Die Leichteren oder Besseren und ihre Verfolger
9. Kapitel
Dienstbereit zu bleiben, sei unser Ziel!
Seine Worte sind Sein Eigenlicht der heiligen UR-Ewigkeit!
In einem jeden klingt das nach und hilft immer zu dem allerdings nicht leichten Dienst. Dafür nimmt die Himmelsgnade zu, was man am eigenen Gemüt, an der hehren Abendstrahlung merkt, die den sechsten Schöpfungstag aufs Letzte übergoldet. Jetzt fragt niemand mehr, ob es einmal leichter werden möchte. Noch zwei schwere Gruppen kamen an, und bei beiden blieb des Vaters Gnade und Barmherzigkeit nicht aus, obgleich der letzte Sieg sich erst nach weltlich langem Zeitraum zeigte.
Da — nach einer Ruhepause: Diadjar, alle Ältesten, Räte und ein Teil des Volkes stehn auf jenem Hügel, auf dem die Offenbarung für die Welt begann. Ein Mensch sieht nicht, wie im Licht von einer Sternstation zur anderen sich Gassen bilden. Auf einem solchen Weg wallt eine Schar herzu. Diadjar legt die Rechte an die Stirn, die Augen schattend und merkt zuerst, daß die Neuen ‚anders‘ sind als alle, die seit dem Abendanbruch (letzte Zeit der Erde) kamen. Bald erkennt es jeder der Versammelten, und Dankbarkeit flammt auf, große Freude, Jubel; und jeder denkt an seine Pflicht, die er zu er füllen hat. Diadjar sagt:
„Laßt uns warten. Noch wissen wir es nicht, wer die Pilger sind und woher sie kommen. Einmal haben wir erlebt, daß Dunkle aus der Tiefe, noch niemals inkarniert, erscheinen durften, und es sah so aus, als hätten sie sich einen Strahl geborgt, so daß sie aus der Ferne auch ‚wie besser‘ wirkten. Freilich haben wir sie sehr bald richtig eingeschätzt und wir haben nicht gefackelt, ihnen ihren Weg zu weisen.“
„Sie sahen sich durchschaut und türmten heulend fort, als Diadjar seine Hand erhob“, ergänzt Olyanda, dabei lieb und schmerzlich lächelnd, an die Armen und an die eigene Befreiung denkend. Heliato nickt dazu und vom Volk wird mancher Hinweis laut. Denn niemals nur die Ersten — alle Lichtkindgeister tragen an den Lasten mit, weshalb URs Segen über jeden kommt, obzwar es oft geschieht, daß die Ersten an der Hauptarbeit allein beteiligt sind. Stets ist das ganze Sternenvolk gesegnet.
Die Pilger kommen an, aus der Freude froher Herzen singend. Die Sternenkinder stimmen ein zum Lob des Vaters. Der Pilger Mithilfsstraße war auf einer etwas höheren Welt. Man führt sie in den Hain und bewirtet sie. Malluredus und Diadjar sehen ab und zu ins All; ihnen ist, als folge eine andere Schar, weniger gut. Nun — sie soll nur kommen, mit des Vaters reicher Hilfe werden sie mit dieser auch noch fertig.
Auch der Pilgerführer blickt sich um, ehe er berichtet, woher sie kämen. Auf freundliches Befragen sagt er, leicht besorgt: „Du tust gut, Oberster des Sternes, nachzuforschen, wer uns folgt. Ich weiß es nicht, weil ich und die Meinen noch viel Lehre brauchen. Doch ich bin gewiß, Gott, den wir ‚MANAHATAN‘ nennen, ließ uns in Seiner Gnade hierher bringen.
Wir kamen durch ein Unglück um, gerade, als das ‚Manahatan Fest‘ begangen wurde. Ein Wirbelsturm zerstörte unsre ganze Stadt; daher konnten unsere Seelen sich nicht sofort finden. Eine Weile irrten wir auf unsern Trümmern hin und her. Wir wußten um das Weiterleben nach der Ablegung des Leibes nicht in voller Tiefe, wie wir erst späterhin erfahren durften.
Wohl in Manahatan den Schöpfer aller Lebensdinge kennend, fragten wir verzweifelt, warum uns dieses Unglück widerfuhr, unter Trümmern liegend, viele schwer verletzt und kam keiner uns zu retten. Dessen wurden wir erst später inne, daß fast das ganze Land rundum zerstört, ausgestorben und versunken war.
Durch Manahatan‘s heilige Erbarmung, an die wir uns geklammert hatten, wurde uns bewußt, daß dieser Tod das letzte Opfer war. Für wen — ? Wir wissen‘s nicht; allein — Manahatan hat sie eingesammelt! Auch jetzt fragen wir Ihn nicht: ‚Was tust Du mit den Opfern?‘ Wenn wir zu Ihm kommen dürfen und es tut not, dies noch zu wissen, dann wird Er es uns offenbaren.“
„Ein treuer Glaube“, lobt Kara-Amadael, „wohl euch, daß ihr zur Lichterkenntnis vorgedrungen seid.“ „Lobe uns noch nicht“, wehrt der Pilger ab, „erst im jenseits fanden wir die große Schau durch einen Engel. Als wir, die ‚Manahatan-Leute wie die Weltbewohner uns in Haß bezeichneten, uns gesammelt hatten und wir sahen manchen dunklen Fleck an unserm Seelenkleid, da stand ein helles Licht vor uns. Erst erschraken wir und dachten: ‚Das ist Manahatan, Er hält jetzt schon über uns Gericht!‘
Wir wußten es durch Eingebung, daß die Zeit erfüllet war und für jedermann die Abrechnung erfolgt. Wir waren sehr verzagt. Dazu die Verantwortung, die ich übernommen hatte, als mir im Gesicht das ‚Wort‘ geschah: ‚Du sollst die kleine Herde leiten!‘, drückte mich schier auf den Boden.
Dann erkannten wir den Engel. Oh, wie atmeten wir auf, wegen des Gerichts, aber auch aus Freude: Manahatan rettet uns! Könnt ihr das verstehen?“ Nicht nur Diadjar, alle Lichtbewohner sagen „Ja“. Sie gingen gleichfalls über eine Welt, die meisten durch die Tiefmaterie (Erde), haben Glauben und Verfolgung, Haß und Liebe, feierliche Führung Gottes und manch Zweifelndes erlebt. Nur zu gut verstehen sie die Pilger.
„Kara-Amadael lobte euch zu Recht“, sagt Diadjar. Er sieht ja, was geschieht. ‚Zwei Siege‘, dankt er UR im vorhinein. „Mein Freund“, sagt er zum Pilgerleiter, „des Vaters liebe Große können nach dem Weltweg ohne Mühe heimwärts gehen, weil sie eine größere Mission bekommen haben. Freut euch allesamt“, er meint die Schar, „daß ihr bald ins Licht zurückgefunden habt, von wo ihr ausgegangen seid. Ist zuerst auch manche Last zu überwinden, muß mancher seinen Glauben sammeln, — so scheidet uns doch nichts von Gottes Liebe, mit der Er immer uns umsorgt.“
„Ja, Oberster des Sternes; nur bedenke, daß ich die Herde führen sollte und gab vieles . . .“ „Belaste dich jetzt nicht“, mischt sich Corrysanda ein, zu der die Frauenseelen strebten. „Während eines Weltenweges läßt sich der Gesamtgang selten bis ins Kleinste ganz erfüllen, wie man vorher sein ‚Gelübde‘ gab — vor UR. Er weiß es ganz gewiß, wie es einem Kind auf solchem Weg ergeht. Freundlich deckt Er jene Mängel zu, die durch die Welt — und was man nicht mit böser Absicht tut — uns hindern, vollgerecht zu leben. Seht also nicht zurück, sondern seid gewärtig all der Güte Gottes, die euch widerfahren wird.“
Eine Zusicherung. Die Sternen-Ältesten merken, daß UR schon nahe ist, zunächst bedeckt. Die Pilger sehen Ihn noch nicht, sind aber so getröstet und gestärkt, daß sie voll Zuversicht die dunkle Horde sehen, die sich jetzt wie rasend auf den Stern der Hoffnung stürzt, unwissend, wo sie sich befindet. Bloß die ‚Manahatan-Leute‘ sehen sie und wollen sie verderben. Daß sie hergeleitet werden, ist ihnen völlig unbekannt.
Angekommen, rennt der Rottenerste auf die Pilger zu und schreit wütend: ‚Manahatan-Priester, endlich hab‘ ich dich! Du hast unser Land zerstört. Viele Leute sind verreckt; wir konnten sie nicht mal im Meer begraben, weil der Boden lange bebte. Wem es möglich war — wenigen — ‚ der flüchtete.
Sieh diese an“, er zeigt auf die Verkrüppelten, „das ist deine Schuld, du Lump, Mörder, du Verderber!“ Er wehrt mit einem derben Faustschlag ab, als der Pilger ruhig widerreden will. „Wir wissen längst, daß du die kosmischen Gesetze kennst und hast mit Absicht uns verderben lassen. Ha!“ ein höhnisches Gelächter, „etwas hast du nicht gekonnt: dich und deine Leute schützen! Bist selbst betroffen worden, was du uns im blinden Glaubenshaß bereitet hast. Das nenne ich Gerechtigkeit!“
„Welche?“ fragt Diadjar unversehens. Der Wütende erschrickt. Er hatte nichts beachtet, nicht das Licht gesehen; nur den Manahatan Leuten stob er nach, wähnend, noch auf ihrer Welt zu sein. Da ist etwas, was er nicht zur Seite schieben kann. Daß die Geister die Barriere bauen, weiß die Horde nicht. Sie sehen nur Gestalten, die anders sind als die Verfolgten. Auch der Faustschlag hat den Pilger nicht getroffen.
Die Dunklen starren wie ins Leere. Gerechtigkeit — ? Für sie ein Schlagwort ihrer Welt, sonst nichts. Keinen Ehrbegriff verbinden sie damit, und keine Wahrheit, kein Gefühl. Diadjar wiederholt die Frage: „Was ist bei dir Gerechtigkeit? Sagt man denn, was man nicht weiß? Oder — ist das bei euch üblich?“ Er faßt den Rottenersten scharf ins Auge.
Der weicht dem Lichtblick ängstlich aus. Ihm wird bewußt, bloß noch nicht klar: Es geht um ihn und sein Gefolge. Halt — nicht ins Bockshorn jagen lassen, das ist was für Kinder oder für die argen Manahatan-Leute! Hach, wer weiß, wie die empfangen wurden und haben sich herausgeredet und haben — —
Woher stammen denn die Hellen? Ihre nicht sehr große Welt haben sie erforscht, bis auf jenes kleine Land hoch oben im Gebirge, wo es böse Geister gibt, zu denen man nicht kommen darf. Möglich, daß die sonderbaren Hellen in die Täler kamen, in den nicht zerstörten Kontinent. Ah, mit denen wird er ganz fix fertig. ‚Geister‘ sind zu überwinden, wenn man an ihre Existenz nicht glaubt. Daher sagt der Rottenerste barsch:
„Was geht‘s dich an, was wir meinen oder wissen? Gerechtigkeit ist bloß ein Wort, das keine Wichtigkeit besitzt. Will man alles nach dem Inhalt messen — du liebe Zeit, was käme da heraus? Nichts als dummes Zeug! Denke also was du willst und lasse mich mit deiner Fragerei zufrieden!“
UR steht plötzlich da. Die Pilger sind betroffen. Ihr Priester prüft verstohlen und stellt tief beeindruckt fest, daß es mit dem Angekommenen eine eigene Bewandtnis haben muß. Aber was für eine — ? Unbewußt, wie Hilfe suchend, geht er auf Diadjar zu. Der lächelt vor sich hin; seine und URs Augen reden die geheime Sprache, den Lichtgetreuen gut bekannt.
Die Rotte aber denkt: ‚Noch ein böser Geist vom Land der Berge, scheint der Oberste zu sein. Dem geht man besser aus dem Weg.‘ Wie auf Kommando zieht sie sich zurück. Sie kommt nicht allzuweit; die Sternenkinder haben sie umstellt und drücken sie allmählich wieder auf den alten Platz zurück, wo sie vordem stand. Diadjar sagt zu ihrem Ersten:
„Meine Frage überlasse ich dem ‚Höheren‘, Ob du Ihm wider stehen kannst?“ „Etwa du?“ höhnt der Böse. „Nein, Freund, ich gleichfalls nicht! Noch geht‘s um die Gerechtigkeit, die du übergangen hast. Du hast dein Volk stets hart regiert. Nur deine Geißelträger sind dir blindlings nachgefolgt; denn sonst stündest du allein und dir wäre bitterschwer, wärest du auf diese Weise uns begegnet, vor wiegend unserm Obersten.“
„Wir haben nichts mit euch zu schaffen“, grollt der Erste, indem er abermals versucht, dem Lichtring zu entweichen. Dieser hat sich ganz geschlossen; inmitten steht der Hohe, Diadjar, die Pilger und die Rotte. Diese überkommt ein fürchterliches Grauen, während jene eine Wonne fühlen, so herrlich wunderbar, so tröstlich, als ob sie schon — — Ach nein, bei Gott sind sie noch nicht, dazu sind sie noch nicht reif, denken sie.
UR spricht Diadjar an, als ob die Rotte Ihm nichts gilt: „Wer sind die denn? Wie sind sie in Mein Land gekommen?, wie heraufgestiegen auf die Höhe Meines Berges?“ Er meint Sein Licht, währenddes sie angstvoll wähnen, daß sie bei der Flucht versehentlich ins ‚Land der bösen Geister‘ aufgestiegen wären. Zu ihrem Seelenheile sollen sie bei dieser Ansicht bleiben — vorläufig. Auf sie weisend, gibt Diadjar Antwort:
„Herr, sie wissen nichts vom wahren Weg. Im Wahne der Verfolgung stürmten sie dem Lichte nach, das die Pilger hinterlassen hatten, als ein anderer Geist sie zu uns brachte.“ Er spricht absichtlich so, denn der Rotte tut es seelisch gut, sich noch zu ängstigen. „Du siehst der Pilger Herzen, ihren Glauben, was sie auf dem Wanderweg erduldeten. Um so fester hielten sie zu Manahatan; und Du weißt, was das geistig für ein hehrer Name ist, unsern Gott zur hohen Ehre so benannt.“
„Ich prüfe dann, ob sie den echten Glauben und die Dienstbarkeit auf ihrer Welt bewahrten. Erst aber weise Ich die Rotte aus!“ Die Treuen kennen die Erbarmung, die manche arme Seele nochmals in den Abgrund eigener Verderbnis fallen läßt, um sie dadurch zu erretten. Die verwirrte Rotte heult, rennt im Lichtkreis hin und her, bis UR gebietet: „Bleibt stehen!“ Ein Gott-Befehl — wer kann sich diesem widersetzen?! Er wendet Sich dem Ersten zu, der sich bloß mit Mühe aufrecht hält. Bota kommt, um ihn zu stützen, was der Böse in der Angst nicht merkt. UR fragt:
„Warum verfolgst du Meinen Priester und die gute Schar, die euch oft geholfen hat?“ „Sie taten uns nichts Gutes, haben unser Land zerstört, weshalb wir auf der Flucht versehentlich auf Deinen Berg gekommen sind, was Du uns verzeihen wollest. Wir suchen uns ein neues Domizil, wo wir . . .“ „ . . . Häuser bauen, Acker stehlen, Leute unterjochen können und noch mehr. Das ist dein Sinn, du Wicht!“ Der redet sich heraus:
„Wir müssen leben! Ihr Geister braucht euch nicht zu mühen, kennt weder Arbeit, Sorge, Krankheit oder Tod. Doch wir Menschen unsrer Welt — ? Was weißt Du davon?“ „Mehr als du ahnst“, verweist Diadjar ihn. „Der Herr der Geister — in diesem Punkte hast du recht — ‚ auch wir unter Seinem Regiment, wissen, was auf euerer Welt, was jetzt in der Gesamtmaterie vor sich geht. Schon unsere Arbeit wirst du nie ermessen können, und in Ewigkeit noch weniger die Heilsarbeit des Herrn der Geister!“
„Das geht uns alles gar nichts an“, versucht jener weiterhin zu trotzen. „Ich habe nie bemerkt, daß ihr euch um uns bemüht. Wir haben euern Berg gemieden, haben euch in Ruh‘ gelassen; also laßt uns ebenfalls in Ruhe.“ Plötzlich geht der Manahatan-Priester auf UR zu, Den er zunächst noch nicht erkennen soll — der Rotte wegen — und bittet Ihn:
„Du bist gewiß der höchste Engelsführer, darum trage unsre Bitte hin zu unserm Manahatan-Gott: ‚Hilf den Armen, die nicht wissen, ob sie schon gestorben sind, daß es ein Jenseits, einen Gott, einen Glauben gibt. Seelisch blind, aus der Tiefe aufgestiegen, — o Herr der Geister, wie sollen sie denn zur Erkenntnis kommen, wenn nicht allein durch Dich‘?“
„Gott hörte es, sogar ganz in deiner Nähe. Wir beide helfen, auch wenn es ihnen nicht sofort erkenntlich wird.“ „Ich doch nicht mit?“ stottert fast der Priester. „Hab‘ so vieles gutzumachen . . .“ „Warte ab, wie man dich verwenden wird!“ UR führt ihn vor die Rotte hin, die dicht gedrängt beisammensteht. Er sagt bitter ernst, daß es die Argen schier zusammenkrümmt:
„Ich öffne eure Augen und dieser Priester zeigt, was mit euch geschehen ist.“ „Er hat das Land . . .“ „Sei still!“ gebietet UR, „bis ICH erlaube, daß du sprichst. Auch der teuflischste der Teufel darf sich verteidigen, wenn er meint, das Recht dazu zu haben. Rede nun mit ihm“, gibt UR dem Priester Anweisung. Das ist nicht leicht vor Dem, zu Dem sein Herz sich wonnig zieht.
„Herr, ich weiß nicht, wen Du in Dir verbirgst; aber das Du mußt der Herr der Geister sein. Darf ich Deine Hand erfassen, wenn ich den Armen helfen soll? Mir kommt freilich vor, als wärest DU der Helfer ganz allein. Betrachte ich den Obersten des Sternes, seine lichte Schar, dann ist es mir . . .“
„Laß es jetzt dabei bewenden.“ UR gibt dem Priester Seine rechte Hand. Da zieht ein Friede ein, so wundersam — ach, wann haben sie, die Manahatan-Leute, jemals das verspürt? Sie rücken eng herzu und sehen UR beseligt an, noch nicht wissend, wer Er ist, — viel mehr aber als der liebe Engel, der sie führte, mehr noch als der Oberste des Sternes, weit mehr, als sie in banger Seligkeit erhoffen. Doch sagt nun der Priester zu dem Rottenmann:
„Begrabe deinen Haß und siehe jetzt zurück — — Oh!, mir wird ja selber bang!“ Er lehnt sich zitternd an URs Seite. Alle sehen ihre Welt, wie sie Stück um Stück vom Wasser überflutet wird, wie ein dichter Nebel niederfällt, so daß sie bloß noch eine dunkle Decke sehen. UR befreit die Pilger von der Angst, die sie der Rotte wegen überfallen hat. Die Welt — — ? Sie sind froh, diese hinter sich zu haben. Von UR gestärkt, zeigt der Priester auf das mehr und mehr versinkende Gebilde und sagt:
„Seht, die Materie vergeht, wir aber leben in der Obhut unseres Gottes. Auch ihr alle, die ihr uns verfolgtet, seid für die Materie gestorben. Euere Seele aber lebt und was Gott als Lebenskraft den Kindern gibt. Hätten wir die Trägerwelt zerstört, dann mußten wir mit ihr vergangen sein. Ihr auch“, wehrt er einen Widerspruch des Rottenersten ab.
„Warum wird das Materielle aufgehoben? Merkt auf, ich will euch mahnen: Erkennt, daß ihr hierher geleitet worden seid. Hier könnt ihr zur Besinnung kommen, daß im Land der Berge keine bösen Geister hausten, wie ihr dachtet. Es gibt gar keine bösen Geister! Das sind die guten Lichtkindgeister ihres Schöpfer-Vaters, wie wir gleichfalls solche sind.
Auch ihr seid Seine Kinder“, betont er freundlich, „oder vielmehr so gesagt: ihr könnt es werden. Nur müßtet ihr euch bessern, müßtet Haß und Rache überwinden, euch belehren lassen . . .“ „Aber nicht von dir!“ wagt einer einzuwerfen. Der Priester lächelt lieb: „Nein, nicht von mir.
Vom Obersten des Sternes lasse ich mich gern belehren. Noch viel höher steht der Herr der Geister, von Dem wir lernen und IHN bitten wollen, daß ER uns weiterhilft. Zwar kommt es darauf an, ob ihr die Führung anerkennen, von euerem dunklen Dasein lassen wollt.“ Der Priester streckt die Hände aus, er mochte jeden Argen hin zum HOHEN führen. „Nehmt doch meine kleine Hilfe an; wir tragen euch nichts nach, was ihr auf der Welt uns aufgebürdet habt. Alles ist vergangen vor dem Blick der guten Augen, mit dem der Herr der Geister uns gesegnet hat.“
Es ruckt und zuckt, die Hilfe ist sehr stark. Allein — wahr ist das Wort: Seelisch blind, aus der Tiefe aufgestiegen, wie könnte da mit einmal die Erlösung angenommen werden? Soweit sich eine Seele aus dem Lichtreich stahl, so weit ist ihre Gasse in das Vaterhaus zurück. Wenn dabei die hehre Tagesliebe manches Ungerechte an das ‚Kreuz der Schöpfung‘ hängt — im Nachhinein, so erleichtert das die armen Seelen — unverdient.
Jede Schuld ist abzugelten, die das Gewissen überwuchert. UR gab jedem Kinde ein Gewissen, den Treuen auf dem Wanderweg, den anderen bei ihrem Fall. Deshalb wirkt der ‚Ruck‘ nicht viel. Was er jedoch tut, wird dann auf dem Rückweg kräftig helfen — für alle einstmals Hingefallenen durch die Getreuen.
„Mich fängst du nicht“, bockt der Alte. „Ging unsere schöne Welt verloren, ob durch deine Schuld, ob durch Manahatan, ist mir ganz egal. DU bist mein Feind! Der“, die Last wird unterdrückt, „geht mich überhaupt nichts an. Er ist mir weder Freund noch Feind.“
Das sagt die Angst. Kein noch so dunkles Wesen ist imstande, vor UR zu stehen, ohne daß Sein Licht es nicht betrifft. Seine heilige Erbarmung kennt in allen ihren Werken für den Tagesrest der Liebe nur die ‚RETTUNG‘! Daher sagt UR für die Rotte streng:
„Ihr habt euch nie mit Mir befaßt, Ich aber Mich mit euch, sonst wäret ihr mit eurer Welt vergangen. Es wartet euerer ein Platz; bloß werdet ihr da merken, daß alles, was ihr greifen wollt, zerrinnt, wie ICH die kleine Welt und andere vergehen ließ.
Ihr kommt als Letzte heim. Weil ihr Gottes Kinder plagtet, werdet ihr euch nunmehr selber plagen; ihr habt Menschen unterdrückt, es wird euch das Gewissen unterdrücken; Ärmste habt ihr ausgeraubt, nun wird euch genommen werden, was ihr noch besitzt. In der Öde müßt ihr hausen, bis der erste Seufzer frei aus euch Mein Ohr erreicht!
Meine Gnade kann ja helfen, noch vor Toresschluß ein ‚Stoßgebet‘ zu sprechen. Die Mahnung macht euch vom dem frei, mit dem ihr euch belastet habt!“ Ein Führerengel kommt, er hat seinen Glanz bedeckt. Er wäre für die Seelen noch zu grell, es sei denn, sie würden nur durch einen ‚Lichtzwang‘ auf den Umkehrweg gebracht. Allerdings:
Der zwingenden Macht der Opferliebe Gottes
weicht keine Seele aus! Nur wirkt sie nicht als Zwang, sonst würde jene große Schöpfungswunde nie geheilt. Allein — das hehre Lustrum,
Gottes Opfer,
wirkt im ‚Vollbracht‘! Das ist für alle die Erlösung!!
NEUOFFENBARUNG