Zweiter Teil – Joh. Kap. 8 – Ordnung
ORDNUNG
‚Was ER ordnet, das ist löblich und herrlich.‘
Ps.111,3
URs Ordnung nachzugehen, ist löblich, wenn bei den Menschen auch nicht immer herrlich. Aber Gottes Wort zu lauschen und danach zu tun, ist nicht schwer. Doch die verführerischen Farben der Materie locken; die ‚strahlenden UR-Licht-Farben’ werden übersehen. Und vieles andere dazu einst wie heute.
Im vorigen Kapitel herrscht die Ungerechtigkeit, und der Fortgang zeigt, wer gegen das Gesetz der ORDNUNG handelt. Die Ehebrecherin? Der Ehebrecher, der dazu gehört, wird gedeckt — von den Templern. Und der Herr? Er läßt erst die Dunklen handeln; allein wie stets — Er tritt auf den Plan, wenn man Ihn weit abseits wähnt.
Ein Weib wird zum Tod geführt (V.2-3). (s. Maria Magdalena in ‚Zehn kleine Bausteine‘) Weil ER eben kommt, will man Ihn mit Fragen fangen. Jede Antwort kann ein Fallstrick sein. ‚Mose hat uns im Gesetz geboten, eine solche Frau zu steinigen.; was sagst Du dazu‘ (V.5)? Schon daß die Templer hier von einem Teile der Gesetzesbrecher reden, widerspricht dem eigenen Gesetz. Darum läßt der Herr auf Seine Weise Seine Ordnung walten.
Worte helfen da nicht viel, man hört aus Haß und Bosheit nur mit halben Ohren zu. Daher bückt der Heiland Sich zur Erde, die ER aus Seinem Schöpfertum gesegnet hat, und schreibt — unbekannte Formeln (V.6). Wer kennt die Hieroglyphen? Die ‚Meister vieler Schriften‘ wissen mit der Himmelsschrift nichts anzufangen; deshalb müssen sie sich vom ‚verhaßten Nazarener‘ lehren lassen. Welch eine Schmach für sie! Erst recht soll Er Sich widersprechen.
Lange sieht der Heiland auf die Schrift. Sein ‚aufrichten‘ (V.7) bedeutet: ‚Er richtet jetzt die Ordnung wieder auf!‘ Und nicht bloß das: die Löblichkeit und Herrlichkeit der heiligen Gesetze strahlen aus den Worten, die Er spricht: ‚Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!‘ Und bückt sich und schreibt weiter auf die Erde (V.8 ). O Meister, wie hast Du sie beschämt, den ganzen Tempelrat! Durch Deine Antwort und durch Deine Tat! Hatte Mose das nicht auch gelehrt? aus Gott — — ?
Heilandsaugen ruhen auf der Frau. Er weiß ja, daß nur Leichtsinn und kein böses Herz der Trieb zu mancherlei gewesen ist, was besser unterblieben wäre. Wer ist ohne Sünde? ‚Hat niemand dich verdammt? Wo sind deine Kläger‘ (V.10)? Von Tod und Schmach errettet, kann Maria Magdalena nur noch sagen: ‚Herr, niemand‘ (V.11). ‚So verdamme — verurteile — Ich dich auch nicht!‘ Doch auch hier die freundliche Ermahnung: ‚Sündige hinfort nicht mehr!‘
Die Templer kommen wieder; man will wissen, wie die Sache ausgegangen ist. Jesu rechnet mit den Argen ab: Ihr wollt Mich wieder fangen und glaubt nicht, daß Ich alles weiß! ‚Ich bin das Licht der Welt, wer Mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben‘ (V.12). Wer es besitzt, wird keine arge Grube graben, wird der Ordnung heiliges Gesetz erkennen und nach diesem tun.
Die Pharisäer greifen auf das Frühere zurück: ‚Du zeugst von Dir Selbst; Dein Zeugnis ist nicht wahr‘ (V.13 u. Kap.5). Der Heiland schneidet ihren bösen Wurm entzwei: ‚Ihr richtet nach dem Fleisch — nach eurem Gutdünken; Ich richte niemand!‘ (V.15) Ich richte alle Armen wieder auf, führe sie von dem verirrten Wege auf des Lichtes Bahn. Die Richtung weist zu MIR!
Ein Gericht verlangt zwei Zeugen, aber bei dem Weibe gab es nicht mal einen. Beim Hinweis auf den ‚Vater‘ (V.18) höhnen sie. Wo ist er denn? Wir kennen Vater Joseph. Ja, ihr kennt den Ehrlichen, der in des Himmels Ordnung lebte; aber ihr Gesetzesbrecher werdet Mich nicht finden, wenn Ich von euch gehe und dann ‚werdet ihr in eurer Sünde sterben‘ (V.21). Ein gerechtes, schweres Wort!
Sie fragen lauernd: ‚Will Er Sich denn Selber töten‘ (V.22)? Weil ihr Haß gen Himmel spritzt, darum weist die hehre Ordnung sie auf ihren Stand zurück: ‚Ihr seid von untenher — Abkömmlinge des Teufels (V.44); Ich bin von obenher, aus Meinem Reich. Ihr seid von dieser Welt, Ich bin nicht von dieser Welt‘ (V.23). Beinah heiter klingt die Antwort auf die Frage, wer Er sei: ‚Ernstlich der, der mit euch redet‘ (V.25). Man merkt, daß die eigentliche Antwort unverstanden bleibt — weil man nicht verstehen will.
Der Herr deckt ihre Falschheit auf und läßt dabei erkennen, wer Er ist. Bei den schwarzen Schafen gibt‘s Verirrte, die zu retten sind. Deshalb jenes Wort: ‚Der Vater läßt Mich nicht allein; denn Ich tue allezeit, was Ihm gefällt‘ (V.29): Die Schöpfer-Ordnung!
Das ist, was UR Seiner Liebe für die Materie in Auftrag gab. ‚Der Vater in MIR — Ich und der Vater sind eins — Wer Mich sieht, sieht den Vater‘, sind einwandfreie Zeugnisse, wer Jesu war und ist: die
ganze Fülle der Gottheit!
Etliche fangen an zu glauben (V.30). Herrlich hilft der Herr: ‚Ihr sollt frei werden‘ (V.33): von der Widerordnung, vom Tempelrat, vom Seelischen der Welt, vom ungerechten Tun — freiherrlich stehend in dem ‚So euch nun der Sohn — die Versöhnung — frei macht, dann seid ihr recht frei‘ (V.36).
In langer Rede an die Unbekehrten, die aus Wut nicht wissen, was sie tun und lassen sollten, den Wahrheitsredner zu verderben, sagt Er weiter, wie falsch sie auf die Schriften pochen, auf den Vater Abraham und vieles mehr. All das prangert Jesu an (V.37-45). Wie Er öfter sprach, Er sei nicht zu den Gesunden, sondern zu den Kranken, zu den ‚Verlorenen aus dem Hause Israel‘ (Matt. 15,24) gekommen, so ruft Er jetzt die Hartgesottenen an:
‚Welcher unter euch kann MICH einer Sünde zeihen? So Ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr Mir nicht‘ (V.46). Es ist wundersam: Erst die Frage an die Menschen: ‚Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!‘ Und sie gingen alle fort; jeder wußte, daß er sündig war. Der HERR allein kann von Sich zeugen: ‚Ich bin ohne Sünde. Ihr wisset es, wollt es bloß nicht glauben!‘
Nur nackte Niedertracht kann sagen: ‚Du bist ein Samariter und hast den Teufel‘ (V.48). Es ist fast nicht zu glauben, daß daraufhin der Herr nicht geht, vielmehr die Sendung Seiner UR-Liebe weiter offenbart. ‚So jemand Mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich‘ (V.51). Die Templer wissen, daß der Tod des Leibes eine Wandlung ist und die Patriarchen, Mose und sämtliche Propheten von der Unvergänglichkeit des Geistes und der Seele, vom ‚Leben bei Gott in Ewigkeit‘ geredet hatten.
Allein sie widersprechen, um Gott aus Seiner Heilandsruhe aufzuscheuchen, daß ER die Qrdnungsbahn verläßt. Deshalb lachen sie Ihn aus: Abraham sei ja gestorben, genau wie alle Menschen. Die Ehre Gottes, Sein löblich-hehrer Ordnungsplan, wird nicht erkannt. Und daß der Heiland sagt, Er habe Abraham gesehen, schlägt für sie vom Faß den Boden aus. Du —? noch keine fünfzig Jahre alt? und hättest Abraham gesehen, der vor rund zweitausend Jahren lebte? Du Lügner, Du Betrüger, Du Volksverwirrer!
‚Ehe denn Abraham ward, bin Ich‘ (V.58). Auch das bezeugt, daß der Herr GOTT Selber ist, UR in Seiner Liebe als der eigene Sendung, als Versöhner. Er sagt hier nicht: ‚Ich bin der Sohn‘, wie es das Dogma lehrt: ‚aus Gott geboren‘. Einwandfrei heißt es: ‚Ich bin!‘ Aus Meiner Ordnung habe Ich die Welt geschaffen, diese Erde, auf die Ich aus ERBARMUNG die Gesetzesordnung schrieb, die ihr nicht eingehalten habt. Ihr seid von dieser Welt, aber nicht von Meiner ERDE! — Das ist der Unterschied.
Doch weil die Templer Jesu Worte und das Ungesagte Seiner Augen niemals anerkennen, darum heben sie nun Steine auf, um nach Ihm zu werfen. Da steht geschrieben: ‚Aber Jesu verbarg sich‘ (V.59). Ist Er fortgegangen? Hat Er wie ein Mensch die Flucht ergriffen? Oder war Er plötzlich unsichtbar geworden? Ja, hätte Er als Mensch den Tempelhof verlassen, so hätte man Ihn doch gefangen. Er läßt sie ihre Machtlosigkeit Ihm gegenüber deutlich fühlen. Zu ihrem Heile hatte Gott Sich unsichtbar gemacht.
Was die Weltlinge verderben wollten, die Frau und Ihn, hat GOTT auf Seiner Bahn geordnet.
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