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Kap 19 – Voraussage für die Welt; Die Himmelsleiter; Hohe Hinführung zu Gott;…

Voraussage für die Welt; Die Himmelsleiter; Hohe Hinführung zu Gott; Vom zehnfachen Leid.

Kapitel 19

Der Winter ist ins Land gekommen, erst ziemlich mild, wodurch die Pest nicht abzuklingen scheint, wie man allseits hoffte. Viele, ach so viele sind dahingegangen in ihrem Weh, manche auch in Beten und im unerschütterlichen Glauben: Gott weiß, warum! Sie haben ihre Hände still gefaltet, immer unter jener ‚kleinen Hand‘, die nebst dem Arzt und ihrem Pfarrherrn treulich hilft, wo immer es gegeben ist, allezeit bereit.

Liegt nicht zugleich ein Gutes in der Last, was die Freunde unter sich besprechen? Ein Aufatmen geht durch evangelisches Land, nicht zuletzt auch durch katholische Distrikte, daß der ‚schwarze Tod‘ die Hispanier genauso mitbetrifft. Das Inquisitorische ist nicht mehr unerbittlich durchzuführen. Man fürchtet sich sogar, sich in Kirchen zu versammeln. Ob es später wieder anders wird? Diese Frage möchte man so gern verneinen: Nie wieder dieses Schreckliche, den Macht- und Menschenwahn! Es möchten doch einmal die Leute endlich friedlich leben. Auf dieser Welt — ?

„Nein!“ Das Wort kommt eines Abends, als sich die letzten Freunde mit den Städtern treffen. Die Reihe ist gelichtet. Franz Stängler und Therese Hieselbar, Schrobers Frau und sein Bub Hansel, von der Stadt der Bauherr und der Schneidermeister. Sie gingen alle ihren Gnadenweg. Sie trug man nicht zum Angertor hinaus.

In der Stadt gibt‘s manches leere Haus, wo die Familie nicht mehr lebt. Die Häuser hat der Stadtrat einkassiert, ausräuchern lassen und jeden von der Stadt, der auch betroffen war, da betten lassen. Jeder hat sein eigen Grab bekommen; nur für die vielen Fremden war es nicht möglich. Doch für Freund, Mann, Frau und Kind gab es viele Tränen. Und nun eben dieses eine Wort auf bange Fragen.

„Nein, nie kommt die Erdwelt bis zu ihrem letzten Atemzug, den ihr Menschen nicht errechnen könnt, auch nicht zu wissen braucht, zu einem wahren Frieden! Für das Gesamte angesagt. Es ist nicht der Planet gemeint, ein Gnadenwerk des Schöpfers; es sind die weltlich Oberen, die im Machtwahn immer wieder sich erheben, die bis zuletzt die ‚Todesfackeln‘ schwenken.

Es wird kein einziges Jahrhundert geben, wo nicht weitverbreitet das Verderben wütet (Kriege, Revolutionen usw.). Was ihr jetzt die Inquisition nennt, wird zwar nach einer Weile nicht mehr ausgeübt; dafür werden andere Mächtige auf ihre Weise und zu ihrer Zeit die Lasten über ihre Menschen bringen.

Seid getrost! Es mag finster sein und bleiben, mag sich die Zeit mit Blut und Todesgrauen füllen — — über allem bleibt des Höchsten Herrschaftswille stets bestehn! Ob man dies sieht, anerkennt oder nicht, hindert nicht das Regiment des Ewigen! Es bleibt jedes Herz verankert in dem Glauben, in der Liebe, die euerem Vater-Gott gebührt, wenn jetzt bald noch mancher euch verläßt, im Leid der Welt, aber in der ungeteilten, ungetrübten Freude ihrer Heimkehr in des Vaters Reich und Haus.

Im Dienst an euren Nächsten, fraglos, ob ihr selber dadurch viel zu früh die Welt verlassen müßt, die Lieben und die Freunde, habt ihr — ohne euch über andere zu erheben und nicht im Lob, das nun das Licht euch bringt —‚ euere Himmelsleiter sehr verkürzt. Was das bedeutet? Achtet auf, bleibt in Demut dennoch auf der ersten Sprosse eures Himmelsstieges stehn.

Dieser braucht nicht erst nach einem Weltensterben zu beginnen. Richtig steigt ein Vaterkind darauf herab; denn vom Lichte seid ihr ausgegangen, zum Mithilfsweg in die Materie, auf euerer Welt und anderwärts. Während eines solchen Weges ist allgemein die Leiter für das Kind verdeckt, wie hinweggenommen, dennoch da, weil es ein Gnadenakt des Höchsten ist.

Wer aus der inneren Lichtverbindung auch zur äußeren kommt, was besagt: der Mensch hält sich am Glauben fest, läßt sich stets von Gottes Liebewillen leiten, hilft bestmöglichst seinen Nächsten und zwar treu, wahrhaftig und gerecht, der steht nicht mehr dann vor seiner Leiter, die jede Seele hat, sondern kann bereits im Weltenweg ein wenig aufwärtsklimmen.

Hierbei wird nicht allzu sehr gemessen, ob jemand eine, zwei oder etwa ein paar mehrere Stufen überwinden kann. Nein — hier gilt bei Gott allein das Aufwärts aus der Mühe, samt dem Leid, der Hingabe nach den Grundgeboten, die vom ersten Anfang an dem gesamten Menschenvolk gegeben ward. Das Gott-Gesetz hat wenig Worte; nämlich:

‚Liebe Gott über alles, deinen Nächsten wie dich selbst‘!

In diesen Worten wurzelt alles, was der Heilige zum Menschennutz enthüllte, eingefaßt Seine wundersamen Lehren, die Er in der alten Zeit, wie ihr jene vor dem Heilandsleben nennt, die Er als HEILAND herrlich offenbarte. Wer danach tut, bestens, wie es einem Wanderkind gelingen mag, der steht schon vor dem Erdentod nicht abseits seines Lichtaufstiegs, der hat ihn schon betreten.

Kein Leid geht über Gottes Güte! Weder Last noch Prüfung kommt von Ihm. Der Dienst ist zu erfüllen, und das einst freiwillig euerem Schöpfer in die Hand gegebene Gelübde (Ps. 50, 14) ist zu bezahlen! ‚Halten‘ nennt man das Bezahlen. Gut, wenn ihr es nicht seht, wie viel Engelshilfe euch umgibt; aber gut ist es, zu wissen und zu — glauben! Im Glauben treu, bleibt jeder von euch auf dem Heimkehrweg. Jeder Mithilfsdienst ist ein Stück vom ‚Weg‘ zurück, von dort, wo ihr einstens ausgegangen seid. Das wißt ihr schon und bedarf es dazu keiner Extralehre.

Der Vater segnet euch, Seine Gnadenkraft verläßt euch nicht. Ich, ein Bruder aus dem Reich, grüße euch.“ Oh, die guten Worte, in den Zeiten ihrer Trübsal und — und: „Für diese Welt“, blättert Pfarrherr Sinkmann die Gedanken auf, die er selber in sich trug, „ist es die schwere, trübe Zeit, nicht eigentlich die Zeit. Was ist alles Leid gegenüber jenem Herrlichen, dem Ausblick auf das Ewige, auf die unverdiente Güte, die uns zuteil geworden ist?“

„Ganz recht“, läßt Berthold Meurer sich vernehmen. „Unverdient“, und denkt dabei, daß sein liebes Weib, die Kinder, er selbst nicht wie die Freunde auf dem Schragen liegen, fortgeführt aus der Not, von Weltlichen gebracht. Den Heimgegangenen gilt das ‚verdient‘. Er spricht es aus, währenddes Beate still in sich gekehrt auf ihrem Stühlchen sitzt. Sieht und hört sie mehr, als er, Meurer, und die anderen vernommen haben — ?

Ist ihr Antlitz nicht recht schmal und bleich geworden? Sieht er das erst jetzt, in großer Angst? Auch ihr erster Freund, Sinkmann, wirkt sehr mitgenommen. ‚Nicht der erste, zwar ein guter, sondern bloß der zweite Freund, wenn du es so nennen willst‘, ist‘s wie ein Hauch an seinem Ohr, oder innerlich, wie ein Fühlen. Dazu: ‚Der höchsterste, beste Freund ist der Schöpfer der Gerechtigkeit, der erste, höchste Priester Seiner Gnade, Gott und Heiland von alters her (Jes. 63, 16), Vater der Barmherzigkeit! Das bewahre dir, wenn du vor Schmerz zerbrechen willst.‘

Was war denn das? Ein Gedanke — ein gehörtes Wort? Kann er, der Mensch, das unterscheiden? O Weltenbürger, muß man alles bis ins letzte Lot zergliedern? Genügt denn nicht die Gnade und das Wort? Gibt Gott nicht jedem Kinde nach dem Maß, wie es etwas aufzunehmen, eine Bürde auch zu tragen weiß? ‚Tor‘, schilt Meurer, auf sich bezogen. Aufsteigende Fragen können jene aus dem Lichte sein, und da braucht nicht er die Antwort seinem Gott zu geben. ER weiß alles ganz genau! Wohl, wie eine leise Freude überrieselt‘s ihn, ‚auch‘ ein Wort gehört zu haben.

Indessen steht Beate auf. Groß, schlank, geistigschön, wie eine Priesterin aus alter Zeit, aus fremdem Land, winkt sie Sinkmann und dem Doktor zu. Wortlos geht sie hin zur Tür, wortlos folgen ihr die beiden Männer, und ziemlich lange wortlos bleiben auch die anderen zurück. Sie werden bald erfahren, was jetzt geschehen ist. Berthold Meurer atmet trotz des ‚Gnadenwortes‘ sehr belastet auf. Er behielt die Tochter immerzu im Auge, hat gesehen, wie sie jungfräulich erwachsen wurde, er sah die geistige Veränderung, die sich schon als Kind an ihr vollzog. Nun —

Sie kommt ihm, dem Vater, fremd und überirdisch vor, ein lichtes Wesen, das nicht auf diese Welt gehört. ‚Ach, nur nicht verlieren‘, murmelt er. ‚Gott, erhalte uns das liebe Kind!‘ Und wieder wie ein Hauch streicht‘s die Gedanken und die Bitte aus: ‚Nichts verliert der Mensch, wenn er gläubig will, was in seiner Liebe fest verankert ist. Da die gebende Liebe, nicht die nehmende. Letztere beherrscht zumeist den Menschen. Er will empfangen, will behalten, will es als sein Eigentum betrachten.

Erkenne: Gottes Liebe gibt! Also denke weniger an dich, denke an das Eigentum des Höchsten! ER hat dir das Kind geschenkt. Nimmt Er es zu Seiner Zeit hinweg, so bleibe stark und tröste, wer getröstet werden muß. Denn es erfüllt gar mancher schon in jungen Jahren sein Gelübde, sein Opfer-Soll; und ist es angenehm vor Gott, dann kehrt das Kind ins Vaterhaus zurück.

Manche sind in einem langen Leben nicht einmal soweit gekommen, daß sie ihren ‚Himmelsstieg‘ von ferne sehen, geschweige denn zum ersten Anstieg kommen. Ja, dies und jener hat die Leiter für sich selber ganz verloren. Einen solchen habt ihr in den Hütten, und noch heute werdet ihr erfahren, was mit ihm geschieht. Falte deine Hände, danke Gott, daß Er dich so reich gesegnet hat.

Weltlich ging dir viel verloren; dafür gab der Herrgott dir ein braves Weib, gute Kinder und einen kampfbereiten Sinn. Mit anderen hat Er dich errettet. Besiehst du das, so kannst du deinen Dank dem Höchsten bringen, ohne Seufzer, wenn bis zum Untergang der Welt der Mensch das Seufzen nicht verlernt, unendliche Male unberechtigt, weil man Gottes Himmelsgüte nie mit kleinen Weltenmaßen mißt. Das Defizit ist seine Armut. Halte dich bereit, man wird dich holen; der ‚schwarze Tod‘ fällt nicht auf dich.‘

Fast wäre Meurer der Gedanke aufgeschossen: ‚Aber meine Tochter wird er holen.‘ Allein, das ist die väterliche Not, und die sieht Gott sehr gnädig an. Allmählich spricht man über das Gehörte durch Beate. Welch ein großer Trost, welch eine völlig andere Welt, ein so unvergleichliches Empfinden! Sie, all die Unbekannten, fühlen sich entrückt. Und doch — dennoch — das menschlich Dunkle tritt an sie heran, und ist ein Kampferproben, ist ein Sieg. Das sagt nun Pater Angermann, gut von ihm erläutert. Man nickt ihm dankar zu. Doch da stürzt ein Knecht herein.

„Ein Bote von den Hütten“, ruft er. Die unmittelbar jene von der Pest Befallenen betreuen, außer Strauber, Sinkmann und Beate, dürfen in kein Haus, wo es noch keine Kranken oder Toten gab. „Rasch, der Meurer soll kommen, man wird mit einem nicht mehr fertig.“ Helene Meurer packt ihren Mann an beiden Händen, flehend: „O gehe nicht! Ich kann, ich darf dich nicht verlieren!“ Verständlich, daß sie so voll Schrecken ist.

Sanft streift er seines Weibes Hände ab. „Du weißt, Helene, wenn der Herrgott ruft, haben wir zu folgen. Es ist der Dienst! Sei ohne Sorge, ich bleibe dir erhalten.“ Hier, die ‚stillen Worte‘, die er hören durfte, sind gewiß die Überzeugung, daß er voll Zuversicht das sagen kann, ist aber auch sein eigener Glaube, das ‚Hineinlegen in des Vaters Willen‘, was ihn stark und mutig macht. Weinend sieht Helene ihrem Manne nach.

Sonderbar, es ist der Hauptmann Scharfner, der erst, wie man so denkt, ein wenig von dem ‚Licht gerochen hat‘, der tröstend sagt: „Frau, weine nicht! Wo Gottes Worte zu uns kommen, ist ER da!“ Ach, alle sind beseligt, und des Paters Augen leuchten hell. ‚Herr, ein gutes Herz hat sich zu Dir gewendet.‘ Laut sagt er: „Es ist besser, wir gehen jetzt nach Hause. Sicher dauert es sehr lang, bis wir hören, was geschehen ist.“

Man stimmt gern zu, man ist müde von des Tages Müh, auch steht die Mitternacht schon vor der Tür. Scharfner nimmt Helene bei der Hand. „Komm, ich geleite dich, da kann dir auf den Gassen nichts geschehen. Heute brauche ich noch nicht zur Burg zurück, ich will bei dir bleiben. Gibst mir das Stübchen von Freund Sinkmann; mag dich bewachen, bis der Morgen tagt. Man kann nie wissen . . .“ Recht hat er, der Tapfere. —

Was trug sich in den Hütten zu? Der Spanier, mit der durch Todesangst verliehenen Kraft, hat sich auf den ihm zunächst Liegenden gestürzt. „Endlich hab‘ ich dich, Satan! Nun soll es auf der Erde besser werden mit denen, die mir treu ergeben sind! Alle anderen — sind ja deine Brut, du Erzbösewicht — werden ausgerottet. Ha, hier sehe ich sie liegen, die ins Fegefeuer kommen, und das zünde ich auf Erden an, Euere Leiber sollen schmoren, wie euere verdammten Seelen dann in ihrer Höllenqual!

Dabei drückte er dem Schwachen, ohnehin dem Tod schon nah, die Kehle zu, bis dem Überfallenen der Lebenshauch vergangen war. Wer sich noch erheben konnte, war auch mit allerletzter Kraft vom Lager aufgesprungen, rannten hin zur Tür und schrien laut um Hilfe. Bis die zwei Hüttenknechte kamen, hat der irr Gewordene zwei weitere Opfer umgebracht.

Es geschah zwar in sinnloser Angst, weil er dem Tod ins Auge sah, nur nicht eingestand, nicht wissen wollte, daß die Bilder seiner Schreckenstaten vor ihm standen, drohend, wie ein schwarzer Fels, der auf ihn herabzurollen schien. Bloß befreite ihn das nie davon, auch nicht von den letzten irren Taten.

Als er sich aufs vierte Opfer stürzen will, die Knechte konnten den entfesselten Dämon allein nicht halten, eilen die Gerufenen herbei, Beate vorneweg. Es ist ein Ruf aus ‚Gottes Mitternacht‘: „Halt!“ Ist auch keines Mädchens Stimme. Der Mörder fährt entsetzt herum. Er sieht freilich nicht das Hohe, Heilige, hört nicht den Posaunenruf, der ihn treffen muß. Er sieht nur das holde Mädchen, nach dem er schon so lange gierte.

Seine letzte Kraft zwingt den todgeweihten Leib. „Haha, hab‘ ich jetzt die Hexe?“ Und rennt — an eine Mauer. Sein Gesicht blutet, die Hände sind ihm wie gebrochen. Dennoch will er wieder auf Beate zu und stößt mit dem wunden Kopf nun an eine unsichtbare Mauer. Es sind vier Schritte vor dem Licht, das gleichfalls niemand sieht.

Stöhnend bricht er nieder. Die durch Krankheit zerstörten Lippen bringen dennoch einen um den anderen Fluch hervor und denkt dabei widerlich — an Gott insofern, weil er wähnt, er diene Ihm, indem er Menschen, wie ihm es jetzt ergeht, bitter sterben ließ. So liegt er auf dem Schragen, bar aller Kraft.

Was geht eigentlich hier vor? Sogar Pfarrer Sinkmann, Doktor Strauber rücken von dem Mädchen etwas ab, aus ehrfurchtsvoller Scheu, die nicht dem jungen Menschen zuzukommen hat, allein dem spürbaren ungesehenen Licht. Noch ist zu befürchten, daß der vom Irrsinn und vom Tod Gezeichnete sich auf weitere Kranke stürzt. Doch das ist vorbei; auch hat man ihn gefesselt.

Unzusammenhängendes Gezeter ist zu hören. Strauber kann ihm nicht mehr helfen. Sinkmann betet leise für die fast zerstörte Seele, die Gottes Güte noch erhält. Meurer wacht. Aber wie des Bösen Engel, der traurig auf die ihm anvertraute Seele blickt, das Leid dem Vater klagend: ‚Ich habe nichts versäumt, Herr; doch sie schob mich immer wieder weg, sie ließ sich niemals helfen‘, so steht Beate da, das liebe Haupt geneigt, flüsternd:

„Armer Mensch, du fährst ohne Frieden in die Grube, und du wirst schauerlich erwachen, noch bevor die letzte Scholle auf dich fällt. Was dann?“ — „Das lasse MEINE Sorge sein“, hört sie deutlich neben sich. „Sieh, das Verlorenste von Meinen Kindern habe ICH behütet und beschützt und — wenn du es so nennen willst — gesucht, gefunden, auf den Umkehrweg gebracht. Durch MEIN GOLGATHA !

Jede Seele, die sich abgewendet hat und obendrein nichts anderes aus bösen Trieben tat, als Schreck und ungeheure Nöte zu verbreiten, sinkt in ihr ‚eigenes Harmagedon‘ ab. Daran kommt kein Mensch ob seinem Arg vorbei, wie nie an Meinem Kreuz! Dein Herz weint, sein Engel“, es ist wie eine Hand, die auf den Sterbenden zeigt, „legt Mir seine und auch deine Tränen in die Hand. Er hat, wie oft, den Lichtplatz aufgegeben, um dem Dämon zu helfen.

Diese Hilfe sehe Ich tausend mal tausend an, erst recht da, wenn jener, dem die Hilfe gilt, sie hohnlachend weggeschoben hat. Jede Dienstwilligkeit ist gesegnet! Sei nun nicht mehr traurig; laß die kaum noch ganze Seele in ihr Harmagedon sinken; allein dort, unter zehnmal mehr Leiden, als sie jedem einzelnen Menschen angetan, kann die Seele sich dereinst von ihren Banden lösen lassen, um noch die Erlösung nachträglich zu erhalten.

Das Zehnfache entspricht Meinen Zehn Geboten, weil jede Untat ein Verstoß gegen das Gesamtgesetz, von Ewigkeiten her bis über Sinai, dem Offenbarungsort für diese Welt in ihrer letzten Zeit, bedeutet. Das hebe ICH nicht auf!!

Sage nicht, Ich wäre die Barmherzigkeit, da könnte Ich doch wohl so manches streichen. Was weißt du denn vom schöpferischen Wirken dieser Eigenschaft? So viel wie nichts! Sie ist kein bloßes lindes Streicheln, ein Zudecken dessen, was doch ausgetragen werden muß. Eben da, im Letzteren, dem Austragen, liegt der Grundbegriff Meiner heilig-ewigen Barmherzigkeit! Die soll jede abgeirrte Seele haben. Aber wann, wie und wo ist Meine Sache ganz allein.“

Da streckt Beate plötzlich ihre Hände aus, ungewollt, sie weiß es selber nicht, daß und wie es geschieht. Ein letztes Röcheln ist zu hören, ein Aufbäumen, Niedersinken zu einem ganz verkrümmten toten Leib. Er läßt sich nicht geradelegen, wie man dies bei Toten tut, die durch körperlichen Schmerz verlagert sind, meist aber selber noch im Sterben sich geradestrecken. Der Großinquisitor bleibt verkrümmt, wie zu hartem Fels versteint. So muß man ihn zur Grube tragen. Das ist ein ‚Mahnmal Gottes‘, wie es schwerer und — heiliger nicht gegeben werden kann. — —

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