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21. August 1881
Lukas 18, 18 ff.
Meine lieben Kinder!
Der Oberste fragte Mich: "Guter Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?"
Er kam zu Mir in dem Bewußtsein, daß er mehr als viele seiner Genossen rechtlich gehandelt hatte (wie es bei ihm auch wirklich der Fall war); darum erwartete er von Mir eine Anerkennung, weil er sagen konnte: "Das alles habe ich gehalten von Jugend auf."
Es gibt heutzutage noch viele Menschen, die sagen können, sie haben von Jugend auf sich nicht gegen die Gebote verfehlt, hauptsächlich wenn dieselben oberflächlich genommen und bloß dem äußeren Sinn nach gehalten werden, so daß die Menschen kein Recht zur Verdammung haben; aber auf das Halten der Gebote so einzugehen, wie sie der heilige Geist beleuchtet, daran sind schon Viele gescheitert, weil hiezu viel Selbstverleugnung gehört, wie ihr auch in manchen Büchern eine Erklärung darüber findet, geschrieben von Männern, die der heilige Geist dazu antrieb. (z.B. in Taulers Predigten, in Thomas von Kempis Nachfolge Christi, in Arndts wahrem Christentum und anderen. D. Hsg.).
Diese kamen fast Falle zu der Einsicht, daß, wenn man die Gebote erfüllen will, die ganze Kraft dazu gehört, um zu siegen über die natürlichen Leidenschaften, die so sehr an deren Befolgung hindern.
Darum sagte Ich dem Obersten: "Verkaufe alles was du hast!" (siehe Nr. 39).
Ein Hauptgegner der Liebesgesetze ist der Geiz, welcher alles für sich behalten will, und nichts mitteilen kann; auch wenn solch eine mit Geiz behaftete Seele noch so viele innere Anregung zu erfahren hat; der Geiz überwuchert dieselben, daß sie nicht hervortreten können in Leben und Tat.
Darum heißt es: "Der Geiz ist eine Wurzel alles Übels", er ist eine Hauptsünde, weil dadurch alles Wachstum gehindert und jeder geistige Fortschritt gehemmt wird. Auch unser Oberster kehrte um und kam nicht wieder.
So gehen gar viele Berufene zurück, wenn sie schon zur Erkenntnis gelangt sind, und sie dieselbe nun in Tat und Leben bringen sollen, da geraten sie ins Stocken; denn mit der Tat ist immer ein Opfer verbunden, sei es, daß man seine eigenen Ansichten unterordnen und dadurch seine Eigenliebe fahren lassen muß, oder auch, daß äußere Mittel nötig sind, den Geboten nachzukommen, so wie der Geist sie innerlich erklärt.
Viele Seelen kommen nur bis zu diesem Standpunkte: sie bemühen sich, vieles zu lernen, zu erkennen und vieles zu scheinen; darum richten sie ihr Leben so ein, daß ihnen menschlicher Beifall gewiß ist; aber hiermit sind sie nur aufnahmefähig in das Weltbürgertum, aber nicht in das Reich Gottes, welches innerlich gegründet sein muß, und zwar so, daß die Liebe nicht nur das tut, was sie sieht und welchen Pflichten sie nicht ausweichen kann, um nicht äußerlich zu verlieren (am Ansehen), sondern die echte göttliche Liebe sucht sich hauptsächlich an Anderen zu beweisen (unbemerkt im Stillen), und geht denselben nach mit vieler Geduld, bis sie angenommen wird.
So ist ein Drängen im Herzen, das nicht mehr ruhen kann, bis es den Gedanken, welche der heilige Geist in ihm bewirkt, Gehör gibt, und dieselben ins Leben treten läßt. Wo dieses Drängen stattfindet, da bin Ich Regent des Hauses oder der Behausung des Geistes.
Es ist ein Drängen im Herzen, das nicht mehr ruhen kann, bis es den Gedanken, welche der heilige Geist in ihm bewirkt, Gehör gibt, und dieselben ins Leben treten läßt. Wo dieses Drängen stattfindet, da bin Ich Regent des Hauses oder der Behausung des Geistes.
Wo viele solche Menschen sich vereinen, um nach innen zu hören und nicht nach außen zu berechnen, da läßt sich das Reich Gottes nieder, richtet einen Tempel auf, und diese Hütten bilden sodann die unsichtbare Kirche, wovon Ich Selbst der Baumeister bin.
So prüfet nun euch selbst, ob auch ihr dieser Kirche könnet eingefügt werden, die am Eintritt die Inschrift führt: "Seid Täter des Wortes und nicht Hörer (oder Leser) allein, damit ihr nicht euch selbst betrüget!"
Leset dieses Kapitel 18 weiter, und wenn euch Mein Verlangen abermals zu schwer dünkt demselben nachzukommen, so haltet euch an Vers 27, wo es heißt: "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott wohl möglich," und dann leset noch, was ihr dafür ernten dürfet, schon im zeitlichen und dann noch mehr im ewigen Leben.
Bedenket allezeit: "Ich bin der Wahrhaftige, Der da spricht, und Der alle Seine Worte erfüllt, die Er verheißen hat!"
Amen. Euer Jesus.
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