Text: 1. Buch der Könige 19. Kp., 5.–18. Vers
Empfangen durch Jakob Lorber (Graz), am 4. Juli 1842
Als Elias zum zweiten male erwecket ward vom Engel, zu essen geröstetes Brot und zu trinken das Wasser aus der Kanne, die da gestellt ward zu seinem Haupte, darum der Engel zu ihm sprach: „Stehe auf und esse, denn du hast einen großen Weg vor dir!“ da stand er sobald auf und aß und trank und ging dann durch die Kraft derselben Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes, der heißt Horeb und kam daselbst in eine Höhle und blieb da über Nacht.
Und siehe, das Wort des Herrn kam zu ihm und sprach: „Was machst du hier, Elia?“ Er aber sprach: „ich habe geeifert um den Herrn – den Gott Zebaoth; denn die Kinder Israel haben Deinen Bund verlassen, und Deine Altäre zerbrochen und Deine Propheten mit dem Schwerte erwürget; ich allein bin übrig geblieben, sie stehen aber danach, dass sie auch mir nähmen das Leben!“
„Das Wort“ aber sprach ferner zu ihm: „Gehe heraus aus der Höhle und tritt auf den Berg vor den Herrn!
Und siehe, Elias tat nach dem Worte, da ging der Herr vorüber, und ein großer starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, vor dem Herrn. Der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Winde aber kam ein Erdbeben, und der Herr war auch nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, aber der Herr war auch nicht im Feuer.
Nach dem Feuer kam ein stilles sanftes Säuseln, da das Elias hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel, ging also hervor und stellte sich in die Türe der Höhle.
Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach: „Was hast du hier zu tun, Elia?“ Er aber antwortete wie zuvor und sprach: „ich habe um den Herrn, den Gott Zebaoth geeifert; denn die Kinder Israel haben Deinen Bund verlassen, und zerbrochen Deine Altäre, Deine Propheten mit dem Schwerte erwürget, und nun stehen sie danach, dass sie mir das Leben nähmen!“ Der Herr aber sprach zu ihm: „Gehe wiederum deines Weges durch die Wüste gen Damaskus, da gehe hinein und salbe den Hosoel zum Könige über Syrien, und den Jehu, einen Sohn des Nimsi, zum Könige von Israel, und den Elisa zum Propheten an deiner Statt; und es sollte da geschehen, dass wer dem Schwerte Hosoels entrinnt, ihn töten solle Jehu, wer aber entrinnen möchte dem Schwerte Jehu, den solle töten Elisa; und Ich will übrig bleiben lassen Siebentausend in Israel, die da ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal, und den Mund ihm nicht geküsst haben.“ –
Wenn du dies bisher Gesagte nur einigermaßen aufmerksam durchgehst, und beachtest die gleichlautende Antwort dieses größten aller Propheten Israels, so kann es dir ja unmöglich entgehen, wodurch sich ein rechter Prophet klärlichst unterscheidet von einem falschen, der da ist allezeit ein Diener Baals, und ist ein blinder Pharisäer im vollkommensten Sinne des Wortes und aller Bedeutung aus ihm.
Damit aber du und Jeder es genau merken und wissen solle, wie die Sachen näher stehen, zwischen einem wahren und einem falschen Propheten, so will Ich aus den Anführungen des Propheten Elias dich nur auf Folgendes aufmerksam machen und so höre denn: „Für Wen allein nur eiferte der wahre Prophet Elia; eiferte er für weltliche Rechte, für weltliche Macht und Gewalt und für weltliches Einkommen, bestehend in Gold und Silber? Er spricht: „ich habe um den Herrn den Gott Zebaoth geeifert!“ (Und ferner tat er nach dem Worte Gottes. D. Hsg.)
Siehe, so da aber jemand eifert ohne Entgelt um den allein wahren Gott, und tut sonach wie es da getan hat der Prophet Elias, sage mir, ist das ein falscher Prophet? Also ist ja der Eifer das sicherste und untrüglichste Zeichen eines wahren und falschen Propheten.
Wenn aber der Eine eifert um ein weltliches Ansehen seiner Kirche und seines Oberhauptes, das da begraben ist in Gold und Silber und allen Edelsteinen, ein anderer aber eifert allein um Mich; welcher aus den zwei Propheten ist da wohl der allein wahre? Ich meine aber, um das zu erraten, wird niemand zur Mathematik seine Zuflucht nehmen müssen.
Da aber der Elias ein vollkommener wahrer Prophet war, wie erkannte er Mich da, als Ich vorüberzog an der Türe der Höhle am Berge Horeb, da er noch in selber verborgen lag? Etwa im großen und starken Winde? Siehe, also bin Ich auch nicht in denen, die da viel Wind und Aufsehens machen, denn das ist die Art der ächtesten blinden Pharisäer, oder hat Mich Elias im Erdbeben erkannt? Siehe, also bin Ich auch in der kirchlichen Macht und Gewalt durchaus nicht zu Hause! Oder hat Mich Elias erkannt im darauf folgenden Feuer! Siehe, also bin auch Ich nicht in denen Feuereiferern, aus deren Munde nichts als ein Gericht ums andere sprühet, und eine Verdammnis um die andere, da sie Gott nur im richtenden Feuer, aber niemals in der Liebe nur erkennen wollen!
Der wahre Prophet Elias aber hat Mich – den Gott Zebaoth – nur im stillen sanften Wehen oder Säuseln erkannt, d.h. mit andern Worten nichts anderes, als Elias hat Mich erkannt wahrhaftig allein nur in der Liebe! Wenn du Mich aber eben also sanft wehend in der alleinigen Liebe erkennst gleich dem Elia, wie bist du demnach ein falsche Prophet?
Lasse aber die Weltpropheten nur reden und rufen wider uns, am Ende wird sich ja wohl zeigen, wer da heimführen wird – die Braut! – Elias aber ward dann berufen zu einem Richter über Israel in der Liebe, darum er musste ziehen nach Damaskus und zu Königen salben den Hosoel und den Jehu und zum Propheten den Elisa, damit diese erhalten möchten die, welche sich nicht gebeugt haben vor Baal und mit dem Schwerte der Treue absondern die Spreu Baals von Meinem Weizen.
Was aber da geschah im kräftigen Vorbilde, siehe, das geschieht auch jetzt im Geiste wahrhaftig, darum am Ende doch die Liebe über alles siegen solle und zu Grunde richten und zu Schande machen alle die Winde, Erdbeben und alles Feuer!
Nun aber urteile selbst und finde den wahren Propheten aus der falschen großen Menge heraus, die da ist eine Dienerin der Welt.
Also ist Elias ein rechter Prophet, aber auch jeder, der da Mich findet, wie Mich Elia gefunden hat, nämlich in der Liebe, verstehet es?
Amen!
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