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Joh. Kap. 16 – Wille

Joh. Kap. 16 – Wille

WILLE

‚Er hat uns wissen lassen das Geheimnis Seines Willens

nach Seinem Wohlgefallen.‘

Eph.1,9

Welche Gnade an der Seite eines ‚Gottes‘, — in schwerer Opfernacht! Da ist zu sagen: ‚Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade‘ (Hebr.13,4). Vom Abendmahl, von Gottes Liebe eingehegt, spüren sie noch nicht, was ihrer wartet.

‚Solches habe Ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert‘ (V.1). Nicht menschlich ärgern ist gemeint; vielmehr gilt schon hier: ‚Bist du Christus, so hilf Dir selbst und uns‘ (Luk.23,39). Ah, wer hätte das gedacht? Gewaltige Reden, große Taten, und nun — ? ‚Sie werden euch in den Bann tun. Es kommt die Zeit, daß wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst. Und solches werden sie euch darum tun, daß sie weder Meinen Vater noch Mich kennen‘ (V.2,3).

Das ragt über die Apostelzeit hinaus. Man hob das Kruzifix empor; aber ohne Liebe (Sohn) und Erbarmung (Vater) sah man zu, wie ein Mensch verbrannte, auf der Folterbank zu Tode kam: ‚Im Namen Gottes!‘ In diesen Folterern war nicht das WORT des Herrn: ‚Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen‘ (Matt.5,7).

Die ersten Märtyrer gab es nicht ‚im Namen Gottes‘, weil man die Eingottlehre und den Heiland bloß in Palästina kannte. Immerhin — es gilt auch den Aposteln. ‚Solches habe Ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, ihr daran denkt‘ (V.4). Auf diese Weise völlig vorbereitet, lösen sie sich leichter von der Welt.

Aber das: Hätten wir von Anfang an gewußt, was uns aus dem Weg mit Dir entsteht, dann . . . ‚Solches habe Ich von Anfang euch nicht gesagt; denn ICH war bei euch.‘ Hättet ihr es gleich gewußt, ohne Meine Lehre, Meine Taten zu erkennen, ihr wäret nicht dem HEIL gefolgt, das euer Anteil aus dem Lichtreich ist.

Nach drei Jahren, sicher mit dem Herrn verbunden, stehen sie noch abseits von der letzten Höhe der Erkenntnis. Jesu heilsgewohnter Wille deckt die Mängel zu, das Menschliche am Menschen. Allein die TRAUER sagt: ‚Nun aber gehe Ich hin zu Dem, Der Mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt Mich: ‚Wo gehst Du hin?‘ (V.5)

Von der Herkunft und dem Wesen Jesu wurde oft gesprochen; nun, wo die Entscheidung fällt, denken Seine jünger nur an sich, ‚Weil Ich euch die Zukunft sage, darum seid ihr traurig‘ (V.6), euretwegen. Ihr seht den Ernst, was Ich aus Meinem Willen durchzuführen habe. Allein — ihr fraget nicht nach Mir! Doch der Wille, Seine Liebe für sie aufzuopfern, spricht:

‚Es ist euch gut, daß Ich hingehe. Denn so Ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so Ich aber gehe, will Ich ihn euch senden‘ (V.7). Wie wunderbar! Nicht für Sich braucht der Herr das Kreuz zu tragen; denn das wäre widersinnig. Für euch, ihr Kinder, für die Weltlichen, für das verlorene Kind, für alle gehe Ich den Weg; und damit kommt auf alle die Barmherzigkeit — als Tröster! Ist es nicht ein Trost, wenn kein Kind verloren geht?

Herrlich tritt der Wille auf den Plan, zumal der Herr der Tröster und der Sender ist. Eigenartig, daß der Tröster strafen wird, ‚die Welt, die Sünde, um die Gerechtigkeit und um das Gericht‘ ( V.8 ). Aber müßte nicht der Herrschaftswille Gottes strafen? Warum soll‘s der Tröster tun? O du ewige Barmherzigkeit!

Es käme niemand vom Gericht, würden nur des Schöpfers Ordnung und Sein Wille wirken, die den letzten Lebensteil des Meisters eingeleitet haben. Wie einst im Kronrat wird der letzten Eigenschaft das Letzte übergeben. Deshalb ist ihr wie als Trost anheimgestellt, die Sünde zu bestrafen. Das ist so gerecht; denn die Liebe opfert sich (V.9-11). Des ersten Kindes Fall hat das Unrecht ausgelöst. Damit ist nicht bloß gesagt, daß die Weltlichen nun ohne Schuld und Sünde wären. Nein — ‚ihr habt gehört, ihr habt gesehen!‘

Gethsemane und Golgatha wären zu besprechen, aber ‚ihr könnt es jetzt nicht tragen‘ (V.12). Früh genug zu wissen, wenn‘s geschieht. Vers 13 und 14 sind keine Wiederholungen vom ‚Geist der Wahrheit‘. Es ist eine Hindeutung, daß die Jünger in sich selbst ihn spüren können, über ihren Geistanteil, den jeder Mensch erhalten hat. Macht er ihn wach, so wirkt er auch; unterdrückt man ihn, so bleibt dem Menschen die Erkenntnis fern.

Gottes Geist wird durch den Geist der Jünger wirken, als handelten sie wie aus sich selbst. Das Geheimnis, wie im Menschen auch der hehre Wille wirken kann. Ja: ‚Er wird‘s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen‘ (V.15). Mein Geist wird dieses in euch offenbaren, um nicht nur ‚auch‘, sonder ‚dann zu zeugen!‘

Weil in der Erkenntnis noch gehemmt, also wird gesagt: ‚Über ein kleines, so werdet ihr Mich nicht sehen‘, — wenn Mein Leib im Grabe liegen wird; ‚aber über ein kleines, so werdet ihr Mich sehen; denn Ich gehe zum Vater‘ (V. 16). Dann werden sie es wissen, wer der Vater war (14,8-9). Denn das ‚andere kleine‘ ist die Offenbarung von der Herrlichkeit. Viel gefunden, und sind noch Suchende. Sie verstehen nicht, was der Meister meint (V.17-19).

Was des Himmels Freude ist, ist der Welt die Last; die Traurigkeit der Gläubigen soll in Freude umgewandelt werden. ‚Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen‘, wenn Ich am Kreuze wie ein Mensch gestorben bin. Dann — denken sie — bin Ich beseitigt: für immer! Oder nicht? O, Angst wird die Mörder und die Masse treffen, die das ‚Kreuzige‘ gerufen haben. Wenn aber OSTERN an des Himmels Firmament erscheint, dann werdet ihr euch freuen — noch mehr, wenn euer Tagwerk auf der Welt vollendet ist (V.20-22).

‚An dem Tage werdet ihr Mich nichts fragen‘ (V.23). Man denkt dabei an Pfingsten. Das ist mit gemeint, aber bloß im Nebenrang. ‚Tag‘ bedeutet höhere Erkenntnis. Und da der Herr so oft vom Hingang zu dem Vater sprach, tief erkannt für alle Kinder, also ist mit ihrem Hingang jener Tag gemeint, an dem sie diese Welt verlassen und ins Reich des Lichtes gehen können. Alsdann freilich brauchen sie auch nichts zu fragen; dann sind sie die Wissenden.

Es folgt nun eine kleine höchst gerechte Abrechnung, zum Heil der Jünger. Fehler zu erkennen und sie dann vermeiden, ist die Straße zur Vollendung. ‚Bisher habt ihr nichts gebeten in Meinem Namen‘ (V.24). War das nötig, da sie an des Meisters Seite gingen?, von IHM geführt und oft gespeist?

Ach, sie sehen es jetzt ein. Trotz Ver- und Bewunderung war dies allmählich abgeklungen: ‚Herr, gib Du!‘ Weil sie mit Ihm gehen, haben sie das Bitten und das Danken nicht erwogen. Nun, der Heiland merkt es nicht als Sünde an, Sein Heiler-Wille beseitigt dieses Defizit, was das Weitere erkennen lehrt.

‚Bittet, so werdet ihr nehmen, daß euere Freude vollkommen sei.‘ Welch ein Wille aus der Liebe zeigt sich hier! Selbst am Vortag Seiner Lebensschmerzen denkt Er an die Freude ‚Seiner Kindlein!‘ (13,33). Wer kommt dem gleich? Niemand! ‚Solches habe Ich zu euch durch Sprichwörter geredet. Es kommt aber die Zeit . . . wo Ich es frei heraus verkündige von Meinem Vater‘ (V.25).

Mancher Bibelleser sieht allein das Zugedeckte: Sohn und Vater. Man vergißt, zu welcher Zeit, zu wem, warum der Heiland Sich nicht offenbare als der eine Gott nach dem Grundgebot: ‚ICH bin der Herr, dein Gott — Du aber Herr, bist unser Vater und unser Erlöser — Und ER heißt Ewig-Vater‘ (1.Mo.20,2; Jes.63, 16; 9,5).

Bisher in Sprichwörtern, Beispielen angedeutet, weil die Zeit und ihre Menschen es noch nicht verstehen konnten (V. 12). Wenn sich GOTTES Zeit erfüllt, wird der Heiland als der EWIG-VATER offenbar. Noch gilt: ‚Ich sage euch nicht, daß Ich den Vater für euch bitten will. Er Selbst, der Vater, hat euch lieb‘ (V.26). Das betrifft das vorerwähnte ‚Liebe Kindlein‘.

Es nimmt wunder, daß an dieser Stelle allzu oft der Herr betont, Er sei vom Vater ausgegangen und gehe wieder zu Ihm hin (V.27,28); dennoch ist es nötig, weil die Jünger von der Macht der eigenen Erkenntnis wie geblendet ihre Seelenaugen schließen. Noch können sie die letzte Stufe ihrer Himmelsleiter nicht betreten, immerhin — sie sind schon hoch hinaufgestiegen.

‚Nun redest Du frei heraus — nun wissen wir, daß Du alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß Dich jemand frage; darum glauben wir, daß Du von Gott ausgegangen bist‘ (V.30). Jetzt kann kommen: ‚Nichts mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist‘ (Röm.8,39). Da will jeder Ihm bezeugen, wie sie zu Ihm stehen. War das eine Freude für den Herrn? Konnte Er nicht mehr verlangen, als was die Stunde an Erkenntnis gab —?

‚Jetzt glaubet ihr‘ (V.31)? Ihr habt oft gewankt, gebangt, ‚ihr Kleingläubigen‘ (Matt.8,26)! Oft habe Ich es angesagt, nicht allein im Gleichnis, sondern klar im Wort. In dem ‚jetzt glaubt ihr‘ liegt nicht bloß die Frage, ob sie an den Heiland als dem SOHN des Vaters glauben; viel tiefer reicht sie in den tiefsten Grund der Heilands-Bahn hinein.

Weil sie die ‚Gottheitsfülle‘ noch nicht völlig kennen, deshalb sind sie auch zur Zeit der höchsten Kreuzesnot nicht bis ins Letzte einsatzfähig. Sie glauben zwar, sie wären es; allein: die Stunde ist schon da, daß ‚ihr zerstreut werdet, ein Jeglicher in das Seine, und Mich allein lasset. Aber Ich bin nicht allein; denn der Vater ist bei Mir‘ (V.32). In das Seine: nicht in die Familie, Haus und Habe flüchten sie, nein — in ihre Anschauung, in die Verwirrung, in das ‚Wer hätte das gedacht — ? ‘ (S.56,2).

Nur, davon ist die Rede. Denn der Grablegung sind außer Joseph von Arimathia und Nikodemus ein paar Weiber nachgefolgt (Luk.23,55) und kein Jünger. Es ist keine Last, die aufzuladen wäre; immerhin — die Frauen, meist verachtet, gehn dem Heiland nach bis an das Grab. Und weil es keine Last bedeutet — jetzt noch nicht! —‚ die Kleingläubigkeit und das Verstecken, darum gibt der Heiland ihnen einen letzten großen Trost aus Seiner Willens-Herrlichkeit.

‚Solches habe Ich mit euch geredet, daß ihr in MIR Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, Ich habe die Welt überwunden!‘ (V.33). Mit dieser heiligen Versicherung schließt Er die drei Lehramtsjahre ab. In der Welt werden sie, die Jünger und die Gläubigen, oft ängstlich sein; doch das ‚Ich tröste euch!‘ ist höher als die Angst. Allezeit leuchtet Gottes Wahrheit denen, die mit festem Willen daran glauben.

Der UR-Wille hat die Materie, das abgeirrte Kind in Seine Überwindung eingeschlossen. Denn bloß auf Golgatha bezogen, hätte es ja heißen müssen: ‚Ich werde die Welt überwinden.‘ ICH HABE! Schon vollbracht, bevor der Ruf auf Golgatha geschieht! Im ernsten Frieden einer offenbarten Ewigkeit, dem Gottheits-IST, URs heiliger Allgegenwart, bei allen Dingen und zu jener Zeit!

Der ganzen Schöpfung die Erlösung schenken, ist

GOTTES WILLE

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