(Böse Geister wollten die Gesellschaft gefangen nehmen, Swedenborg predigte ihnen von der Liebe und Barmherzigkeit. Verteilung der vom Bruder Liebe gesegneten Mahlzeit, daß alle genug davon hatten, Liebesdank vor dem Essen. Die bösen Geister wurden eingeladen, christlich zu leben und bei der Gesellschaft zu bleiben, was sie auch annahmen.)
Während alle in die Rede Swedenborgs vertieft waren, stiegen auf allen Seiten schwarze Wolken über den Bergkessel und hatten ihn sozusagen ganz eingehüllt. Und bevor die Gesellschaft noch dessen recht gewahr wurde, was da vorging, fing es ganz gewaltig zu blitzen und zu donnern an, und der einzige Zugang zum Bergkessel war voll besetzt von bösen Geistern, die sich anschickten, die Gesellschaft wie Gefangene zu betrachten, und nicht mehr herauszulassen.
Alle schauten nun besorgt den neuen Bruder an, was er wohl sagen würde zu dieser Bedrängnis; dieser aber blieb ruhig und schaute phlegmatisch dem Treiben der bösen Geister zu. Das aber verwunderte die besorgte Gesellschaft und daher wandte sie sich an ihn und fragte ihn, was sie tun solle, um sich zu retten. Allein der neue Bruder blieb ruhig und still und zeigte hin auf den Swedenborg, der aber selber ganz in Angst dastand und keinen Rat wußte. Während die Gesellschaft noch beratend dastand, näherten sich die bösen Geister und wollten die ganze Gesellschaft gefangen nehmen. Da ermahnte sich Swedenborg und donnerte sie an: »Im Namen Gottes Jesu Christi, weichet von uns!«
Als die bösen Geister dies hörten, blieben sie stehen und getrauten sich nicht weiter zu gehen und so standen die beiden Parteien unentschlossen, sich gegenseitig anschauend, am Platze. Nun sagte der neue Bruder zu Swedenborg: »Lieber Bruder, du kennst doch die Heilige Schrift und darin heißt es: ‘Tue Gutes dem, der dir Böses tut’. Gib ihnen geistige und dann materielle Kost, vielleicht läßt sich etwas machen mit ihnen. Sie sind von Selbstsucht und Haß erfüllt, predige ihnen von der Liebe und Barmherzigkeit« Sogleich machte sich Swedenborg daran und predigte den bösen Geistern eine Stunde lang und benutzte alle seine geistige Kraft dazu, um sie zur Einsicht der Wahrheit zu führen.
Als er mit der Predigt zu Ende war, sagte er ihnen: »Sehet, liebe, aber sehr unglückliche Brüder, wir haben da Nahrung mit und ihr seid hungrig, das sieht man aus euren Gesichtern und Leibern. Möchtet ihr nicht eine Liebestat von uns, im Sinne wie ich euch gepredigt habe, annehmen? Denn ich sehe, daß ihr sehr hungrig seid.«
Die bösen Geister, die durch die Güte, die ihnen entgegengebracht wurde, sogleich ihr Donnerwetter einstellten, das sie schon zu entwickeln begonnen hatten, zogen ihr böses Fluidum ein, wodurch die Wolken verdunkelt wurden und lauschten aufmerksam, was Swedenborg predigte. Als Swedenborg mit der Predigt zu Ende war und ihnen auch Nahrung anbot, um den Hunger zu stillen, wurden sie ganz fröhlich und baten, man solle ihnen zukommen lassen, was man habe, denn sie spürten großen Hunger.
Nun machte die Gesellschaft ihre Säcke auf, nahm die mitgebrachten Nahrungsmittel heraus und stellte sich an, sie zu verteilen. Da stand der neue Bruder auf und sagte: »Liebe Brüder, zu allem, was man tut, muß man den Segen von Gott, dem lieben Vater, erbitten, damit es, wie einst auf dem Berge gegenüber Kapernaum, auch den Segen habe und sättige die Menge. Denn ihr sehet ja, daß die Zahl der Hungrigen eine sehr große ist und der Vorrat nicht für alle ausreicht, also stellet den ganzen Vorrat zusammen und ich will ihn segnen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und wir wollen im guten Glauben leben, daß er für alle genügen wird; denn der Glaube vermag vieles, also tut ihr so, wie ich euch rate.«
Alle schauten den neuen Bruder staunend an, wie er, den sie ja selbst angezogen und in guten anständigen Zustand versetzt hatten, einen solchen Glauben haben kann, daß durch sein Segnen eine Vermehrung der Lebensmittel stattfinden könnte. Dieser aber sagte: »Wisset ihr nicht den Wahrspruch Christi, daß Er sprach: Wenn ihr soviel Glauben habet wie ein Senfkorn groß ist, und ihr saget zu einem Berge: Stürze dich ins Meer und er wird stürzen. Also wollen auch wir den festen Glauben pflegen, wenn wir unsere Nahrungsmittel segnen, daß diese genug werden, um alle zu sättigen.« Darauf sagte die Gesellschaft: »Gut, Bruder, wenn du einen so großen Glauben und Vertrauen hast, dann segne es, damit alle gesättigt werden.«
Und der neue Bruder (der Ich, Jesus, Selber war) segnete die Nahrungsmittel und ließ sie verteilen und es blieb noch für die ganze Gesellschaft so viel übrig, daß sie es nicht aufessen konnte. Als die Nahrungsmittel verteilt waren, sagte der neue Bruder: »Bevor ihr esset, muß dem himmlischen Vater dafür gedankt werden im Herzen durch ein Liebesgebet oder Liebesdank und dann verzehret die Nahrungsmittel«, was sogleich geschah. Nun fingen sie an zu essen und konnten sich nicht genug wundern über die Güte der Nahrungsmittel. Auch die Gesellschaft sah verwundert drein, weil diese Speisen vom Hause aus viel geringer an Wohlgeschmack und Wohlgeruch waren.
Daher schauten sie staunend auf den neuen Bruder, der aber so tat, als wenn er nichts merkte und betrachtete nur die Speisen, die er aß wie die ganze Gesellschaft. Auch Swedenborg war im Zwiespalt mit seinen Gedanken über den neuen Bruder, den er beinahe ganz nackt in der finsteren Hölle gefunden und der jetzt alle in Erstaunen setzte. Endlich konnte er es nicht mehr aushalten und ging zum neuen Bruder und fragte ihn: »Höre, lieber Bruder! Ist dir dieser Wohlgeschmack und Wohlgeruch der Speisen nicht auffallend? Ist nicht da der Segen Gottes sichtbar mit uns?«
Der neue Bruder aber tat recht phlegmatisch dazu und sagte: »Schau, lieber Bruder, die Menschen sind Kinder Gottes, soll der liebe Vater im Himmel nicht seine Freude an ihnen haben, wenn sie nach Seinen Liebesgeboten handeln? Ihr habt die bösen Geister mit Gutem belohnt und also tut auch euer Vater täglich, und so ist es kein Wunder, daß er uns die Speisen nach Seiner Liebe gesegnet, vermehrt und wohlschmeckend gemacht hat.«
Diese Worte, so laut gesprochen, daß sie alle gehört hatten, brachten eine große Begeisterung auf beiden Seiten, sowohl bei den bösen, als auch bei den guten Geistern in der Gesellschaft hervor, und dadurch war auch der Anschein, daß in dem neuen Bruder etwas Besonderes verborgen sei, beseitigt, und man aß weiter. Als alle mit dem Essen fertig waren und noch genug übrigblieb, meldete sich wieder der neue Bruder und sagte: »Den Überfluß soll man aufbewahren, für die gute Mahlzeit aber sich beim Gottvater innig bedanken, damit Er uns auch künftig in Seiner Güte mit einem besonderen Wundersegen komme, wie diesmal«, was auch sogleich alle taten.
Darauf wandte sich der neue Bruder zu den bösen Geistern und fragte sie: »Liebe Brüder, wäre denn euch nicht lieber, bei uns zu bleiben und nach Gottes Geboten zu leben, damit auch ihr glücklich würdet und es euch an nichts fehlen möchte?« »O ja, wir möchten schon gern bei euch bleiben, aber wir sind in so schmutzigen Fetzen gehüllt, daß es eine große Schande für euch wäre, mit einem solchen Lumpengesindel zusammen zu leben. Dann verstehen wir uns nicht auf so feine Sitten und Liebestätigkeiten wie ihr, und so wären wir rohe Klötze, recht unanständige Leute unter euch.
Was meinst du nun dazu?« Der neue Bruder, den wir von nun an Bruder Liebe nennen wollen, erwiderte ihnen: »Die feinen Sitten und Manieren werden durch Liebe und Ehrfurcht anerzogen, und bessere Kleider bekommt ein jeder Geist, wenn er gut und liebetätig ist gegen seine minderen und bedürftigen Brüder, durch Gott Selber, denn wie eure Liebe tätig ist, so ändern sich auch eure Kleider und Zustände und wir machen keine anderen Anforderungen an euch, als daß ihr gleich uns liebetätig und demütig seid. Gefällt euch das, so könnt ihr bei uns bleiben und wir werden euch in allem unterrichten.« Die Geister berieten sieh nun, was zu tun sei, und kamen endlich überein, daß es doch am besten sei, sich in die neuen Zustande zu begeben, da es doch viel besser und schöner sei, wie es bisher war. Und so trat eine sehr große Menge Höllengeister zu der Gesellschaft über und wurde sogleich in den wichtigsten Verhaltensregeln unterrichtet.
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