Der Buchstabensinn des Wortes ist die Grundlage, Hülle und Stütze seines geistigen und himmlischen Sinnes
In allem Göttlichen ist ein Erstes, ein Mittleres und ein Letztes, und zwar schreitet das Erste durch das Mittlere zum Letzten fort, und hat so Dasein und Bestand. Daher das Letzte die Grundlage ist.
Ferner ist das Erste im Mittleren, und durch das Mittlere im Letzten, somit ist das Letzte das Enthaltende, und weil das Letzte das Enthaltende und die Grundlage ist, so ist es auch die Stütze.
Die drei können auch genannt werden der Endzweck, die Ursache und die Wirkung; dann auch das Sein, das Werden und das Dasein; und dass der Endzweck das Sein, die Ursache das Werden und die Wirkung das Dasein ist. Daher gibt es bei jeder vollendeten Sache ein Dreifaches, das man das Erste, das Mittlere und das Letzte, dann auch den Endzweck, die Ursache und die Wirkung heißt. – So kann man begreifen, dass jedes göttliche Werk im Letzten vollendet und vollkommen ist, sowie auch, dass im Letzten alles ist, weil in ihm das Frühere beisammen ist.
Daher kommt, dass unter drei im geistigen Sinn des Wortes verstanden wird das Vollendete und Vollkommene, dann auch alles zusammen. Und weil dieses durch jene Zahl bezeichnet wird, so wird sie immer dort gebraucht, wo dergleichen angedeutet wird. <WCR 210, 211>
Das Wort wurde so geschrieben, damit eine Verbindung des Himmels mit dem Menschen sein möge, und es ist eine Verbindung, weil jedes Wort in demselben, ja, in manchen Stellen jeder Buchstabe, einen geistigen Sinn enthält, in dem die Engel sind; so dass, wenn der Mensch das Wort nach dessen Scheinbarkeiten der Wahrheit auffasst, die Engel, die um ihn sind, es geistig verstehen. Auf diese Weise wird das Geistige des Himmels mit dem Natürlichen der Welt verbunden, hinsichtlich solcher Dinge, die zum Leben des Menschen nach dem Tode beitragen.
Wäre das Wort anders geschrieben worden, so hätte keine Verbindung des Himmels mit dem Menschen stattfinden können. Und weil das Wort im Buchstaben solcherart ist, deshalb ist es sozusagen eine Unterlage für den Himmel; denn alle Weisheit der Engel des Himmels hinsichtlich solcher Dinge, die zur Kirche gehören, laufen im buchstäblichen Sinn des Wortes wie auf ihrer Grundlage aus, weshalb das Wort im Buchstaben die Stütze des Himmels genannt werden kann. Der buchstäbliche Sinn des Wortes ist deshalb sehr heilig; ja, er ist sogar mächtiger als sein geistiger Sinn, denn wenn die Geister irgendeine Stelle des Wortes dem Sinn des Buchstabens gemäß vorbringen, so erregen sie sogleich irgendeine himmlische Gesellschaft zur Verbindung mit ihnen an.
Hieraus kann erhellen, dass alle Lehren der Kirche durch den Buchstabensinn des Wortes begründet werden müssen, damit sie Heiligkeit und Macht erlangen, und zwar aus denjenigen Büchern des Wortes, in denen ein geistiger Sinn enthalten ist. Auch wird hierdurch klar, wie gefährlich es ist, das Wort zu verfälschen bis zur Zerstörung des göttlich Wahren, das in seinem geistigen Sinn liegt, denn dann wird der Himmel dem Menschen verschlossen. <EKO 816>
In 2.Mose Kapitel 20-23 wurde von den Gesetzen, Rechten und Satzungen gehandelt, die vom Berg Sinai herab verkündigt wurden, und gezeigt, was sie im inneren Sinn enthalten, somit wie man sie im Himmel auffasst, nämlich nicht nach dem buchstäblichen Sinn, sondern nach dem geistigen Sinn, der nicht im Buchstabensinn offen hervortritt, aber dennoch darinnen liegt. Wer aber nicht weiß, wie sich die Sache verhält, kann meinen, auf diese Weise werde das Wort in Ansehung des Buchstabensinns vernichtet, deswegen, weil er im Himmel nicht beachtet werde; aber man wisse, dass der Buchstabensinn des Wortes dadurch keineswegs vernichtet, sondern vielmehr bekräftigt wird, und dass die einzelnen Worte durch den geistigen Sinn, der darinnen liegt, Gewicht und Bedeutung haben und heilig sind, weil der buchstäbliche Sinn die Grundlage und Stütze ist, worauf der geistige Sinn ruht, und mit dem er auf das engste zusammenhängt, so dass nicht einmal ein Jota oder eine Spitze, oder ein Häkchen im Buchstaben des Wortes ist, das nicht heilig Göttliches enthielte, nach den Worten des Herrn bei
Matth.5/18: “Wahrlich, Ich sage euch, bis dass Himmel und Erde vergeht, wird nicht ein Jota oder ein Häkchen vom Gesetz vergehen, bis dass alles geschieht”.
Luk.16/17: “Leichter ist es, dass Himmel und Erde vergehe, als dass eine Spitze des Gesetzes falle”: dass das Gesetz ist das Wort ist.
Darum hat es auch die göttliche Vorsehung des Herrn so gefügt, dass das Wort bis auf jedes Jota und Strichlein von der Zeit an, wo es geschrieben worden, erhalten wurde, hauptsächlich das Wort des Alten Testaments. Es wurde mir auch aus dem Himmel gezeigt, dass im Wort nicht bloß ein jeder Ausdruck, sondern auch eine jede Silbe und, was unglaublich scheint, ein jedes Häkchen einer Silbe in der Grundsprache etwas Heiliges in sich schließt, was den Engeln des innersten Himmels wahrnehmbar wird. Dass es so ist, kann ich versichern, aber ich weiß wohl, dass es über den Glauben der meisten hinausgeht.
Hieraus erhellt zwar, dass die äußeren Gebräuche der Kirche, die den Herrn und die inneren Dinge des Himmels und der Kirche, die vom Herrn stammt, vorbildeten, von denen im Worte des Alten Testaments die Rede ist, größtenteils aufgehoben sind, dass aber dennoch das Wort in seiner göttlichen Heiligkeit bleibt, weil alles und jedes, das darin steht, dennoch heilig Göttliches enthält, was im Himmel wahrgenommen wird, wenn dieses Wort gelesen wird; denn es ist inwendig Heiliges im einzelnen, und das ist sein innerer Sinn, oder der himmlische und göttliche Sinn. Dieser Sinn ist die Seele des Wortes, und ist das göttlich Wahre selbst, das vom Herrn ausgeht, somit der Herr selbst. <HG 9349>
Die vorbildliche Kirche wurde im Land Kanaan hauptsächlich wegen des Wortes errichtet, auf dass dieses in Vorbildern und Bezeichnungen verfasst würde, somit in solchem, was bei jener Völkerschaft in ihrer Kirche und in ihrem Lande war, denn alle Orte im Lande Kanaan, alle Berge und Flüsse daselbst, bildeten von den ältesten Zeiten her solches vor, was in den Himmeln ist; und so auch später die Erbteile, die Stämme und so weiter. Der buchstäbliche Sinn des Wortes des Alten Testaments bestand aus solchem, damit ein Letztes vorhanden wäre, in welches das Innere auslaufen, und worauf es stehen konnte, wie ein Gebäude auf seinem Fundament.
Wer verständig ist, kann aus diesem merken, dass das Wort höchst heilig ist, und dass sein buchstäblicher Sinn heilig ist wegen seines inneren Sinnes, dass aber der von diesem getrennte Sinn nicht heilig ist; denn der vom Inneren getrennte Sinn ist wie das von seinem Inwendigen getrennte Äußere des Menschen, das ein lebloses Bildnis ist, und wie die Schale eines Baumes, einer Blume, einer Frucht oder eines Samens ohne das Innere von diesen, und wie eine Grundlage ohne Haus. Deshalb können diejenigen, die sich bloß an den Buchstabensinn des Wortes halten, und keine Lehre aus dem Wort haben, oder sich verschaffen, die mit seinem inneren Sinn übereinstimmt, in alle möglichen Irrlehren gezogen werden. Daher kommt es auch, dass das Wort wegen solcher ein Buch der Ketzereien genannt wird. Die eigentliche Lehre aus dem Wort muss immerdar vorleuchten und führen. Eben diese Lehre lehrt aber der innere Sinn, und wer diese Lehre kennt, hat den inneren Sinn des Wortes.
Weil die jüdische Völkerschaft nichts Heiliges im Wort anerkannte, als in seinem Buchstabensinn allein, den sie ganz vom inneren Sinn trennte, darum fiel sie in solche Finsternis, dass sie den Herrn nicht erkannten, da Er in die Welt kam. Von solcher Art ist jene Völkerschaft noch heutzutage, und deshalb erkennt sie, obwohl sie unter den Christen lebt, dennoch den Herrn aus dem Wort noch nicht an. Dass jene Völkerschaft im Äußeren ohne das Innere von der ersten Zeit an war, darüber sehe man, was in den angeführten Stellen: HG 9320 und 9380 gezeigt wurde. Wenn daher der Herr nicht in die Welt gekommen wäre, und das Innere des Wortes geöffnet hätte, so wäre die Gemeinschaft mit den Himmeln durch das Wort unterbrochen gewesen; und infolge dieser Unterbrechung wäre das Menschengeschlecht auf dieser Erde zugrunde gegangen, denn der Mensch kann nichts Wahres denken, und nichts Gutes tun, wenn nicht aus dem Himmel, d.h. durch den Himmel vom Herrn. Das Wort ist es, was den Himmel öffnet.
<HG 10276>
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