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Kap 23 – DER MITTLER; Göttliche Zufriedenheit und Vaterfreude

DER MITTLER; Göttliche Zufriedenheit und Vaterfreude

23. Kapitel

Kaum ist die Türe zugefallen, verändert sich das hehre Angesicht. Hiob durfte hoffen, nun würde sich der ‚VATER‘ offenbaren. War er nicht genug erprobt? Nicht für gut befunden worden? Heilig steht Gott da, und es sind Flammen, was sich spiegelt. Vor dieser Majestät friert Hiobs Seele. Was ging im Hohen vor? Oder — blieb im Beisein anderer ihm die Demütigung einer Abrechnung erspart?

Sein Leben rast an ihm vorbei und löst die Bitte aus: „O hoher Herr, ich sehe mein Versagen ein. Drei konnte ich mit Deiner Güte halten, den Vierten ließ ich gehen. Ich dachte nur an mich, wie ich schmerzlos vor Dir sitzen durfte, im Anblick Deiner Freundlichkeit. Was hinter Deinem Rücken vor sich ging, beachtete ich nicht.

Wolltest Du ihn halten? Oder hat er Deinen Rat mit Unverstand verhüllt? Lässt Du einen gehen und den andern bietest Du Versöhnung an, wo doch alle — nein, nicht so, hoher Herr! Ich will fragen und DU gib Antwort; ich bin ja schuldig vor dem Licht. Lass mich in Asche Buße tun.“ Sich niederwerfend, umklammert Hiob seinen Gast. Da streicht dieser sanft über das gebeugte Haupt:

„Erniedrige den nicht, den Ich erhöhe!“ „Wen, o hoher Herr?‘ Hiob sieht auf „Dich, Meinen Sohn! Weißt du nicht, wie Ich die Kinder Mir erhebe?“ „Ja, hoher Herr! Nun freut mich meine Demut; denn würde ich nicht knien, wie könnte ich die Seligkeit genießen, dass Du mich erhebst?“ „Wahrlich, Hiob, du bist ein großer Sohn; Ich brauche dich nicht mehr zu lehren, sondern nur mit dir zu reden. Du findest, was die neuen Zeiten bringen werden. Des Kampfes Schatten lag auf dir, nun Meines Sieges Flügelschatten. Sei getrost!“ Der ‚große‘ Sohn birgt sich ins Lichtgewand. Er hört die milde Stimme sagen:

„Du warst bestürzt, als du Mich verändert sahest; doch dein Geist ahnte im Erschauern volle Seligkeit. Es war die letzte Probe, nicht nur im Beisein anderer als gutes Beispiel Demut zu üben. Im Sanktuarium segnete Ich dich, bevor du wieder in das Weltall gingst. Nun kniest du abermals im ‚Angesichte deines hohen Herrn‘, der dir auch hier viel lieber ‚dein lieber Herr‘ sein will.“

Im freudigen Gefühl merkt Hiob nicht, wie die Krankheit von ihm fällt. „Es war Wonne, ‚lieber Herr‘ zu sagen, und es war Sorge, als ich die ‚Heiligkeit des Schöpfers‘ sah, vor dem die höchsten Kinder knien, um IHM zu huldigen. Auch das kann Dir nicht unwert sein.“

„Anbetung ist Huldigung, ist Demut, die Ich als schönste Frucht der Kindesliebe anerkenne. Deine Demut löst bei Satan Grauen aus. ‚Verspielt‘ sagt ihm sein totes Herz. Noch gelingt ihm eine kurze Zeit, es zu übertünchten, bis Ich als Menschensohn erscheinen werde. Dann fällt die dünne Decke ab, und unerbittlicher als bei Belsazar wird die Flammenschrift sein Urteil sein. (Dan. Kap. 5). Treu erfunden, bleibt nun dein Weg von Trübsal frei.“

„Herr, Du warst vor meiner Weltgeburt meines Daseins Anfang und wirst das Ende sein nach meinem Tod!“ „Und die Mitte, die den Anfang an das Ende knüpft?“ „Ja“, jauchzt der Geist, „Du bist auch meine Lebensmitte, ‚der MITTLER‘ (Gal. 3, 20). Denn heilig stehst Du da, inmitten aller Deiner Werke, Heilig, heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr, vom Anfang bis zum Ende jeder Ewigkeit!“

„Hiob, beschaue dich einmal!“, sagt Gott freundlich, nachdem ein unsichtbarer Chor das ‚Heilig-Jubilate‘ sang. Hiob tut es und — umklammert fest die Vaterhände. „Ich bin rein? Ich bin schon rein? Ach!“ Die letzte Bürde fällt; auch mit dem ‚kleinen‘ Aussatz durfte er nicht unter Menschen gehen. Wie neugeboren fühlt er sich, gar nicht wie ein großer Sohn. Kindlich ist sein Dank.

„Bist du zufrieden?“ „O Herr, kann Zufriedenheit die Dankbarkeit ersetzen?“ „Nicht ganz, weil die Welt den Geist behindert. Ahnst du, wie ICH zufrieden bin?“ Ein erstaunter Blick. „Zufriedenheit ist menschlich; Deine Werke ehren Dich. Und was sich wendet, steht dir fern. Du kannst es sinken lassen oder einst erhöhen, wenn Dein Opfer über alle Welten braust.“ Leise nickt der Herr.

„Dennoch lag in Gott die Zufriedenheit, die nirgends wäre, wenn nicht zuerst aus Meiner Güte ausgeboren. Merke: Auf welcher Basis sollte Ich mit Eliphas, Zophar, notfalls mit Bildad zufrieden sein, wenn nicht in Güte, die Fehlendes bedeckt? Mit denen, die Mir nahe stehen, bin Ich ob ihres guten Willens gern zufrieden; und was bei ihnen fehlt, gleicht die Last der Weltenwege aus. Ich sehe auf Mein Werk, das das Soll erfüllt und Mir das Haben bringt.“

„Ich verstehe es“, erwidert Hiob aufmerksam. „Doch alle, die Dich kennen sollten und laufen jedem Götzen nach, wo bleibt für sie die heilige Zufriedenheit?“ Gott lächelt: „Du warst zufrieden, als anfangs nur der Simon kam, trotz deiner vielen Knechte, die dir dienen müssen. Simon durfte darum auch den Scherbenträger holen; und sogar sein kleiner Stolz erfreute Mich.

Und als nur ein Hund, dein Grauer, kam, als du nicht mehr frieren brauchtest, obwohl dir Haus und Hospital gehört —?“ „O mein lieber Herr, ich war glücklich, es genügte mir. Aber . . . nein, so ist es bei Dir nicht. DU brauchst keinen Raum zum Ruhen, brauchst keinen Grauen, der Dich wärmt.“

„Nicht menschlich, Hiob, darin hast du völlig Recht. Siehe aber an: Alle Dinge sind auf dieser Erde klein — auch auf andern Welten — gegenüber Meinen großen Lichtern. Deshalb messe Ich das Leben der Materie nie mit Meiner Himmelselle aus und bin mit armen Kindern noch zufrieden, weil sie ob ihrer Lasten nicht zur Höhe schauen, wo der treue Helfer wohnt.“

„Lasten —? Viele leben herrlich in den Tag hinein.“ „Für die kurze Weltenzeit!“ Das klingt streng. „Weltenlust ist Seelenlast! Noch spürt‘s die Seele nicht, wenn sie im Tanz der Freude schreitet. Aber bricht der Taumelbecher, so ertrinken sie im Bitterwasser wie in Noahs Flut. Dann hülle Ich die Fehle durch Zufriedenheit in Meine herzliche Erbarmung ein und sende jede Hilfe zu, durch das Leben und durch Grauen, Schmerzen, Leiden — oder durch den Tod!“

„Wunderbar!“ Hiob lehnt sich an Gottes Schulter an. „Nur im Lichte wirst Du mehr Zufriedenheit erfahren als auf einer armen Welt.“ „Allerdings, auch wenn Ich einen Ausgleich bringe. Ein Kind wächst nur allmählich in ein Werk hinein. Ich bin hoch zufrieden mit jeder Tagesstunde, und was ein Geist aus seiner Himmelsseele in sie legt, frei und selbst getan.“ „Herr“, sagt Hiob fast verschämt, „kannst Du mit mir zufrieden sein — ein wenig?“

Sanft tröstend spricht der Herr: „Ja, Alaniel, und keinesfalls im allgemeinen Maß.“ „Aber Herr“, entgegnet Hiob ehrerbietig, „ich fragte nicht um einen Deiner Engelsfürsten.“ „Diese sind‘s, die im größeren Opfer dem Erlösungswerke dienen; auch enthüllte Ich dir deinen Namen“ (Kap. 11, 5). „Ach hohe Gnade, wenn ich . . . Aber lass mich schweigen; ich will das Heiligste vom Heiligtum im Herzen hüten, und es genügt, wenn dort die fünfte Fackel Deines Stuhles brennt.“

„Das war Demut! Dafür tritt an Stelle Meiner heiligen Zufriedenheit die volle Vaterfreude, die Mein UR-Sein füllt. — Nun wollen wir Ra-Tanas gutes Abendmahl als ein Vorsymbol genießen.“ Hiob hält — bittend — Gott zurück: „Lasse Dir erst danken für Deine göttliche Zufriedenheit und für Deine Vaterfreude. Ich freue mich, bald ins Lichtreich wieder einzugehen.“

„Warum? Meinst du, dort sei es leichter, weil die Materie nicht belastet?“ „Das auch; doch im Lichtreich lässt sich Dir mit voller Geistkraft dienen, da ist der ‚Dienst‘ noch höher angeschrieben als auf einer armen Welt. Immerhin — dort sehen wir das Hohe Heiligtum, Dich im Lichte Deiner Herrlichkeit! Und was wir tun, gelingt uns wohl, während es im Dunkel immer Stückwerk bleibt.“

„Des kümmere dich nicht! Ich und Meine Treuen tragen alle Stücke heim (Kap. 4, 15; 6, 14; 8, 4). Geduldig füge Ich sie aneinander und erkennt am Ende niemand mehr das eigene oder eines andern heimgebrachtes Stück. Wenn es im Reich zum Feierabend läutet, dann ist Meine Stadt vollkommen (Off. Joh. 21, 10-25), die Ich mir bereitet habe. Dann ist‘s ein hohes Ganzes: Der Schöpfer und Sein Werk, der Vater und die Kinder! Nun komm, man wartet schon.“

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