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Beten – Leseteil 1 – Teil II C – Glaube und Vertrauen

Teil II C – Glaube und Vertrauen

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1. PG N 34, 5—12 Trauer und Verzweiflung führen zum Gebet. Dieses wird dann ein Wecker zu neuem geistigem Leben. Das von Anderen erfundene kirchliche Gebet hat keinen Zweck und Erfolg, der Betende denkt dabei nichts. Beten sollen wir, weil ein Gebet, wenn es aus dem Herzen kommt, in dieses Erleichterung, Frieden und Freude gießt, ferner weil eine Menge Fragen Niemand anders beantworten kann, und man auch nicht Jedem seine Herzensgeheimnisse anvertrauen will, ferner weil Niemand so trösten kann als Gott, der Keinem seine begangenen Fehler vorwirft, ferner weil der Betende seine Ruhe darin wiederfindet. Das Leben des Menschen sollte ein kontinuierliches Gebet sein, gleichsam eine immerwährend sich gleichbleibende Stimmung, wie beim richtigen Spaziergange der tut, der sein Herz bei Betrachtung der Natur von der Welt abwendet, das Walten des Schöpfers in der Natur erkennt, die Nähe Gottes fühlt, bei einer einzigen Blume sieht, wieviel Geistiges und Liebliches darin verborgen liegt. Solch Spaziergänger lernt Gott lieben und ist mit seinem Schicksal zufrieden. Damit betet er, und inbrünstig. So sollen wir vom Morgen bis zum Abend das, was sich ereignet, auf göttliche Führung, auf geistige Zwecke zurückleiten und bei keinem Schritte unseren Gott vergessen, dann werden uns keine Ereignisse zu Boden werfen! Gegenstand des Gebetes ist meist unser weltliches Wohlleben, selten flehen wir um Hülfe, geistig ein besserer Mensch zu werden. Das Beten um zeitliche Schätze, das Opfer in den Kirchen ist verfehlt. Gott hat nur geistige Zwecke im Auge und gewährt keine weltlichen Vorteile auf Kosten geistigen Rückschrittes. — Der auf höherer geistiger Stufe Stehende betet für seine Mitmenschen. Aber so weit sind nur Wenige. Dieses sollen wir besonders tun, dann werden wir die Macht des Gebets kennenlernen, besonders bei Krankheiten. — Das Gebet soll den Menschen erheben und zu Gott führen. „Gebet heißt nichts anderes als an Mich und das Verhältnis zwischen Mir und dem Menschen denken.“

2. WSp 147—149 Viele beten aus angelernter Gewohnheit, Andere irdischer Vorteile wegen, es gleich einem Orakel benutzend. Andere, weil sie ein höheres Wesen vermuten und sich vor diesem fürchten. Das Gebet soll unseren schlaffen, in der Materie gebundenen Geist erhalten, erfrischen, trösten, ernähren und in stetem Verbande halten mit Gott, von Dem er ausgegangen ist. Das Beten ist ein Bedürfnis der Seele, mehr noch des Geistes. Dieser zieht dadurch Nahrung aus Gott, ohne die alles Leben verkümmert. Der Mensch setzt sich damit in Verkehr mit Gott, es hält uns aufrecht, bekundet unsere Schwäche. Wir greifen zu ihm, wenn das Herz nach Liebe dürstet, wenn unsere Not am größten, wenn wir der Verzweiflung anheimfallen, wenn alle Verwandten, Freunde und Bekannten uns verlassen. Wir finden Erleichterung, wenn wir unseren Schmerz dann Gott kundtun. Aber wir sollen nicht um irdischer Vorteile wegen beten, sondern nur aus reiner, uneigennütziger Liebe zu Gott! Dann wird unser Gebet voller Kraft und Wirkung sein, und Gott wird uns geben, was uns wirklich nötig ist und gut tut.

3. Vb 1, 86 Das Gebet ist nötig als das reine Oel, welches unser Geisteslicht unterhält.

4. Vb 2, 79 „Meiner Liebe muß alles weichen und untertan sein. Wenn diese angerufen wird, so tritt die Erbarmung ein, und außerordentliche Einflüsse finden statt. Daher manche Menschen zu erzählen wissen, wie sie zu einer gewissen Stunde sich bekehrt haben, weil sie von einer solchen Hingabe und Gebetserhörung an oft gänzlich sich umänderten und Kraft in sich verspürten.“

5. H 3, 1, 7)—10), 18) Die Bitte ist ein andächtiger Rat in sittlich frommer Weise, durch den der Bittende anzeigt, was Gott tun solle. Da Gott nun höchst weise und höchst liebevoll gut ist, wird der Bittende [im Scan durch Drucküberlagerung nicht sicher lesbar] voraussetzen, daß Gott auch ohne seinen Beirat das Beste zur rechten Zeit tun wird. „Ich als Vater aber will Mir ja von Meinen lieben Kindlein raten lassen, also, als hätte Ich ihrer Räte von Nöten, denn solches alles tue Ich als Vater Meinen Kindlein aus Meiner großen Liebe heraus, leite dann aber ihren Rat und ihre Tat also, daß Ich dadurch dennoch alle Zeit Mein Ziel erreiche.“

6. Vb 4, 84—85 „Das Gebet ist eine stille Hingabe an Mich, wobei Meine Liebe nicht widerstehen kann, die an Mich gebrachte Bitte anzunehmen und zu segnen . . . Erwäget eure Gebete wohl, ob dieselben der Liebe entsprechen und nach Meinem Willen geordnet sind, ehe ihr die Erhörung derselben verlangt!“

7. Vb 4, 81 „Würden die Menschen bedenken, daß die Versöhnung dazu geschah, damit Ich als Gott wieder mit den Menschen verkehren kann, so müßte die erste und ernsteste Frage sich ihnen aufdrängen: ‚Wie weit verkehrst denn du mit deinem Gott?‘, und Viele müßten dann einsehen, daß, anstatt eine Annäherung an Mich zu suchen, sie lieber Mich in den allerobersten Himmel wünschen und sich damit entschuldigen, daß sie nicht würdig genug seien, Mir gegenüber es zu wagen und zu glauben, daß Ich als der Allgegenwärtige stets bereit bin, Mich mit ihnen zu unterreden und mit ihnen zu verkehren.“

8. Lbl II, 200 „Wenn ihr um etwas bittet, so seid ihr alle ein wenig lau und macht nicht zu wenig Ernstes mit einer an Mich gerichteten Bitte . . . Ihr haltet euch für unwürdig und schiebt euch dadurch selbst einen Riegel vor.“ „Würdig zur Erhörung einer Bitte ist kein Mensch, denn alle sind sie Sünder. Aber gerade der Sünder, wenn er sich reuig und voll Vertrauens zu Mir wendet, ist eben der eigentlich rechteste Mensch, der mit der größten Zuversicht auf die volle Erhörung seiner Bitte rechnen kann, denn er ist ein Kranker, dem geholfen werden muß.“

9. Ev 7, 85 14)—21) Jesus sagt zu den Jüngern: Das lange Lippengeplärr der Juden beim Beten habe keinen Sinn und Verstand. Gott müsse als ein Geist im Geiste und in der Wahrheit angebetet werden. Dies tue, wer sich in das Liebekämmerlein seines Herzens begebe und dort bete. Das wahrhafte Gebet bestehe darin, daß wir Gottes Gebote hielten und aus Liebe zu Ihm Seinen Willen tun. Er will nicht mit Psalmen und Psaltern und Harfen und Zimbeln und Posaunen angebetet sein, sondern durch unverdrossenes Handeln nach Seinem Willen.

10. Ev 9, 37, 5)—13) Gott anbeten heißt, Ihn stets über alles lieben und den Nächsten wie sich selbst, Gottes Gebote treuest halten, auch unter den mißlichsten Lebensverhältnissen, die Er kommen läßt zur Lebensübung der von der Materie zu sehr angezogenen Seele. Das lange Lippengebet der Pharisäer, verbunden mit allerlei Zeremonie, ist Ihm ein Gräuel. Bezahlte Gebete werden nicht erhört, weil der Beter meist sie ohne allen Glauben hinmurmelt, und der, dem es helfen soll, zu träge ist, seine Kniee vor Gott zu beugen, und lieber für sich beten läßt. Wir sollen auch für die Feinde beten und für die, die uns hassen und fluchen.

11. Lbl III, H 22, 15 „Wo Ich Liebe finde, kann Ich gar leicht das Lippengebet entbehren, ja, Mir ist ein in Liebe erglühend Herz wohl um’s tausendenfache lieber als ein beredter Mund.“

12. Lbl III, 151 „Wenn du betest, da mache nicht viel Worte; bedenke stets, daß Ich der Herzenskündiger bin, Der nicht auf deine Lippen, sondern auf dein Herzinnerstes schaut und alle Zeit weiß, wie es um dasselbe bestellt ist! Darum kannst du das Lippengebet ersparen, wenn du umso fleißiger und lebendiger im Herzen zu Mir betest und deine Gedanken beständig auf Mich richtest.“

13. H 1, 306, 22)—24) „Wer da noch beten und danken kann mit dem Munde, in dessen Leib schlägt noch ein Herz, dessen Fasern noch vielseitig an den Aesten der Weltbäume hängen; und wenn da ein Wind kommet und zerret an den Aesten der Bäume der Welt, da wird auch das Herz mitgezerrt. Ein Herz aber, wie das deine, ist gänzlich daheim, und wenn die Winde kommen, ist es ruhig und unbekümmert der Welt; aber es ist eben darum auch frei, um den Herrn über allen zu lieben und alles Andere nur aus dem Herrn. Wer also liebet, der liebet recht, und der Herr wird mit ihm sein ewig.“

14. Ev 6, 180, 6)—8) Ein bezahltes Gebet ist ein Gräuel vor Gott. „So Gott dem Menschen, der sich ob seiner vermeinten Unwürdigkeit nicht zu Ihm zu beten getraute, allso hülfe aus irgend einer Not seiner Demut wegen, so wird er ihm aber in dem Falle (d. i. des bezahlten Gebets) darum ganz sicher nicht helfen, um ihn dadurch von seinem Aberglauben mehr und mehr zu befreien . . . So etwa zwei oder drei zu Mir wahrhaft beten, so wird ihr Gebet sicher alle Zeit erhört werden,“ wenn nicht um rein weltliche Dinge gebeten wird, sondern nur, wenn gebeten wird um das zum Leben des Leibes und zur Stärkung des Glaubens und der Seele wahrhaft Nötige.

15. Ev 6, 123, 1)—18) Wer Gott über alles liebt und Seinen Willen tut, ist ein rechter Priester und rechter Lehrer. „Wer also Meinen Willen tut, der betet wahrhaft und betet alle Zeit ohne Unterlaß . . . Wer da durch seine Bitte etwas von Mir erhalten will, der bitte ganz stille in seinem von der Liebe zu Mir erfüllten Herzen, und es wird ihm gegeben, um was er gebeten hat, so es sich mit dem Lebensheile seiner Seele verträgt.“ Allgemeine Gebete und Bitten wie bei Wallfahrten zu besonderen Götzengnadenbildern — Jesus sagt dies zu einer heidnischen Priesterin — werden von Gott niemals erhört. Wer zum Beten bessere Kleider anzieht, und wer für Gebete eine fremde Sprache gebraucht als die für die Verehrung eines Gottes würdigste, der wird auch nie erhört. Der Mensch schmücke sich allein im Herzen und rede allein die Sprache des Herzens!

16. Ev 1, 92, 15)—16) Gott wird dem Bitten und Suchen des Menschen auf dem kürzesten Weg entgegenkommen, vorausgesetzt, daß es dem Menschen mit seinem Suchen und Bitten ein vollkommener Ernst ist. „Sucht und bittet der Mensch aber nur versuchsweise, um sich zu überzeugen, ob an Gott und Dessen Verheißungen wohl etwas sei, so wird er von Gott nicht angesehen noch erhört werden, denn Gott in Sich Selbst ist die reinste Liebe und kehrt Sein Antlitz nur denen zu, die ebenfalls in der reinen Liebe ihres Herzens zu Ihm kommen und Gott Seiner Selbst willen suchen, Ihn als ihren Schöpfer dankbarst wollen kennenlernen und den heißen Wunsch haben, von Ihm Selbst geschützt und geführt zu werden.“

17. Vb 7, 76 Nur wo die Liebe mit dem Glauben verbunden ist, kann das Gebet erhört werden, weil ohne Liebe der Glauben unecht ist und keine wirkende Kraft in sich hat. Gott kann Seinen Segen nur auf die Liebe legen, weil Er keinen andern Beweggrund in Sich fühlt als die Liebe. Dieses Wesen des Vaters muß sich der aneignen, der eine Bitte erfüllt haben will, Liebe muß sein Beweggrund sein, und er darf nur ein solches Verlangen haben, das ihm und den Mitmenschen zugleich zum geistigen Segen wird. Oefters läßt der Vater Krankenheilungen zu, auch wenn der Bittende nicht in der reinen Liebe steht, sondern nur den Wunderglauben hat, das feste Hoffen, daß Gebetserhörung stattfinde. Das geschieht dann um des Kranken willen, damit dieser dadurch Gott lieben lernt.

18. Lbl II, 209 „Gebet und Liebe bricht die festesten Tore auf.“

19. Lbl I, 228 „So du etwas willst, so bitte darum, und es wird dir gegeben werden, darum du gebeten hast, denn Ich als die Liebe gebe allen Denen, die Mich lieben aus Meiner Liebe. Wie könnte es anders sein, so die Liebe ihre Liebe um etwas bittet?“

20. Ev 2, 111, 1)—8) Das allein wahre Gebet besteht in der aufrichtigen Liebe zu Gott und zu den Nebenmenschen. Wer nicht im Herzen beten kann, der bete lieber garnicht! Zum Beten ist allein das Herz gegeben. Mit Füßen, Händen, Armen, Ohren und Lippen kann man auch beten, aber nur, indem man den Armen Hülfe bringt, die Armen gern ansieht, Gottes Wort gern hört und die armen verlassenen Wittwen und Waisen tröstet, für die schuldlos Gefangenen ein gutes Wörtlein einlegt und die Unwissenden belehrt und zur Tugend beredet.

21. Ev 3, 207, 11)—13) „Darum ist eines jeden Menschen erste Pflicht, in aller Demut seines Herzens Gott zu suchen im Geiste und in der Wahrheit, und hat er Ihn gefunden, dann bete er Gott auch im Geist und in der Wahrheit an! Das Hauptgebet aber besteht darin, daß ein demütiges Herz demütig bleibt und seinen Nächsten liebet in der Tat, mehr als sich selbst, Gott aber als den allein wahren Vater aller Menschen und Engel über alles.“

22. Ev 3, 209, 3)—4) „Jedes wie immer geartete Lippengebet ist ein Gräuel vor Mir . . . Betet, wie Ich es euch gesagt habe, im Geiste und in der Wahrheit durch lebendige Werke und Taten der Liebe an euren Nächsten, dann wird jedes Wort in Meinem Namen ein wahrhaftes Gebet sein, das Ich stets und unfehlbar erhören werde. Aber die Seufzer der Lippen erhöre Ich nie.“

23. Ev 3, 123, 1)—6) Jarah sagt, gefragt, wie sie eigentlich bete: „Ich versetze mich mit allen meinen Gedanken und Gefühlen in die tiefsten Tiefen meines Herzens, worin die Liebe zu Gott zu Hause ist. Dadurch bekommt diese heilige Liebe ebenso Nahrung, als wenn du auf eine stille Glut, die nicht mehr flammt, gutes, dürres und sehr leicht brennbares Holz legst.“ Dann spricht sie das „Vater Unser“ und setzt hinzu: „Siehe, das heiße ich beten, welches Beten aber Gott erst offenbar nur dann etwas gilt, wenn zuvor in aller Tiefe des Herzens auf die vorgeschriebene Art und Weise die Liebe zu Gott in die lichten und heißen Flammen übergeschlagen hatte durch die Einigung aller Gedanken und Gefühle im göttlichen Zentrum des Herzens. Fehlt dieser Vorgang, so ist jedes Gebet mit bloßen, noch so schönen Worten vor Gott ein Gräuel und wird nicht angesehen und nicht angehört. Denn Gott in Sich ist ein Geist und muß darum im Geiste der Liebe und im flammenhellsten Lichte der Wahrheit angebetet werden.“ — S. auch Wegw. II HS. 45 Nr. 11.

24. Vb 4, 27—28 „Bei jedem Worte, das ihr betet, sollet ihr euch prüfen, ob es auch redlich aus dem Herzen kommt, sonst ist es ein Gräuel vor Mir. Hauptsächlich ist dabei dasjenige Gebet gemeint, das Ich euch Selbst lehrte, das Vaterunser, welches alles enthält, was zu eurer Selbstprüfung nötig ist . . . Wenn ihr betet, so geht ins Kämmerlein eures Herzens und haltet dort zuvor Umschau, wie es beschaffen ist, damit ihr nicht versucht seid, unreine Begierden und Leidenschaften vor Mir zu entschuldigen, sondern bittet um Beistand, dieselben zu beseitigen!“

25. Ev 10, 32, 3)—11) Das Vaterunser. Wir sollen wahr und lebendig beten im Herzen im geheimen Lebenskämmerlein!

26. Lh 87—93 Das Vaterunser. „Vater unser“ erlaubt dem Menschen, als unmündiges Kind seinen Schöpfer mit Liebe zu umfassen; es ist der mächtigste Hebel, Vertrauen zu Dem zu erwecken, zu Dem man betet. „Im Himmel“ besagt, daß der Mensch von dort abstammt oder dorthin in die Nähe des Vaters gelangen kann; ferner besagt es, daß der Vater ein Wesen sein muß, welches, trotzdem Er in dem Himmel ist, doch allgegenwärtig sein muß, denn sonst hört Er mein Gebet nicht und kann es nicht erfüllen. „Geheiliget werde Dein Name“ will heißen, daß als Unterschied zum weltlichen Vater der Vater im Himmel als Geist nur dann würdig geehrt werden kann, wenn man auch bei Anrufung, Beteuerung und Schwören Seinen Namen nicht mißbraucht und in weltliche Händel herunterzieht. „Dein Reich komme“: Erst wenn wir die Stellung des Vaters ganz erfassen, sind wir würdig, daß dies Paradies in unser Herz herabsteige, und in das Reich der Geister aufgenommen zu werden. „Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden“ deutet an, daß, damit das Reich auf Erden ein bleibendes werde, die göttlichen Gesetze des Vaters auch ausgeführt werden. „Unser täglich Brot gib uns heute“ schließt sich als weltliche Bitte an, damit die geistige Hebung nicht durch weltliche Mißstände getrübt werde, wir unsern weltlichen Verpflichtungen nachkommen und dem Nächsten helfen können. Die geistige Erhebung und geistige Nahrung ist erst dann in vollem Ernste möglich, wenn der Körper als Bindemittel zwischen hier und dort nicht unter dem Druck der Verhältnisse leidet. (Ev 3, 123, 4): „Wenn uns hungert und dürstet, geistig und leiblich, gib uns, was wir täglich nötig haben!“) „Vergib uns unsere Schuld!“ Dies Gebet soll das ganze Pilgerleben umfassen, es schließt das Bekenntnis unserer Schwachheit ein. „Wie wir vergeben unsern Schuldigern“ bringt den Vorsatz zum Ausdruck, daß auch wir unseres Vaters würdig handeln sollen. (Vb 7, 79 Unsere Schuldiger sind alle, die uns Gegenliebe schulden.) „Und führe uns nicht in Versuchung“ drückt aus die reuvolle Anerkennung unserer Ohnmacht und der Schwäche unseres zweifachen Organismus, der uns Versuchungen oft auch gegen unsern Willen unterliegen läßt. (Ev 3, 123, 4) „Laß es nicht zu, daß wir in unserer fleischlichen Schwachheit irgend über unsere Kraft vom Teufel versucht werden!“ Ev 10, 32, 8) „Laßt nicht Versuchungen über uns kommen, denen wir nicht widerstehen könnten!“ Vb 7, 79 Den schwachen Seelen frommt, in eine Versuchung zu kommen, welche Feindesliebe nötig macht.) „Sondern erlöse uns von dem Uebel“ erhält das Bekenntnis, daß wir ohne den Vater eine Null sind, und daß Er uns von allem Bösen fernhalten und es verhindern möge. (Ev 3, 123, 4) Erlöse uns „von den tausenderlei Uebeln, durch die unsere Liebe zu Gott getrübt und geschwächt werden könnte! Ev 10, 32, 8) Erlöse uns „von allem Uebel, in das der Mensch infolge einer zu mächtigen Versuchung dieser Welt und ihres argen Geistes geraten kann!“

27. Pr II, 43—50 Das Vaterunser, bezogen auf Liebe, Leben, Licht, Kraft, Ordnung, Freiheit und Wahrheit.

28. Vb 3, 27—29 Vom Vaterunser sind leider die meisten Menschen übersättigt, es hat für sie nicht mehr seinen göttlichen Wert, sie hängen es meist nur ihren in einem unerwecklichen Richter um Erbarmung rufenden Gebeten an. Nur Wenige legen auf dieses von Gott Selbst gegebene Gebet den höchsten Wert und verschaffen so dem Geiste Zugang durch ernstliche Selbstprüfung beim Sprechen dieser Worte.

Textgrundlage: bereitgestellte historische Ausgabe. Originalscan · PDF-Seite 25 →

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