Tiefschürfende Lehre über Sein und Wirken
7. Kapitel
Stille herrscht im Raum, durchweht vom ATMA aus der Herrlichkeit des Höchsten. Es ist das Seligste bei jeder Offenbarung: stets wie neu, wie einmalig geschenkt, weil es beim Schöpfer keinen Stillstand gibt, kein Einerlei, was sich aus Ihm zu wiederholen hätte. Für die Kinder, sogar für die lieben Großen, wird eines um das andere auch wiederholt, immer aber in der Steigerung, die der Schöpfungstage Fortgang mit sich bringt.
Die Sternenkinder stehn um UR geschart, dennoch aus dem Überquell der andachtsvollen Anbetung wie ferngerückt, ihre Hände hebend: ‚All-Heiliger, segne diese Stunde, die Du weihevoll für uns bereitet hast, ebenso für alle, die über unseren Stern den Heimweg finden durften.‘ Ein echtes Lichtgebet! UR setzt Sich mitten unter diese Schar. Das Gestühl wird rasch zurechtgerückt; und erwartungsfrohe Blicke, lichtdurchglühte Herzen sind die Gaben, die sie ihrem Vater bringen. Er beginnt:
„Ich komme gern zu denen, die ihre Liebe Mir entgegensenden und bereit sind, allezeit zu dienen. Das habt auch ihr mit vielen anderen vom Himmelsvolk getan, habt manche Himmelsseligkeiten drangegeben, um stets mitzuhelfen, damit die Hingestürzten — auch die Letzten — zur Erlösung kämen.
Es ist ein Sonderschein in jedem Kinde, wenn es weiß: Allein der Vater ist der Helfer, wir tragen nur die Hilfe aus. Sehr recht, ihr Austräger Meiner Hilfe! Eben das beziehe Ich in jenen Gnadenanteil ein, der für die Armen nötig ist, sonst kämen sie zu keiner Umkehr, geschweige, daß sie Heimfindkinder würden. Zumal gilt es den einst mit Sadhana Gefallenen. Diese brauchen starke Stützen, um zu einer Umkehr zu gelangen.
Wer sich selber wendet, kann zu einer echten Umkehr kommen. Aber es ist wiederum nicht so, daß sie es fertig brächten. Da wäre ja der Dunkelteil noch reich gefüllt von denen, die stets mit Absicht gegen jeden Einfluß aus dem Lichte randalieren. Wo bliebe denn da Meine Gnade?, wo Meine Hilfe?, wo euere Dienstbarkeit?! Das wären Illusionen, würden Ich und die Getreuen, Meine Austräger, auf die Armen warten, etwa so gesagt: ‚Kommen sie, so ist es gut; bleiben sie, so kann es niemand ändern!‘
Das denkt mancher auf der kleinen Welt, die bei Mir die ‚letzte‘ heißt. Sie ist‘s nicht in Hinsicht der Gesamtmaterie, auch nicht bei deren Auflösung. Nein, auf der ERDE, deren Name aus dem Lichte kam und kann keiner sagen, wer ihn gab, habe Ich den Letzten auf gesucht, um mit ihm die ganze Seelenarmut zu befreien. Das ist das Schlüsselwort, das im ganzen Infinitum gilt. —
Näher rückt die Abendherrlichkeit und ihr denkt voll Sorge: Was wird aus all den Letzten? Auch Diadjar hat noch Fragen, die nicht ihn allein bewegen, zumal jene, ob und wann der Strom der Finsternis versiegt. Diese seine Fragen sind gerecht, Ich sehe sie sogar sehr freundlich an. Denn mit ihnen geht der Wunsch einher: ‚Vater, laß uns helfen, führe Deine Letzten heim!‘ Oh, sollten Mich die Bitten nicht erfreuen?
Bedenkt: Zu eurer Seligkeit, der Ich keine Grenzen setze, bleibt für alle Kinder immer etwas zugedeckt, was nur von Zeit zu Zeit zur Offenbarung kommt. Nicht Meinetwegen! Darin liegt der Fortgang und die Unaufhörlichkeit des Lebens, mit dem euere Seligkeit verbunden ist. Und im Zusammenhang von allen diesem bildet sich für euch ein jeder Schöpfungstag, sonst würdet ihr gefühllos leben. Was hättet ihr davon?, was vor allem ICH?!
Ich bin des Lebens Ursprung ohne Ende, welcher Ursprung keinen Anfang hat, sonst müßte Ich Mich Selbst begonnen haben, womit sogar für Mich ein Ende stünde. Ihr seht die Zeiten, die Ich aneinander reihte, in denen ihr stets neue Daseinsherrlichkeit erhalten habt. Damit ging die Offenbarung an das Volk einher. Ohne diese Meiner Selbst wären alle Meine Kindgeschöpfe kaum was anderes, bloß auf einer anderen Daseinsstufe, als die Tiere, die Ich euch zur Freude schuf, sowie zum Nutzen einer jeden Schöpfung, im Lichte und in der Materie.
Dann könntet ihr Mich auch nicht lieben, wüßtet wenig oder nichts vom Hohen, das Ich dem Quell der Mitternacht entnahm. Selbst eure Dienstbarkeit wäre nicht gegeben. Allein mit dem oberen Bewußtsein ausgeschmückt, macht die Kinder ja zu dem, wozu Ich sie erschaffen habe: zu dem Anbild Meiner Selbst! Das bedeutet aber keinesfalls, daß ihr Mir, dem Schöpfer, gleicht, mit Mir auf derselben Stufe steht und ‚Götter‘ wäret. Wenn dies, dann brauchte Ich euch nicht zu lehren, dann gäbe es für euch kein Vorwärtskommen, kein Zurück — auch keine Kindesseligkeit!!
Ihr aus Mir geboren, Ich der Ewige, Allmächtige, Unendliche! Ihr könnt vieles aus der Kraft des Geistes tun, habt jedoch den Geist von Mir empfangen. Als Beispiel seht die noch nicht inkarnierten Wesen an. Sie sind von ihrem Fünklein Geist getrennt, den Ich ihnen bis zu einer Eingeburt bewahre. Sie tun noch manches Böse, manchen Arg; aber alles das zerrinnt. Nichts können sie davon behalten. Sie merken es zwar nicht, obendrein zu ihrem Gunsten, denn so verlieren sie die letzte Kraft. Das ist ein Anteil Meiner Gnade, der ständig für die Armen wirkt.
Es ist Meine Freude und die eure, wenn im Vater-Kind-Verhältnis sich die Herzen öffnen. Mancher, der zum Glauben kam, zumal in der Materie, denkt: ‚O Herr, Du weißt die innersten Gedanken, Du kennst die Falten unsrer Seele, so verstehe ich dies nicht, warum ich Dir erst alles sagen soll.‘
Wenn sich in diese Ansicht echte Demut mengt, dann gilt sie auch, und die Tragkraft solcher Demut hilft ihm weiter. Ist dieses eine pure Rede, so steht dem Redner Meine Offenbarung fern und es fehlt ihm so das Seligkeitsgefühl, das allein im ‚Vater-Kind-Verhältnis‘ für die Kinder seinen Ursprung hat.
Ist‘s eine sonderliche Freude, wenn Ich euere Gedanken offenbare, dann soll sich aber das Gespräch zwischen uns ergeben, sonst hättet ihr sehr wenig Nutzen, wenn von Mir aus alles fließt. Sagt ihr eure Gedanken selbst, so ist das innigste Verhältnis hergestellt, das Ich eher schuf als Meine Kinder! Ihr denkt freudig: ‚Wir dürfen stets zum Vater kommen mit allem, was uns drückt, was uns bewegt und — selig macht!‘
Darum will Ich das, was in euch aufgestiegen ist, erklären, zumal das vom Vater-Kind-Verhältnis und was euch eigentlich geläufig ist, doch die Wiederholung auch zur Freude dient. Warum tue Ich es nun? Ihr werdet merken, daß der Boden damit vorbereitet wird — hier zuerst für euch — ‚ wenn wir gemeinsam euere Fragen auszugleichen haben. Erstens also das:
Wenn Ich den Reichsinsassen etwas künde, was schon zum Teil ihr Eigentum geworden ist, so geht es darum, wie dasselbe der Materie dienen soll. Ich nannte euch die ‚Austräger Meiner Hilfe‘, nicht allein in euerem Gebiet, wenn Verirrte zu euch kommen, hergeführt durch Meine Gnade, sondern darin auch, daß ihr die Botschaft zu den Menschen tragt, insbesondere zu denen auf der Erdenwelt.
Ob es ein Empfänger weiß, dieser oder jener ist, steht an zweiter Stelle; an erster steht, daß ihr durch die Lehre, die vordringlich den Materiellen gilt, fähig seid, sie so zu bringen, wie diese sie verstehen und verwerten können. Ihr seid ganz anders als die noch Materiellen in Meine Offenbarung eingedrungen, habt euch daraus ein Edelgut des Lichtes hergestellt.
Was ihr verkörpert, Mir als liebe Kindesgabe in die Hände legt das kann der Mensch im allgemeinen nicht verstehen; ja — er braucht es nicht, weil Ich nichts von einem Kind verlange, was über sein Vermögen geht — hier das geistige gemeint. Gut verstanden“, lächelt UR, „und ihr atmet auf wie Menschen tun, wenn des Alltags Last und Bürde nicht mehr drücken.“
UR wird unterbrochen und spontan umringt. Die Kinder jubeln: „O guter Vater, wie hast du uns erleichtert! Ja, wir atmen auf, denn wir wissen, wie es auch bei uns in der Materie war.“ Und Diadjar sagt, wobei der Ernst ihn förmlich überglänzt: „Wenn Du, o Vater, einen von uns wählen willst, der dies in das letzte Dunkel bringen darf, von DIR beauftragt und somit als Dein Wort, — wir dankten Dir es bis in Ewigkeit!
Allein wenn Du einen andern wählst, vom Priesterstern oder von den großen Sonnen, sieh, Vater UR, Du weißt ja alle Dinge, so weißt Du auch, wie ich es meinte: nicht minder sei dann unser Dank und Jubel. Denn nicht darauf kommt es an, wer — wie Du so freundlich sagst — der Austräger Deiner Hilfe ist, sondern einzig, daß sie ausgetragen wird.
Ja: ‚Ob es ein Empfänger weiß, dieser oder jener ist, steht an zweiter Stelle.‘ Nicht anders denn für uns! Ob wir, ein anderer der Austräger Deiner Offenbarung ist, steht auch an zweiter Stelle. Denn ewig stehst an erster Stelle DU allein mit allem, was Du tust, wie Du Deine Werke leitest und gebietest und ist‘s das Herrlichste der Seligkeiten, dies zu wissen:
DU allein, der Erste !“
„Fein erkannt“, lobt UR, „und hierbei ebenso gefragt, trotzdem es euer reiches Wissen ist: wie steht es mit dem Letzten? Denn dem Ersten muß ein Letztes folgen, was zwar kein Ende Meiner Ewigkeit bedingt.“ In diesem Augenblick tritt Corrysanda ein. Man macht ihr sofort Platz, damit sie vorn in erster Reihe stehen kann, dicht vor UR. Sie gibt gleich eine Antwort.
„O UR, Deine Frage, die ich an der Türe hörte, kann nur die eine Antwort haben: Du bist der ERSTE, also auch der LETZTE, in welch unermeßlich hehrem Kreis Dein Volk und Deine Werke eingeschlossen sind! In diesem Spannungsbogen sind wir eingehegt, im Leben der UR-Ewigkeit in Raum und Zeit! Nimm meine kleinen Worte an, lieber Vater, denn eigentlich . . .“
„. . . hättest du nichts sagen dürfen, weil du Meine Lehre nicht mit hörtest?“ „Ja!“ „Was meinst du dazu?“ fragt UR Diadjar. „O“, ruft dieser freudig aus, „ich erkenne Dein Bedenken und darf in Deinem Herzen lesen, was Deine Liebe sagen will. Corrysanda hatte jetzt das erste Recht, Deiner Frage nachzugehen als die ihr zubedachte Freude, weil sie willig auf Dein Wort verzichten wollte, um zwei arme Seelen fortzuführen, damit dieselben aus der Umkehr bald zur Heimkehr finden könnten.“
„Das war ein gutes Vater-Kind-Verhältnis! Ja, Kinder können auch in Meinem Herzen lesen, dann und wann, wie Meine Führung es ergibt. Das konntest du, Diadjar; und unsere Corrysanda kennt Mich sowieso als ‚ihren‘ Ersten und den Letzten. Das gilt euch beiden aber nicht allein, es gilt allen, die versammelt sind, wie ebenso das ganze Sternenvolk und viele noch dazugehören.“
„Vater“, sagt Heliato und drückt sich an URs Seite, „liebevoll bist Du zu uns und nennst, was wir noch wenig bieten können, Deine Freude. Was aber DU an Freuden Deinen Kindern schenkst, das mißt keine Deiner Ewigkeiten aus, weil Du samt Deinen Gaben ewig bist, unser VATER! Ich — ich habe . . . “
. . . keine Worte als die ‚Unser Vater!‘ „In der Freundlichkeit der Stimme schwingt ein wundersamer Ernst. „Wenn ihr immerdar das Eine wißt: ‚Unser Vater‘, so ist das der Grund von jener Liebe, die die Kinder Mir bezeugen können. Diese nahm Ich jetzt entgegen und ist Meine Freude, die nun mehr als tausendfältig auf euch niederfällt — auf alles Volk und überall! —
Nun bringt eure Fragen vor, damit ihr weiter dienen könnt; denn Ich sagte: erst mit dem Feierabendläuten hört das Dienen auf — für den Tag der Liebe! Noch manche werden hergeführt, wo für sie aus Gnade noch die Umkehr möglich ist. — Setzt euch aber wieder auf die Stühle“, sagt UR so herzlich, daß man lieber bei Ihm stehen bleiben möchte, an Seinem Herzen ruhend. Doch es gilt Sein Wort, und das wird allezeit befolgt.
Was ist es für ein heilig-wundersames Wehen, wie immer, wenn die Lichtkindgeister sich um Gott versammeln können. Es gilt auch beim Dienst oder wenn sie sich versenken. Er ist überall und stets allgegenwärtig, im Wort wie in der Ausstrahlung des Geistes, den Getreuen zugesandt. Und sie tragen es den Fernen zu, denen, die als möglichst gute Menschen auf den Welten leben, sogar denen, die ein böses Dasein führen.
Wenn jemand zu dem Vater spricht, dann stehn des Lichtes Kinder in der Ehrfurcht auf, in der die große Liebe dominiert. Desgleichen jetzt Diadjar als der erste Fragende. „Vater UR, Corrysanda sprach vom ‚Letzten‘, was wir durch die Güte Deiner Offenbarung wissen: Du, der Erste, Du, der Letzte und wir Kinder samt den Werken darin eingehüllt.
Du hast jedoch das Letzte sonderbar betont. Wir wissen, es ist Sadhana, die als Letzte ihre Heimkehr finden wird. Zwischen diesen beiden ‚Letzten‘ herrscht ein Unterschied, wie die Spanne zwischen einem ersten Schöpfungsmorgenrot und dem letzten Abendsonnenstrahl, den Du, hochgeliebter Vater UR, am Ende eines Tages Deinem Volk bescherst, damit es in der Schöpfungsnacht an Deinem Herzen sicher ruhen kann.
Immerhin — unmöglich läßt sich der Begriff zugleich auf Dich und Sadhana beziehen, die zwar Dein erstes schönstes Kind gewesen ist und wieder werden wird, am Tage der Barmherzigkeit, auf den wir uns sehr freuen. Erkläre bitte, wie es zu verstehen ist; kein Gedanke soll je Deiner Heiligkeit zuwider stehn.“ UR winkt und Diadjar setzt sich wieder. Eine Gegenfrage, herzlich ausgesprochen, läßt ihn jauchzen, jetzt nicht laut; der leise Dank ist nicht geringer, als wenn ihn alle hören konnten.
„Diadjar, was könnte Meine Heiligkeit verletzen, wenn die Söhne und die Töchter Mir gehorsam sind, womit die echte Liebe dargeboten wird?“ „Nichts, mein Vater! Ich bin überzeugt, daß niemand Deine Heiligkeit verletzen kann. Du, der Ewig-Heilige, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige, UR, bist unverletzlich!! Doch betrüben kann man Dich, und das meinte ich.“
„Genau! Ich wäre auch kein rechter Vater, könnten Mich die Argen nicht betrüben, sie müßten Mir sonst nebensächlich sein, daß Ich ihrer nicht gedächte. Dann könnten sie Mich nicht betrüben. Aber ihr, die ihr Mich liebt — — ?
Gehen Worte, Fragen und Gedanken ab und zu daneben, so bleibt Mir dennoch Meine Freude, wenn die lieben Großen und die Kleinen Mir in Liebe dienen wollen. Damit ist es nun geklärt, wie es um das ‚Verletzen Meiner Heiligkeit‘, aber auch mit der Betrübnis Meines Vaterherzens steht, und Ich erkläre dein Bedenken, das auch andere Kinder haben.
Der Letzte oder — das Letzte! Der Unterschied ist dargetan; doch ich füge einiges hinzu, damit das ebenfalls ein Austräger Meines Wortes und der Hilfe zu den Fernen bringen kann. Unter ‚Fernen‘, wie ihr seht, sind die treuen Wanderer mit gemeint, die noch ihren Weg im Mithilfsdienst durch die Materie gehen. Insonderheit für diese gilt die Offenbarung, denn die armen Fernen nehmen davon nichts oder selten etwas auf.
DER LETZTE ! Das bin Ich, weil Ich ja der ERSTE bin, ewig seiend, ohne Anfang, ohne Ende, also unaufhörlich in der Schöpfer-macht und -majestät Meines Seins! Darin liegt in ewig gleicher Herrlichkeit das Souveräne Meines Ich‘s in jeder Offenbarungsart, wie es diesen oder jenen zuzukommen hat.
Ob Ich als Schöpfer, Priester, Gott und Vater walte, in einer oder allen Eigenschaften, personhaft oder in Verhüllung komme, nahe, fern, mit kleinen Worten für die kleinen Seelen, mit einem großen Wort, wie jetzt, — alles ist, bleibt und kommt aus Meiner heiligen UR-Wesenheit und ist bei und in Mir Selbst kein Ding, das gewaltiger oder minder wäre! Was Ich verschieden offenbare, dient lediglich den Kindergruppen, wie sie zu Mir stehen, ihre Herzen öffnen, sich ‚ansprechen‘ lassen, damit nach und nach sich eine Steigerung für sie ergibt.
Ich nannte euch auch Mitträger des Lichts, wieviel im Hauptstrahl Meiner Hilfe ihr getreue Helfer seid (S. 46, 6 – 47, 1). Seither habt ihr viel getan, weil es auf das Letzte geht. Das ist ein Drittes und bezieht sich nicht auf Sadhana und keineswegs auf Mich. Es betrifft den Abschluß Meines Liebe-Schöpfungstages.
Die ‚geheime Zahl‘, von der Ich ebenfalls gesprochen hatte, wird Mein letztes Abendwort enthüllen. Davon gibt es kein Voraus, keine Offenbarung! Nicht einmal die Fürsten forschen nach der Zahl. Sie wissen: Des Tages letzte Seligkeit bleibt die letzte, sonst wäre sie ja keine Abendseligkeit, die Ich aus Meiner Vaterfreude allem Volke vorbereitet habe.
Nun wißt ihr es: Der Letzte — euer Vater UR; das Letzte — Sadhana als heimgekehrtes Kind; abermals das Letzte — der Abschluß unseres Liebe-Tages, worin das Letzte eurer Seligkeit enthalten ist. — Nun fraget noch, was euch bewegt.“ Oh, jetzt erschallt ein lauter Dank und Gott-Vater nimmt ihn freundlichst an. Zuerst erhebt sich Heliato und sagt:
„In Deiner guten Lehre, aus welcher wir das Mitträger des Lichts verstehen können, zeigtest Du etwas von dem ‚unabänderlichen Muß des Lebens‘ an. Ich konnte es zwar gut begreifen, nur in Hinsicht der Allmächtigkeit aus Deinem Leben, uns vermacht, fehlt mir noch ein Glied des Wissens.
Ein eigentliches Muß gibt‘s bei Dir nicht; alles kommt von Deiner hehren Führung, dem Lebensborn, der Schöpfer-Heiligkeit. Trotzdem ist es mir, als ob irgendwo — unerkenntlich — ein geheimes Muß in Deiner Waltung existiert. Man weiß es nicht und ist doch da; und in Rückerinnerung des materiellen Lebens sieht man von des Lichtes Warte aus das ‚Nicht-anders-können‘.
In der Materie bezieht sich das aufs äußerliche Sein. Da muß man vieles tun, weil vom Leben her bedingt. Man nimmt es aber mit in Kauf, etwa so: es ist nicht zu ändern. Nun — dort ist‘s vorübergehend und mit dem Tod der Welt vorbei. Anders hier im Licht. Wir leben in der Freiheit Deiner hochgerechten Hege. Es stand Diadjar frei, ins dunkle Tal zu gehen, Malluredus und Olyanda in das der Trauer. War ein geheimes Muß nicht doch vorhanden?, ein ‚Nicht-anders-können‘? Willst du, lieber Vater, uns das auch für unsern Hoffnungsstern erklären?“
„Das tue Ich, Mein Heliato, weil du sogar gezittert hast, ob es rechtlich sei, solche Fragen vorzubringen, die fast ausschließlich die Materie betreffen. Wir werden sehen, ob das von dir erwähnte Muß allein den Materiellen gilt. Es gibt ein urgeheimes Muß, was mit dem allgemeinen Ausdruck dieses Wortes und des Sinnes nicht verwechselt werden darf.
Da zitiere Ich Diadjars Ansicht von der ‚Spanne zwischen einem ersten Morgenrot und dem letzten Abendstrahl des Tages‘. Genauso weit entfernt, ja, unendlich weiter — und hier euch unverständlich liegt das kindgeschöpfliche Lebensmuß von Meinem urgeheimen Muß entfernt. Letzteres schließt nie ein ‚Nicht-anders-können‘ ein, während ersteres in mancher Hinsicht es umfaßt. Es sei etwas von der kleinen Welt hinzugesetzt.
Heliato hat ein ‚Muß des Lebens‘ gut skizziert. Das bezieht sich nicht nur auf den Körper; erstrangig liegt es auf dem Lebenssektor einer Seele, vorerst die gemeint, die sich gläubig nennen, sich mit ihrem Glauben brüsten und sich hoch erheben. Aber nicht nur solche meine Ich, wie der Inquisitor einer war, der sich heilig sah und so ‚im Namen Gottes‘ handelte.
Auch diese gelten mit, die wirklich glauben, doch das eine nicht bedenken: niemand darf sich göttlich wähnen. Eben denen allen ist aus Meinem urgeheimen Muß ein HALT zu setzen, das für sie im Leben wirkt. Sie springen gern, beachten aber nicht des Weges Ränder, zum Heil und Segen hergestellt.
Dieses Muß bringt denen eine Wende, die sich dünkelhaft erheben, ob bloß in Gedanken, ob in Worten, bleibt sich gleich. Oft setzt Mein Muß sie auf den Platz der Einsamkeit. Alsdann zanken sie mit Mir, sie hätten doch ‚soviel für Mich getan, und jetzt wäre alles für umsonst‘.
Wenn diese Gläubigen erkennen wollten — was möglich wäre, denn da räume ICH die Anstoßsteine weg — ‚ daß Mein Tun für sie die Hilfe ist, um sie von ihrem Irrtum, ihrem Hochmut zu befreien, sie würden bis ins Grab hinein Mir danken, weil Ich den Jenseitsweg auf diese Art für sie im vorhinein erleichtert habe.
Euch gilt davon der Lehranteil: Wo ein solches Muß sich zeigt und unabänderliche Wirkung hat, geht es meist um beides: Mein urgeheimes Walten, dem kein Kind sich widersetzen kann, oder, jenes kleine aus dem Fall entstandene ‚Nicht-anders-können‘, womit des Lebens Ablauf Ich zu regeln weiß.
Mein hehres Muß liegt souverän in Meiner Schöpfermacht, aus der Ich Meine Kinder schuf und mit der sie an Mich angebunden sind. Wie Ich ein für Kinder unverständliches Muß MIR gab, aus welchem sich Mein Schöpferwille durch die Macht zu Werken sich ergoß, also auch das Lebensmuß, durch das das Leben sich erhält. Ich bin Leben und Ich erhalte es!
Davon genug! Es kommen herrlichere Schöpfungstage, in denen ihr das Grundprinzip von Meiner Wesenheit und von euerem Lebensdasein aus des ‚Geistes Höhenflug‘ erkennen werdet. Doch Ich sehe“, UR lächelt wunderbar, „ihr habt eben, durch die Lehre angeregt, einen kleinen Höhenflug schon angetreten; und der genügt bis zum letzten Abendsonnenstrahl des Tages Meiner Liebe.“
Wiederum das hehre Schweigen, das des Lichtes Sprache ist: von Herz zu Herz, hier vom Kind zum Vater. Und ihr Dank für alle Güte loht wie ein Schein, der den Stern der Hoffnung um ein Mehreres erhellt. Das ist geheim das Zugegebene, was UR angedeihen läßt. Wie wahr: Bei Ihm gibt es nur Steigerungen! Unter diesem Eindruck steht Olyanda auf.
„Vater UR, Du sprachst von kleinen und von großen Worten (S. 81, 2), und hattest doch betont, es gäbe bei und in Dir keine Dinge, die gewaltiger oder minder wären. Ich verstehe es. Soll ich es aber anderen erklären, armen Seelen, dann fehlt mir noch ein Hinweis zu der Lehre. Ich will nichts anderes verkünden, als was aus Deiner großen Wahrheit kommt.“ Olyanda schmiegt sich an den Vater an, ehe sie sich wieder setzt.
Sein Antlitz überglänzt das Lächeln. Er erwidert: „Wäre das ein schweres Ding, liebe Tochter? Es ist ja gut in dir lebendig, bloß die Wiedergabe ist nicht immer leicht. Wenn Ich von großen und von kleinen Worten Meinerseits geredet habe, Olyanda von der ‚großen Wahrheit‘ — es müßte demnach auch noch eine kleine geben — dann braucht ihr einen Strahl. Einen großen oder einen kleinen?“, klingt es freundlich fragend.
„Vater“, Olyanda ist verlegen, „es war schlecht von mir bedacht, im Zusammenhang mit Dir die große Wahrheit zu erwähnen. Du hast nur eine Wahrheit, bist unser einer Vater UR! Und so gewiß sind Deine Worte, Deine Offenbarungsarten einerlei: groß und viel! Verzeihe, weil ich falsch geredet habe.“
„Komme her!“ fordert Ur die Tochter auf. Sie eilt beflügelt hin, wie einst, da sie den Weltenstaub von ihres Geistes Füßen schütteln konnte (Erdentod). Glück löscht ihr Bedenken aus. Wieder weht ein ATMA durch den Raum bis hin zum Sternenvolk. Ist es auch nicht voll versammelt, so kann in der Versenkung jeder alles miterleben und die gleiche Seligkeit genießen.
„Gut“, sagt UR, „daß du dein Bedenken selber löschtest, was eine Freude Meines Herzens ist. Sieh Mir in die Augen, und du weißt, ob du falsch geredet hast.“ Beglückt folgt Olyanda dem Gebot. Ja alle schauen in des Vaters Augen. Diadjar denkt: ‚Haben wir schon einmal solche Gnadenzeit erlebt?‘ Doch schon revidiert er sich: ‚Immer; denn da gibt es keinen Unterschied, und ich merke nun, wie Seine Lehre werden wird.‘
„Wenn du es weißt“, winkt UR Diadjar zu, „alsdann künde Meine Lehre.“ Nein das ist kein Schreck, der Diadjar überfällt, bloß ein inneres Besinnen, wie UR es meint. Doch die Sternenkinder sind so herrlich reif, da fällt‘s nicht schwer, im Dialog mit UR das Richtige zu treffen.
„Vater, verbessere mich, was mir nicht geläufig ist. Du hast uns Deinen Strahl gegeben, angezündet an der Liebe Deiner Offenbarung. Weil es für uns Steigerungen gibt, aus der Fülle Deiner heiligen UR-Wesenheit, darum dürfen wir zum seligsten Gefühl von einer in die andere Erkenntnisstufe kommen, und Du führst uns dabei an der rechten Hand.
Kleine oder große Worte! Wie recht hast Du gefragt, ob es bei der ‚Wahrheit‘ ebenfalls ein Großes und ein Kleines gäbe. Bei DIR nicht, heilig-wunderbarer UR! Wenn Du für kleine Kinder, wie wir an des Lebens Anfang solche waren, Deine Offenbarung minderst, so ist gerade das ein Großes Deiner Herrlichkeit. Denn
DU paßt Dich Deinen Kindern an !,
weil wir es nicht können, nicht aus uns. Schließen wir uns an Dich an, folgen Deiner Lehre geben uns Dir hin, so gut es geht, dann allzeit unter Deinem Strahl, der uns stets entgegenkommt.
Hätten wir am Lebensanfang Deine Offenbarung denn verstanden, mit der Du eben uns beglückst? Nein! Aber damals, als wir Dich sehen, Deine lieben Worte hören, Deine Hände fühlen konnten, mit denen Du uns segnetest, da war unser Sein nicht weniger gefüllt als jetzt. Randvoll waren wir! Und wir sind es stets, wenn Du auch bei andern Kindern Einkehr hältst.
Die kleinen und die großen Worte wären gut umschifft, dank Deiner Eingebung.“ Die andern lachen herzlich ob des Satzes und UR läßt mit Sein himmlisch wundersames Lachen hören, das keine Welt, das die Materie nie kennt. Diadjar fährt sich einmal durch das Haar, sagt aber ernsthaft weiter:
„Nun kommt die Wahrheit an die Reihe und da —“, er zögert. „Du hast es schon gesagt, Vater UR, daß wir nicht so sehr nach rückwärts blicken sollen, in unsere Wanderzeit durch die Materie. Dürfen wir jedoch die Austräger Deiner Hilfe sein, so bleibt‘s nicht aus, uns mit der Welt, mit der Materie zu befassen. Da gibt es leider manche kleine Wahrheit, die man — insbesondere auf Erden — schön umschreibt. ‚Ausreden‘ nennt man sie.
Vom weltlichen Gebaren aus gesehen gab es manche Dinge, die sich schwer umgehen ließen, vor allem, wenn man dem Nächsten nicht zu nahe treten wollte. So sagte man, weil man mit deren Wesensart zu rechnen hätte.“ Diadjar wird fast traurig und URs Antlitz spiegelt diesen Ernst. „Als aber Du, o Herr, als Heiland, als Erlöser auf der Erde weiltest, wie hat man Dich verfolgt, verhöhnt, verlästert und — sogar verstoßen!
Ich denke an die Städte, die wider Dich, Deine gute Heilandslehre standen, und da — ja, wer kann das ganz verstehen? —‚ nicht einmal als HEILAND gingst Du wieder hin. Wohl tat das Deine Liebe, weil man Dich nicht wieder aus den Mauern stoßen sollte. Du bewahrtest sie vor einer gleichen Sünde, und zweimal getan. Diese Liebe wurde aber obendrein verhöhnt.
Das Bild vom Lichtgesetz: Zehn Städte lehnten Deine Wahrheit ab! Ein anderes Beispiel mahnt: Zehn Aussätzige hattest Du geheilt; und nur einer kam zurück, um Dir zu danken. So aus den zehn Städten nur ein Weib, das Dir treulich folgte und für die Städter einen Teil der Schuld dadurch verminderte.
Deine Taten sind nur kein Vergleich zu dem, was ein Mensch — im guten Sinne — zu umschreiben sucht. Es wäre eine sogenannte kleine Wahrheit, wenn die Umwelt eine echte nicht verstehen will. Ich habe es bereut, weil auch ich auf Erden manches zu umschreiben suchte; und ich sah doch stets auf Deinen Heilandsweg, dem ich lebensmäßig nahe stehen durfte.“
„Vorbei, Mein Sohn!“ Diadjar nickt befreit. „O ja, es gibt in der Materie Dinge und Gegebenheiten, wo der Mensch — hier meine Ich die inkarnierten Lichter, die einen guten Strahl mit auf den Weitweg nehmen —‚ nicht anders handeln kann — wie er meint. Und die Umwelt ist‘s, die ihn sozusagen dazu zwingt. Wird da etwas mit dem besten Sinn getan, aus ehrlichem Gemüt, so betrachte Ich das Innere und nicht den äußerlichen Schein.
Doch auf jeden Fall ist‘s besser, wenn man jederzeit die Wahrheit sagt. Nicht selten wirkt sie mehr als die Umschreibung, von nackten Lügen ganz zu schweigen, selbst wenn der Nächste, dem die Wahrheit gilt, sich bäumt, zankt und Feindschaft sät. Nicht immer gleich, manchmal erst für später, hilft die Wahrheit als Mein Segen, den Ich durch den Wahrheitsredner fließen lasse als zum Heil der Seele, die angesprochen werden muß.
Auch in der Materie sollte Wahrheit wohnen, weil jede Abweichung ein Übel ist, das immer ausgeglichen werden muß. Dabei gilt als Beispiel jene Frau, die die Schuld der Leute mindern konnte, weil sie, die Heidin, MIR, dem Nazaräer folgte. Deshalb jetzt gesagt, damit ein Weiteres der Offenbarung in den materiellen Raum zu tragen ist — von euch. Unser Malluredus hat einiges dabei bedacht. Also bringe das Bedachte vor“, UR winkt ihm freundlich zu, „was du uns zu sagen hast.“
„Vater, DIR doch nicht? Im Gespräch mit Dir welch höchste Wonne — darf man sagen, was das Herz bewegt. Du hörst geduldig zu, was Du eher weißt, als es uns in die Gedanken kam. Ich sehe es von meiner Zeit, schon dazumal erschreckend, daß Menschen jählings weggerissen wurden, und wie oft durch Katastrophen. Da sind viele, die es nicht verdienten, obwohl eben nicht besonders gläubig. Es kommt ja darauf auch mit an, ob jemand freundlich ist, besonders gegen solche, die ihnen Unrecht tun.
Da sagte man: Was haben sie verbrochen, was die Kinder, die in Kriegen und in Katastrophen, die die Materie, zumal die kleine Welt durchziehen, gar schrecklich sterben? Das schiebt man gleich dem ‚höchsten Richter‘ zu, der die Menschen strafen, mindestens durch Schrecknis warnen will! Und ‚man‘ ist froh — zugegeben —‚ daß GOTT der Strafende, der Richter sei.
Wenn man diesem Übel steuern könnte, das ärgste, DIR gnadenlose Strafen anzudichten, die Fragen nicht bedenkend: ‚Weshalb die armen Kinder?‘ Sind diese ohne Schuld, wie könntest DU sie strafen? Dabei predigt man den ‚Gott der Güte‘! Würdest Du in Deiner grenzenlose Liebe, in der herzlichen Erbarmung — auf der kleinen Welt — nicht Deine guten Vaterhände breiten, — oh, was die Menschen selber und einander sich an Schaden tun, die Gnaden-Erde wäre in der letzten Zeitepoche längst vergangen!
Wie lehrt man nun die Menschen, daß unschuldsvolle Opfer, die die Kinder wirklich sind, gerade da die Rettung haben, wenn die Niedertracht der Kriegemacher und zumeist Verursacher großer Katastrophen ihr junges Leben auf den Stein des Molochs legen? Weltlich ist ein Kindlein noch nicht reif, wie die Tochter der zehn Städte Dir zu dienen und so manche Schuld der Ihrigen zu löschen weiß. Das ist es, was ich oft bedachte; da möchten wir sehr gern die Austräger Deiner Hilfe, Deiner Wahrheit werden.“
„Das könnt ihr bis zum letzten Augenblick des Tages. Doch sobald Ich die Materie begrabe, wird der Dienst beendet sein. Die Heimfindkinder ja, die brauchen Meine Führung bis zuletzt, oft über euch zu eurer großen Seligkeit.“ Wieder ist‘s das wundersame Freundliche der Stimme, die die Kinder über alle Maßen glücklich macht. „Mein lieber Bota denkt: ‚Große Seligkeit‘ — ? Bei Dir, Vater UR, gibt‘s niemals eine kleine!‘
Ganz recht! Bloß liegt der Inbegriff hier in der Steigerung, die Ich dem ganzen Volk vermachte. Ob angenommen oder nicht, mindert nicht die ‚Tragkraft‘ dieser Steigerung, die den Schöpfungstagen innewohnt. Bota kann nun fragen, was er sich besonders überlegte.“ Dieser läßt sich auch erst segnen, vor dem Vater knieend, ehe er das Wort ergreift.
„Zu dem, was Du erklärtest, lieber Vater, sagtest Du, wir hätten es verstanden (S. 78, 1). Ja, lichtgemäß gilt das. Immerhin — mag es hauptsächlich die Materie betreffen, so bleibt mir doch ein Fädchen hängen, das wir für uns zu knüpfen hätten — in der Steigerung, die Du ganz herrlich Deinen Kindern zubereitet hast. Und das ‚Fädchen‘ lautet:
‚Was ihr verkörpert, Mir als liebe Kindesgabe in die Hände legt, das kann der Mensch im allgemeinen nicht verstehen; ja — er braucht es nicht, weil Ich nichts von einem Kind verlange, was über sein Vermögen geht — hier das geistige gemeint.‘ Zwei Dinge hebe ich hervor: ‚im allgemeinen‘ und ‚das geistige gemeint‘.
Also schließt‘s nicht aus, ob nicht auch ein Mensch verstehen könnte, was Du in Deiner Fülle offenbarst. ‚Über sein Vermögen‘ ist auch das, was Du ihres Weges wegen in Geduld und Gnade deckst. Auch meine ich, wenn wir noch vieles transzendent in die Materie tragen dürfen, dann müßte ja vom Geiste her der Mensch die Möglichkeit besitzen, Deine Offenbarungsworte aufzunehmen und im Gebet zu Dir sie auch verstehen.
Du läßt den Weltlingen gar manches durch die Finger laufen, aber alles — ?‚ wie zumal bei denen, die sehr wohl das Höhere erkennen könnten — wenn sie wollten. Das Weltleben aber lockt und giert, und da geht des Geistes Pfad verloren. Rechnest Du hingegen alles ab, weshalb am Ende nicht das sogenannte ‚Unvermögen‘, wo doch zu meist der gute Wille fehlt, sich Deinem Licht und Deiner Himmelsführung hinzugeben?!“
„Schön, wir sehen diese Worte durch des Lichtes Lupe an.“ „Unter heiliger Vergrößerung?“ Bota ist erstaunt, weil allgemein der gute Vater gern verkleinert, obwohl ah, ein Kapitel: das Größere, das Kleinere! UR lächelt wieder. Alle rücken ihre Stühle näher hin zu Ihm, als ob sie mit dem äußeren Ganz-nahe-sein auch innerlich noch näher kommen könnten.
„Das ist nicht mehr nötig“, deckt Er die Gedanken auf, die ihrem Wunsch entsprangen. „Aber es ist gut, wer Mir nahe rückt, was als äußerliches Zeichen das ‚Format des Inneren‘ besitzt. Das ist bei euch wieder einmal groß. Hier gilt das Wort, weil es sich auf euch bezieht. Damit macht ihr Mir viel Freude. Doch nun zu dem, was Bota vorzubringen hatte.
Wort und Sinn war verstanden worden. Allein beim ‚Fädchen‘ werdet ihr es merken, daß trotz vollem Nahesein noch mancherlei zu lernen ist, hier für die Materie zugeschnitten. Wer aus einer Lehre, die dem andern gilt, nichts lernt in der Meinung, er brauche dies nicht mehr, der hat vom eigenen Errungenen sehr viel verloren und steht oft am Anfang des Erkenntnisweges. Erst später geht ihm dann das sogenannte Lichtlein auf, daß sein Hochmut ihn im besten Fortgang steckenbleiben ließ.
Das läßt sich sogar auf das Licht beziehen, auf die Heimfindlinge, die noch manche Fessel bindet. Was, mein Bota, meinst du nun, war um denn dein Bedenken mit des Lichtes Lupe angesehen wird? Ich nannte es gleich gut und wäre die Vergrößerung nicht nötig. Oder —“ UR wartet, und Diadjar sagt:
„Kann Deine Lupe nicht zugleich verkleinern? Für Bota‘s Ansicht brauchst Du weder die Vergrößerung noch die Verkleinerung. Doch was das Unvermögen aller Weltlichen betrifft — da nimmst Du eine und die andere von Deinen Lupen in die Hand, jenachdem, was Deine Güte und Erbarmung sehen will!“
UR wendet sich den andern zu, und fast gleicht es einem feinen Schmunzeln, so lieb klingt Seine Stimme: „Diadjar hat sich Meine eine Lupe ausgeborgt und genau hindurchgesehen.“ Nur zu gern wird das bestätigt; man verehrt und liebt den Ersten, wie es ihm auch zuzukommen hat. „Und du, Diadjar, merkst, daß Ich zwar wie ihr zwei Augen habe, doch nur eine Sicht, mit der Ich groß und klein, fern und nah, gut und anderes beschaue, wie es jeder braucht und — aus der Erbarmung günstig ist.
Doch auch das RECHT gehört dazu, jenes aus dem Heilsbegriff der Abrechnung, gleichfalls im belohnenden Sinn für die Getreuen. — Wir wenden uns nun wieder unserm Bota zu, dem das Recht gebührt, sein Bedenken näher zu betrachten.“ Dieser möchte niederknien, UR winkt aber ab und lehrt:
„Vom Fädchen wißt ihr schon genug, doch sein erstes Ding gilt dem ‚im allgemeinen‘. Das Besondere ist hier bereits mit angehängt — von MIR aus, liebe Kinder. Das bezieht sich auf das Geistige, was das zweite war. Bei euch dämmert es, weil ihr als die Lichtkindgeister aus dem Geiste leichtlich zur Erkenntnis kommt.
Ich beachte es, woher jemand stammt: von der lichten oder dunklen Seite, letztere von vorübergehendem Bestand. Für diese gilt, was ‚über ihr Vermögen‘ geht und Ich nicht von ihnen fordere, was sie nicht besitzen. Bei der Weltgeburt erhalten sie zwar ihren kleinen Geistanteil; doch sie finden selten den Kontakt zu ihm, bei vielen erst nach ihrem Leibestod. Darum sehe Ich es an ‚vom Geiste her‘, von Meiner Gotteswarte aus!
Ihr Tun kann groß und klein erscheinen; die Herkunft bietet die Entscheidung. Bloß kann keiner damit rechnen, aus dem Fall hervor gegangen, daß Ich nur die Herkunft in die Waage lege. Nie bleibt eine Seele ohne Anrührung, weil Barmherzigkeit, Meines Vaterwesens krönender Besitz, den Fall in ihren Segen eingeschlossen hat. Anders wären alle Hingefallenen verloren! Nicht MIR im Prinzip — versteht es wohl; Selbst bei einer Auflösung bliebe ja Mein ‚Grundvermögen‘ der Bestand jedweder Schaffung!
Sie gingen sozusagen ‚sich‘ verloren, würden dann im nächsten Schöpfungstag nicht werden, was sie am Tag der Liebe sind. Hiervon kann sich auch ein Strahl zur letzten kleinen Welt ergießen. Da nun Meine erste Tochter zur Erkenntnis kam, hängt ihr ganzer Fall an ihrem Umkehrweg, und so finden sie zuletzt den zweiten Weg. Aber Folgendes ist noch hervorzuheben:
Um ihre Grundschuld zu erleichtern, sehe Ich die Letzten durch die kleine Lupe an. Trotzdem muß ein jeder seine selbst erzeugte Bürde tragen. Nämlich sagen: ‚Ach ich konnte nicht‘, entstammt der Trägheit, die zu überwinden ist, Dazu leihe Ich die Kraft. Wer sich ihrer nicht bedient, hat selber Schuld. Das sind Wucherungen, die Ich als bester ARZT beseitige. Es tut wohl weh, doch damit ist die Seelenkrankheit auszuheilen.
Daher wird ein jeder Letzter auch zu einer Weltgeburt geführt, nur können sie daß Muß nicht spüren. Ist sie abgeschlossen, dann wird sie in der Rückschau zugedeckt. Eine Last-Erleichterung!, die Ich im hohen Vorstrahl der Barmherzigkeit in euere Abendseligkeit mit einbeziehe. Es wäre für die Sadhana auf ewig untragbar, würde Ich zuletzt nicht alles löschen, was des Liebe-Tages arge Last und Mühe war, hervorgerufen durch den Fall.
Bis es soweit ist, gilt jenes Muß: es muß jeder seine Last bis vor des Lichtes Türe tragen. Das bleibt nicht aus, weil allein auf diesem Gnadenwege sich die ‚Löse‘ nachverdienen läßt, ein wenig“, lächelt UR, „denn vom Grundverdienen wisset ihr, wie es damit für die Kinder steht.
Wer sich Mühe gab, ob auf einer Welt, vor- oder hinterher, hat sich den Verdienst erworben. Kara-Amadael will Mir zwar entgegnen: ‚Durch Deine pure Gnade, Vater UR!‘ In diesem Falle ist es Meine Güte, die für Getreue denkt und sorgt, Vorsorge trifft, damit sie selber zum verdienen kommen.
Im Mithilfsweg ist‘s nicht so leicht gewesen, der Finsternis zu widerstehen. Der aufgenommene Seelenteil vom Abfallgut machte viel zu schaffen. Da half euch Meine Güte, den Armen aber hilft die Gnade. Kara-Amadael hat noch etwas überlegt; das sei dann der Schluß der jetzigen Belehrung. Noch gibt es viel zu tun — von Mir, von euch.“ Der Versammlungsleiter holt sich auch erst ‚seinen Segen‘, ehe er beginnt.
„Vater, Du hobst jetzt bei der Güte und der Gnade einen Unterschied hervor, hast jedoch gelehrt, daß die vier Grundprinzipien in Dir stets einheitlich regierten: Güte, Gnade, Langmut, Sanftheit, und daß keines mehr noch minder gelten würde. Wir kennen Dich zu unsrer Seligkeit: Du, der EINE, alles ist auf dieses EINE aufgebaut. Wie könnte nun die Güte, Deinem Wort zufolge, besser oder größer sein als Deine Gnade?“
„Gut gefragt, nur nicht überlegt, was gar nichts schadet“, wischt Gott die kleine Wolke weg, die über Kara-Amadaels Herzen zieht. „In Mir ist alles einheitlich, das EINE, aus dem EINEN kommend. Demnach sind die Güte und die Gnade unterschiedslos in der Wesensart. Aber in der Anwendung, zum Segen Meiner Kinder, können sie verschieden wirken. Das ist der Unterschied zur weiteren Erkenntnis: sein und wirken — Eigenschaft und Tätigkeit!
Was Meine Innerkräfte sind, ob Wesenheiten, Eigenschaften oder all das unermeßlich viele andere, das bleibt sich gleich. Aber was sie wirken oder auch: wie Ich mit ihnen wirke, das steht auf der Stufe Meiner Kinder, Meiner Werke! Beziehe Ich es für euch auf die Güte, so darum, weil ihr die Vier-Wesenheit erkennen konntet — für euch der Schöpferteil hervorgehoben, während jene, die noch nicht zur Lichtverbindung kamen, unbewußt sowie bewußt sich vor Mir als Schöpfer fürchten. Deshalb begegne Ich aus Meiner GNADE ihnen sozusagen ‚fern‘.
Bei ihnen wirkt zuerst der Vater; dann tritt das Gottsein auf den Plan — ebenfalls noch fern. Das bezieht sich auf die Löse, die sie nachverdienen müssen, von Mir aus jedoch zugebilligt wurde mit dem Wort ‚Es ist vollbracht‘!
Weil sie das von sich aus nicht besitzen, daher steht für sie die Gnade da, der Priester, der vergibt, mahnt, segnet oder straft. Das ist unleugbar! Sie tun es wohl dem Worte nach; doch der Kern der Seele, ohne welchen sie nie Früchte würden, merkt es immer durch die Anrührung der priesterlichen Hand.
Also sind die Güte und die Gnade nur verschieden in der Wirkung, wie die andern Wesensarten, Langmut und die Sanftmut auch. Da ist es umgekehrt: die Langmut für die Fernen, die Sanftmut euch. Hier habt ihr aus dem wohlbekannten Spannungsbogen noch ein zweites schönes Bild. Von ihm sind alle Kinder eingehegt; doch den Treuen gilt der Widerschein des Spannungsbogens als ein Lohn. Wie, Olyanda, wäre dieses zu verstehen?“ Beseligt über diesen Ruf kniet sie nieder, dicht vor UR und sagt:
„Oh, es ist kaum zu fassen, welchen Anteil Du uns schenkst! Dein Spannungsbogen auf den Grundgesetzen: einmal die stehende und die waltende Machtpolarität als die Bogen-Enden, die Du allein bewahrst und hältst; dann die Gesetze der Bestimmung und der Freiheit, auf die Du samt dem Kindervolke Deine Werke stelltest, und wir mitten darin ebenfalls bewahrt.
Kommt uns die Güte und die Sanftmut, den Fernen — ob umgewendet oder nicht — die Gnade und die Langmut zu, so hast Du ja zur hohen Freude zwischen uns die Armen hingestellt. Vielleicht“, ein kleines Zögern, „hast Du das getan, weil wir Mitopferträger waren und noch die Austräger Deiner Hilfe sind. Aber ohne Deine Kraft und Güte — ? Vater UR, wie könnten wir das tun!
Unter Deinem Bogen, mit Deiner Hilfe ausgestattet, konnten wir bei Dir verbleiben oder wandern. Wir im Zeichen Deiner Güte und der Sanftmut, die Armen in der Gnade und der Langmut. Das ist jenes Hoheitszeichen, daß es bloß Deine Kinder gibt!
Wenn der Feierabend kommt, wollen wir zu Deiner Rechten und der Linken stehen, vor Deinem Heiligen Herd, und die heimgefunden haben zwischen uns, daß auch sie zu Deinem Anblick kommen. Denn wo immer Du gekommen bist, hier oder dort, auf diese oder jene Art — wir waren stets mit Dir vereint! Dank, Jubeldank nimm hin und laß uns dienen bis zum letzten Tages-Glockenschlag.“
UR sagt segnend: „Das war ein Gnadenanteil ganz aus euch.“ Wiederum Sein wundersames Lächeln, das unendlich selig macht. „Ich gab nichts hinzu; denn längst ist‘s an der Zeit, daß ihr des Dienstes wegen wissen könnt: was kommt aus euch selber, was durch Meinen Segensstrom, wenn ein Kind Mein Grundvermögen braucht. —
Nehmt die neue Gruppe willig auf. Bei ein paar unerwähnten Fragen sei es eure Freude, findet ihr die Lösung selbst. Ich bedecke euch mit Meinem Segen, Ich begleite euch mit Meinem Frieden, und Meine Güte beleuchtet immer euern Weg!“
Ein stummer Dank. So voll sind ihre Herzen, daß die Worte nur als Lohe zu erkennen sind. UR hört ja die geheime Sprache, und Er nimmt die Dankeslohe mit, in Sein
Sankt Sanktuarium.
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