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Kap 2 – Das Herrlichste: Gottes Anschauung. Tiefer Blick in den Schöpfungsablauf

Das Herrlichste: Gottes Anschauung. Tiefer Blick in den Schöpfungsablauf. Die große Segnung eines Freudenmahles

„Karmatha, du staunst über die Herrlichkeit dieses Tempels und fragst heimlich, warum die anderen Fürsten nicht auch dergleichen haben. Zu deiner Beruhigung sei gesagt, daß auf jeder Urzentralsonne ein solcher Anbetungstempel steht. Nur wurden sie dir bisher nicht gezeigt, weil deine Entwicklung es noch nicht möglich machte. Wisse: Aus heiliger Ordnung, in der höchste wenn auch zugedeckte Liebe wirkt, treten nur zu besonderer Mission geeignete Kinder vor einem Erdenweg hier ein; alle anderen erst dann, wenn sie bei ihrer Rückkehr von der Erde die heilige Stadt erreichen. Denn die gesegnetste dem UR-Vater dargebrachte Liebe liegt im Opfer der Anbetung. Freilich kann sie vollkommen nur im engeren Lichtzentrum geschehen.

Du glaubst, daß das Heiligtum mit dieser Halle nicht mehr zu vergleichen sei. O Karmatha, wende dich, nachdem du dies hier sahest, ins Heiligtum, und es werden dir die Sinne nahezu vergehen, solche Pracht wird sich dir zeigen. Gottes große Vatergüte offenbart nur soviel zur Seligkeit der Kinder, als ein Gemüt verträgt. Du schautest dich im Heiligtume niemals um, der Vater war dein Ein-und-Alles, der ganze Mittelpunkt. Und das gerade hat dir die Erwähnung eingebracht. Denn Äußeres, auch hier im Licht, fördert dann erst vollen Segen, wenn Gottes heiliges Wesen im Kind den größten Eindruck hinterläßt. Darum sollst du noch mehr Inneres und Äußeres erkennen lernen.

Schaue durch die Öffnungen. Eine zeigt dir den Mittelpunkt, das ‚Heilige UR-Herz’ in seiner Waltung, die andere das gesamte Leben, des Schöpfers Werk. Der Vater sprach über Einheit und Trennung der sieben Eigenschaften in ihrer Wechselwirkung. Nun, hier ist das gleiche Bild in Bezug auf den Schöpfer und die Schaffung. Es ist allerdings dabei der durch den Fall abgewandelte Werkteil zu beachten.

Das große Freiheitsfundament, von Sadhana willkürlich angewendet, wurde ihr zum selbstgeprägten Zwang. Damit entwickelten sich zwar die Schöpfungsbahnen anders, doch die Werkbedingungen blieben davon unberührt. — Wie konnten aber die heiligen UR-Gesetze bestimmend bleiben, ohne das zweite Fundament, das freie Willensrecht, zu beschränken und dennoch das Hochziel zu erreichen?

Deine innere Antwort gilt, sofern es das Werkmäßige betrifft, daß die Ordnung der Grundlebensstrahl sein muß, der das bewirkt, zumal sie jederzeit Grundherrscherin bleibt, solang freibewußte Kinder die Allmachtsschöpfung füllen. Doch auf welcher Basis die jeweilige Auswirkung des gegebenen Zieles plant, bleibt unterschiedlich.

Die Ordnung liegt dem Schöpfertum zu Grunde; sie ward zur ersten Kraft für Schöpfung und Geschöpf. Der UR-Wille bleibt dabei zu Gunsten der Kinder zugedeckt; aber — er wirkt! Treten im Werkverlauf andere Eigenschaften dominierend auf, so sind diese fundamental verankert. Daß jeder Tag sein besonderes Ziel erhalten hat, ist dir nicht mehr unbekannt, wie auch nicht deren unwandelbare Erfüllung. Aber Gott unterstellte Raum und Zeit zum gewissen Teile der freien Kind-Willenskraft und ‚ersah’ also mögliche Schwankungen, auch Änderungen mancher Kindesbahn. So war von Anfang an kein starrer Werkverlauf gesetzt, auch nicht durch Abwege notwendige Änderungen. Beides lag nicht ursächlich in der Willensmacht des Schöpfers.

Wäre das der Fall, so bedeutete selbst jede Zulassung von Gott eine vorbestimmte Entwicklung trotz geschöpflicher Willensfreiheit. Damit wäre das Freiheitsfundament illusorisch. Nur das Gesetzliche des Schöpfungsmäßigen, Anfang und das Ende, sind vorgeordnete allein nicht zwangsläufige Erscheinungen. Daraus ist erkennbar, daß die Kindwege nicht gesetzmäßig auf die Schöpfer-Ordnung gegründet wurden. Es fällt dir schwer, das Richtige zu treffen, schon weil du keine der heiligen Grundlebensstrahlen bevorzugen möchtest.

Das darf auch nicht geschehen. Jede Eigenschaft kann der Ordnung als Zweit- oder Beikraft dienen. Trotzdem steht keine vor oder zurück, keine bleibt ohne Wirksamkeit! Wäre das, so müßte die Ordnung zwangsläufig die größte Eigenschaft sein, ja — die alleinige Trägerin aller Werke, deren unabänderlicher Hauptgrund sie ist. Damit erklärt sich zugleich dein Gedanke über Schöpfung und Geschöpf. Die Schöpfung ist das Gesamt-Gewordene, die Erscheinlichkeit; das Geschöpf hingegen ist für sich selbst das wesenhafte wandlungsfähige Kind. An diesem Schöpfungstag brachte ein Kind sich selbst und somit folgend einem Teile der Gesamtentwicklung andere Bahnen.

Der allewige UR-Gott ersah im Voraus diese Wendung und ward Seinem Werk auch mit der Wendung voll gerecht, weil der Fall dem Werkverlauf nicht untergeordnet war, sondern bei Entstehung erst eingeordnet wurde. Hierin offenbart sich wundersam die Einheit und Trennung der Eigenschaften. Als Schöpfungspartner, die aus heiligen Bedingungen die Vorentwicklung wirken, eignen sich am besten Ordnung, Wille, Weisheit und Ernst, währen Geduld, Liebe und Barmherzigkeit als in die Kindfreiheit eingehendes Fundament anzusehen sind. Die vier bestimmenden Träger der Formvollendeten Substanz, hingegen die drei tragenden bilden im werdenden Werk die große Kraft. Sie lassen den Geschöpfen freien Lauf, ohne sie aus ihrer Hand zu lassen. Und dieses ‚Nicht-aus-aus-der-Hand-lassen’ liegt wieder in der Verbindung beider Gruppen und ihres hochgesegneten Ausgleich.

Der 6. Tag des Tat-UR-Jahres ist der erste, an dem der geschöpflichen Freiheit weitester Raum geboten wurde. Und als Dominant konnte nur ein tragender Grundlebensstrahl wirken, den Kindern nach jeder Hinsicht helfend. Verstehe recht, wenn ich sage: Es wurde UR nicht leicht, der Ordnung nur eine Eigenschaft offenbar beizustellen, weil diese dann auch notwendigerweise zum Opferträger werden mußte, wie ja Gottes Weg auf Erden es bewies. An der Sich Selbst gegebenen Vorbestimmung lag der erste Grund des UR-Opfers; und wahrlich, kein Kind, auch nicht ich, wird je die Schwere fassen, mit der UR um den Ausgleich in Sich Selber rang, der Schöpfer und Geschöpf in höchster Einheit führen und erhalten mußte, auch über den Fallweg hinweg zum Opferweg und dessen heiliges ‚Vollbracht’!!

Du denkst an die Barmherzigkeit, deren Kron-Symbol ‚Vollbracht’ heißt. Nun, sie ist wie alle Eigenschaften mit beteiligt, doch in der Fundamentsgestaltung konnte sie aus zwei Gründen nicht herrschend sein. Erstens ist sie als alleinige Vater-Eigenschaft der Krönung vorbehalten, die erst in Erscheinung tritt, wenn das Fallwerk nicht mehr existiert, und zweitens steht ihr Schöpfungstag noch aus, der siebente heilige Ruhetag. Du erkennst nun die Liebe als das große Tageslicht, zumal das Kreuz, ihr Tag- und Symbolzeichen, über URs Opferweg erstrahlt. Erkenne ferner noch, wie im streng geordneten Verlauf das Kleinste und das Größte in unendlicher Harmonie sich eint. Das alles lassen dich die beiden Öffnungen erkennen.

Im rechten Ausblick siehst du die Waltung aus dem Mittelpunkt des Urzentrums als ein Herz, in dem die Ordnung ihre Grundwirksamkeit besitzt. Müßte dieses Herz nicht eigentlich dem Vaterwesen gelten? Nun, Karmatha, stünde nur der Vater im Vordergrund, wahrlich, die Schöpfung könnte den Kindern schwerlich je voll dienstbar sein! Du siehst im Herzen vier Kammern, die gleichmäßig und gleichanteilig Leben spenden und tätig sind. Über der rechten Schöpfer-Herzkammer liegt die priesterliche und neben dieser die göttliche, die sich im linken Ausblick zeigt, in dessen Mittelpunkt die Liebe als Mitfundament erstrahlt. Sie herrscht, weil auf die Ordnung gestützt, das ganze Tagewerk. Und das, Karmatha, sind wir, die Vater-Kinder, weswegen die Vater-Herzkammer auch unter der göttlichen ruht, so daß der heilige Lebenskreislauf immer seine Vollendung finden wird.

Nun betrachte noch den Bogen, der die Öffnungen verbindet. Du hegst keinen Zweifel mehr, daß er fortgesetzte fruchtbringende Vereinigung zwischen allem Einzel ist: Schöpfer und Werk, Priester und Geist, Gott und Seele, Vater und Kind, Einheit und Vielheit, Inneres und Äußeres, Bedingung und Freiheit! Keine heiliggerechte Trennung, die nicht in sich höchste Einheit trüge! Alles und Jedes geht aus der großen UR-Einheit hervor, aus dem Lebensherz der UR-Gottheit!!

Nimm dieses Licht mit auf deinen Weg. Erhältst du die Opferweihe, dann bedenke: Aus dem Einen gingst du hervor, Teil der Einheit, zum Einen mußt du streben, wieder Teil der Einheit werdend; vom Mittelpunkt über alle Schöpfungsfelder bis wieder hin zum Mittelpunkt! Das ist Vollendung!! — In dieser Halle nun nichts mehr; die anderen drei sollst du noch kurz beschauen. Liegt die Erde hinter dir, wirst du sie richtig sehen.“ Nach diesem wunderbaren Aufenthalt im Weißen Tempel kehren sie zur Stadt zurück. Noch manches bringt Karmatha reichen Segen. In ihrem Haus übernimmt Pura einen weiteren wesentlichen Teil der Zubereitung an Karmatha. Sie spricht:

„Mein lieber Karmatha, unser Gemach erinnert dich sogleich an das Mahl, das uns der Vater hier bereitet hatte. Es steigen auch wieder Vergleiche auf ob jenem dir überwunderbar erschienenen Erkenntnistempel und unser Haus kommt dir sehr einfach vor. Sieh dich doch einmal näher um! Warst du hier, so warst du stets versunken oder sahest nur zum Heiligtum hinüber. Hast du dir die feinen Ornamente an Wänden, Decke und Fußboden schon betrachtet? Du verneinst und auf einmal weißt du nicht, wie dir geschieht. Du fühlst dich wo ganz anders hinversetzt. Aber du bist hier; und nicht der Raum hat sich verwandelt, Karmatha, sondern zufolge deines Wachstums siehst du mehr als zuvor. Die Veränderung an dir rief des Vaters Mahl hervor, und nun weißt du auch, warum es uns ein ‚Freudenmahl’ gewesen ist.

Trittst du nach deinem Erdenweg ins Heiligtum und zwar beim zweiten Mal, wirst du alle wunderbare Herrlichkeit erschauen, den Ruhm der Gottes-Heiligkeit! Gibt es auch im ganzen Universum anderes, was schöner und vollkommener wäre? — oder eine Sonne, die größte unter allen Großen, die mehr und reines Licht zu strahlen weiß als die UR-Sonne im Allerheiligsten?! Die Herrlichkeit des Weißen Tempels fiel dir nur besonders auf, weil du das Freudenmahl genossen hast und — dort der Vater nicht persönlich war. Wäre ER, so hättest du nur Ihn gesehen. Und Karmatha, damit siehst du auch das Beste!! Das ist des Kindes Liebeopfer, dem Vater dargebracht, das uns zur vollsten Einheit mit dem Ewig-Heiligen UR gelangen läßt. Beim ersten Eintritt ins Heiligtum nach der Rückkehr wirst du nur den Vater sehen, in Seiner Anschauung anbetend ganz hingesunken. Das ist zugleich das erreichte innere Fundament, während bei der zweiten Schau das äußere zur Geltung kommen darf und muß.

Es ist kein Vorzug, im geheiligten Gemach mit dem Vater speisen zu dürfen. Wir Ersten haben bei großen Schöpfungswenden sogar im Heiligtum ein Freudenmahl empfangen. Das besagt nicht, daß wir in der Liebe Gottes höher stehen; vielmehr erwartet dadurch sowohl die Gottheit als auch das Werk von uns größere Arbeitsleistungen. Jedes Kind erhält gemäß seiner Aufgabe das erste Licht aus dem UR-Licht. Bis zu einem Schöpfungswendepunkt soll und muß dasselbe als ein Eigentum erworben und auch mit ihm gearbeitet worden sein.

Die urheilige Quelle zeugt alles Leben, erhält und vollendet es. Aber jeder Fluß versickert, wird er nicht von seiner Quelle neu gespeist! So bedarf denn auch erworbenes Lichteigentum von Zeit zu Zeit neuer Kräfte. An sich erfolgt das fortgesetzt durch die Werkverbindung zwischen Schöpfer und Geschöpf, die sich erhöht, sobald ein Kind bewußt in der Verbindung lebt. Besondere Werke brauchen Zusätzliches, vor allem zum Segen für die große Kinderschar. Das kommt uns bei einem Mahl zugute, das wir gemeinsam halten. Und ist der Vater auch dabei, so werden die Empfangenden auf bedeutsamere Taten vorbereitet und gestärkt. Geschieht es außerdem im Heiligtum oder in einem Hausgemach, so hat das für das Ganzwerk umfassende Bedeutung.

Wohl kommt es darauf an, welch ein Weg zu gehen ist, der einer Bedingung unterliegt. Aber wie das Kind ihn geht, ist seine eigene Sache. Es erhält mit einem Freudenmahle so viel Kraft, daß es Weg und Arbeit meistern kann. — Du meinst, man wüßte auf der Erde nichts von dieser Kraft und könne sie demgemäß auch nicht verwenden. Denke das nur nicht Karmatha!

Alle Kräfte bleiben wirksam, auch wenn man sie nicht fühlt! Auf deinem Weg wird sich die Kraft des Freudenmahles wunderbar gestalten; du wirst sie spüren ohne es bewußt zu wissen. Es wird dir aber zu deinem persönlichen Nutzen so vorkommen, als ströme sie erst unmittelbar herein, was zusätzlich ohnehin geschieht. Wird mit des Vaters Gabe eine freiwillig übernommene Sonderpflicht von dir erwartet, so neige dich in Demut vor dieser hehren Gabe.

Dünke dich nicht größer als ein Kind, das mit kleiner Herzenskraft aber leicht dem Vater volle Freude machen kann, tut es das Seine ganz getreu. Denn nicht die Größe einer Gabe, einer Arbeit bringt Vollendung, sondern einzig und allein ein volles Maß!! Aller Lichtfreunde höchster Segen kommt ja durch Unterschiede. Gegenseitiges Geben und Nehmen als freiwillige Dienstbarkeit vollendet jedes Werk!

Du hast auch diese Belehrung vollwahr in dich aufgenommen und eine schöne Demut bestrahlt dein Herz. Noch manches wirst du aus dir hinzuerwerben, das bringe in treuer Liebepflicht dem Vater als Dankopfer dar.“ — Hochgesegnet fühlt sich Karmatha, nun im siebenten Fürstenhaus den Abschluß seiner Prüfungswege zu erlangen. Noch muß er sich gedulden; und jetzt tut er es gern, denn die Reife seines Gemüts läßt ihn den Fortgang sehen.

Zwischendurch erlebt er viele schöne Szenen. Kinderscharen kehren bei Gabriel und Pura ein. Auch Sama kommt, die indessen ihren Erdenweg vollendet hat. Wie schön und lieblich reif ist sie geworden. Karmatha erstaunt. Dann folgt abermals ein großer Ruf. Zum Heiligtum ziehen die gesegneten Scharen. Die Pforten öffnen sich. Licht flutet aus und ein, und in der ‚Harmonie mit dem Göttlichen’ knien sie andachtsvoll im Raum, bis sich die Stimme offenbart.

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