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232. Josephs Geldkasten und Räubersorgen. Des Kindleins guter Rat an Joseph

232. Kapitel – Josephs Geldkasten und Räubersorgen. Des Kindleins guter Rat an Joseph.
15. Juni 1844

[232,01] Joseph aber hatte keine Geldtruhe, in die er das viele Geld täte.
[232,02] Da befahl der Cyrenius sogleich seiner Dienerschaft, daß sie sich sogleich in
die Stadt begeben solle und solle da einen Kasten kaufen, und koste er, was er wolle!
[232,03] Und die Dienerschaft ging alsogleich und brachte im Verlaufe von zwei
Stunden schon einen recht schönen Kasten von Zedernholz, der da zehn Pfunde Silbers
gekostet hatte.
[232,04] Dieser Kasten ward sobald ins Schlafgemach Josephs gestellt, und die Söhne
Josephs legten das große und schwere Geld in diesen schönen und starken Kasten.
[232,05] Als das Geld auf die Art aufgehoben war, da sprach Joseph:
[232,06] „Nun bin ich weltlich genommen das erste Mal reich in meinem ganzen
Leben;
[232,07] denn so viel Geld habe ich nie gesehen und noch weniger je so viel besessen!
[232,08] Aber bisher wußte mein Haus von keinem Diebe etwas und noch weniger von
einem Räuber;
[232,09] von nun an aber werden wir alle nicht genug Augen und Zeit haben, dieses
Geld vor Dieben und Räubern zu schützen!“
[232,10] Der Jonatha aber sagte: „Bruder, sei darob ruhig!
[232,11] Ich weiß es nur zu bestimmt, über wen die Räuber und Diebe kommen.
[232,12] Siehe, sie kommen nur über die geizigen und kargen Filze!
[232,13] Das aber bist du nicht, – darum magst du auch ruhig sein; denn von dir
bekommt ja ohnehin ein jeder dreimal soviel, als er von dir verlangt!
[232,14] Darum, meine ich, wirst du wohl mit einer Menge Bettlern zu tun bekommen,
aber mit Räubern und Dieben sicher nicht!“
[232,15] Hier kam auch die Maria herbei und sprach zum Joseph:
[232,16] „Höre, du lieber Vater, du weißt ja, wie wir in der Stadt unseres Vaters David
von den drei weisen Morgenländern, die da aus Persien kamen, auch eine große Last Goldes
überkommen haben;
[232,17] und siehe, nun haben wir kein Sandkörnchen groß mehr davon, obschon wir
nie dessen beraubt worden sind!
[232,18] Also, meine ich, wird es uns auch hier ergehen: es wird kein Jahr verfließen,
und wir werden ohne Diebe und Räuber davon nichts mehr besitzen.
[232,19] Daher sei du nur ganz ruhig! – Denn in einem Hause, wo der Herr wohnt, da
hat das Gold keinen Stand, und die Räuber und Diebe wollen im Hause des Herrn eben nicht
viel zu tun haben!
[232,20] Denn sie wissen es so gut wie ich und du, daß es nicht geheuer ist, sich an den
Schätzen zu vergreifen, die da wie in dem Gotteskasten liegen.“
[232,21] Als die Maria solches ausgeredet hatte, da kam noch das Kindlein herbei und
sprach:
[232,22] „Joseph, du Getreuer! Du mußt nicht so furchtsam auf jenen Kasten
hinblicken, in den Meine Brüder das Geld gelegt haben!
[232,23] Denn da meine Ich, du wärest krank, wenn du so furchtsam aussiehst.
[232,24] Und siehe, das will Ich nicht, daß du da krank sein sollest!
[232,25] Dieses Geld wird dich gar nicht lange drücken. Kaufe du nun nur recht viel
Mehl und sonstige Eßwaren und etwas Kleidung, und verteile das übrige,
[232,26] und der Kasten wird alsobald wieder leer sein!“ – Diese kindlichen Worte
beruhigten den Joseph so sehr, daß er darauf ganz heiter ward.

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