Die wahren Geschichten des Wortes begannen mit dem vorhergehenden 12. Kapitel; bis dahin, oder vielmehr bis Eber, waren es gemachte Geschichten (geschichtsartige Einkleidungen). Was nun von Abraham weiter vorkommt, bezeichnet im inneren Sinn den Herrn, und zwar Sein erstes Leben, wie es war, bevor Sein äußerer Mensch verbunden wurde mit dem inneren, so dass sie übereinwirkten, d.h. bevor Sein äußerer Mensch gleichfalls himmlisch und göttlich geworden war.
Die Geschichten sind es, die den Herrn vorbilden, die Worte selbst sind Bezeichnungen dessen, was vorgebildet wird. Weil es aber Geschichten sind, so kann es nicht anders sein, als dass das Gemüt des Lesers darin festgehalten wird, hauptsächlich heutzutage, wo die meisten und beinahe alle nicht glauben, dass es einen inneren Sinn gibt, geschweige denn in den einzelnen Wörtern. Und vielleicht werden sie es auch jetzt noch nicht anerkennen, obgleich es bis hierher so deutlich gezeigt worden ist. Auch darum nicht, weil der innere Sinn vom Buchstabensinn so sehr abzuweichen scheint, dass man ihn kaum erkennt.
<HG 1540>
Was die Geschichtsbücher betrifft, so sind alles, was darin steht, wahre Geschichten; ausgenommen was in den ersten Kapiteln der Genesis steht, welches gemachte Geschichten sind, wovon im ersten Teil gehandelt wurde; aber obgleich es wahre Geschichten sind, haben sie dennoch einen inneren Sinn, und in diesem Sinn handeln sie, wie die prophetischen Schriften, einzig und allein vom Herrn, sie handeln auch vom Himmel und der Kirche, und von dem, was des Himmels und der Kirche ist, aber dieses ist des Herrn, darum bezielen sie durch dieses den Herrn, und ebendaher sind sie das Wort. Alle Geschichten darin sind vorbildlich, und die einzelnen Worte, womit sie beschrieben werden, sind bezeichnend.
Dass die Geschichten vorbildlich sind, ergibt sich aus den Erklärungen, die bisher über Abraham gegeben wurden, und wird erhellen aus den Erklärungen, die über Jischak, über Jakob, seine zwölf Söhne, über Ägypten, über die Wanderschaft des Volkes in der Wüste, über seinen Einzug ins Land Kanaan, usw., aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, gegeben werden sollen.
Dass die einzelnen Worte, womit die Geschichten beschrieben werden, bezeichnend sind, erhellt auch aus dem, was gezeigt worden ist, als: dass die Namen Sachen bezeichnen, z.B. Ägypten Wissenschaft, Aschur das Vernünftige, Ephraim das Verständige, Tyrus die Erkenntnisse, Zion die himmlische Kirche, Jerusalem die geistige Kirche, usw.; ebenso die Nennwörter, z.B. dass der König das Wahre, der Priester das Gute bezeichnet, und dass die übrigen ihre innere Bedeutung haben, z.B. Königreich, Stadt, Haus, Völkerschaft, Volk, Garten, Weinberg, Ölberg, Gold, Silber, Erz, Eisen, Vögel, Tiere, Brot, Wein, Öl, Morgen, Tag, Licht und zwar immer die gleiche, sowohl in den geschichtlichen als prophetischen Büchern, obgleich sie von verschiedenen Männern und in ganz anderen Zeiten geschrieben worden sind; diese Bedeutung würde keineswegs sich so gleich bleiben, wenn das Wort nicht vom Himmel herabgekommen wäre.
Hieraus kann man erkennen, dass ein innerer Sinn im Wort ist; überdies auch daraus, dass das göttliche Wort keineswegs handeln kann von bloßen Menschen, wie von Abraham, Jischak, Jakob, deren Nachkommenschaft, welche die schlimmste Völkerschaft war, von ihren Königen, Weibern, Söhnen, Töchtern, Kebsweibern, Raubzügen und dergleichen, was an sich betrachtet nicht einmal wert ist im Wort erwähnt zu werden, wenn nicht dadurch vorgebildet und bezeichnet ist solches, was im Reich des Herrn ist, dieses ist des Wortes würdig.
<HG 2607>
Bei Johannes in der Offenbarung 19/11-14,16, wird das Wort im Betreff des inneren Sinnes so beschrieben: “Ich sah den Himmel offen, und siehe, ein weißes Pferd, und Der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und richtet und kämpft in Gerechtigkeit. Seine Augen wie eine Feuerflamme, und auf Seinem Haupte viele Diademe. Er trug einen Namen geschrieben, den niemand als Er selbst kennt, und war angetan mit einem in Blut getauchten Kleide, und Sein Name heißt das Wort Gottes. Und die Heere in den Himmeln folgten Ihm auf weißen Rossen, angetan mit reinem und weißen Byssus; und Er trägt auf Seinem Gewand und auf Seiner Hüfte den Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren”.
Was dieses im einzelnen in sich schließt, kann man nur aus dem inneren Sinn wissen. Es ist offenbar, dass ein jeder Ausdruck etwas Vorbildliches und Bezeichnendes ist, nämlich: der Himmel der offen, das Pferd, das weiß, der darauf saß, dass Er treu und wahrhaftig sei, und in Gerechtigkeit richte und kämpfe. Dass Seine Augen wie eine Feuerflamme, dass auf Seinem Haupte viele Diademe seien, dass Er einen Namen geschrieben trug, den niemand als Er selbst kennt, und mit einem in Blut getauchten Kleide angetan war, dass die Heere im Himmel Ihm auf weißen Rossen nachfolgten, dass sie angetan waren mit weißem und reinen Byssus, und dass Er auf Seinem Gewande und auf Seiner Hüfte einen Namen geschrieben trägt. Mit klaren Worten wird gesagt, dass es das Wort sei, und dass es der Herr sei als das Wort, denn es wird gesagt: “Sein Name heißt das Wort Gottes”; ferner: “Er trug auf Seinem Gewande und auf Seiner Hüfte den Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren”.
Aus der Erklärung der einzelnen Ausdrücke erhellt, dass hier das Wort dem inneren Sinn nach beschrieben wird; dass “der Himmel offen sei” bildete vor und bezeichnet, dass der innere Sinn des Wortes nur im Himmel geschaut wird, und von denen, welchen der Himmel aufgetan ist, d.h., die in der Liebe und folglich im Glauben an den Herrn sind.
Das “weiße Pferd” bildet vor und bezeichnet das Verständnis des Wortes in Betreff seines Inneren, dass das weiße Pferd dies ist, wird aus dem Folgenden klar werden.
Dass “der darauf saß,” das Wort ist, und der Herr als das Wort, ist deutlich. “Der Treue und aus Gerechtigkeit Richtende” heißt Er aus dem Guten, und “der Wahrhaftige und aus Gerechtigkeit Kämpfende” aus dem Wahren.
“Auf Seinem Haupte viele Diademe”, bedeuten des Ganze des Glaubens;
“und trug einen Namen geschrieben, den niemand als Er selbst kennt”, bedeutet, dass niemand als Er selbst, und der, dem Er es offenbart, sieht, wie das Wort im inneren Sinn beschaffen ist;
“angetan mit einem in Blut getauchten Kleide”, bedeutet das Wort im Buchstaben;
“die Heere in den Himmeln, die Ihm auf weißen Rossen nachfolgten”, bezeichnen diejenigen, die im Verständnis des Wortes, in Betreff seines Inneren, sich befinden;
“angetan mit weißem und reinem Byssus”, bezeichnet eben dieselben in der Liebe und daraus im Glauben;
“einen Namen geschrieben auf Seinem Gewande und auf Seiner Hüfte”, bezeichnet das Wahre und das Gute; aus diesem, sowie auch aus dem Vorhergehenden und Nachfolgenden wird klar, dass um die letzte Zeit der innere Sinn des Wortes aufgeschlossen werden wird; aber was sich dann begeben wird, soll auch dort beschrieben werden: Offenb.19/17-21. <HG 2760>
In diesem Vers, 1.Mose 8/20, wird beschrieben der Gottesdienst der Alten Kirche im allgemeinen, und zwar durch den Altar und das Brandopfer, welche die Hauptbestandteile alles vorbildlichen Gottesdienstes waren: aber hier ist zuerst zu sagen welcherlei der Gottesdienst der Ältesten Kirche war, und daher wie die Verehrung des Herrn durch Vorbildliches entstand.
Der Mensch der Ältesten Kirche hatte keinen anderen Dienst, als einen inneren, wie er im Himmel ist; denn bei ihnen hatte der Himmel Gemeinschaft mit dem Menschen, dass sie eins ausmachten. Diese Gemeinschaft war das Innewerden, von dem schon oft die Rede war. Somit, weil sie engel’sche, inwendige Menschen waren, fühlten sie zwar das Äußere, das dem Körper und der Welt angehörte, aber kümmerten sich nicht darum; bei den einzelnen Gegenständen der Sinne wurden sie etwas Göttliches und Himmlisches gewahr; z.B., wenn sie einen hohen Berg sahen, so fassten sie nicht die Vorstellung eines Berges, sondern der Höhe, und aus der Höhe den Himmel und den Herrn; daher es denn kam, dass es vom Herrn hieß, Er wohne im Höchsten, wie Er denn auch der Höchste und Erhabenste genannt, und nachher der Dienst des Herrn auf den Bergen gehalten wurde; ebenso im übrigen. Wenn sie den Morgen wahrnahmen, so dachten sie dabei nicht an den eigentlichen Morgen des Tages, sondern an das Himmlische, das gleich ist dem Morgen und der Morgenröte in den Gemütern; daher der Herr genannt wurde der Morgen, der Aufgang und die Morgenröte. Ebenso wenn sie einen Baum und dessen Frucht und Blätter sahen, so bekümmerten sie sich nicht um diese, sondern sahen darin gleichsam vorgebildet den Menschen, in der Frucht die Liebe und Liebtätigkeit, in den Blättern den Glauben; daher denn auch der Mensch der Kirche nicht bloß dem Baum, sowie auch dem Paradies, und was bei ihm ist, der Frucht und den Blättern verglichen, sondern auch so genannt wurde: solcherlei sind die, welche eine himmlische und engel’sche Vorstellungsweise haben.
Einen jeden kann bekannt sein, dass die allgemeine Vorstellung alles Besondere beherrscht, somit alle Gegenstände der Sinne, sowohl die, welche man sieht, als die, welche man hört, und zwar so, dass man um die Gegenstände sich nicht bekümmert, außer sofern sie in die allgemeine Vorstellung, die man hat, einfließen. So, wer in der Seele vergnügt ist, dem erscheint alles, was er hört und sieht, als heiter und lachend. Wer aber in der Seele traurig ist, dem erscheint alles, was er hört und sieht, als traurig und schmerzlich; so in allem übrigen; denn die allgemeine Richtung ist im einzelnen, und macht, dass man das einzelne in der allgemeinen Richtung sieht und hört; das übrige erscheint nicht einmal, sondern es ist, wie wenn es abwesend oder nichts wäre: so verhielt es sich beim Menschen der Ältesten Kirche, alles, was er mit den Augen sah, das war ihm himmlisch; und so lebte gleichsam bei ihm alles und jedes. Hieraus kann erhellen, von welcher Art ihr Gottesdienst war, nämlich ein innerlicher, und keineswegs ein äußerlicher.
Als aber die Kirche ablenkte, wie bei den Nachkommen, und jenes Innewerden, oder die Gemeinschaft mit dem Himmel, sich zu verlieren anfing, da begann sich die Sache anders zu verhalten. Bei den Gegenständen der Sinne wurden sie nicht mehr das Himmlische inne, sondern das Weltliche, und umso mehr, je weniger Innewerden sie übrig hatten. Und endlich in der letzten Nachkommenschaft, die zunächst vor der Sündflut war, erfassten sie in den Gegenständen nichts anderes, als das Weltliche, Körperliche und Irdische. So wurde der Himmel vom Menschen geschieden, und hatte keine Gemeinschaft, außer eine sehr entfernte; alsdann bekam der Mensch Gemeinschaft mit der Hölle, und von daher die allgemeine Vorstellung, aus der, wie gesagt, die Vorstellungen alles Besonderen entstehen; wenn nun eine himmlische Idee sich darbot, so galt sie bei ihnen nichts, bis sie zuletzt nicht einmal mehr anerkennen wollten, dass es etwas Geistiges und Himmlisches gebe; so wurde der Zustand des Menschen verändert und umgewendet.
Weil vom Herrn vorhergesehen worden, dass der Zustand des Menschen so werden würde, wurde auch vorgesehen, dass sie die Glaubenslehren in Verwahrung hätten, damit sie aus denselben wissen möchten das Himmlische und das Geistige. Jene vom Menschen der Ältesten Kirche herstammenden Lehren sammelten die, welche Kain, und die Chanoch hießen, von denen die Rede war. Daher wird von Kain gesagt, dass ihm ein Zeichen angesetzt worden sei, damit ihn niemand töten möchte; und von Chanoch, dass er von Gott aufgenommen worden sei. Diese Lehren bestanden bloß in Bezeichnungen, und so gleichsam in Rätseln, was nämlich die auf der Erde befindlichen Dinge bedeuten, z.B. was die Berge, dass sie Himmlisches und den Herrn bezeichnen; was der Morgen und der Aufgang, nämlich ebenfalls Himmlisches und den Herrn; was die verschiedenartigen Bäume und ihre Früchte, nämlich den Menschen und sein Himmlisches; und so, was das übrige bedeute: in dergleichen bestanden ihre Lehren, die gesammelt worden waren aus den Bezeichnungen der Ältesten Kirche; eben daher waren auch ihre Schriften so beschaffen: und da sie in dergleichen das Göttliche und Himmlische, weil auch das Alte, bewunderten, und auch zu schauen glaubten, wurde ihr Gottesdienst mit ähnlichem begonnen und zugelassen. Daher denn ihr Gottesdienst auf Bergen und in Hainen, inmitten von Bäumen, daher auch ihre Denksäulen unter freien Himmel; und endlich die Altäre und Brandopfer, die nachher die Hauptbestandteile alles Gottesdienstes wurden. Dieser Dienst fing an mit der Alten Kirche, und pflanzte sich dann auf die Nachkommen, und auf alle Völkerschaften rings umher fort, außer vielem anderen. <HG 920>
← Zurück zu „Der innere Sinn – oder die Entsprechungen im göttlichen Wort“
Bezeichnungen
← Zurück zu „Der innere Sinn – oder die Entsprechungen im göttlichen Wort“
NEUOFFENBARUNG