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258. Die heilige Familie kommt nach beschwerlicher Reise ins Vaterland

258. Kapitel – Die heilige Familie kommt nach beschwerlicher Reise ins Vaterland. Josephs
Angst und Marias Aufmunterung. Des Herrn Befehl, nach Nazareth zu ziehen. Ankunft in
Nazareth.
19. Juli 1844

[258,01] Nach zehn sehr beschwerlichen Reisetagen kam Joseph mit den Seinen
glücklich im Lande Israel an und rastete auf einem Berge bei einigen Menschen, die da
hausten und von der Viehzucht lebten.
[258,02] Hier erkundigte sich Joseph genau um alle Verhältnisse seines Vaterlandes.
[258,03] Da er aber vernahm von diesen Menschen, daß nun Archelaus, ein Sohn
Herodis, seinem Vater in der Regierung folgte,
[258,04] und daß er noch grausamer sei als sein Vater, da übermannte den Joseph und
all die Seinen eine große Furcht.
[258,05] Und er gedachte wieder umzukehren und abermals nach Ägypten zu ziehen,
wo nicht nach Tyrus.
[258,06] Denn obschon er durch den Mund Jakobs erfahren hatte in Ägypten noch, daß
nun Archelaus herrsche in Jerusalem,
[258,07] so erfuhr er aber dennoch nicht, daß dieser König seinen Vater an
Grausamkeit noch überträfe.
[258,08] Und diese Kunde machte hier eben den Joseph also furchtsam, daß er nun
wieder umkehren wollte.
[258,09] Es sprach wohl die Maria zu ihm und sagte:
[258,10] „Joseph, es hat uns ja der Herr also zu ziehen befohlen, warum fürchten wir
über den Herrn den Menschenkönig Archelaus mehr als den Herrn?“
[258,11] Und der Joseph sprach: „O Maria, du mein geliebtestes Weib, du hast wohl
ganz recht gefragt;
[258,12] aber siehe, ich weiß es, daß da des Herrn Wege oft von der unbegreiflichsten
Art sind, und weiß, daß der Herr die Seinen zumeist durch den Tod führt – vom Abel her.
[258,13] Darum fürchte ich mich denn nun auch, ob der Herr nicht auch mich durch
den Tod führen wird!
[258,14] Und diese meine Mutmaßung gewinnt stets mehr an Wahrscheinlichkeit, je
mehr ich die Grausamkeit des neuen Königs in Jerusalem überdenke.
[258,15] Darum aber habe ich mich nun auch entschlossen, morgen früh wieder
umzukehren.
[258,16] Wahrlich, ist es dem Herrn um unsern Tod zu tun, da schicke Er lieber Löwen,
Tiger und Hyänen über uns als den Archelaus!“
[258,17] Also beschloß Joseph fest, wieder umzukehren.
[258,18] Aber in der Nacht kam des Herrn Geist Selbst über den Joseph in einem
Helltraume.
[258,19] Und von Gott Selbst bekam Joseph den Befehl, zu ziehen nach Nazareth.
[258,20] Da erhob sich Joseph sobald und zog sehr frühe von dannen.
[258,21] Und er kam noch am selben Tage in die Ortschaften des galiläischen Landes.
[258,22] Und kam also auch am selben Tage in der Nacht nach der Stadt Nazareth,
nahm da bleibende Wohnung, auf daß erfüllet wurde, was da spricht der Prophet: „Er solle ein
Nazaräer heißen!“ –

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