich dennoch nicht getrauen, es zu genießen!? (H 2, Kap. 24, 12 ff.)

Wahre Aufmerksamkeit.

Ein Wirt, der mit den Gästen viel zu tun und zu reden hat, bittet den Herrn um Vergebung, daß er Ihm wegen der vielen Gäste so wenig Aufmerksamkeit widmen könne. — Der Herr erwidert: „Mache du dir nichts daraus! Wer mit seinem Herzen bei Mir ist, der kann mit seinen Gliedern unbeirrt sein nötiges Tagwerk verrichten, wie er mag und kann und wie es sein Gewerbe fordert — und er widmet Mir dennoch die vollste und wahrste Aufmerksamkeit. Jede andere aber hat vor Mir ohnehin keinen Wert.“ (Ev 6, Kap. 60, 1)

Mich freuet nur ein liebendes Herz!

Das ist es, das ganz euer ist als eine freie Gabe von Mir; dessen seid ihr im Vollbesitze. So ihr wollt, könnet ihr es Mir wiedergeben, und Ich werde da einziehen mit Meiner Gnade, und ihr werdet leben ewig dann mit der Gnade Meiner ewigen Liebe. Und alle Dinge sollen klar werden wie ein Tropfen Wasser. — So ihr aber selbst einzieht in euer Herz und verriegelt dann die Türe vor Mir, daß Ich nicht hinein kann, wenn Ich will — so werdet ihr alsobald euer Lebensbrot in euch verzehren. Und da Ich als der alleinige Geber des Lebensbrotes mit Meiner Lebensgabe nicht mehr hineingelassen werde, so wird alsobald auch der ewige Tod die notwendige Folge der Eigenliebe und des Selbsttums in euch werden. (H 1, Kap. 41, 24 ff.)

Darin liegt die Größe unserer Kindschaft,

daß der unendliche, ewige Gott Sich Selbst erst in uns einen Vater nennt und erst dann unser wahrhafter Vater in der allerhöchsten Liebe wird, so wir Ihn als solchen in unseren Herzen erkennen und Ihn in aller Liebe auch also rufen! — So Sich aber der unendliche Gott erst in uns will als Vater vollkommen offenbaren, saget, was Höheres könnte da wohl noch gedacht werden?! — Was liegt daran, ob wir auch mit dem leisesten Hauche die ganze Schöpfung verwehen möchten und mit einem Gedanken alle Berge entzünden?! Wahrlich, es ist nichts gegen dem, so wir zu Ihm in aller Liebe und Wahrheit sagen können: „Lieber, heiliger Vater!“ Denn Er, der in Sich ist Gott, der Unendliche von Ewigkeit, ist vermöge Seiner unendlichen Liebe Vater in uns, wie wir Kinder in Ihm. Er zwar ist, was Er ist, durch Sich. Wir aber sind ewig nichts aus uns; aber alles aus und durch Ihn. — Das ist also unsere endlose Größe, daß wir Seine Kinder sind und Er unser aller Vater! (H 2, Kap. 82, 21 ff.)

Wer die Kindschaft hat,

der hat mehr, als was alle Himmel umfassen! Denn er hat Mich, Gott, den ewigen, unendlichen, ja den über alles erhabenen Gott voll Macht, Kraft und Heiligkeit als den liebevollsten, allein wahren Vater in sich und ist also völlig in Mir, d. h. in aller Meiner Vollkommenheit, welche da ist Meine unendliche Liebe, Gnade, Weisheit und Stärke. — Sehet, das ist sonach die Kindschaft! Und diese Kindschaft gebe Ich nun euch! O Kinder, wäret ihr fähig, noch Größeres von Mir zu nehmen? Wahrlich, Ich sage euch, ihr könnet es nimmer! Denn Meine Kinder sind mehr als die urgeschaffenen Engel! — O Kinder, wenn ihr Meine Brüder wäret, da wäret ihr viel geringer. Denn welcher Vater hat wohl seinen Bruder lieber um sich als seinen Sohn? Oder überkommt auch der Bruder vom Bruder ein Erbteil? Da aber schon ihr selbst eure Kinder höher schätzet als eure Brüder, so werde ja doch auch Ich als der allerwahrste und vollkommenste Vater wissen, wieviel Meine Kinder wert sind! Ihr gebet euren Kindern nur eurer Hände Mühe zur Aussteuer! Ich aber gebe euch Mein Alles, welches da ist Meine Liebe oder Mein allereigentlichstes, urewiges Leben selbst. (H 2, Kap. 83, 4 ff.)

Nicht alle sind Meine Kinder,

die zu Mir rufen und sagen: „Lieber, heiliger Vater, erhöre uns, Deine Kinder!“ — ihre Herzen aber bleiben dabei kalt, als hätten sie den gleichgültigsten Gegenstand benannt, und ihr Vertrauen ist ebenso wie ihr Herz beschaffen. Diese Art von sein sollenden, aber nicht sein wollenden Kindern möchte nur Meine Macht und Stärke, um sich damit durch allerlei Großmachtspielereien die Zeit zu vertreiben, ob ihr loses Tun da Schaden oder Nutzen bringen möchte. — Ich aber sage euch: Solche Kinder sind noch so ferne der wahren Kindschaft wie ein Ende des Himmels vom andern. . . . Ihr sollet aber als wahre Kinder auch wissen, daß da ein großer Unterschied waltet zwischen jenen, die da erkennen einen Gott und Schöpfer, und jenen, deren Herz Gott alsbald heißliebend erfaßt und Ihn nimmerdar ausläßt und sich um nichts mehr kümmert als nur darum, wie es könnte Gott stets liebender erfassen. — Die ersten werden bei der Erkenntnis Gottes sagen: „Gott, Du allmächtiger, Du großer, Du heiliger, Du erhabener Schöpfer, wie groß und herrlich sind Deine Werke; darum wollen wir Dich allzeit loben, rühmen und über alles hochpreisen!“ — Die zweiten aber sagen: „O Gott, wie liebevoll mußt Du sein, da wir nicht umhin können, Dich trotz Deiner unendlichen Erhabenheit und Heiligkeit dennoch über alles zu lieben! O wie gut mußt Du sein, da uns die Liebe also mächtig zieht zu Dir!“ — Sehet hier die ersten staunend über ihren erkannten Gott, die zweiten aber vor Liebe in Tränen zerfließend, so sie an Mich nur irgend etwas erinnert, indem sie hinter ihrem guten Gott schon einen liebevollsten Vater ahnen! Merket ihr hier den mächtigen Unterschied?! — Sehet, die erste Art sind nur Knechte, die für den Lohn arbeiten; die zweite Art aber Kinder, welche da nichts wollen als nur allein den Vater! (H 2, Kap. 83, 14 ff.)

Textgrundlage: bereitgestellte historische Ausgabe. Originalscan · PDF-Seite 9 →

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