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Armut (Ein fingerzeig für Arme und Reiche)

Empfangen durch F. H. K., am 10. Oktober 1880

Eben dann könnt ihr es am leichtesten einsehen, wie arm und schwach ihr seid, wenn ihr einen großen Fehler wider euren Geist, eure Seele oder auch gegen euer Fleisch begangen habt, weil die Reue durch das Wort euch gleich richtet, aber vor der Tat wollt ihr nicht hören euer Gewissen, das euch mahnt und abratet von den Folgen, die auf eure missliche Tat erfolgen müssen, weil eben der Trieb der grobmateriellen Leidenschaft von euch schwachen Bewohnern dieser finstern Erde nicht beherrscht wird, und ihr bewusst tut, eben was ihr nicht tun sollt. Euer Geist wird durch solche Taten geschwächt, und wird, wenn ihr nicht lasst, was gegen die Ordnung des Wortes Gottes ist, sich wieder ganz in sein innerstes Leben zurückziehen, wo dann ihr ganz pure Weltmenschen sein werdet, gleich den Larven, anscheinend lebende und doch tote Menschen, weil ohne Liebe, mithin auch ohne Leben; denn der Geist der Liebe ist doch nur das Leben.
Träge, matte Menschen dieser finstern Erde! Trotz Meiner großen Liebe, die Ich euch spende, könnt ihr so grob sündigen, obwohl Ich Mir alle Mühe gebe, die sich ein Vater mit seinen missratenen Kindern irgend nehmen kann, um sie zurecht zubringen, und dennoch handelt ihr zu eurem Verderben wider Mein Wort.
Schläfrige tote Menschen! Erwacht doch aus eurer Trägheit, und ermahnt euch, dass ihr Menschen sein sollt und nicht Tiere, die nicht wissen was sie tun, und so wie sie handeln, von Mir dazu genötigt sind.
Das ist eben eure wahre Armut, das Bewusstsein zu haben, dass es nicht gut ist, wider die Ordnung Gottes zu handeln, und dennoch absichtlich seinen Willen dem entgegenzustellen, was euch doch strenge richten wird! Denn wie kann Der gerichtet werden, der unbewusst eine Handlung begeht, die er eben nicht begehen hätte sollen? – Und ihr schwache Kinder dieser Erde, die Ich Mir Selbst die Mühe nehme zu erziehen, ihr habt noch nicht einmal so viel Selbstverleugnung euch erworben, dass ihr bei Versuchungen, die an euch herantreten, euch beherrschen könnt, viel weniger noch, dass ihr solche Gelegenheiten, unbeschadet eures Selbst – zu eurem geistigen Fortschritt zu benützen vermöget.
Beim Lesen Meiner Worte, ja, da seid ihr oft gleich mit allem einverstanden, findet alles wahr und schön; dass ihr aber dann auch zu handeln und an euch zu arbeiten anfängt, das lasst ihr fein bleiben, weil eben in euch noch kein rechtes Verständnis und keine klare Auffassung Meiner Worte im Herzen vorhanden ist.
Ihr lebt und handelt da wie vordem, oder gleich den andern Menschen, die von Meiner Lehre noch gar nichts wissen, und messt euch aber doch das Bewusstsein als verdienstlich bei, Worte und Lehren von Mir Selbst empfangen zu haben. (Da steckt unsere Armut des Geistes, in der großen Schwäche des freien Willens – behufs Betätigung des erkannten Guten. D. Hsg.)
Frohlockt nur nicht zu frühe, denn ändert ihr euch nicht, so wäre es viel besser, ihr hättet nie Worte von Mir empfangen; denn euer Lehrer war dann nicht Ich, sondern der Antichrist, der euch bessere Chancen für euer bisschen Leben in Aussicht gestellt hat.
Solches erwäget ernstlich und bessert euch, kehrt um! – Die, welche Mich schon erkannt haben und die die Welt wieder Mir entrückt hat, sollen erkennen und bereuen ihren großen Irrtum und Mich in ihrem Herzen recht zu lieben anfangen, durch gute Taten an ihren bedürftigen Brüder und Schwestern.
Aber Zorn und Nachtragerei gegen den einen oder den andern Mitbruder (oder -Schwester), der etwa jemand in seiner großen Schwäche und aus Unwissenheit in der Unvollkommenheit seiner Seele beleidigt hat, solle ganz aus eurem Herzen getilgt und ausgerottet werden; denn ihr seid ja eben dazu hier auf dieser Probeschule Erde, damit ihr vollkommen werdet, euch von euren sündigen Gebrechen als eurem alten Übel reinigt, und so los werdet von der Erbsünde, und deshalb gegenseitig Nachsicht ausüben müsset, damit ihr dadurch in der Liebe wachsen könnt, wobei eine brüderliche Einigkeit und dadurch eine Liebe unter euch sei.
Die verschiedensten sozialen Verhältnisse bei euch sind auch dazu da, damit ihr lernen sollt, wie Ich da Gelegenheit gebe, jeden Einzelnen nach seiner persönlichen Verschiedenheit zum ewigen Lebensbaume zu führen, der stets grünt und Früchte trägt.
Ihr sollt nicht glauben, dass der Eine oder der Andere besser für sein geistiges Wohl arbeiten könne, weil ihm diese oder jene Mittel zur Verfügung stehen; und ihr Reichen dürft euch nicht gegen die ärmeren Brüder übernehmen, und ihnen vielleicht ihre Armut fühlen lassen; denn ihre Armut erhebt sie, wenn sie dieselbe recht benützen wollen, schon hier zu Engeln, weil sie ihre drückende Armut nötigt, ihr Herz und ihre Seele zu Mir zu erheben, während ihr irdisch Reichen solche wahre Bekenner Meiner Lehre, die sich dadurch würdig machen Meiner göttlichen Liebe, über eure Achsel anseht, und ihnen dabei ihre Armut auf dieser Erde fühlen lasst, anstatt sie wie Brüder alle als Kinder Eines Vaters anzusehen.
Ihr dürft euch da nicht übernehmen, wenn ihr auf dieser Erde besser gestellt seid; denn alles was ihr seht und habet, ist zu eurer Prüfung so und nicht anders gestellt. Es kommt nur auf euch an, wie ihr das anvertraute Gut verwaltet; ob arm oder reich als Menschen auf dieser Erde ist vor Mir alles gleich. Jeder hat mit seinem empfangenen Gute zur Genüge zu verwalten; aber das bekenne Ich euch, das die irdisch wohlhabenden Menschen sich zumeist übernehmen und von einem armen Menschen selten etwas Brüderliches wissen wollen, ihn stets eben als einen in einer unteren Klasse stehenden Menschen betrachten, während doch alle Menschen vor Mir gleich sind, und Ich über den einen wie über den andern Meine Sonne scheinen lasse; aber euer Hochmut braucht Nahrung, und die findet er, wenn er einen in Lumpen gehüllten Bruder ersieht, der ihn vielleicht gar um eine Unterstützung anzuflehen wagend, in eure Nähe kommt und mit seinem Atem den irdisch Reichen, nach ihrer eigenliebigen Meinung, die Luft verpestet.
Du schrecklicher Gestank von Hochmut, der sich in euch Menschen eingefleischt hat und so schwer auszurotten ist!
Kann denn ein armer, mit Not und Drangsalen, von Hunger, Durst und mangelhafter Kleidung gequälter Bruder nicht mehr euer steinernes Herz erweichen, durch das von Kummer und Sorgen verzehrte Gesicht, das so mitleidig, so flehend und bittend euch entgegengehalten wird, und die Augen als Spiegel der Seele, in denen die Schwere dieses Erdenlebens sich ausdrückt, kann dieses alles einem Menschen, dem Ich gegeben irdische Güter, eben um diesen seinen Brüder und Schwestern mehr liebfreundlich unter die Arme zu greifen und sie unterstützen zu können und so die Schwere des Daseins ihnen teilweise erleichternd abzunehmen! Kann dieses alles nicht erweichen euren Egoismus und die zu große Selbstsucht und Eigenliebe?
Könnet ihr euch dadurch nicht größere Schätze erringen, wenn dankerfüllten Herzens so ein armer Bruder von euch irdisch Reichen bedacht wird, als wenn ihr ihm gleich abstoßend begegnet? Würde nicht Meine Lehre dadurch mehr Nutzen euch selbst bringen, als wenn ihr euer Herz in der Freigebigkeit vor euren Nächsten verschließt?
In Ewigkeit bleibt es wahr, dass nur Liebe, Sanftmut und Demut euch zu wahren reichen Bürgern nicht nur hier, sondern für ewig machen, welchen Reichtum euch keine Macht mehr abjagen kann; wie es doch gar wohl der Fall sein kann bei dem zusammengescharrten Mammon.
Wüsstet ihr, was der eigentliche wahrhafte Zweck eures Erdendaseins in der gerechten Würdigung des Lebens ist, es würde gewiss nicht die Anziehung der Welt samt ihren nichtigen Schätzen euer Herz samt den Sinnen und Begierden so weit führen, dass ihr darum Mich, den Geber eures Seins, euren wahrhaften Vater vergessen konntet, dass ihr eure Mitmenschen verachtet, wenn sie nicht ganz eures Gleichen in der Stellung des materiellen Lebens, im Sinnen und Trachten ihrer Handlungen mit den eurigen – ob irrig oder richtig – übereinstimmen.
Darum rate Ich euch: „Liebet Mich – über alles, als euren Vater und eure Brüder wie euch selbst!“ seid mit ihren Schwächen nachsichtig, und verzeiht ihnen, wenn sie euch Unrecht getan haben, so werden sie gewiss auch mit euren Schwächen nachsichtig sein und euch auch eure Fehler nachsehen, die ihr begangen, weil ihr auf dieser Erde noch nicht vollkommen seid, weil dieses ihr durch euer Handeln erst anstreben sollt, und wenn ihr mit wahrhafter Liebe in Meinem Namen solches suchen werdet, so ist das Finden euch gewiss.
Somit erteile Ich euch Meinen Segen, und ermahne euch zur Umkehr von eurem Wege, der nicht dahin führt, wo das Ziel des ewigen Glückes ist, d.h. in der Kindschaft Gottes!
Amen.

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