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Der Buchstabensinn ist für Einfältige und Kinder

“Ich will doch hinabfahren, und sehen”, 1.Mose 18/21, dass dies die Heimsu­chung bedeutet, kann erhellen aus der Bedeutung von hinabfahren um zu sehen, das soviel ist als das Gericht, wovon HG 1311, folglich soviel als die Heimsuchung. Die letzte Zeit der Kirche im allgemeinen, und die letzte Zeit eines jeden im besonderen, wird im Wort Heimsuchung genannt, und geht dem Gericht voraus, und ist so die Heimsuchung nichts anderes als die Untersuchung der Beschaffenheit, nämlich wie die Kirche im allgemeinen, oder der Mensch im besonderen beschaffen ist, und diese Untersuchung wird im Buchstabensinn dadurch ausgedrückt, dass Jehova hinabfahre und sehe.
Die Beschaffenheit des Buchstabensinnes kann hieraus erhellen, denn Jehova fährt nicht hinab, da vom Herrn ein Hinabfahren nicht ausgesagt werden kann, weil Er immer im Höchsten ist. Auch sieht Jehova nicht, ob es so sei, weil Er alles und jedes von Ewigkeit her weiß; dennoch aber wird so gesagt, weil es beim Menschen scheint als ob es so geschehe, denn der Mensch ist im Unteren, und wenn da etwas entsteht, so denkt er nicht, und weiß nicht einmal, wie sich das Obere verhält, also auch nicht, wie es einfließt; denn sein Denken geht nicht weiter als aufs Nächste, daher kann er es nicht anders fassen, als dass es so etwas ist, was einem Hinabfahren und Sehen ähnlich ist; und dies umso mehr, wenn er meint, es wisse niemand, was er denkt. Abgesehen davon, dass er keine andere Vorstellung hat, als dass es von oben herab, und wenn von Gott, dass es vom Höchsten her komme, während es doch nicht vom Höchsten, sondern vom Innersten herkommt.
Hieraus kann erhellen, wie der Buchstabensinn beschaffen ist, dass er nämlich den Scheinbarkeiten gemäß ist, und wäre er nicht den Scheinbarkeiten gemäß, so würde das Wort niemand verstehen und anerkennen, somit nicht annehmen. Die Engel aber sind nicht so in Scheinbarkeiten wie der Mensch, daher denn das Wort, während es in Betreff des Buchstabens für den Menschen ist, in Betreff des inneren Sinnes für die Engel, dann auch für diejenigen Menschen, denen, aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, gegeben ist, während sie in der Welt leben, wie die Engel zu sein. <HG 2242>
“Und grub einen anderen Brunnen, und sie zankten nicht über ihn”, 1.Mose 26/22, dass dies den Buchstabensinn des Wortes bedeutet, erhellt aus der Bedeutung des Brunnens, sofern er das Wort ist, hier das Wort in Ansehung des Buchstaben­sinns, denn es wird gesagt, dass er von da weggezogen sei, und einen anderen Brunnen gegraben habe, und dass sie über den nicht gezankt haben, und hierdurch wird bezeichnet derjenige Sinn des Wortes, welcher der auswendigere ist und den sie nicht leugnen, und dieser Sinn ist es, welcher der buchstäbliche genannt wird.
Der Buchstabensinn des Wortes ist ein dreifacher, nämlich der historische, der prophetische und der lehrhafte, ein jeder ist so beschaffen, dass er auch von denjenigen begriffen werden kann, die im Äußeren sind.
Mit dem Wort verhält es sich so: In der Urzeit, da die himmlische Kirche war, ist das Wort nicht gewesen, denn der Mensch jener Kirche hatte das Wort eingeschrieben in seinem Herzen; denn der Herr lehrte sie unmittelbar durch den Himmel, was gut und daher was wahr, und gab ihnen beides innezuwerden aus der Liebe und Liebtätigkeit und zu wissen aus Offenbarung. Das eigentlichste Wort war ihnen der Herr.
Nach dieser Kirche trat eine andere auf, die nicht himmlisch, sondern geistig war; diese hatte Anfangs kein anderes Wort, als das, welches von den Uralten zusammengetragen war. Dieses war eine vorbildliche Darstellung des Herrn, und eine bezeichnende Schilderung Seines Reiches, somit war ihnen der innere Sinn das eigentliche Wort. Dass sie auch ein geschriebenes Wort hatten, sowohl ein historisches als ein prophetisches, das nicht mehr vorhanden ist, und dass in demselben gleichfalls ein innerer Sinn war, der sich auf den Herrn bezog, sehe man HG 2686; daher war die Weisheit jener Zeit reden und schreiben in Vorbildern und Bezeichnungen, innerhalb der Kirche von göttlichen Dingen, und außerhalb der Kirche von anderen Dingen, wie klar wird aus den Schriften jener Alten, die wir noch haben, aber im Fortgang der Zeit ging jene Weisheit verloren, bis dass man zuletzt nicht wusste, dass ein innerer Sinn auch in den Büchern des Wortes sei.
Die jüdische und israelitische Völkerschaft war von solcher Art; diese hielt das prophetische Wort heilig, darum weil es altertümlich lautete, und sie den Jehovanamen im Buchstabensinn hörten. Dabei glaubten sie nicht, dass etwas Göttliches tiefer darin verborgen liege. Die Christenheit denkt auch nicht heiliger vom Wort.
Hieraus kann erhellen, wie die Weisheit im Lauf der Zeit vom Inwendigsten zum Äußerlichsten sich gewendet, und der Mensch vom Himmel sich entfernt hat, und zuletzt heruntergekommen ist zum Erdenstaub, in den er nun die Weisheit setzt. Weil es diese Bewandtnis mit dem Wort hatte, dass nämlich sein innerer Sinn allmählich in Vergessenheit kam, und zwar heutigen Tages, so dass man sein Dasein nicht weiß, da er doch das eigentlichste Wort ist, in dem das Göttliche zunächst, darum werden dessen Zustände wie sie aufeinanderfolgen, in diesem Kapitel beschrieben. <HG 3432>
“Und Jehova sah, dass er hinging zu sehen”, 2.Mose 3/4, bedeutet die Reflexion sei vom Herrn her. Dies erhellt aus der Bedeutung von hingehen zu sehen, sofern es die Reflexion bezeichnet.
Wie der Buchstabensinn des Wortes beschaffen ist, zeigt sich auch hier: es wird gesagt, Jehova sah, dass er hinging zu sehen, als ob Er es zuvor nicht gewusst, und als ob Er es ihm nicht eingegeben und ihn dazu veranlasst hätte hinzugehen und zu sehen. Es wird jedoch so gesagt, weil nach dem Schein gesprochen wird. Der innere Sinn dagegen lehrt, wie es zu verstehen ist, nämlich dass der Herr auf sein Denken eingewirkt, dass er darüber nachdachte. Hieraus kann erhellen, wie es sich mit dem Buchstabensinn des Wortes im Vergleich mit dem inneren Sinn verhält, und dass, was der Buchstabensinn enthält, so beschaffen ist, dass es sich nach der Fassungskraft der Einfältigen richtet, die nicht glauben, wenn es nicht so beschrieben ist, wie es erscheint. Was nicht erscheint, das glauben sie nicht, weil sie in das Inwendige der Dinge nicht eingehen können. Wenn daher das Wort im Buchstaben nicht so beschaffen gewesen wäre, so wäre es nicht angenommen worden. Wer im Sinnlichen steht, und von weltlichen Dingen eingenommen ist, begreift die inwendigeren Dinge gar nicht; ein solcher will sehen, was er glauben soll; was er nicht sieht, ist ihm gleichsam fremd, und er verweist es unter die Dinge, die zu verneinen, oder wenigsten ihm zweifelhaft sind, wenn er darüber aus sich denkt. <HG 6839>
“Da entbrannte der Zorn Jehovas wider Mose”, 2.Mose 4/14, bedeutet Milde.
Dies erhellt aus der Bedeutung des Zorns Jehovas, sofern er nicht Zorn, sondern das Gegenteil von Zorn, also Barmherzigkeit, hier Milde ist. Dass Jehova keinen Zorn hat, wird daraus klar, dass Er die Liebe selbst, das Gute selbst, die Barmherzig­keit selbst ist, und der Zorn das Gegenteil, und auch eine Schwachheit ist, was bei Gott nicht zutreffen kann. Wenn daher im Wort Jehova oder dem Herrn Zorn beigelegt wird, so werden die Engel keinen Zorn inne, sondern entweder Barmherzigkeit oder die Entfernung der Bösen aus dem Himmel. Hier die Milde, weil es gesagt wird zu Mose, durch den der Herr, da Er in der Welt war, in Ansehung des göttlich Wahren vorgebildet wird.
Dass dem Jehova oder dem Herrn im Wort Zorn zugeschrieben wird, hat den Grund, weil es die allgemeinste Wahrheit ist, dass alles von Gott kommt, also sowohl Böses als Gutes. Aber diese allgemeinste Wahrheit, die für Kinder, Knaben, Einfältige bestimmt ist, muss nachmals erläutert werden, nämlich dass das Böse vom Menschen komme, und dass es nur scheine, als ob von Gott, und dass so gesagt ist, damit man lerne Gott fürchten, um nicht durch das Böse, das man tut, zugrunde zu gehen, und hernach Ihn zu lieben; denn die Furcht muss der Liebe vorausgehen, auf dass in der Liebe eine heilige Furcht sei; denn wenn der Liebe Furcht eingeflößt wird, so wird sie heilig durch das Heilige der Liebe, und dann ist keine Furcht vor dem Herrn da, dass er zürnen und strafen werde, sondern nur, dass man dem Guten selbst entgegenhandle, weil dies Gewissenspein verursachen würde.
Außerdem wurden die Juden und Israeliten zur Beobachtung der Satzungen und Gebote in der äußeren Form durch Strafen angehalten, und daher glaubten sie, dass der Herr zürne und strafe, während doch sie selbst es waren, die durch Abgöttereien sich solches zuzogen, und sich vom Himmel trennten. <HG 6997>
Allein der Buchstabensinn des Wortes ist für die Einfältigen, für diejenigen, die in die inneren Glaubenswahrheiten erst eingeleitet werden, und für diejenigen, die das Innere nicht begreifen, denn er ist dem Anscheine gemäß, wie dieser sich vor dem sinnlichen Menschen darstellt, somit seiner Fassungskraft gemäß. Daher kommt es, dass in demselben vielfach nicht Übereinstimmendes und gleichsam Widersprechendes erscheint, wie z.B., dass der Herr in Versuchungen führe, und anderwärts, dass Er nicht hineinführe; dass den Herrn etwas gereue, und anderwärts, dass Ihn nichts gereue; dass der Herr aus Zorn und Grimm handle, und an anderen Stellen, dass Er aus lauter Güte und Barmherzigkeit handle; dass die Seelen gleich nach dem Tode ins Gericht kommen, und anderwärts, dass es zur Zeit des Letzten Gerichtes geschehe und dergleichen mehr. Solche Meinungen werden, weil sie dem Buchstabensinn des Wortes entnommen sind, wisstümliche Wahrheiten genannt, und unterscheiden sich von den Glaubenswahrheiten, die der Lehre der Kirche angehören; diese gehen nämlich aus jenen durch Erklärung hervor; denn wenn dieselben erklärt werden, wird der Mensch der Kirche unterrichtet, dass im Worte der Fassungskraft und dem Anschein gemäß auf solche Weise gesprochen worden ist. Daher kommt es auch, dass die Kirchenlehren in sehr vielen Stücken vom Buchstabensinn des Wortes abweichen. Man merke aber, dass es die Lehre der Kirche ist, die hier der innere Sinn genannt wird; denn im inneren Sinn sind die Wahrheiten so beschaffen, wie sie die Engel im Himmel haben.
Unter den Priestern und unter den Angehörigen der Kirche gibt es solche, die die Wahrheiten der Kirche aus dem Buchstabensinn des Wortes lehren und lernen, und solche, die sie gemäß der aus dem Worte geschöpften Lehre lehren und lernen, die die Glaubenslehre der Kirche genannt wird; diese unterscheiden sich von jenen sehr in Betreff der Auffassung. Das gemeine Volk kann sie jedoch nicht unterscheiden, weil diese und jene fast in gleicher Weise aus dem Worte reden; aber jene, die nur den Buchstabensinn des Wortes ohne Anleitung durch die Lehre der Kirche lehren und lernen, begreifen nichts, als was sich auf den natürlichen oder äußeren Menschen bezieht.
Diejenigen hingegen, die dasselbe gemäß der wahren Lehre aus dem Worte tun, verstehen auch das, was sich auf den geistigen oder inneren Menschen bezieht. Der Grund ist, weil das Wort im äußeren oder Buchstabensinn natürlich, aber im inneren Sinne geistig ist, jener Sinn wird im Worte eine Wolke genannt, dieser aber die Herrlichkeit in der Wolke. <HG 9025>

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