(Reise zu einer geistig reifen Judengemeinde, die auf den Messias wartete. Der Pseudoevangelist Matthäus. Maria erschien als Zeugin der Wahrheit erfüllter Weissagungen der Propheten über den Messias. Die bekehrten Juden wurden als vollreife Christen auf die Reise in den Himmel mitgenommen. Wundersegen an der Mahlzeit. Danklied der Engel.)
Darauf sagte Ich: »Unweit von hier ist wieder eine vorgeschrittene Gemeinde, die wir abholen wollen. Also machen wir uns auf und gehen wir dorthin.« Als wir dorthin gelangten, kamen uns freundliche Gesichter entgegen und fragten uns, was es da gebe, daß eine solch riesenmenge Menschen daherkomme und ob sie etwas von ihnen wünschten, da sie bereit seien, zu tun und zu geben, was ihr Verlangen sei.
»Sonst,« sagte Ich, »brauchen wir nichts, als eure gutwilligen Herzen. Ihr seid Juden, aber gut und freundlich und habet alles irdische abgestreift und wartet geduldig auf die Gnade Jehovas, daß er euch annimmt. Aber es sind noch einige Bedenken in euch, ihr erwartet noch den Messias, obwohl ihr Ihn für das irdische Leben nicht mehr brauchet, aber desto mehr für das geistige und himmlische Leben. Ihr wisset, daß Gott niemand in Seiner Absolutheit sehen und leben kann, weil er ein verzehrendes Feuer der Liebe ist. Wenn man aber etwas liebt, so will man es besitzen, sonst ist die Liebe nicht gestillt, weil das Ziel nicht erreicht. Wie ihr aus der Bibel wisset, so sind alle Prophezeiungen des Alten Testamentes erfüllt. Saget mir, ob das wahr ist oder nicht?«
»Jawohl alle, bis auf den Messias. Zwar wird behauptet, daß Jesus Christus dieser Messias war, und auch unsere Rabbiner sind der Ansicht, daß es möglich ist, aber es fehlt uns eine gründliche Aufklärung darüber und bisher wußte uns niemand eine solche zu geben, und daher sind wir im Unklaren darüber. Wenn ihr uns eine triftige und stichhaltige Aufklärung darauf geben könnt, so sind wir bereit sie anzunehmen.«
Und sogleich meldeten sich auch die Rabbiner und sagten: »Uns scheint es daß diese Geschichte mit dem Jesus von Nazareth eine wahre Messiasgeschichte ist. Was saget aber ihr dazu?« Nun meldete Ich mich und sagte: »Schauet, alle Weissagungen der Propheten sind genau erfüllt, wie sie gegeben worden sind. Warum wären die Weissagungen über den Messias, von dem beinahe alle Propheten weissagten nicht wahr und erfüllt?
Ich sage euch, es ist alles erfüllt und Jehova trägt heutzutage den Namen Jesus. Euch die Weissagungen zu erklären ist überflüssig, denn ihr kennet sie genau. Nur mit der Mutter Jesu seid, ihr ein wenig im Ungewissen, weil das Neue Testament sich zu wenig klar ausdrückt. Beim Evangelisten Matthäus heißt es: Josef hat ihr nicht beigewohnt, bis sie ihren ersten Sohn gebar, und an einer anderen Stelle werden Jesu Brüder Jakob, Joses, Simon und Judas genannt.
Ich garantiere euch, daß Jesus Mariens erster und einziger Sohn war und die genannten Brüder bloß Jesu Halbbrüder waren, aus Josephs erster Ehe, weil Joseph der Maria vom Tempel aus deshalb angetraut war, damit sie einen Mann ihrer Schwangerschaft und ihres Kindes hatte. Sonst aber ist Jesus derjenige Knabe, von dem Jesaias sprach, daß ihn eine Jungfrau gebären und er die Menschwerdung des ewigen Vaters würde.« »Ja, sehr gut und sehr schön, lieber junger Mann.
Aber wer garantiert uns, daß dies wirklich so ist, denn darin steckt der Anstoß, sonst finden wir alles richtig. Es fragt sich, sollen wir dir glauben oder dem Matthäus und Markus? Jesaias ist uns wohl verbürgt, aber mit dem Neuen Testament stimmt nicht alles. Warum es nicht stimmt, das ist uns ein Rätsel.« Sagte Ich: »Weil das nicht der echte Matthäus ist, sondern gesammelte Bruchstücke, die ein gewisser l’Rabbas, Schriftsteller in Sidon, gesammelt und als Matthäi Evangelium herausgab, weil der echte Matthäus nach Indien ging und sein Evangelium mitnahm.
Daß Matthäus und Markus von Jesu Brüdern berichteten, stimmt mit der Lehre Jesu überein, wonach alle Menschen Brüder und Schwestern sind.« Darauf sagten die Rabbiner: «Wir glauben dir herzlich gern, daß dem so ist, aber trotzdem bitten, wir dich wenn du uns noch stichhaltigere Beweise geben kannst, so gib sie uns, damit wir, ein für allemal von allen Zweifeln erlöst, Jehova in Jesu erschauen und anbeten.«
Ich fragte sie nun: »Saget Mir, welche Beweise wollt ihr. Wollt ihr die Apostel und Maria selbst hören, was die sagen?« Höchst erfreut über diese Bemerkung, meinten sie: »Wenn Maria, als Jesu Mutter wirklich die Jungfrau ist, von der Jesaias so großes berichtet, so muß sie doch jetzt ein sehr hoher Geist sein und als solcher genügt sie uns. Was sie sagt, glauben wir ohne Apostelzeugen. Wenn es dir möglich ist, diese herunterzurufen, dann sind wir alle Christen.« Nun sagte Ich: »Eure Bitte soll erfüllt werden.«
Darauf rief Ich: »Maria, Jesu Leibesmutter, komme herab!« In diesem Moment gab es einen großen Blitz am Firmament, der alles beleuchtete und gleichzeitig ging ein Blitzstrahl herab und Maria stand strahlend vor Schönheit in unserer Mitte. Die Rabbiner und das Volk schauten entzückt auf diese herrliche Gestalt, die freundlich dreinschaute und der Anrede wartete. Ich sagte, jetzt zu den Rabbinern: »Sehet, hier ist Maria, fraget sie, was euch am Herzen liegt.« Allein diese getrauten sich keine Frage zu stellen und standen still.
Da niemand zu fragen wagte, fing sie selbst zu sprechen an und sagte: »Ihr zweifelt an mir wegen der verworrenen und unklaren Notizen bei Matthäus und Markus. Ich erkläre euch daher, daß die Sache sich wirklich so mit mir und meinem Sohn verhält, wie euch hier erklärt wurde. Jesus ist Jehova selber gewesen, wie ihr aus Jesaias wisset und daß auch sein Leiden, Tod und Auferstehung bei den Propheten im voraus erklärt und geweissagt wurde, ist euch auch bekannt und somit ist nicht eine Stelle von Weissagungen unerfüllt geblieben. Wenn ihr aber noch etwas Zweifelhaftes vorfindet, so saget es mir sogleich und ich will euch alles erklären.«
Die Rabbiner antworteten darauf: »O du herrliche Mutter unseres Jehova in Jesus, wir sind nun fest überzeugt, daß alles wahr ist und benötigen weiter keine Aufklärung. Wir sind dadurch gläubige Christen geworden und freuen uns, daß uns einmal vergönnt ist, den lieben Jehova im Jesuleibe zu sehen und anzubeten und daher nimm unseren Dank aus Liebe, die wir zu Jesu und auch zu dir haben, gütig an, und sei uns freundlich gesinnt, wenn uns gegönnt wird in den Himmel zukommen und auch dich wiedersehen zu können.«
Bei diesen Worten kamen große Strahlen aus Maria und beleuchteten die ganze Gesellschaft und gleichzeitig ging ein Blitz nach aufwärts und Maria verschwand. Maria war dadurch beglaubigt als Mutter Jesu durch die ganze Gesellschaft und niemand war darunter, der nicht eine große Freude an dieser Begebenheit hatte.
Da wandte Ich Mich wieder an die ziemlich große jüdisch- christliche Gemeinde und sagte ihr: »Liebe Brüder, euer Glaube ist nun ein klarer wissender. Also seid ihr auch vollkommen von der Wahrheit über Christus überzeugt und so wollen wir auch mitnehmen was sich bekehren läßt oder guten Herzens ist, die Wahrheit anzunehmen. Da wir ins Himmelreich wandern, ihr aber als reif dafür befunden worden seid, so könnt ihr euch gleich uns anschließen und mitreisen.«
Es meldeten sich sogleich alle und sagten: »Wir sind vollkommen überzeugt, daß ihr die Wahrheit sprechet und so folgen wir euch ohne Fragen und Zaudern, wohin ihr geht. Aber wir haben noch einige Lebensmittel, sollen wir diese nicht mitnehmen oder doch euch zum Verzehren anbieten?« »Das könnet ihr,« sagte Ich ihnen, »und wir werden sie dann verzehren. Bringet alles her, was ihr habet und leget es her vor Mich, daß Ich es segne.« Sogleich begaben sich alle in den Ort und brachten ihre Lebensmittelvorräte und den Wein, alles vor Mich ausbreitend, und das Weitere erwartend.
Ich streckte darauf die Hände drüber, segnete es und hieß es die guten Leute selbst unter alle verteilen. Diese aber schauten Mich verwundert an, wie ein so kleiner Haufen für alle ausreichen könnte. Daher sagte Ich: »Der Segen Gottes ist sichtbar mit uns und daher wird euch nichts ausgehen, bis nicht allesamt auch beteilt sind.« Diese Aufklärung machte sie staunen und sie schauten Mich an und sagten: »Schauet da! Also Wunder wie auf dem Berge Kapernaum. Dann ist der Himmel und Jesus auch nicht weit, denn er als Gott kann nur Wunder, durch die Menschen wirken.« Sagte Ich: »Allerdings richtig, daher seid voll Glaubens und frohen Mutes und verteilet schnell alles unter die Menge.«
Sogleich griff jeder nach dem was er gebracht hatte und es ging lustig ans Verteilen, da der Vorrat immer gleich groß verblieb, weil er unter der verteilenden Hand stets gleich so groß war wie vor der Verteilung, er wuchs den Händen entgegen, und das gab des Verwunderns genug Stoff. Sobald alles verteilt war, verzehrte man es, und die Judenchristen fanden wieder alles so unvergleichbar besser und wohlschmeckender als es früher war und das freute sie über alle Maßen. Nach der Mahlzeit sangen und musizierten die Jünglinge das Danklied, welches immer schöner erschien, weil die Menschen reiner, liebevoller und friedeliebender unter sich waren, und so war auch ihr geistiges Innere empfänglicher für höhere, himmlische Töne und Laute. Alles fühlte sich so zufrieden in der Gesellschaft und kein Mißton störte die brüderliche Liebe unter ihnen.
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