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Kost für Geistesmenschen

Ed Kap. 35 — In den früheren Zeiten, in denen noch die Menschen viel einfacher lebten als jetzt, gab es häufig solche, die das sogenannte doppelte (zweite) Gesicht hatten und ganz naturgemäß in den beiden Welten lebten. Es könnten auch Menschen in dieser heutigen Zeit gar leicht dahin gelangen, so ihre Kost einfacher wäre. Aber zuallermeist schadet ihnen die gegenwärtig komplizierte Kost. Mit der Kost verderben und verdummen sie ihre Natur so, daß in derselben die Seele wie ein Vogel unter den Leimspindeln sich verwickelt und verkleistert, daß sie unmöglich zu jener Regsamkeit und Gewandtheit gelangen kann, in der ihr ein freier Auf- und Ausflug möglich wäre.

Worin bestand denn die Kost jener früheren, einfachen Menschen? Die Kost bestand zumeist in Hülsenfrüchten, die ganz einfach weich gekocht, etwas gesalzen und dann nie in heißem Zustand genossen wurden. So war auch einfaches Brot, Milch und Honig ebenfalls eine uralte, einfache Kost, bei der die Menschen zumeist ein sehr hohes Alter erreichten und fortwährend bis zum letzten Augenblick ihres Lebens im Besitze des Zweiten Gesichtes waren.

Wohl kann jedermann dann und wann mäßig Wein genießen, jedoch nie soviel, daß er sich berauscht fühlen würde.

Fleisch speisen sollten nur zu gewissen Zeiten, und da nie länger als sieben Tage nacheinander, sehr mäßig und allzeit von frisch geschlachteten Tieren genossen werden. Und da ist das Fleisch der Fische besser als das Fleisch der Tauben; das Fleisch der Tauben besser als das der Hühner, das Fleisch der Hühner besser als das Lämmerfleisch, dieses besser als das Ziegenfleisch und dieses besser als das Kälber- und Rindfleisch — wie unter den Brotarten das Weizenbrot das dienlichste ist. Jedoch soll von den angezeigten Speisen nie mehr als eine mit etwas Brot genossen werden, so wie auch das Obst allzeit nur mäßig und von bester Reife sollte genossen werden, desgleichen auch einige Wurzelfrüchte, aber nur eine auf einmal.

Bei solcher Kost würde der Leib nie zu jener Wulstigkeit gelangen, in welcher er träg, schläfrig und schwerfällig wird, daß dann die Seele zu tun hat, solch eine schwerfällige Maschine in Bewegung zu erhalten, geschweige, daß sie sich neben solch einer Arbeit noch mit etwas anderem beschäftigen könnte.

Sehet, so einfach lebende Menschen gab es in der früheren Zeit viele, und besonders einfach lebten jene Menschen, die sich an Bergen ihre Wohnstätte errichtet hatten. Diese Menschen hatten denn auch beständig das Zweite Gesicht, hatten bei Tag und Nacht einen ganz natürlichen Umgang mit den Geistern und ließen sich von ihnen in den mannigfachsten Sachen belehren. Die Geister zeigten ihnen die Wirkungen der Kräuter und zeigten ihnen auch an, wo das eine oder andere edle oder unedle Metall in den Bergen verborgen lag, lehrten sie auch das Metall in den Bergen zu bekommen und durch Schmelzen und Schmieden zu allerlei nützlichen Dingen brauchbar zu machen. Es war da selten ein Haus auf den Bergen, das nicht seine eigenen Hausgeister gehabt hätte, die wie ein anderes Hausgesinde ganz gewöhnlich zum Hause gehörten. Dadurch aber gab es auch eine Menge Weiser, namentlich auf den Bergen, welche mit den geheimsten Kräften der Natur, mit den Geistern nämlich, in der größten Vertrautheit lebten — oder diese Kräfte oder Geister standen ihnen sozusagen fast allezeit zu Gebote.

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