Empfangen durch Kath. Michel-M. (Triest), am 30. Januar 1872
Was die Bitte für deinen Bruder anbelangt, so ist es sehr schön und gut, da ihr gegenseitig euch trösten sollt, das ist auch eure Pflicht; sage dem lieben Bruder, dass das Vertrauen zu dem Heiligsten mehr angenommen werden sollte; höre:
Ein Vater, der mehrere Kinder hat, kann selbe ja nicht auf einmal recht nach seinem Willen erziehen, und wäre es der größte Unsinn, selbes von einem Vater zu verlangen, um so mehr würde es von Mir ein Unsinn sein, das zu verlangen, was ihr als Erdenmenschen und in allen Zeiten des Erdenlebens nicht ausführen könnt, weil ihr in der Materie gebunden seid, und erst dann, wann die Seele frei von der Materie ist, das übrige noch Mangelnde ersetzen werdet; daher tue Jeder, was in Menschenkräften steht, alles Übrige wird und muss ja wie allezeit die Vaterliebe ersetzen.
Grüble nicht so sehr mit dem Weltverstande, sondern halte dich an der Liebe fest, das ist der Querbalken des Kreuzes, und vertraue allezeit mehr auf Mich, als auf dich selbst, und dann wirst du gewiss nicht so viel von den Gewissensskrupeln geplagt sein; das Wort „Vater“ sollte dich ja von allen tiefsinnigen Grübeleien befreien! Richte dich auf, schwinge den Geist aufwärts! Dort ist Erbarmung, Nachsicht und Liebe für alle Meine Kinder! –
Hinauf mit deinem Geist, damit er sich mit dem Meinigen vereint und mit sanfter Liebe umkettet, das ist und soll ja jedem Menschen Trost sein, der Ausblick zu Dem, Der alle Herzen kennt und auch Verzeihung, nicht nur 1 mal, nicht nur 7 mal, sondern 77 mal sagte Ich ja Meinen Aposteln zu verzeihen, so, Der doch alles Weise und Gute lehrte, wird auch nie einem, der sich alle Mühe gibt, doch nur kleine Schwächen des menschlichen Lebens für Strafe und Sünde anrechnen; daher lieber Sohn, verzweifle nicht! Lass ab das Grübeln, welches nur deine Schwäche ist, wirf auch selbes mit zum Weltlichen gezählt hinter den Rücken!
Liebe Mich aufrichtig wie Jahra, ergib dich in allem was dir noch begegnen wird in Meinen Willen, und denke, „der Vater kennt mich ja“, wisse, Liebe verbannt alles Übel, nur Hass straft.
Erkenne Mich von der rechten Seite, dass Ich pur Liebe bin, dann hast du getan, was ein Sterblicher tun kann; alles Übrige lege auf Meine Schultern, Der Ich doch alles gerne trage für Meine Kinder, die noch nicht die hohen Schulen betreten haben; dann wird dir das Herz erleichtert, und du wirst den liebenden Segenstau auf dein abgemattetes Herz einfließen fühlen, und kein so kummervolles ächzendes, betrübendes Antlitz zur Schau tragen; Meine Kinder sollen frohen Mutes sein, in dem Bewusstsein von ihrem lieben heiligsten Vater geleitet zu werden!
Das zum Troste Meinem lieben Sohn, den Ich wahrlich liebe, und in eure Mitte führte für viele zu einem Muster, und für viele zur Beschämung. Mit dem väterlichen Segen an alle.
Amen!
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