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Kap 8 – Nicht leichte Lasten mit verwirrten Sektenführern

Nicht leichte Lasten mit verwirrten Sektenführern

8. Kapitel

„Du bist ein Priester? So siehst du nicht gerade aus.“ Der das sagt, ist der Anführer einer neuen Gruppe. Man ist in einem Hain versammelt, der als Auffangplatz für diese dient. Den Seelen kommt die Stelle freundlich vor, für die Sternbewohner ist es eine von den ärmlichsten, allerdings vorübergehend, solange dort die Neuen zu belehren sind. Die Sternenkinder lächeln. Dem Frager wird es rasch vergeben, Diadjar so herabzusetzen. Auch dieser sieht den Frager heiter an.

„Was schadet es, wenn du mich nicht kennst? Bloß für dich kein gutes Zeichen!“ „O“, wird Diadjar unterbrochen, „ich glaube, und ich wußte auch, daß es ein Jenseits gibt und ich gleich zu Gott gelangen würde. Zwar noch nicht geschehen, aber das ist gut, wenn es im Jenseits langsam vorwärts geht, weil man so von einer zu der andern Stufe weiteres erlernen kann.“

„Könnten wir von dir was lernen?“ lockt Malluredus den Vermessenen heraus — zu dessen Gunsten. Der ahnt es nicht und brüstet sich: „Das ohne jeden Zweifel! Ihr seid ja Sternenleute, wißt nichts vom großen Weg der Schöpfung, wie es auf Erden möglich ist. Ja, nur wir Menschen sind allein die wahren Gotteskinder, weil der Heiland auf der Erde war.

Euere Weisheit ist nicht hochgestiegen. Was nützt sie euch, wenn ihr nicht die Liebe kennt, ich meine ganz allein. Allein mit Liebe führt der Weg zu Gott! Das war und ist auf Erden möglich, sonst nirgendwo, und wenn — wie ich ja im Jenseits sehen konnte — es noch so viele Wohnungen gibt. Nirgends gibt es Kinder Gottes, bloß auf unserer auserkorenen Welt!“

Olyanda lacht ein wenig. „Da bist du auch kein Gotteskind, weil du nicht mehr auf der Erde wohnst, sondern auf dem Stern, auf dem nach deiner Ansicht niemand Gott begegnen könnte. Also ist es für dich gleichfalls ausgeschlossen, zu Ihm zu gelangen, Ihn zu sehen und Sein Kind zu sein.“

„Das ist was anderes“, ereifert sich der Mann, der mit mehreren aus seiner Weltgemeinde hier zusammentraf — durch Gottes Gnade. „Wir bleiben nicht: wir Menschen bringen euch die Möglichkeit, daß ihr Kinder Gottes werdet, wenn auch nur im zweiten Rang. Doch auch das ist gut“, sucht er zu vermindern, denn die Sternenkinder zeigen ihren hehren Ernst.

„Gott ist gut, muß aber oftmals strafen, weil . . .“ „Wen?“ fragt Heliato. „Die Hochmütigen oder die sich Seiner gnadenvollen Führung beugen?“ „Das sind nicht wir“, widerspricht der Gruppenmann. „Durch den Erdenweg haben wir die Gotteskindschaft uns errungen. Er kann uns also nicht bestrafen.“

„Was war es, als du krank darniederlagst?“ „Eine Prüfung; und ich habe Gott gepriesen . . .“ „. . . wenn die Gemeinde bei dir war!“ Diadjar wird ein wenig schärfer, wie sollte sonst der Hochmut auszurotten sein? „Nachts hast zu gezetert: ‚Warum sendest Du, unbegreiflich strenger Gott, mir solches Leiden? Die Meinen sind verwirrt, weil ich als ihr wahrer Hirte elend wurde.‘ Soll ich dir noch mehr aus deinen Nächten künden?“

Eine Frau, auf der Welt die Eifrigste, faucht Diadjar förmlich an: „Das ist nicht wahr! Unser Priester . . .“ „Er war keiner, er war bloß ein Redner!“ fällt Kara-Amadael ein. „. . . Priester“, sagt jene unbeirrt. „Nie sprach er das, was ihr ihm angedichtet habt. Er war sehr fromm, hat uns die Augen aufgetan, damit wir wußten: wir sind Gottes wahre Kinder! Andere Gläubige kommen auf die zweite oder dritte Stufe; alle andern sind verdammt.“

„Bei euch, nicht bei der Barmherzigkeit, das merket euch! Wenn wir gehen“, Diadjar macht mit Absicht ein paar Schritte von der Gruppe weg, „ist an euch Überheblichen der HERR vorbeigegangen, weil ihr selbst euch auf die erste Stufe stellt, die andern übergeht oder ewig für verloren wähnt.

O, ihr seid jetzt verloren! Nach der Weltzeit seid ihr mehr als fünfzig Jahre tot, habt jedoch geglaubt, ihr würdet wie Elia in den Himmel fahren und Gott wäre froh, wenn Er euch sieht, da hätte Er doch Kinder. Vermessenheit! Wundert es euch nicht, daß nichts von eurer Ansicht eingetroffen ist, daß ihr vergeblich nach der Straße suchtet, die ins Reich des Lichtes führt? Was sagst du jetzt, du Gemeinde-ver-führer?!“

„Kommt“, winkt der Entlarvte seinen Leuten zu, „diese lassen sich in nichts belehren. Ich sehe jetzt“, gibt er an, „daß uns der Weg geebnet wird. Bisher war es für uns eine Prüfung, wie die letzte Krankheit, die ich tragen durfte.“ Er will weitergehen, und die Ältesten machen willig Platz. Allein, es gelingt den Seelen nicht, sich zu entfernen.

Corrysanda fragt: „Warum geht ihr nicht? Von uns aus ist die Gasse frei. Ihr wißt nicht, wo ihr euch befindet, nennt uns ‚nur‘ die Sternenleute, die den Menschen unterstünden. Unser Lichtort, bloß das kleine Haingehege sehend, heißt ‚Stern der Hoffnung‘. Was sagt der Name euch?“

„Daß es euch noch möglich ist“, giftet sich der Redner, „Gott zu finden, was nur geschieht, wenn ihr unserer Gemeinde beigetreten seid.“ „Verrenne dich bloß nicht in deine eigene Idee“, widerspricht Corrysanda. Was sie auf dem Wege mit dem Inquisitor lernte, kommt ihr jetzt zugute. Die Ältesten treten wieder nahebei und hören zu, als ob es ihnen auch was Neues wäre. Der verirrte Redner nimmt es wahr und höhnt:

„Hach, von Weibern lassen sich die Männer hier belehren?“ Da er hauptsächlich Frauen um sich hat, hält Corrysanda ihm entgegen: „Du verhöhnst ja deine Frauen! Sie haben dich stets angehimmelt; was du sagtest, vieles Irreführende, war für sie das Amen.“ Die Frauen sehen sauer drein, doch der Redner macht es sofort wieder gut, indem er sie beruhigt:

„Ihr seid nicht gemeint; es ist ein großer Unterschied, ob ich von euch oder hier — “, er macht eine wegwerfende Bewegung. Da sagt Corrysanda streng: „Du verführst die Seelen immer noch, bindest sie an dich, betonst jedoch, du allein könntest sie zu Gott, dem Vater bringen. Dabei ist‘s unmöglich, unsere Stätte zu verlassen, weil ihr gerettet werden sollt.

Nein“, hebt sie ihre schönen lichtdurchstrahlten Hände, was alle Seelen sehen, „widerspreche nicht, es wäre umgekehrt der Fall. So engstirnig bist du keinesfalls, um nicht zu merken, daß hier Gottes herzliche Erbarmung waltet, sonst wäre euch der Stern der Hoffnung nicht geöffnet worden. Ihr stündet noch vor jenem Tor, durch das zu gehen ihr vergeblich euch bemühtet.

In Wut entbranntest du, innerlich; doch mit süßer Miene sagtest du: ‚Der gute Gott hat uns vor einem bösen Platz bewahrt. Deshalb blieb das Tor geschlossen.‘ In Selbsttäuschungen bliebt ihr lange hocken und habt — wie auf der Welt — euch an euerer Rederei ergötzt — an der deinen“, tippt sie den Redner an. „Denn bei dir durften keine Frauen sprechen, höchstens mal ein Mann. Blies dieser nicht die gleiche Melodie, wie du sie vorgeblasen hattest, dann durfte er nicht wiederkommen.

Ferner: nirgendwo soll es Kinder Gottes geben als allein auf jener kleinen Welt, auch nicht in den vielen Wohnungen. Nun sage mir, wie man das zusammenreimt: nirgends Kinder Gottes, doch die wunderbaren Stätten, die ihr gar nicht kennt, wären Gottes Reich. Wenn das, so müssen die Bewohner dieser unermeßlich großen Räume Kinder dieses Vaters sein, sonst dürfte es nicht heißen:

Das Vaterhaus !“

„Ja — nun “, windet sich der Angeprangerte, „so meinte ich es nicht. Da wir noch nicht alles kennen, kann ich von den Räumen auch nichts sagen. Da ist es möglich, daß anderwärts auch Kinder Gottes wohnen, vielleicht nur kleine oder solche, die erst echte werden müssen, während ihr . . .“

Den Redner wurmt, daß ein ‚Weib‘ ihm widerspricht. Daher fällt Diadjar ein: „Du sagtest: ‚Nirgendwo, und wenn es noch so viele Wohnungen im Jenseits gäbe‘, dennoch der Ansicht bleibst, hier das Vaterhaus zu finden. Das Schwere, auf das ich ein Hauptgewicht zu legen habe — von GOTT aus!, ER hat mich dazu beauftragt, mich und unser Sternenvolk, ist Folgendes:

Du sprachst gern vom guten Hirten, hast sogar die netten Bildchen gegen Geld verkauft, aber insgeheim hervorgehoben, daß der Heiland bloß noch für das Innere der gute Hirte wäre, während Priester, wie du dich fälschlich nanntest, eigentlich die Hirten wären, jene für die Hörer. Ich nenne sie die ‚Hörigen‘! Du hast es durchgedrückt, daß man dir willig folgte, ob deinen Worten oder Forderungen, blieb sich völlig gleich.

Nun bist du nicht mehr auf der Welt, sondern da, wo nach deiner Ansicht wieder Gottes Sohn als Heiland und als Hirte gelten würde, nanntest dich den Deinen gegenüber trotzdem stets: ‚Ich bin euer Hirte!‘ Wo ist denn nun dein Hirtentum?, wie sieht es aus? Erkläre es, wenn du es kannst; deine Leute lauschen sehr begierig.“ Diadjar zeigt auf diese hin. Die Verlegenheit sucht der Redner zu verbergen, indem er murmelt:

„Ich bin der Hirte meiner treuen Schafe, aber selbstverständlich ist der Heiland unser aller Oberhirte. Wir sind aus Seinem ersten Stall, ihr aus Seinem zweiten. Euch ruft Er erst als — Letzte. Und jetzt ist es für euch ein Ruf, durch mich, daß ihr des Heilands Stimme hören könnt.“ Die Anhängerschar nickt frohbewegt: ja, so ist es und nicht anders.‘

„Hast dich schlau herausgewunden“, zankt Diadjar. „Echt Welt, der du absolut nicht abhold warst. Nur ahnen durfte man es nicht. Gibt dir nicht zu denken, daß wir alles wissen?“ „Pha, wer will, kann im Jenseits vieles sehen; und gern geb‘ ich zu — wir haben einiges hinzugelernt, von GOTT erhalten.“

„So?“ fragt Bota, „und du siehst nicht, wer wir sind? Du müßtest merken, wer kürzlich mit uns sprach und welche Güte uns geworden war. Sieh auf, etwa kannst du es erkennen!“ „Ich weiß nicht, ob ihr auf der Erde waret; wenn ja und ihr seid schon länger hier, dann wäre möglich, daß ihr in manchem weiterschauen könnt als wir, die wir erst . . .“ vor fünfzig Jahren . . .“ „Das ist egal“, winkt der Redner würdig ab.

„Es kommt nicht aufs ‚Sehen‘ an, sondern einzig auf den Glauben. Den haben wir, nicht ihr!“ „Du bist hartgesottener als einer, der mit vielen bei uns war, die errettet werden sollten“, sagt Diadjar wieder. „Sie kamen über unsern Stern und wurden so wie ihr hierher gebracht. Keineswegs, daß ihr die Gasse finden konntet. Ihr habt ja euere weltliche Verbrämung, eueren Hochmut, euere Überheblichkeit noch gar nicht abgelegt.

Jener war im Jenseits nach der Weltzeit hunderte von Jahren, doch er nahm die Lehren an, während du — und du stehst für deine Schar vor Gott — nicht daran denkst. Falle mir nicht wieder falsch ins Wort“, zürnt des Sternes Erster, „vor Gott müßtest du dich immer beugen! Er ist unser Vater“, spricht Diadjar innig aus und bleibt nicht ohne Eindruck bei den Seelen. „Wann also willst du dich denn wenden?“ „Das habe ich nicht nötig; ich glaube und ich weiß, daß mich der Heiland liebt.“

„Wenn der Heiland aber jetzt nach deinem Hirtenamte fragt? Er hat gelehrt: ‚ICH bin der gute Hirte!‘ Vom zweiten Stall, dir so sehr verächtlich, heißt es: ‚Und sie hören Meine Stimme und folgen Mir nach!‘ Kannst du mehr vollbringen, als willig Ihm zu folgen? Beide Ställe sind vor Ihm in der von dir gepriesenen ‚Liebe‘ eins — Seine Herde, Seine Kinder!“

„Du verdrehst es ja“, schreit der Sektenmann, weil er nicht mehr weiß, was er erwidern soll. Er bangt um nichts als einzig um den Nimbus bei den Hörigen. „Ich sagte, daß die andern Schafe erst nach einem zweiten Ruf und deshalb auch erst nach und nach noch Kinder werden können, wenn . . .“

„Du“, wirft Bota ein, „hast den Heiland nur den ‚Sohn‘ genannt, was für Seinen Weg zur Erde gelten mag, zumal die Menschen es nicht anerkennen wollten, daß Jener, Der da sprach: ‚Ich und der Vater sind eins‘, der Schöpfer Selber war, ist und bleibt, somit unser aller Gott und Vater!

Du hast gelehrt, Sohn und Vater wären eines Sinnes, dennoch jedes Wort unmißverständlich sei. Dir kam es darauf an, deine Hörer einzuspinnen, sie sollten lauschen, ohne selbst zu denken! Stroh und Steine gabst du ihnen, statt das wahre Lebensbrot des Herrn! Jetzt lege das zitierte Wort des Heilands aus, und wir werden sehen, was du kannst.“

Zwar ins Eck getrieben, stellt der Redner sich in Positur. „Meine Schäflein kennen es genau.“ „Halt“, unterbricht Diadjar, „ein grober Fehler! Wenn sie deine Lehre nicht mehr brauchen, dann kann jeder ohne dich zum Vater gehen. Immerhin“, meint er gelassen, „belehre uns, wir achten scharf auf deine Worte.“ Der Doppelsinn ist nicht zu überhören. Einige fangen an zu stutzen.

Ein Seufzer: „Euch zu belehren ist sehr schwer, weil ihr in euch versponnen seid, nicht wir. Doch Verirrte soll man zur Erkenntnis leiten.“ Es sind heiter-ernste Mienen, in die der Redner rundum blickt. Das dient zu aller Bestem, umsonst ist diese Schar nicht hergeführt. Noch rafft er sich zusammen: ‚Bloß keine Schwachheit merken lassen, die mich jählings überfiel‘, denkt er und sagt, was gnädig klingen soll:

„Eines Sinnes sind der Vater und der Sohn, wie wir, die echten Kinder, mit Ihm eines Sinnes sind.“ „Sei nicht ungehalten“, fordert Malluredus auf, „wenn ich unterbreche. Du nennst dich immerzu die ‚echten‘ Kinder, hast jedoch den Vater und den Sohn vorausgesetzt. Wessen Kinder seid ihr nun? Ist‘s der Vater, was ist hernach für euch der Sohn? Denke daran: ‚Es lasse sich niemand HERR nennen; ICH allein — die primäre UR-Person — bin euer Herr!‘ Ferner: ‚Niemand kann zwei Herren dienen!‘

Ist Gott, der Vater, euer Herr, was richtig wäre, warum hat der Sohn mit vollem Recht Sich als alleinigen Herrn bezeichnet? Zum ersten Wort hat Er sogar erwähnt: ‚Ihr alle — Er also nicht — seid Brüder!‘ Ist Er aber auch ein Sohn, so durfte Er nie lehren, daß Er der Herr, alle andern Brüder sind. Willst du behaupten, der Heiland brachte eine falsche Lehre?!“

Es geht um Wichtiges. Viele Menschen nehmen ihre falsche Ansicht in das Jenseits mit; und der Abend naht — herrlich offenbart. Da drängt die Zeit, daß die ‚Letzten aus dem Letzten‘ bald zur Um- und Heimkehr fänden. Einige Seelen rücken von dem Redner ab. Er merkt es nicht und eifert weiter:

„Barster Unsinn! Das GOTT der Vater ist, weiß jedes Kind. Jesus ist Sein erster Sohn, weshalb man Ihn als ‚Erstling‘ ehrt.“ „Du nanntest nur die Liebe; aber aus der Weisheit kommt die Ehre, die du verdammst.“ Das sagt Corrysanda. Brüsk wendet sich der Redner ab. Sie berührte ihn, und wie ein Feuer hat es ihn durchzuckt. Er übergeht jedoch den Einwand samt Gefühl und sagt:

„Gott ist der Herr; und der Heiland hat getan, was dem Schöpfer Selbst nicht möglich war: uns zu versühnen. Darum sandte Er den Sohn. So nennen wir den Heiland gleichfalls Unsern Herrn, sozusagen nun den zweiten, ‚da . . .“ „Euch ist‘s unmöglich, durch euere eigene Verwirrung durchzusteigen!“ Diadjar faßt den Redner etwas unsanft an, um ihn aufzurütteln.

„Jetzt rede ich“, wehrt er einen Einwand eisern ab. „Ich bin ein Priester! Willst du die Geschichte hören?“ „Ja“, ruft eine Frau, die sich an Corrysandas Seite schlängelte. Der Redner ist erbost. „Seit wann habt ihr zu wünschen, was ich für falsch befinde?“ Einer von den Männern drängt sich vor.

„Mir ist aufgefallen, daß wir, dein Gefolge“, er betont es schwer, „noch nicht viel Licht gesehen haben. Du hast oft gelehrt: ‚Durch mich, dem Mittler, der Vermittler, werdet ihr sogleich ins Licht gelangen, wenn ihr die Welt verlassen könnt. Am günstigsten ist es für jene, die nach mir sterben, weil ich auf sie warte, die andern aber auch versammeln will.‘

Stimmt es, ob du auf uns warten, beziehungsweise uns versammeln konntest? Mir ist zumute, daß ‚eine andere Hand‘ dies tat. Etwa das zu unserer wirklichen Erlösung — hier sogar von dir!“ Eine kühne Sprache; doch er spürt‘s wie einen Strahl, von den Sternenkindern kommend, der ihn stärkt.

Der Gruppenleiter kann die Einwendung nicht widerlegen. Der Mann dreht sich auch Diadjar zu und bittet: „Laß uns hören, was du uns zu sagen hast. Wer von der Gemeinde es nicht hören will, mag gehen — wenn er kann. Als wir nämlich alle gehen wollten, konnte keiner sich entfernen.

Ich will nicht wissen, wie das zugegangen ist; mir ist wichtiger, daß du dich einen Priester nanntest und ich meine, du siehst einem solchen ähnlich, während unser alter Redner dies verneinte. Hilf uns zum Vorwärtskommen, wenn du einer bist.“ Er zeigt auf sich und jene, die immer näher zu den Sternbewohnern kommen. Schon ist es fast die Hälfte von der Gruppe.

Unter Bäumen weist Diadjar Plätze an. Sie spüren die Erleichterung wie nach mühevollem Wandern. Das vor allem bietet weiteren Kontakt, wenn derselbe auch vom eigenen Gemüt hervorzukommen hätte. Daß zuerst des Lichtes Anstoß sie zur Umkehr brachte, hier durch die Sternenleute, werden sie erst später sehen. Während noch der Redner und das klein gewordene Häuflein stehen bleiben müssen, können alle anderen sich setzen.

„Es war eine ‚Hohe Zeit“, beginnt Diadjar, „als mehrere von uns auf jener kleinen Erde lebten. Manche waren alt, manche jung, als Gott herniederstieg. Die Geschichte kennt ihr ja, ich skizziere sie nur kurz. Einige und ich gingen in das Volk, von Gott auserkoren, aber nicht, weil es dies verdiente. Weltlich hätte es kein Volk verdient — wohlgemerkt!

Der Ewig-Vater neigte Sich zum tiefst Verlorenen und wählte diese Stätte, wo die Dunkelheit am meisten dominierte. Andere gingen in das Volk, das man die Römer nannte. Von denen gab es viele, die den Herrn geliebt und Seine Lehre angenommen hatten. Darüber seid ihr nun im Bilde, und es genügt für jetzt.

Nein“, winkt Diadjar, als der Redner wieder stören will: ‚Es wäre also der Beweis, daß sie weiterkamen, die Sternenleute aber lange auf das Kindsein warten mußten‘, „die Lehre gilt den Besseren, die bereits das Licht zum kleinen Teil besitzen können.“ Darüber sind die Seelen froh, die um Diadjar sitzen und sind Aug‘ und Ohr, als er weiterspricht:

„Was ich zu künden habe, ist nichts Hervorgehobenes. Auf unserm Stern der Hoffnung wird ein Einziger damit bedacht:

Unser Vater!

Ich war jung und unerfahren, als ein hoher Geist (Gabriel-Simeon) mich in des ‚Himmels Zange‘ nahm. Aber einmal wirklich aufgewacht, erkannte ich die Lohe; nur wußte ich es vorher nicht so recht, um sogleich den guten Pfad zu finden.

Ich wurde Priester; viel aber stieß mich ab: Klauseln, Satzungen und anderes mehr. Vielseits fehlte es am wahren Geist! Eingedenk der Lehre jenes Himmlischen lernte ich den Heiland kennen, lieben und verehren, obwohl Er jünger war als ich. ‚Bei Ihm ist Wahrheit‘, dachte ich und klammerte mich daran fest. Daß ich Ihn erst nachts besuchte, tat ich nicht nur meinetwegen, und Er sah es freundlich an. Wie war Er so gut!!

Als ‚es‘ geschah, das Grauenvolle, warf ich das Priesterkleid von mir. Das Volk ward aufgeputscht, ihm aber galt die Last: ‚Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!‘ Meinst du“, dreht sich Diadjar nach dem Redner um, „die Menge wäre also ohne Schuld? Das denken viele aus übertünchter Angst; sie müßten sich sonst ändern, nicht zuletzt in der Erkenntnis aller Gottes-Offenbarung! Und wer will das schon? — ?

Meist sind die Gläubigen nicht zu überzeugen, daß sie umzulernen hätten. Gewiß — sie übernehmen, was gelehrt und vorgeredet wird. So predigten die jüdischen Verführer, was man zu verlangen hatte, weil allgemein im Volk die guten Heilandstaten nicht vergessen waren. Gerade das wurde ausradiert!

Dennoch lag es mit am Volk. Niemand war so ungebildet, um nicht den Wundermann aus Galiläa‘ zu erkennen, jenen Guten, Der segnen, trösten, heilen, Tote aufwecken konnte. Zumal beim Volke wirkten Wort und Tat. Also hatte es die Möglichkeit zu unterscheiden: was der ‚Meister‘ lehrte, was die Hohen eingetrichtert hatten. Deshalb blieb die Last des Blutes auf ganz Juda liegen.

Nicht anders bis zur jüngsten Zeit. Überlieferungen, fast alle echt, oft aber fälschlich ausgelegt, sind zu erkennen. Das tun die wenigsten, die Lehrer sind. Da jedoch die Menge ebenfalls genug Verstand besitzt, so bleibt die Last mit auf der Menschen(christen)menge liegen.

Das geschah — wie bei den vielen — auch bei euch“, spricht Diadjar alle Seelen an, wozu die Umgekehrten traurig nicken, die anderen allmählich zweifeln, ob ihr bisheriger Weg der beste war. Und zweifelnd sieht man auf den Redner. Noch schüttelt er die ‚Wellen‘ ab, die ihn überfluten möchten. Dabei verrät er sich, fängt widerlich zu zanken an, stößt Schimpfworte aus, rollt die Augen, und viel fehlte nicht, käme manche Lästerung aus seinem Mund. Der Anhang ist entsetzt.

Wie wahr sprach des Sternes Ältester von jenen Krankheitsnächten ihres Redners. So sah es also in ihm aus? Spontan wenden sich die Letzten von ihm ab und gehen — wohl noch zögernd — auf Diadjar zu. Die Frau, die auf der Welt die Eifrigste in der Gemeinde war, sagt bittend:

„Treuer Helfer, wir sehen, daß wir falsch geleitet worden sind und . . .“ „Wer nicht die Eigenschuld bekennt“, fällt der Mann, der dem Redner widersprach, ins Wort, „dem fehlt noch viel, ehe er zur wirklichen Erkenntnis kommt. Uns nämlich auch, die wir hier sitzen dürfen. Wir denken an die eigene Verfehlung, und weil wir einfach glaubten, ohne selbst zu prüfen: was ist echt, was falsch?! Darum werfet nichts allein auf ihn. Schließlich hat er uns gedient. Gern wollen wir ihn unter uns behalten; wir dürfen ihn nicht einsam stehen lassen.“

Wie leuchten da der Hellen Augen, wie heben sie voll Dank die Hände hoch: „Vater UR, DU hast den Sieg uns herrlich hergeschenkt — Dir sei Lob, Preis, Dank und Ehre!“ Da neigen sich die Seelen; es geht ein Wehen über sie, wie linder Frühlingswind, der des Winters letzten Schnee zum schmelzen bringt. Auch beim Redner nagt es an dem Eis. Noch ist‘s ein großer Brocken Trotz, der ihn quält. Des Lichtes Einsatz ist‘s allein zu danken, daß er nicht in eine neue Tiefe fällt. Daß seine Leute für ihn sprechen, nagt und bröckelt Trotz und Unmut ab.

Corrysanda möchte zu ihm hin. Man ging ins Tal der Trauer, in die dunkle Schlucht des Schreckens, um viel Ärgere zu befreien. So arg war der Sektenführer nicht, wie der Freudenhausbesitzer und der Inquisitor, oder jene, die noch mit Diadjars kleinem aufgestellten Lichtlein in der Grube hausen müssen. Dieser gibt den Freunden einen Wink und sagt etwas, was die Seelen allerdings nicht voll verstehen können. Es klingt wie ‚Gottes väterliche Stimme‘, die jetzt offen durch ihn wirkt:

„Meine Freunde, wir wollen helfen. Es sei unvergessen, daß wir die Austräger SEINER Hilfe sind. Niemand darf gezwungen werden. ‚Unser‘ alter Redner“, das betont Diadjar lieb, „ist noch nicht so weit, selbst die Hände auszustrecken und zwar bedingungslos. Noch überdenkt er, was geschehen müsse, daß er der Leiter der Gemeinde bliebe und daß er sie Gott, dem Vater, bringen wolle. Noch manches Weltliche wirkt in ihm.

Es wäre gut, käme es aus edlem Grund, vom Licht geläutert. Daran fehlt noch viel. Wir waschen seine Wünsche, was so geschieht, daß er noch ein Weilchen einsam bleiben muß. Das tut Gottes gute Hand! ER weiß am besten, was jedem dienlich ist. Ich blättere die Gedanken meiner Freunde auf.

Ihr dachtet, der Inquisitor wäre ärger. In vieler Hinsicht ‚ja‘, in einer ganz besonderen ‚nein‘. Er war in einer armen Weltepoche aufgewachsen und — sicher unentschuldbar, was er selber tat — ging Vorausgegangenen nach. Der Freudenhausbesitzer hatte keine guten Eltern. Der Gefesselte, vor dem die Schalenträger standen, braucht noch lange, ehe er an jene Pforte kommt, wo er alle Last und Bürde niederlegen darf.

Beim Redner ist es anders. Er hatte glaubensgute Lehrer, züchtete selbst den Hochmut groß, liebäugelte mit schönen Worten, weshalb viel mehr auf ihn entfällt. Beim geringsten Fehlschlag klagte er GOTT an. Das gerade hindert ihn am meisten, die ‚ausgediente Robe‘ abzustreifen. Warten wir ein wenig und wir sehen, wie wundersam der Vater wirkt.“

Da sagt der erstbekehrte Mann: „Jetzt hab‘ ich einiges erkannt und du, des Sternes Priester, wirst mir bitte weisen, ob es richtig ist. Ihr vom Licht könnt helfen, ohne daß man diese Hilfe sofort merkt, weil eben keiner mit Gewalt gezwungen werden darf. Ich, der Hörige, der lange auf der gleichen Stufe stand wie unser Redner, Ja — ich meine — “ er zögert, „ — ich darf wohl hin zu ihm, um ihn auch zu euch zu führen?“

„Ja!“ Ein herzlich liebes Nicken, und Diadjar gibt dem Mann die Hand. Erschüttert beugt sich dieser, gern möchte er die Lichthand küssen. Sanft wehrt der Priester ab und zeigt hinüber, wo der Arme sinnend steht. Der Mann eilt hin und sagt: „Komm, laß du dich einmal leiten und du wirst sehen, wie wunderbar es bei den Sternenleuten ist, — bei den echten Kindern Gottes“, fügt er an.

„So?“ trotzt noch jener. „Es gibt nur einen Vater, folglich sind wir alle Seine Kinder!“ „Vorher hast du es verneint, hast nur dich und dein Gefolge so bezeichnet. Diese“, der Bekehrte sieht hinüber zu der hellen Schar, „hast du ausgeschlossen, weil sie dir nicht hörig sind. Ich bin‘s auch nicht mehr, doch ich will dich trotzdem nicht verlieren; oder richtiger: daß wir beide unserm Vater nicht verloren gehen. Was meinst du dazu?“

„Hm, es wäre zu bedenken, wenn . . .“ „Mit ‚wenn‘ und ‚aber‘ wirst du nichts erreichen. Willst du sagen: ‚Vater, wenn Du die Gemeinde mir beläßt, dann will ich — — Was? Nimmt Gott solcherlei Bedingung an?“ „Nicht, wie du auszulegen suchst. Habe mancherlei Bedingung vorgebracht und — “ „Hat Gott immer ‚Ja‘ gesagt? Ich denke an die Nächte, die der Priester uns enthüllte, in welchen du gemurrt, aber nicht gebetet hast.“

Ein Schüttern; des Lichtes Mühe greift nach ihm, er kann sich ihrer nicht erwehren. Seine Glaubenssätze kommen stark ins Wanken nicht zuletzt, daß die Hörigen sich von ihm abgewendet haben. Also müßte — Noch ein Zögern, noch ein Anlauf — — „Nein, Gott hat nicht immer ‚Ja‘ gesagt. Ich bekenne: Wenn sich einiges erfüllte, dann bloß dadurch, weil ich weltlich es erzwang. Hinterher geschah es meistens anders.

Ich wollte viele Menschen überreden, was bei uns Herrliches zu finden sei und daß bei mir, — — Nunmehr hat es keinen Zweck, alles aufzuzählen. Dann zankte ich, weshalb der Herr mir kein Gelingen gab. ‚Ich habe es doch gut gemeint‘, klagte ich. Ah, nichts war gut von meinem Unterfangen! Der“, zeigt er zaghaft auf Diadjar, immer noch ein bißchen eigensinnig, „hatte recht. Nur wie schwer, einfach sich zu drehen, seine Lebensarbeit fortzuwerfen, als hätte sie zu nichts genützt und . . .“

„Umsonst ist nichts gewesen“, sucht der Mann zu trösten. Selbst vom Licht geheilt, fühlt er die Qual, die den Redner überfällt. Er zieht ihn daher einfach mit sich fort. „Komm, der Priester wird es dir erklären und du wirst von deiner Last befreit.“ Der Redner läßt es zu; selbst zu gehen, soweit hat er es noch nicht gebracht. Würde Gott auf solche Seelen warten, bis sie völlig aus sich selbst zur Umkehr kämen — — die meisten blieben eine kleine Ewigkeit in ihrem Dunkel stecken, denn sie verbauten sich durch falsche Glaubensnorm den freien Weg. Gott strömt Sein Licht als HILFE über die Verirrten aus. So auch hier.

Es war falsche Scham, die den Redner nicht zur raschen Einsicht kommen ließ. Er nahm des Lichtes Strahlen wahr und zwar eher, als die anderen; aber eine Beugung ohne Demut gibt es nicht. Was hätte er sich denn vergeben, wenn er es bekannte: ‚Euch hab‘ ich irrgeführt?!‘ Das war der Stachel, den er sich tief in sein Gewissen stieß. Jetzt — —

Vor Diadjar stehend, wird ihm wonniglich zumute. Endlich ist das Eis gebrochen. Er sagt leise: „Ich will bekennen, daß ich auf der Welt ein Mietling war. Was du offenbartest, ist so wahr; daher laß mich dahin gehen, wo ich hingehöre, ehe ich den Weg zum Vater finden kann. Einmal — einmal wird es doch geschehen?“ Halb bangend, halb sehnsuchtsvoll gefragt.

„Wenn du dich völlig beugst. Die Gemeinde mußt du um Verzeihung bitten; denn durch dich wurde sie auf ihrem Weg gehemmt.“ Das ist eine bittere Pille, gerade, weil der Mann sich stets erhaben, groß und heilig fühlte. Da bittet ernst die Eifrige, Diadjar möge ihrem Redner das ersparen, die Gemeinde würde — Doch er sagt: „Das ist nicht mein Befehl;

Gottes heilsgewohntes Richterrecht erfordert es!“

Jäh sieht der Redner auf. ‚Heilsgewohntes Richterrecht‘? Solches hat er niemals einem Menschen zugebilligt. Jetzt soll er die Gnade haben? Er dreht sich um, will nicht die Tränen sehen lassen, die ihm aus den Augen rinnen. Olyanda führt ihn etwas abseits, gütig lächelnd — ihrem guten Vater abgeschaut:

„Deine Tränen hat der HERR gesehen und hat sie Selbst in Seine Vaterhand gelegt. Ich bringe dich und die Gemeinde auf den nächsten Stern, wo ihr eine Weile wohnen werdet. Nimmst du an, was man dort lehren wird — die Deinen tuen es, des sei gewiß — ‚ dann schlägt die Stunde nicht sehr spät, wo ihr gemeinsam unsern Vater sehen und Sein Heilswort hören könnt.“

Was auf Erden nie geschehen wäre, aus falschem Mannesstolz, das geschieht: er drückt Olyanda an die Brust, bittet aber gleich: „Oh, verzeih, ich trat dir zu nahe.“ „Schäme dich nur nicht“, lächelt sie. „Eine freundliche Gebärde ist auch ein Segen, den der Vater uns als liebe Gabe schenkt. Damit hast du deine letzte Härte abgelegt; nun komm und sieh!“

„Am liebsten bliebe ich bei euch, da könnte ich viel besser werden.“ „Ohne die Gemeinde?“ Eine Prüfungsfrage. „Die nächste Stufe ist nicht höher als die unsere; bloß jeweils für die Wanderer, die nicht heimgefunden haben, zeigen sich die Stufen unterschiedlich: hinab — hinauf! Bedenke aber das: du hast stets gelobt, wenngleich dies niemals echt gewesen ist, Gott die Gemeinde zuzuführen. Daß du es nicht kannst, weißt du längst; daß du es könntest, müßtest du nun lernen.“

Ohne die Gemeinde? Hat er sie denn noch? „Ich habe es gesagt, daß ich ein Mietling bin; und ein solcher ist nicht fähig, eine Herde einer guten Weide zuzuführen. Bringt die Freunde weiter, mich laßt bitte hier und gebt mir das, was mir noch fehlt.“ Endlich! Restlos umgekehrt! Die Freude ist ein Licht, das des Sternes liebe Kinder extra überstrahlt.

„Schwester Olyanda“, sagt Diadjar, „führt euch bis zum nächsten Ort. Du“, er meint den Redner, „könntest bei uns bleiben, doch wäre besser, du lösest dein Gelübde ein, auch wenn es nie ein ernstes war. Immerhin — Gott wird dich fragen: ‚Wo sind sie denn, die du Mir bringen wolltest und hast sie irrgeführt?‘ Hole das Versäumte nach; das erst wird dich selber reifen, bis du dann dem Vater-Gott begegnen kannst.“

„Es sei! O wie danke ich dem Herrn, daß mich Seine Gnade hierher kommen ließ. Für euch war es sicher schwer, mich vom Irrtum und vom Hochmut zu befreien. Dank euch, des Lichtes Kinder, für die Mühe und Geduld.“ Von eigenen Gefühlen übermannt, folgt er stumm der Führerin und der Gemeinde. Viele Segenswünsche gehn der kleinen Herde nach. — —

Als die Rats-Ältesten versammelt sind, stellt Heliato eine ernste Frage. „UR hat uns Seine Güte und viel Seligkeit geschenkt, indem eine um die andere Schar zum Stern der großen Hoffnung kommt. Ob Er einmal eine andere Herde schickt?“ Man tauscht das Für und Wider aus. Es zu klären ist nicht leicht. Diadjar überläßt es Malluredus, das letzte Wort dazu zu sagen.

„Ja, schwer“, meint dieser, „immer Störenfriede aufzunehmen. Ist aber unser Lichtstern auserkoren, besonders aus URs heilsgewohntem Richterrecht, solche Gruppen zu betreuen, sie auf den Vorwärtsweg zu bringen, ist es da nicht eben seliger, wenn wir dienen dürfen? Hat UR uns zu ‚Austrägern Seiner Hilfe‘ aufgerufen, dann laßt uns einzig und allein an diese Arbeit denken; umsonst führt der Vater all die Armen nicht hierher!

Es wäre noch zu fragen: Was sollen wir mit denen tun, die — wenn etwa nicht ganz himmelsreif — zum guten Glauben kamen? Ging es uns nicht ebenso, als wir nach dem Mithilfsweg zurück zur Heimat kommen durften, daß wir wenigere Stufen zu durchwandern hatten und hier auf unserm lieben Stern uns alle wiederfinden konnten, die wir von ihm ausgegangen waren?

Unser Stern ist für Verwirrte und Verirrte da, wie noch andere Lichtraumplätze. Da geht es für dieselben nicht ganz ‚ohne‘ ab. In gewisser Hinsicht auch noch nicht für uns — nicht immer, obwohl wir durch des Vaters Segen dieses Amt verrichten können.

Schaut nie nach anderm aus. UR weiß, was für die Hergeführten wichtig ist. Dienstbereit zu bleiben sei unser Ziel! Dafür hat der Vater uns mit Seinen lieben Worten oft bedacht, immer neue Kerzen angesteckt, wenn Er zu uns kam, und

Seine Worte sind Sein Eigenlicht der heiligen

UR-Ewigkeit!“

Heliato meint, er hätte falsch gefragt. „Nein, Freund“, beruhigt ihn Diadjar, „auch ich dachte manchmal so; denn wer sehnt sich nicht danach, neben vielem Schweren einmal Leichtes zu erleben? Laßt uns in die Stille gehen, jeder in sein Haus; ich glaube, UR kommt bald wieder und wird dann lehren, ob und wie wohl unser Wunsch zu ändern ist. Wartet auf Sein Wort!“

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