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Rohe Lieblosigkeit mit der tiefsten Hölle bestraft

(Swedenborg erzählte ihnen seine Erlebnisse und von dem neuen Bruder. Die Freunde zogen ihn neu an und bewirteten beide. Der Arme riet ihnen, Werke der Nächstenliebe zu üben. Sie gingen, bedürftige Brüder suchen und gerieten unter lieblose Räuber, die sie ausrauben und ausziehen wollten, darauf spaltete sich die Erde und verschlang die Räuber.)

Treuherzig beichtete er nun seine Begebenheiten, wie es ihm ergangen bis zu der Zeit, wo ihm sein neuer Begleiter und Bruder aus der Hölle geholfen hatte, indem er ihm den rechten Weg der Demütigung zeigte, wodurch er aus der Hölle wieder in das Mittelparadies zurückkam. Voller Neugierde hörten die Freunde ihn an und betrachteten den guten Freund, der ihn aus einer so traurigen und mißlichen Lage der zweiten Hölle, die höchst erbärmlich und lieblos aussieht, gerettet und zurück zu ihnen brachte.

Als sie hörten, daß der neue gute Freund nur durch den langen Rock Swedenborgs seine Blöße bedecke, erboten sie sich, ihn sogleich neu anzuziehen und dem Swedenborg seinen Rock zurückzugeben. »Gut,« sagte der neue Bruder, »tuet das, ich werde euch dankbar sein und vielleicht finde ich auch für euch noch etwas Schöneres als es hier ist, denn ich wandere immer herum und suche böse und gute Leute auf und belehre sie, wenn sie sich gar nicht auskennen, was sie zu tun haben.« Sogleich brachten die Brüder einen neuen Anzug und zu essen und zu trinken für beide und freuten sich sehr, daß sie etwas tun konnten für die Hilfebedürftigen.

Also labten sich Swedenborg und sein Begleiter nach Herzenslust an der guten Nahrung, die sie von ihren Mitbrüdern erhielten und dankten Gott und den Gebern dafür. Darauf sagte der neue Bruder: »Liebe Brüder und Freunde, ich kenne viele schöne und schlechte Gegenden in eurem Umkreise, und es wäre angezeigt, den armen Bewohnern mancher Gegend beizuspringen und sie zu bewirten und ihnen Gutes zu tun von eurem Überfluß. Denn nur durch die Werke der Nächstenliebe könnet ihr höher im Geistigen steigen. Wenn ihr dies schnell zu erreichen wünschet, so bin ich gern bereit, euch in solche Gegenden zu führen, wo arme Menschen wohnen, die sehr hilfebedürftig sind.

Aber erwartet nicht Dankbarkeit von ihnen, wenn sie das Gute nicht anerkennen, sondern wirket Gutes um des Guten willen, aus Liebe zu Gott, eurem Vater in Jesus. Es ist euer Vorteil, wenn ihr mir folget, denn ich weiß recht gut, daß Gott Wohltaten immer gut belohnt, also hat es ja der liebe Bruder Swedenborg lebendig an sich erfahren, wie man durch Werke der Nächstenliebe und Demut aus der Hölle in das Paradies kommt, und so könnet auch ihr euer Glück probieren. Schaden kann es euch nie, sondern nur nützen, wenn ihr aus Liebe zu Gott Werke der Nächstenliebe ausüben wollet.«

Mit diesem Antrage waren alle zufrieden und rüsteten sich zur Reise in die Gegenden, wohin sie der neue Bruder zu führen gedachte. Sie nahmen viel Lebensmittel mit, um Gutes zu tun, und also erhoben sie sich und gingen mit, ohne zu fragen wohin, sondern nur auf gute Hoffnung, solche Brüder anzutreffen, die bedürftig sind, und daher dankbar das Dargebotene annehmen werden. So machte sich die Gesellschaft mit Swedenborg, dem auch Lebensmittel mitzutragen gegeben wurden, auf die Reise auf gutes Glück.

Es dauerte nicht lange und die Landschaft, die sie passierten, fing an sehr düster zu werden, daher dachten sie, da müssen wohl sehr arme Menschen wohnen und so wird unsere Suche, um Wohltaten zu erweisen leicht erfüllt werden. Der Weg aber wurde immer schlechter, die Landschaft kahler und finsterer und noch immer sah man keinen Menschen. Plötzlich tauchten etliche hagere, garstige Gestalten auf und schrien die swedenborgsche Gesellschaft an, was sie da suche und wohin sie gehe. Diese antworteten offenherzig, weswegen sie eigentlich da seien und fragten sie, ob sie auch Unterstützung bedürften.

»O ja!« sprachen die Männer und lachten höhnisch dazu und sagten: »Wir sind viele da, die hungrig sind, kommet nur mit und wir wollen euch den Weg zu unserem Ort zeigen.« Nichts Arges denkend, ging die Gesellschaft den besagten Männern nach, bis sie in einen unansehnlichen und schmutzigen Ort ankam.

Hier angekommen, klatschten die Männer in die Hände, und aus allen Häusern traten garstige, schmutzige und in Fetzen gehüllte Gestalten heraus und fragten: »Wo habt ihr denn diese schöne Gesellschaft erwischt!? Da wird sich wohl eine Visitation ihrer Reisegepäcke bezahlt machen. Nur her damit, was habt ihr in euren Säcken, wohin traget ihr es denn?« Die Gesellschaft antwortete ihnen: »Zu armen und bedürftigen Menschen.« »Gut, das sind wir, und so gebet es nur her im Guten, sonst nehmen wir es euch mit Gewalt.« »Ja, warum denn mit Gewalt, wenn wir euch aus Liebe und Barmherzigkeit geben wollen?« »Ist schon gut, wir kennen keine Liebe und Barmherzigkeit, wir sind Räuber und als solche sind wir nicht gewohnt von Almosen, sondern von dem Überfluß anderer Menschen zu leben.«

Auf diese Erwiderung hin war die Gesellschaft erschrocken und sagte: »Nun sind wir in eine schöne Landschaft gekommen, wo man das Dargebotene nicht nehmen, sondern rauben will. Was machen wir jetzt, was sagst du, der du uns in dieses Räubernest geführt hast?« Dieser aber war still und sagte nichts, sondern entledigte sich seines Sackes und gab es hin: »Da habet ihr meinen Sack, nehmet ihn und verzehret den Inhalt im Namen unseres guten Gottvaters Jesus, der euch dies zukommen läßt, damit ihr ein wenig euren Hunger stillet.«

Ein lautes Gelächter folgte diesen Worten und einer unter ihnen sprach: »Das muß schier ein guter Kirchenlapp sein, der so balsamisch sein Hab und Gut hergibt. Ihr anderen aber schauet nicht so staunend drein, sondern gebet her, was ihr uns hergebracht habet, aber auch eure schönen Anzüge gebet uns, denn wir sind ja weniger bedeckt, als es anständig für eine so noble Gesellschaft ist, wie ihr seid.«

Hier machte die Gesellschaft große prüfende Augen auf die Räuber und sagte: »Aber liebe Freunde, ist es nicht genug, daß wir euch zu essen und zu trinken geben? Warum wollet ihr uns noch unsere Kleider vom Leibe rauben? Wir sind ja nicht eure Gefangenen, sondern freiwillige Wohltäter.« »Schau, schau, wie klug ihr seid mit eurer Wohltätigkeit, wir sind ja keine armen Bettler, sondern Räuber, die nicht betteln, noch Almosen nehmen, sondern rauben, wo man uns nicht gutwillig gibt, was wir verlangen.« Darauf trat der neue Bruder, der die Gesellschaft zu den Räubern führte vor und fragte sie, ob sie wirklich so unbarmherzig mit ihren Wohltätern verfahren und sie ihrer Kleider berauben wollten.

Diese Frage war den Räubern zuviel und nun verlangten sie barsch: »Ausziehen eure Kleider und hergeben, damit auch wir einmal unsere Blößen bedecken!« Als dies die Gesellschaft hörte, war sie ganz verzweifelt und bat die Räuber um Erbarmen und daß sie sollen sie wieder heimziehen lassen, sie wollen ihnen dafür dankbar sein und noch mehr Nahrungsmittel bringen, nur der Kleider sollen sie sie nicht berauben. Aber die Räuber lachten sie aus und machten Miene, sie mit Gewalt auszuziehen. Da trat der neue Bruder vor und sagte: »Freunde, tut das nicht, was ihr nicht wollet, das wir euch tun!«

Ein Hohngelächter folgte diesen Worten, und die Räuber machten sich daran, mit Gewalt und Grobheit die Gesellschaft auszuziehen. In diesem Moment spaltete sich die Erde und die ganze Räuberbande kugelte in die finstere Tiefe, welche sich wieder über ihren Häuptern schloß. Mit Entsetzen starrte die Gesellschaft auf dieses Ereignis, das sich so schnell vor ihren Augen abspielte und die ganze Räuberbande verschlang. Der neue Bruder aber sagte: »Sehet, liebe Brüder, so straft Gott die Undankbarkeit und Lieblosigkeit mit Roheit gepaart. Diese verdienten die unterste oder dritte Hölle, wo es überschrecklich zugeht.«

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