(Schwebendes Übersetzen über einen Fluß. Ankunft in einen freundlichen Ort. Die Ortsbewohner gaben alle Nahrungsvorräte zur Bewirtung der Himmelsreisenden her. Wundersegen des Bruders Liebe und die Neugierde, wer Er sei. Die gute Wirkung der Lehre Swedenborgs. Die Ortsbewohner werden in die Gesellschaft aufgenommen.)
Sogleich waren alle auf den Beinen und marschbereit, und so begann unser Abstieg von dem Bergkamm, der sehr hoch und ganz steinig war. In kurzer Zeit befanden wir uns im Tale, welches sehr groß war und das ein großer Fluß durchfloß, den wir zu übersetzen hatten. Deshalb wandte Ich Mich zur Menge und sagte: »Wir gehen über diesen Fluß und da er keine Brücke hat, müssen wir ohne diese hinüberkommen. Denket, daß ihr Geister seid und wie wir von der Erde in die Wolken schwebten und von dort auf den Berg, also auch wollen wir über den Fluß kommen. Denket also, als Geister darüber zu schweben und wir werden schweben.«
Und sogleich erhob sich die Riesenmenge etwas in die Höhe und schwebte darüber. Früher aber hob Ich sie schwebend in die Wolken, da sie als Geister der zweiten Hölle zu schwer waren, nun aber ging das ganz leicht, weil sich schon paradiesische Zustände in ihnen gebildet hatten. Am anderen Ufer angelangt, bereitete sich vor uns eine schöne Wiesenebene aus, hinter welcher ein großer Ort lag und gegen welchen wir direkt wanderten. Als wir zum Eingange kamen, standen da einige Menschen und fragten uns freundlich, was das bedeuten solle, daß eine solche Riesenmenge Volkes ihren Ort besucht!? Ich, der Ich vor war, sagte den Fragenden: »Wir sind Wanderer in das Himmelreich. Habet ihr uns was zu essen zu geben, da wir schon hungrig sind?«
Sogleich sagten die Fragenden: »Ei! Ei! Wir warten schon so lange, um ins Himmelreich zu kommen, aber es geschah nie etwas dergleichen, so daß wir uns förmlich auf das ruhige Warten verlegt haben; ihr aber wandert dorthin? Kann man denn nicht mitziehen mit euch?« »O ja, aber zuerst möchten wir uns ein wenig stärken für die Reise, könnt ihr uns nicht mit Brot, Wein und Obst dienen.« »Ja, wartet ein wenig, daß wir euch anmelden und euren Wunsch und euren Reiseplan bekanntgeben.«
»Gut, gehet und meldet alles, was nötig ist,« erwiderte Ich, »wir werden derweil vor dem Orte auf euch warten.« Sogleich gingen die freundlichen Menschen in den Ort und alarmierten alle Bewohner und sagten ihnen, was draußen vorgeht und mit welchem Wunsche und Ziele die Menge auf sie warte. Als diese das hörten, trugen, sie alle ihre Vorräte an Brot, Wein und Obst hinaus und baten, es freundlich anzunehmen, denn sie hätten alles hergegeben, was sie besessen, aber wie sie sehen, wird es wohl nicht ausreichen, denn die Menschenmenge sei zu groß.
Ich aber beruhigte sie und sagte: »Sehr gut, meine lieben Leute, es wird für uns und euch reichen. Legt es nur her zum Haufen, daß Ich es segne und verteilen lasse.« Und sie legten alles, was sie hatten, vor uns hin und freuten sich, uns damit bewirten zu können. Ich streckte daraufhin meine Hände darüber, segnete es und ließ es an alle verteilen.
Die neuen Brüder und Schwestern wunderten sich, wie das möglich sei, daß dieser kleine Vorrat für eine solche Riesenmenge Menschen und zwar für alle hinreichen konnte. Ja, das ist ein Wunder, so etwas ist unmöglich auf gewöhnliche Art zu erklären. Als sie aber ihre eigenen Speisen und Getränke verkosteten, konnten sie sich nicht genug wundern über deren Güte und Wohlgeschmack und sagten: »Ihr seid gewiß höhere Wesen, daß unter eurem Segen sich alles vermehrt und himmlisch gut wird. Jesus hat einst auch fünf Gerstenbrote und zwei Fische auf diese Art vermehrt, ob sie aber so gut waren, wie bei hiesigem Segen, das erzählt uns die Heilige Schrift nicht.«
Diese Bemerkungen machten auf alle einen gewissen Eindruck und es fragten viele: »Wer ist denn der junge Mann. Er ist ungewöhnlich gescheit im Antworten und so mächtig und segensreich in seinem Wirken, daß man einen der höchsten Geister in ihm vermutet, aber niemand weiß seinen, eigentlichen Namen, ob der Name Bruder Liebe wohl der echte oder bloß ein symbolischer wegen seiner Liebe ist, wer kann das beantworten!?«
Solche und ähnliche Fragen gingen in der Menge herum, aber es kam zu keiner Lösung dieses Geheimnisses. Einige wendeten sich an Swedenborg mit der Frage, dieser aber wich geschickt der Antwort aus und so blieb es geheim, wer der junge Mann war. Nach der Mahlzeit stimmten die Engel ein Danklied an und begleiteten es mit himmlischen Musikinstrumenten. Jetzt erst ging das Verwundern bei den neuen freundlichen Menschen los und sie meinten: »Das sind doch gewiß Engel, denn sie sind zu schön für Menschen und ihr Gesang und ihre Musik sind rein himmlisch. Ach, da möchten wir immer bei ihnen bleiben und zuhören.«
Bei diesen Worten trat Ich zu ihnen und sagte: »Meine lieben Brüder, wenn es euch so gefällt, also bleibet bei uns und geht mit uns, wir wandern aufwärts ins Himmelreich, dennoch nehmen wir noch einige Menschen auf, die reif mitzunehmen sind.« Das machte sie ganz außer sich vor Freude und alle sagten: »Wir bleiben und gehen mit euch, denn wir warten schon so lange auf eine Entscheidung da wir uns bemühten ganz nach der Lehre des lieben Herrn uns einzurichten und einzuleben und sind daher alle nur eine Familie von Brüdern und Schwestern, obwohl viele tausend Köpfe groß.«
Ich erwiderte ihnen darauf: »Ich kenne euch schon lange, aber es war keine Gelegenheit dazu, weil solche großen Fischzüge immer nur dann vorgenommen werden, wenn ein großer Religionslehrer von der Erde scheidet und das ist hier der Fall. Bei euch befinden sich aber einige, die von der Lehre Swedenborgs zu euch kamen und sehet, dieser Swedenborg ist hier und wegen seiner geht der große Fischzug vor sich, und so nehmen wir auch euch mit.«
Als diese den Namen Swedenborg hörten, freuten sie sich sehr und sagten: »Gerade diese Lehre hat uns soweit gebracht, daß wir uns endlich ganz verbrüdert haben und lebten wie eine große Familie zusammen ohne Mein und Dein, sondern wir hatten alles allgemein und befanden uns recht glücklich dabei, daher: Hoch unser Lehrer Swedenborg!« Und die ganze Gesellschaft stimmte in dieses Hoch ein und freute sich über die neuen freundlichen Leute, die schon so weit vorgeschritten der Lehre Swedenborgs waren.
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