(Gute Erfahrung, nach gutem Willen Barmherzigkeit zu üben. Swedenborg belehrt die Freunde in wahren Tugenden der Nächstenliebe. Neue Suche unter Führung Swedenborgs um Armen zu helfen. Ankunft in einem abgeschlossenen Bergkessel, worin Swedenborg eine Predigt über die Liebe und ihre Pflichten hielt.)
»Wir aber haben unsere Pflicht getan gegen die Nächsten, und so wollen wir wieder zurückgehen, von wo wir hergekommen sind.« Und so machte sich sogleich die ganze Gesellschaft auf und ging nach Hause. Als sie aber nach Hause kam, war die ganze Landschaft verändert und viel schöner als früher, auch ihre Häuser waren größer und schöner als bei der Abreise. Das verursachte ein großes Staunen unter der Gesellschaft und jeder war neugierig, wie sein Haus wohl innerlich aussehen möchte. Und so ging ein jeder sogleich in sein Haus, es zu beschauen.
Aber wie erstaunt waren sie, als statt der alten Einrichtung eine ganz neue, und in den schönsten Farben ausgeführt, dastand. Jeder durchsuchte sein ganzes Haus, um die große und sonderbare Veränderung zu besehen. Endlich kamen wieder alle aus ihren Häusern und jeder lobte bewundernd sein neues Haus mit der schönen innerlichen Einrichtung, die ihnen ganz neu erschien. Nun sagte der neue Bruder: »Liebe Brüder, jetzt sehet, wie der liebe Vater im Himmel jede gute Tat belohnt, wenn sie aus reinem und liebevollem Herzen, ohne Selbstsucht oder gegen Bezahlung geschieht. Nur eine kurze Zeit dauerte euer Schrecken und eure Angst vor der Bosheit der Räuber. Und sehet, welche Belohnung euch dadurch wurde!
Seid immer bereit, Gutes zu tun, und euer Fortschritt wird sich gewiß schnell steigern. Aber nicht aus irgend welcher Rücksicht oder der Belohnung wegen sollt ihr Gutes tun, sondern immer nur aus uneigennütziger Liebe zu Gott und zum Nächsten. Wenn es euch recht ist, wird man nächstens wieder unterstützungsbedürftige Brüder und Schwestern aufsuchen gehen, damit der Fortschritt im Geistigen nicht stehen bleibe, sondern wachse,« was alle mit Freuden annahmen. »Du aber, Swedenborg, sollst deine Brüder und Schwestern belehren, wie man in wahren Tugenden leben und handeln soll, denn du hast viel geschrieben darüber und so kannst du schon etwas zum Besten geben.«
Dies ließ sich Swedenborg nicht wiederholen, sondern ergriff sogleich das Wort und hielt eine große Rede an die Brüder und Schwestern, welche selbstverständlich immer bei allem dabei waren, wenn sie auch nicht extra genannt wurden. Es waren aber in der Rede hauptsächlich die Pflichten der Nächstenliebe in verschiedenen Vorkommnissen des Lebens klargelegt und beleuchtet, wodurch ein jeder wußte, was er zu tun hatte, wenn die Gelegenheit sich darbote, Gutes zu tun.
Nach der Rede aber nahmen alle einen Imbiß ein, welches wieder ein Staunen hervorbrachte, da alles besser und schmackhafter war, als sie es früher gewöhnt waren. Und so bestärkte sie auch das Essen, daß man Gutes tun muß, wenn man selbst Gutes erhalten und im Guten wachsen will. Nach einigen Tagen veranstaltete der neue Bruder wieder eine Reise in die unbekannte Umgebung, um Armen und Bedürftigen zu helfen.
Diesmal aber übergab er die Führung dem Swedenborg und war nur Mitbegleiter des Zuges, der ins Blaue hinein neue Menschen und Orte suchte, um die Not zu lindern und Gutes zu tun. Es hatte nicht lange gedauert, als sie in eine tiefe Einsenkung, in einen Bergkessel kamen, wo kein Ausweg mehr zu finden war und sie daher genötigt waren umzukehren. Doch dieses verhinderte der neue Bruder und sagte: »Bruder Swedenborg, fange an zu predigen von der Liebe und ihren Pflichten, sowie neulich, aber selbstverständlich mit anderen Bildern.« Nun ergriff Swedenborg das Wort und beleuchtete nach allen Seiten die Pflichten der Liebe und wie man lieben und leben muß, um das höchste Ziel des Lebens, zu Gott zu kommen, zu erreichen.
NEUOFFENBARUNG