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12. Kapitel a – Sprache, Kunst, Musik – Die Sprache

[Lg.01_012,00] Was ist die Sprache?

[Lg.01_012,05] Die Sprache ist – wie Ich es euch schon in einem früheren Wort angedeutet habe – eine Mitteilung des Innern eines Wesens durch die Außenwelt an ein anderes.

[Lg.01_012,06] Diese Sprache nun ist verschieden, sie kann sein durch artikulierte Töne, durch Gebärden und Zeichen und durch unartikulierte Töne.

[Lg.01_012,07] Artikulierte Töne begreifen alle Sprachen in sich, wodurch jeder menschliche Geist seinem Mitmenschen dasjenige kundgibt, was er ihm begreiflich machen will.

[Lg.01_012,08] Diese Sprache ist, gemäß der geistigen Bildungsstufe der Menschen, auf allen Welten und Sonnenkörpern verschieden; je edler die Seele, desto edler die Sprache, je vernachlässigter erstere, um so ärmer letztere.

[Lg.01_012,09] Nachdem aber die Sprache vermittels der Laute der menschlichen Seele nicht genügt, so will sie durch analoge (entsprechende) Gebärden den Inhalt ihrer Redeweise verstärken, wodurch dann eine Gebärdensprache entsteht, die selbst am Ende bei vielen Menschen auch ohne Worte verstanden wird, wonach man bei euch die sogenannte Mimik als Gebärdensprache in euren Schauvorstellungen künstlich ausgebildet hat, wo ein Eingeweihter durch Gebärden alles ausdrücken kann, was ihm durch Laute zu sagen während der Vorstellung verboten ist.

[Lg.01_012,10] Endlich kommt nun auch die Zeichensprache; dahin gehört zum Beispiel diejenige, welcher bei euch die Taubstummen sich bedienen; auch den Blinden wird durch Zeichen, die fühlbar sind, das geistige Reich soweit aufgeschlossen, als es mittels des Tastgefühls möglich, wobei das Gehör ergänzend den inneren Menschen vervollständigen kann.

[Lg.01_012,11] Die andere Zeichensprache, nämlich die – durch Zeichen Worte, und durch diese Gefühle auszudrücken und festzuhalten, gehört in die Formsprache, und wird erst unter dem Wort „Kunst“ ihre nähere Erörterung finden, wo nachgewiesen werden wird – warum alle Menschen Zeichen zur Mitteilung haben müssen, und wie diese entstanden sind.

[Lg.01_012,12] Jetzt kommen noch die unartikulierten Laute, welche aber keinen Begriff, sondern Gemütszustände, als Freuden oder Schmerzen ausdrücken, und welche nicht allein dem Menschen als vernünftigem Wesen, sondern mehr oder minder allen Geschöpfen gegeben sind, um ihr Wohl- oder Mißbehagen ausdrücken zu können; auch diese mangelhafte Ausdrucksweise gehört ins Reich der Töne, wo es dann klarer und verständlicher euch gegeben werden wird.

[Lg.01_012,13] Nun, die Sprache, warum ist sie allgemein? Warum ist sie ein Bedürfnis eines lebenden Wesens? Das sind nun die Fragen, die Ich euch vorerst beantworten will.

[Lg.01_012,14] Nun sehet, eine Seele, sei es Menschen- oder Tierseele, ist ein lebendes Wesen, das in sich stets die Eindrücke der Außenwelt aufnimmt, diese geistig verdaut, für ihr eigenes Ich verarbeitet und dann das Resultat davon, wegen der ihr angeborenen Liebe zu seinesgleichen, denselben mitteilen will, was es fühlt, was es erlebt, und wie es dasselbe sich zum Nutzen gemacht hat.

[Lg.01_012,15] Sowenig Ich, als Schöpfer Meiner großen Wunderwerke, solche nur Selbst bewundern kann, sondern teilnehmende Herzen suche, welche Meine Freuden mit Mir teilen, und wie Ich dann in der Freude anderer Wesen an Meinen Werken erst Selbst wieder diese Freude genieße; ebensowenig kann ein lebendes Wesen die Eindrücke der Außenwelt, die fortwährend auf dasselbe einwirken allein in sich behalten, es muß andern seine dabei erwachten Gefühle und Gedanken mitteilen, es muß gleichgesinnte Wesen zum Mitgefühl, zum Mitgenuß anregen, und um diesen Drang zu befriedigen, erfand die Seele ihre artikulierte oder nicht artikulierte Sprache, um ihren Mitgefährten auf der irdischen Lebensbahn das mitzuteilen, was ihr allein zu haben zu viel war, indem erst die Mitteilung desselben an andere sie den eigentlichen Genuß des Empfangenen doppelt fühlen läßt.

[Lg.01_012,16] Dieses Bedürfnis für die Mitteilung findet ihr in schwachen unartikulierten Tönen bei den Tieren, in artikulierten beim Menschen, und in plastischen geistigen Formen und nicht mehr laut gesprochenen, aber gefühlten Worten und Ausdrücken bei den Geistern und höchsten Engeln, wo alles, was im Materiellen durch Laut oder Ton mitgeteilt, dort nur durch geistige Entsprechung gefühlt und verstanden wird, und zwar in einer Sprache, wovon ihr keinen Begriff haben könnt, weil nur die Gedankenschnelle als der einzige Maßstab zur ähnlichen Begriffs-Vorstellung angelegt werden könnte.

[Lg.01_012,17] „Sprache ist also im allgemeinen „verkörpertes Geistiges“.

[Lg.01_012,18] Die Innenwelt gibt sich da durch die Außenwelt kund, alle Fortschritte im Geistigen bestimmen sich dadurch, ohne dieses wäre die Schöpfung nur ein halbes, ja weniger als ein halbes Machwerk.

[Lg.01_012,19] Alle Tiere haben eine Sprache, das heißt eine gewisse Art sich mitteilen zu können, sei es durch Töne, sei es durch Gebärden, es muß das eine dem andern begreiflich machen können, was es will, sonst ist die Schöpfung ohne Trieb.

[Lg.01_012,20] Liebe und ihr Gegensatz, der Haß, sprechen sich in den Wesen angemessenen Gebärden aus, oder in Tönen.

[Lg.01_012,21] Das geistige Leben wäre nicht möglich ohne Sprache, ohne Mitteilung; denn nur mittels derselben ist Leben, ist gemeinsames Leben, gemeinsamer Fortschritt!

[Lg.01_012,22] Ich, Der die Welt mit so vielen Millionen von Geistern und Wesen erschuf, frage euch – was wäre die Welt ohne Sprache? Was wären alle Meine Wunder-Einrichtungen, wo blieben die eigentlichen geistigen Faktoren der ganzen Schöpfung, die Liebe, die Freude, die Wonne der Seligkeit, wenn deren Ausdruck den Wesen versagt wäre?

[Lg.01_012,23] Alle Wesen müßten vergehen unter dem Eindruck der Außenwelt, wenn sie sich nicht dessen entledigen könnten, was ihnen das Herz voll Freude anschwellt, oder von Schmerz zusammenpreßt!

[Lg.01_012,24] Wo ein Einsaugen möglich, muß auch eine Entledigung sein, sonst ist kein Leben, kein Austausch des Geistigen, kein geistiger Fortschritt möglich! Mitteilung ist Lebensbedürfnis, ist das einzige Band, was alle zu einem verbindet, ist das Band, was Tiere an Menschen, Menschen an Geister, und Geister, Menschen und Tiere an Mich bindet.

[Lg.01_012,25] Dieses gemeinschaftliche Band – so unvollkommen und beschränkt beim letzten Infusions-Tierchen bis zur begeisterten Sprache eines größten Engels – ist der Liebe Produkt, ohne Liebe keine Sprache, und ohne Sprache keine Liebe! –

[Lg.01_012,26] So seht ihr dieses Bedürfnis als notwendigen Bestandteil der ganzen Schöpfung, ja als seinen Grundpfeiler; denn ohne Sprache bliebe jedes Wesen, wie es geschaffen wurde, ohne Sprache wäre kein Fortschritt, ohne Fortschritt kein Leben, kein Zweck, warum etwas erschaffen werden sollte.

[Lg.01_012,27] Dieses geistige Band, das uns alle umschlingt, uns alle zu einer Familie verbindend uns vereint, uns alle belebt und einander nähert, das euch zu Mir führte und Mich zu euch; dieses Band ist das große Lebensprinzip, welches überall wo Licht, Leben, Liebe herrschen, alle zu einem gemeinschaftlichen Zwecke verbindet, euch, Meine Geschöpfe, erhebt, und Mich zum zweiten Male Meiner Schöpfung Wert und Schönheit fühlen läßt, das erste Mal als Schöpfer, und das zweite Mal in weit schönerem Lichte, in dem Liebelichte eines Vaters gegenüber Seinen Kindern!

[Lg.01_012,28] Diese Sprache, die bei dem Ausdruck schöner freudiger Empfindungen das Tier in schönerem Lichte zeigt, und beim Menschen sein Auge schöner leuchten macht, seine Stimme erhebt und seinen ganzen Organismus mit Wonne durchzittern macht, diese Sprache ist der Ausdruck, wo der innere Teil eines Wesens kundgibt, inwiefern er die Eindrücke von außen erfaßt, und wie geistig und richtig er dieselben verstanden hat.

[Lg.01_012,29] Deswegen ist, außer der Belehrung durch die Sprache, auch noch die Frucht der geistigen Verdauung der gesamten Eindrücke der Außenwelt, die gerechte und schöngeformte Rede, oder die in schönen Formen gebildete Wiedergabe, die begeistert von der Seele gesprochen wieder Begeisterung hervorrufen muß; und so ist es zu verstehen, wenn es im Evangelium Johannis heißt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott!“ Ja, im Anfang war das Wort, und das Wort war Ich!

[Lg.01_012,30] Ohne Mein Wort keine Schöpfung, ohne Schöpfung kein Wesen, keine Liebe, ohne Liebe kein Leben, und ohne Leben keine Mitteilung!

[Lg.01_012,31] Ich war vom Anbeginn „das Wort“, das heißt der Ausdruck und Typus eines ewigen Begriffes, und eben weil Ich das Wort war, so mußte auch bei allen geistigen Produkten als erstes Bedürfnis das Wort oder die Mitteilung durch das Wort Mir alle Meine geschaffenen Wesen wieder zurückführen, die Ich durch das Wort in die Ewigkeit hinausgestellt habe, auf daß sie kämpfend und streitend Mir wiedergeben sollten, durch Worte, Gebärden und Töne, was Ich im ersten Wort in sie hineingelegt habe.

[Lg.01_012,32] Im Anfang war das Wort, „Wort“ als Inbegriff einer Idee, und am Ende aller Schöpfungs-Perioden wird wieder alles Lebende sich in einem Worte vereinigt haben, und dieses Wort werde wieder Ich sein!

[Lg.01_012,33] Das Wort, das aus Liebe Wesen und Welten schuf, wird wieder als Liebe seinen Kulminationspunkt in seinen Geschöpfen erreichen, und am Ende im geistigen Himmels-Menschen, in Mir als Zentrum, wieder durch alle geschaffenen Wesen verherrlicht werden.

[Lg.01_012,34] So ist der Begriff der Unendlichkeit gleich einem Kreise.

[Lg.01_012,35] Von Mir ging das Wort aus: „Es werde!“ scholl es hinaus in alle unendlichen Räume, und es ward! –

[Lg.01_012,36] Alles wurde, alles lebte, alles liebte und teilte sich mit und ging seinen Fortschrittsplan durch Äonen von Zeitläufen durch, und kehrt einst zu Mir vergeistigt, verschönert und verklärt zurück, mit dem Ausruf:

[Lg.01_012,37] „Vater! Du riefst einst ,Es werde!‘ Nun siehe, Deine Kinder haben diesem Rufe entsprochen und stehen nun vor Dir, jubelnd und segnend ihren großen und mächtigen Schöpfer und Vater; denn hier stehen wir als lebendiger Beweis – es ward! – Und so vom Worte ausgegangen zum Worte zurückgekehrt ist der Zyklus der Schöpfungsperiode vollendet, und ein neuer und ewiger beginnt – in Dir und mit Dir!“ Amen!

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