Joh. Kap. 9 – Wille
WILLE
‚Des Herrn Wille geschehe!‘
Apg.21,14
Bei vielen Gelegenheiten wird gesagt: ‚Die den Willen des Vaters tun; Dein Wille geschehe!‘ Aus dem WILLEN wird die hehre göttliche Erlösungstat vollbracht. Sagt Paulus im 1.Kor.4,20: ‚Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft‘, so meinte er das Wortgeplänkel vieler Leute, nie das ‚Wort des Herrn‘. Auch statt Wille einmal ‚Kraft‘ zu sagen, war am Platz. Jesu Nachfolger sollten wie im Glauben so auch in guten Werken kräftig werden.
Zwar geht der Herr in Seinen guten Werken Himmelschritte, die die Menschen nicht erreichen; aber ihre kleinen Füße auf die Bahn des Höchsten setzen und Ihm folgen, das kann jedermann. Es bedeutet nicht, daß man auch Wunder wirken könnte, wie der Herr getan. Was GOTTES ist, bleibt Gottes!, danach soll der Mensch nicht seine kleinen Hände recken. Wie nun jetzt:
Ein Blindgeborener hockt am Weg. Es war eine üble Sitte — mitunter heutzutage ebenso —‚ daß Kranke, Blinde, Arme als arge ‚Sünder‘ galten, die allein durch ihre Sünden so geworden wären. Wie aber nun bei einem Blindgeborenen, der als Säugling keine Sünde kannte? Auch die Jünger sind trotz vieler guter Lehren von dem Wahn befangen: ‚Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren‘ (V.2)?
Kennt ihr Meine Lehre nicht? fragen Jesu Augen ernst. Seid ihr denn ohne Sünden, weil ihr ohne Krankheit leben dürft? Es ist ein Anschluß an das vorige Kapitel, wo die Ordnung das Gericht der Welt verurteilt hat. Jetzt räumt Gottes Wille den Gedankenunrat fort. Mitleid steht im Heilandsblick, und der arme Blinde wird zuerst getröstet; denn er mußte denken: ‚Was kann ich dafür, daß ich blind geboren ward?‘ Da hört er jene sanfte Stimme:
‚Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern daß die Werke Gottes offenbar werden an ihm‘ (V.3)! Aberglaube macht Gottes Lehre finster. Das liegt im Wort: ‚Ich muß wirken die Werke des, der Mich gesandt hat, solang es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann‘ (V.4). Herrlich hier der Schöpfer-Wille! Die Werke, die den Abergläubischen, Überheblichen, den Abgeirrten Hilfe bringen, sind URs Wille, den Er durch den Sohn — durch die Versöhnung tut, solang es Tag ist!
Was galt wohl dem Blinden das Wort: ‚Tag?‘ Nur zwischen Schlaf und Wachsein gab es einen Unterschied. Nun spricht auf einmal neben ihm ein Mann vom Tag. Welche Sehnsucht ruft es in dem Blinden wach! Er darf hören: ‚Dieweil Ich bin in der Welt, bin Ich das Licht der Welt‘ (V.5). Vertrauen und der Sehnsuchtsschrei nach Licht und Tag erfüllt das Herz des armen Mannes.
Etwas tut der Herr, was kaum verstanden wird. Hat der ewig-wahre Willensträger nötig, vorzuspiegeln?, und macht aus ERDE und aus Seinem Speichel einen Brei, den Er auf die blinden Augen legt? Oder ist es ein Symbol: Was aus Meinem Munde kommt, ist rein; auch was Ich von der Erde nahm, die ICH gesegnet habe! Und warum ist der Blinde nicht sofort geheilt? (V.6,7).
Weil man nach der Sünde fragt und der Späher wegen, die den Herrn auf Schritt und Tritt verfolgen, deshalb wird der Blinde obendrein nach Siloah geschickt, wo er sich im Teiche waschen soll. Seht, ihr Lauscher, ihr Verderber, Ich kann die Hand auflegen, brauche bloß ein Wort zu sagen, man braucht Mein Kleid nur anzufassen, ebenso kann Ich mit einem Zeichen dienen. Aber stets geschieht die Heilung durch den Schöpfer-Willen, den Ich in Mir trage! — Dann das Rätselraten: Ist‘s der Blinde oder nicht? Und wer heilte ihn? Der jetzt Sehende nennt Jesu Namen und auf welche Weise Er es tat (V.8-12). Die Späher führen ihn zum Tempelrat; man muß endlich etwas finden, dem Nazarener einen Strick zu drehen. Daß der Herr so gern zum Wundertun den Sabbat wählt, ist längst bekannt.
Sie ahnen nicht, daß URs Sabbat, der siebente Tag der ersten Tat-Jahr-Woche, die Barmherzigkeit als Fundament besitzt. Das sollte ihnen eine Lehre sein. Anders: ‚Dieser Mensch ist nicht von Gott, dieweil Er den Sabbat nicht hält‘. Einige Pharisäer stellen sich jetzt offen auf des Nazareners Seite: ‚Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun‘ (V.16)? Die Parteien trennen sich im Ärger. Ja wohl — Wenige stehen auf des Heilands Seite, doch diese sind die Wertvolleren, von denen noch ein Gutes zu erhoffen ist.
Die andern lehnen ab, daß der Geheilte blind gewesen sei. Erst nachdem die Eltern von der Blindheit ihres Sohnes zeugen, ist die Sache nicht zu übergehen. Die Eltern haben Gottes Willensherrlichkeit an ihrem Sohn nicht selbst gesehen. Darum sagen sie aus Angst vor dem Gericht des Tempels: ‚Er ist alt genug, fraget ihn, laßt ihn selber für sich reden‘ (V.21,22).
Nicht bloß Jesu wird verfolgt — nein, die an Ihn glauben, werden in den Bann getan. Deshalb sind von zehn Aussätzigen, die nach der Heilung sich beim Tempelarzt zu melden hatten, neun nicht gekommen, um dem Herrn für Seine gute Tat zu danken (Luk.17,15-19). So sind auch die Eltern ängstlich und das Vertrauen fehlt. JENER, der vom Sohn die Blindheit nahm, könne sie durchaus beschützen.
Man setzt dem Geheilten zu: ‚Gib Gott die Ehre! Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist‘ (V.24). Jener läßt sich aber nicht ins Bockshorn jagen. Aufrecht steht er da, als vormals Blinder kann er sagen: ‚Ist er ein Sünder, das weiß ich nicht; — ich habe Ihn noch nie gesehen, nie von Ihm gehört —; eines weiß ich wohl, daß ich blind war und nun sehend bin‘ (V.25).
Mit gutem Willen läßt der Mann den HEILER nicht im Stich, läßt nichts auf Ihn kommen. Sollen einmal doch die Oberen blind am Wege sitzen und die Heilung dann erfahren, sie würden anders reden, als ihn zu bedrängen, in welchem sich der Herr gefangen hätte. Widerspricht sich aber der Geheilte, so ist es möglich, eine neue Falle für den Meister aufzustellen.
Der Mann weiß es, wie die Templer handeln. Am Weg, so viele Jahre sitzend, hat er mancherlei gehört. Er ist also auf der Hut — für sich und für seinen Helfer! ‚Ich habe euch alles genau kundgetan, soweit ich als vorher Blinder dies vermag. Was wollt ihr‘s abermals hören? Wollt ihr auch Seine Jünger werden?‘ (V.27).
Ein feiner Spott, weshalb die Pharisäer zanken, er wäre wohl Sein Jünger, sie aber wären Mose‘s Jünger, der mit GOTT geredet hätte. Vom Nazarener wäre nichts bekannt, Er hätte je mit Gott ein Wort gesprochen (V.28,29). Der Geheilte tut verwundert: ‚So? ihr wisset nicht, woher Er sei, und hat meine Augen aufgetan?‘ Aus der Kraft des Willens, die ihn überschattet, sagt er, daß Gottesgläubige den Willen Gottes tun und nie erhöret wäre, jemand könne ohne Gott einen Blindgeborenen heilen (V.30,33).
Das Gericht schlägt zu: ‚Du bist ganz in Sünden geboren — wärest du sonst blind gewesen? — und du willst uns lehren‘ (V.34)? Leider haben sie kein Recht, den Mann zu töten, darum stoßen sie ihn fort. Er ist froh, daß er entronnen ist und sucht den Retter. Und Gottes Führung läßt ihn auch den Heiland finden, oder so gesagt: Der Herr geht ihm entgegen. Da jedoch die schwere Frage:
‚Glaubst du an den Sohn, den Sendung Gottes?‘ Ach, daß muß ER sein; sonst —? Wer könnte solche Wunder tun? Da ist keiner! ‚Herr, welcher ist‘s? auf daß ich an Ihn glaube?‘ Sehnsucht flutet aus der Frage. Er ahnt, daß Jener ihn vom Tempelrat errettet hat. Und der Herr bestätigt ihm: ‚Der mit dir redet!‘ Wie reif des Mannes Seele durch die Heilung wurde — auch ein Wunder —‚ ist aus dessen Antwort zu entnehmen, schlicht und fest: ‚Herr, ich glaube!‘ Und er betet offen den Messias an (V.35-38).
Abermals enthüllt sich Gottes Wille am Kapitelende. ‚Ich bin zum Gericht auf diese Welt gekommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden‘ (V.39). O, der Heiland richtet auf, das ist Sein Gericht! Die Leibes- und die Seelenblinden sollen sehend werden. Wer aber glaubt, er wisse alles aus sich selbst in Überheblichkeit, der ist blind; er wird die Wahrheit nie jemals erfassen.
Das spüren jene besseren Pharisäer, die dem Heiland nachgegangen waren. ‚Sind wir denn auch blind?‘ Sie merken nun, was der Heiland meint. Und Er hilft: ‚Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde!‘ Herrlich zeigt das auch den Anfang an: ‚Weder er noch seine Eltern haben gesündigt!‘ ‚Nun ihr aber sprecht, ihr wäret sehend — würdet alle euere Schriften, Mose und auch die Propheten kennen, deshalb bleibt euch eure Sünde!‘ — bis ihr wahrhaft sehend werdet, wer jetzt mit euch geredet hat! (V.40,41).
Da läßt sich mancher von der Seelenblindheit heilen; denn Gottes WILLE hat sie angerührt.
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