← Zurück zu „Lebensgarten“

Trost– und Lebens – Winke

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 11. April 1871

Du willst deinem Bruder einige Trostworte geben und bittest Mich darum, damit Ich dir helfen soll, und so will ich dir deinen Wunsch gewähren, und diesen Meinen eifrigen Verfechter der göttlichen und menschlichen Rechte wieder ins rechte Geleise bringen, aus dem er oft durch nichtssagende Dinge gebracht wird.
Nun sieh‘, Mein lieber Sohn, du bist aufgeregt und unruhig geworden durch die letzten Worte, die Ich an euch Alle und auch an Einzelne gerichtet habe, du glaubst überall Bemerkungen zu finden, die bloß dich angehen; du fühlst dich getroffen, beschuldigst dich der Nachlässigkeit, der Fahrlässigkeit gegen Mich und Meine göttlichen Gesetze, – du findest auf einmal eine Masse von schlechten Eigenschaften, die deiner Seele noch anhängen, möchtest fliehen, wie ein Eremit dich in eine Einöde verbergen, um dort unausgesetzt an dir zu arbeiten, bis alle deine vermeintlichen und wirklichen Mangel aus deinem Herzen ausgerottet wären, und dann glaubst du, wärest du auf dem rechten Wege zu Mir, wärest ein Mensch nach Meinem Sinne, nach Meinem Ebenbilde. –
Sieh, mein Sohn, dass dein Gewissen eine solche feinfühlende Waage geworden ist, wo du den kleinsten Fehler bemerkst, der unbemerkt sich eingeschlichen, und sonst bei dir unbeachtet vorübergegangen wäre; dieses Feingefühl macht dir viel Ehre, und Ich wünschte, auch die Andern deiner Gesellschaft hätten dieses nämliche zarte Gewissen; aber leider ist bei den Meisten, wie bei euren Krämern und Verkäufern noch viel schlechtes Gewicht eingeführt, wodurch sie ihre Mitmenschen und Mich selbst zu betrügen glauben, aber am Ende doch nur sich selbst betrügen. Dass, nach diesem Maße, welches du an dich selbst anlegst, dir deine Brüder und Schwestern (hier) nicht Alle gefallen können, ja, dass deine ganze Umgebung, in welcher dein Wirkungskreis sich dreht, dich mehr abstoßt, als anzieht, ist ganz natürlich; weil in der ganzen Schöpfung Gleiches nur Gleiches anzieht, und Fremdartiges sich abstoßt, Aber jetzt will Ich dir etwas anderes sagen.
Wenn auch dieses eben angeführte Gesetz nicht allein gültig, sondern auch mächtig in seinem Drange ist, so stelle Ich dir bloß Mein eigenes Beispiel vor; wenn Ich so verfahren wollte, wie du mit deinen nicht gleichgestellten Menschen – denn das begreifst du wohl, dass die Menschen, wie sie sind, und waren, zu Mir noch mehr in großem Widerspruche stehen als zu dir, der du doch selbst Mensch bist, was würde aus dem ganzen Menschen- und Geister‑
Geschlecht werden, wenn Ich Mich von ihnen zurückziehen wollte, weil sie nicht allein eine so ganz entgegengesetzte Richtung befolgen, sondern auch Meinen Mahnungen, Lehren und Segnungen entgegen, gerade das Gegenteil tun von dem, was Ich will.
Du an Meiner Stelle würdest wahrscheinlich in höchster Entrüstung schon längst die Geduld verloren haben, und wärest wohl mit der Zuchtrute unter sie gefahren, ihnen zurufend: „Verfluchtes Natterngezüchte! hinweg in die tiefste Finsternis, hinweg mit euch, die ich mit so vielen großartigen Eigenschaften begabt, mit so viel Segen und Gnaden überhäuft habe, hinweg mit euch! – ich will mir eine andere, mehr willige gehorsamere Rasse schaffen, die wenigstens den Willen haben soll, das zu werden, was ich aus ihr machen möchte!“ So würdest du rufen und deine Vernichtungs-Idee wahrscheinlich ausführen.
Und was tue aber Ich? siehe, soeben sind die Tage vorüber, wo in der ganzen Christenheit Feste zur Erinnerung der höchsten Momente Meines irdischen Lebenswandels gefeiert wurden, die alle den Stempel nicht des Zornes und des Hasses, sondern der Liebe, Sanftmut und Verzeihung tragen.
Soeben sind diese Tage vorüber, die dich erinnern sollten, dass Ich als Herr und Schöpfer mit einem Beispiel der Verleugnung voranging, und kein Mensch auf eurer und auf keiner andern Welt fähig gewesen wäre, ein Gleiches zu tun, – wo Ich voranging, als leuchtendes ewiges Beispiel für euch, wie ihr die Fehler eurer Mitmenschen ertragen, nicht aus Ekel den Bösen und Schlechten ausweichen solltet, wie Ich es Selbst nie getan habe, sondern ihr gerade in ihre Gesellschaft euch begeben, sie belehren, sie dulden, aber auch, für euch selbst Gutes wirken solltet; denn eben durch dieses Verleugnen seines eigenen Ich’s, durch das geduldige Ertragen der Fehler Anderer, bekommt die eigene Seele die rechte Stärke, das rechte moralische, Mir ähnliche Selbstbewusstsein.
Siehe, wie wäre Meine Sendung zu vollführen gewesen, hätte Ich Mich zwischen vier Wänden an einem einsamen Orte eingeschlossen, der nur Wenigen zugänglich gewesen wäre, wie wäre Meine Lehre verbreitet, und durch Taten bekräftigt geworden, wenn Ich die Menschen, die zu Meinen Wandelszeiten ebenso schlecht, oder verirrt waren, wie jetzt, gemieden hatte, – wie hätte die Lehre auf Andere gewirkt, die höchstens durch Meine Jünger zu ihren Ohren gekommen wäre! sie wäre von Wenigen geglaubt, und von noch Wenigern befolgt worden; überall hätte man vielleicht den Einwurf hören können:
„Der Prophet in der Wüste (Einsamkeit oder Isolierung) hat gut reden, aber so lange er nicht beweist, und zwar durch Taten, dass er auch von dem beseelt ist, was er uns als Höchstes anrühmt, glauben wir ihm nicht!“ –
So ist es auch mit dir, Mein lieber Sohn, du möchtest dich von der Welt entfernen, dich abschließen, um nur dir und Mir zu leben wie du glaubst, machtest so ein Anachoret (Einsiedler) nach deinem Sinne werden; allein zu dem habe ich dir nicht den Weg gezeigt, der zu Meinem Reiche führt; du musst, willst du Mir gleichen, auch tun, was ich einst tat; du musst nachsichtig gegen Andere, strenge, wenn du willst, nur gegen dich selbst sein; du musst, statt über Andere den Stab zu brechen, statt sie zu verdammen, zu verurteilen, sie bedauern, sie bemitleiden, sie beweinen. –
Nehme Meine Lebensgeschichte zur Hand, wie viele Stellen wirst du nicht finden, wo Ich da wo Ich fluchen sollte, segnete; da wo Ich strafen sollte, belohnte; und da wo Ich die Unbilden gegen Mich in das große Buch der Ewigkeit schreiben sollte, selbe vergaß! –
Dieses ist das große Bild Meines euch kaum begreiflichen Ichs, ist das große Bild des Erlösers Jesus, welcher noch am Kreuze unter Schmerzen und Todesqualen für Seine Feinde
um Verzeihung bat, denn sie wussten wirklich nicht, was sie taten! –
Lerne auch Du aus Meinen Duldungen, die Ich mit Gleichmut ertrug, dort mit Sanftmut verzeihen und lieben, wo du hassen solltest, und du wirst eine höhere Stufe des inneren Bewusstseins erreichen, wo dir eine Seligkeit entgegen blühen wird, die du bis jetzt noch nicht gekannt hast, sie ist ein Vorgefühl Meiner nie vergehenden Vaterliebe, mit der dir als Mensch möglichen Bruderliebe gepaart! –
Arbeite du an deinem Innern, poliere und glätte es, damit es glänzt wie eine Stahlspiegelfläche, um alle Strahlen Meines Gnadenlichtes aufnehmen, und es auch Andern mit gleicher Kraft wiedergeben zu können; aber diesen Maßstab, den du an dir selbst anlegst, verkleinere für deine Umgebung. Was bei dir ein Fuß großer Fehler ist, da mache – siehst du selben an Andern, – einen liniengroßen daraus; sei tolerant, nicht alle Menschen sind gleichgroß, gleichstark, und gleichschön in körperlicher, und ebenso auch in geister Hinsicht.
So wenig du die kleinen und großen Menschen, die du auf der Welt siehst, nach ihrer körperlichen Größe beurteilst, ebensowenig rechne ihnen auch ihre moralische oder seelische Größe zu stark an, denn den Einen macht eine Kost stark, dem Andern schlägt sie nicht an, und der Dritte kann sie gar nicht vertragen.
Für Alle muss also diese Kost, soll sie die einzig heilsame sein, so zubereitet werden, dass sie der Zweite ebenfalls zu seinem Besten genießt, und dem Dritten der Ekel davor schwindet! –
So muss auch Meine Lehre den verschiedenen Seelen mit Geduld, mit Liebe, beigebracht werden; geht es nicht auf Einen Schlag, so wird Ausdauer das Ihrige tun, und wenn auch Mancher dieselbe anders auffasst, oder anders verdaut, so geht es wie im menschlichen Körper, alle Menschen füllen wenigstens einmal des Tages ihren Magen, und doch ist die Ausscheidung dessen, mit dem der Magen gefüllt wurde, so individuell verschieden, wie es die Mägen und die Menschen selbst sind; das Endresultat ist aber doch, dass, so verschieden auch die Ausscheidung sein mag, so trägt sie doch überall zur Erhaltung des Körpers und seiner Gesundheit bei. –
Wenn du also siehst, Mein liebes Kind, dass Andere die geistige Kost anders verdauen, als du selbst, so sei tolerant; in ihrer Organisation ist eben noch bei Weitem mehr Hinderliches, als in deiner eigenen, das weggeräumt werden muss; dieses Wegräumen hat aber seine Zeit nötig, es erfordert Geduld, und ist nebenbei eigentlich auch mehr Mein Geschäft, die Menschen zu dieser Wegräumung zu nötigen, wenn sie es nicht freiwillig tun wollen.
Lasse also das langsame oder schnellere Fortschreiten in der Erkenntnis Meiner Lehre mehr der Zeit anheim gestellt; sei froh, dass du klarer siehst; diejenigen, welchen noch eine Decke von angelernten Vorurteilen und angewöhnte, von der jugendlichen (verkehrten) Erziehung herkommende schlechte Eigenschaften anhängen, diese müssen, wie die chronischen Übel, nur langsam geheilt werden. –
Bleibe du nur immer bei Meinen letzten Worten am Kreuze, und rufe auch du aus, wenn es dir manchmal zu stark wird: „Herr verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“ Und so ist es auch; die Welt hat so manche und viele starke Stricke, die den Menschen an sie ketten, dass aller sich zu entledigen nicht so leicht ist, um so mehr wo die meisten „Stricke der Welt“ den Menschen erst noch gefallen, und sie sich von selben nicht im mindesten losmachen wollen, ja sogar sich unglücklich fühlen würden, wenn ihnen befohlen würde, dieser – wie sie glauben, „so süßen Bande“ sich zu entledigen.
Du siehst aus alledem, es gehört viel Geisteskraft und fester Wille dazu, um Mensch
zu sein, wie du es sein willst, und verlangst, dass es auch Andere sein sollten; eben diese energische Willenskraft ist nicht Jedem eigen, – errungen kann sie nur werden, wenn von Innen heraus der Kampf gegen die Außenwelt beginnt, und dieser ist nicht so leicht, als du glaubst.
Es kostet dort mehr Mühe, wo die Weltbande auch stärker sind, und eben wo diese die stärkeren sind, da ist gewöhnlich die innere Tatkraft schwach, oder beinahe Null.
Deswegen sei geduldig mit denen, die du schwach glaubst, sie haben eine größere Bürde zu überwinden, als du selbst hattest; helfe ihnen selbe erleichtern, aber wende dich nicht von ihnen ab!
Was glaubst du denn, was eure Aufgabe in jener Welt sei? sie ist die nämliche, gegen die du hier dich so sträubest, und manchmal um noch Vieles schwerer.
Auch Dort müsset ihr Seelen für Mich gewinnen, müsset euch allen möglichen Demütigungen aussetzen, müsset Meinem Beispiele, – als Jesus auf Erden wandelnd – folgen, Unbilden mit Liebe ertragen und selbe verzeihen, nicht nachlassen Segnungen zu verbreiten, wenn gleich ihr im Voraus keine Ernte sehet.
In dieser Hinsicht ist also diese eure Welt nur eine Vorschule; gelingt es auch hier – eure Leidenschaften zu zähmen, eine Ideen und Wünsche höheren Zwecken unterzuordnen, so wird in der andern Welt euch nicht „ein seliges Nichtstun“ erwarten, sondern ihr werdet Dort dieselbe Aufgabe haben wie hier, aber nur in größerem Maßstabe, und von größerer Wichtigkeit.
Daher, Mein lieber Sohn, begreife deine Mission auf dieser Erde! Sie ist Kampf zunächst gegen eigene Fehler, und Duldung gegen die Fehler Anderer! –
Der Soldat wird kein tüchtiger Krieger werden, wenn er vor der Gefahr flieht, nein! nur derjenige, welcher die Brust der Gefahr mutvoll preisgibt, den Stürmen mit kaltem Blute, seine eigene Stellung genau erkennend, entgegentritt, vorwärts schreitet, wie ein Kämpfer oder Soldat von Mut und Herz.
Du, und noch Mancher seid Meine Vorkämpfer, Meine Wegbahner; euch habe ich auserkoren, nicht versteckt Meinen Worten zu lauschen, und nur mit Gleichgesinnten Gebete und Lobpreisungen zu Mir zu erheben; nein! – :
ihr müsset für Mich arbeiten, ihr müsset euch der Gefahr aussetzen, selbst zu fallen, nur um Andere zu retten; dann verdienet ihr „Meine Kinder“ einst genannt zu werden; denn Meine Kinder wie alle Kinder (auch in der Welt) können ihrem Vater nur dann gefallen, wenn sie seinem Beispiele folgen.
Folge also auch du Meinem Beispiele, das Ich dir als Jesus gegeben, und du wirst dann schon in der Folge sehen, wem du den größten Dienst getan hast, Mir oder dir selbst.
Der Feige nur weicht der Gefahr aus, der Kühne sieht die Gefahr, will sie bestehen, weil er weiß, dass aus dem Siege über sie – seine eigene Ruhe nur wieder stärker erwächst!
So mache es auch du; vergebe und verzeihe Anderen! damit auch dir von Mir einst vergeben werde!
Amen.

← Zurück zu „Lebensgarten“