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Gleichnis vom kränklichen Lasttier

Am Tage, an dem du den Namen deines Leibes und deiner Seele feierst, will auch Ich deiner gedenken und will dir eine Nebengabe bieten. Nehme sie an, auf daß du genesest am Leibe und an deiner Seele! Denn diese zwei Teile an dir sind ein wenig krank. Im Leibe haftet etwas zuviel von der Galle, und deine Seele ist zu gedrückt, fürs erste von dem etwas kränklichen Leibe, und fürs zweite von den allerlei unbedeutenden weltlichamtlichen Sorgen.

Diese letzteren merkest du zwar wenig, weil du dich ihrer angewohnt hast. Aber sie hören darum nicht auf, das zu sein, was sie sind. Sie sind eine Last der Seele und verhalten sich zu ihr gerade also, wie ein schwerer Lastwagen zu einem Pferde, welches schon jahrelang solchen Wagen gezogen hat. Es fühlt freilich wohl nicht mehr die Last desselben, da es wie eine fühllose Maschine denselben zieht. Aber kannst du darum behaupten und sagen: Der Wagen sei dem Tiere keine Last mehr, weil es dieselbe nicht mehr zu empfinden vermag?

Setzen wir aber den Fall, ein solches Pferd möchte im Gespanne vor dem Wagen kränklich werden an irgendeinem Leibesteile. Meinst du wohl, daß es im Zuge davon wird geheilt werden können, weil es die Last des Wagens nicht fühlt? – Siehe, solches wissen die Fuhrleute gar wohl. Darum spannen sie es aus und gönnen demselben auf eine Zeit Ruhe und gute Pflege. Das Tier wird darauf wieder gesund, frisch und heiter. Und so es dann wieder an seinen lang gewohnten Wagen gespannt wird, da zieht es denselben wieder also leicht fort, als hätte es nur einen Federflaum zu ziehen!

Du wirst zwar dieses Bild nicht völlig fassen; doch so Ich dir es nur ein wenig beleuchten werde, dann wird es dir klar sein, was Ich damit sagen will.

Du meinst nun, daß Ich damit sagen will, du sollest etwa dein staatliches Amt auf eine Zeitlang aus deinen Händen legen? – O nein, das meine Ich nicht! – Denn darinnen sind deiner Seele Sorgen nicht begraben. Aber in deiner weltlichen Häuslichkeit liegen sie!

Du hast Not mit Meiner Sache bei den überaus weltlichen Weltanverwandten, da ihnen die Welt alles, Ich aber gänzlich der Niemand bin!

Allein mache dir daraus lediglich nichts! Denn fürs erste können sie dir kein Haar auf dem Haupt krümmen. Und fürs zweite habe Ich sie schon lange vorgemerkt und weiß, was Ich mit ihnen tun will. Denn wahrlich, sie werden Meiner sie stark versuchenden Falle nicht entrinnen! Es sagt aber ja schon ein altes Sprichwort unter euch: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“ – Siehe, also wird es auch allda gehen.

Ich sage dir aber: Mache frei dein Gemüt! Laß die Esel plärren! Wende deine Ohren von ihnen ab und erheitere dich bloß nur an Mir! Tue denen womöglich Gutes, die dich mißachten, und segne die, welche dich heimlich, wie fluchend, verachten!

HiGa, Band , Nr.67

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