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Joh. Kap. 7 – Barmherzigkeit

Joh. Kap. 7 – Barmherzigkeit

BARMHERZIGKEIT

‚Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit

und nicht am Opfer.‘

Matt.9,13

In der gewaltigen ‚Predigt am Berg‘ (Matt.K.5) stehen die zehn Seligpreisungen. Bei einer — unterschiedlich von den übrigen — sind Ursache und Wirkung einheitlich: ‚Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen‘ (V.7). Selten spricht der Herr von der Barmherzigkeit, viel häufiger erwähnt Er Gottes Willen, jene Eigenschaft, die in der ‚UR-Folge‘ an erster Stelle steht.

Falsch gedacht, dabei kämen die sechs andern Eigenschaften nicht zu ihrem Recht. Der ewige Hüter Seiner Heiligkeit gibt jedem Kind, was es zur Entwicklung braucht: dem einen dies, dem andern das, und stets zu Seiner Zeit. So ist‘s mit dem letzten UR-Lichtstrahl. Oft gedeckt und dennoch herrlich wirkend.

Jesu weilt in Galiläa. Josefs Söhne fordern Ihn heraus (V.3-5). Nicht gleich erkannt, wirkt hier gerade die Barmherzigkeit. Um die Argen zu verschonen, darum bleibt der Herr Judäa fern. Er sagt den Brüdern, Seine Zeit sei noch nicht da, ihre Zeit sei allewege (V.6). Er wird aus Seiner Gottheitsfülle wirken wie, wann, wo, für wen es nötig ist. Die Menschen lassen sich von ihren Tagen treiben, sie zu vielen Dingen nutzend, am wenigsten zu ihrem Heil.

Das tritt zutage: ‚Die Welt kann euch nicht hassen (ihr hängt der Welt am Rock); Mich aber haßt sie, denn Ich zeuge von ihr, daß ihre Werke böse sind‘ (V.7). Der Heiland meint das weltliche Gebahren. Er läßt erst die Brüder gehen. Ganz herrlich ist das Zeichen: Die Welt haßt euch nicht, ihr könnt tun und lassen was ihr wollt; doch ICH geh‘ euch nach, um euch zu behüten, trotz eurer Feindschaft und der Weltlichkeit (V.10).Das, heimlich gehen‘ bietet die Erbarmung an. Insgeheim wirkt sie, wie heimlich offenbart sie sich — und ist doch die Krone über allem Werk.

Daß sich viele mit dem Herrn befassen, besagt Vers zwölf. Beide Lager sind vertreten: Freund und Feind. Die Feinde schimpfen, die Freunde halten sich zurück, aus Furcht vor ihren Obersten. Nicht unberechtigt! Die große Lichtwahrheit ist den Obersten zuwider, sie deckt ja ihre Mängel und Verbrechen auf. Wer die Wahrheit sagt, ist ein Feind der Lügner.

Plötzlich tritt der Herr in ihren Tempel ein, zur Zeit, wo viele Leute sich versammelt haben. Und Er predigt — frei und offen! Er weist darauf hin, von woher Er Seine Lehre bringt (V.16). Und weil die Pharisäer noch vom Teich Bethesda her (Kp.5) Sein Zeugnis über Sich verdammten, darum redet Jesu über Seine und ihre Ehre.

Um sie von ihrem argen Weg zu lösen, deshalb sagt Er offen: Vor dem Volk wird psalmodiert, in den dunklen Haus- und Herzenswinkeln brecht ihr das Gesetz. ‚Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben?, und niemand unter euch tut das Gesetz. Warum sucht ihr Mich zu töten?‘ (V.19) Das betrifft das Gebot: ‚Du sollst nicht töten!‘ Wer kennt die Zahl der Toten, den Weltgewaltigen zur Last gelegt — ?

Man widerspricht, keiner suche ihn zu töten. Doch die Heilung des Gelähmten am Sabbat war ein Vorwand, den Heiland zu beseitigen. In der Lehre über die Beschneidung, die ja auf den Sabbattag entfällt, hält Er ihnen vor: ihr äußerliches Tun, noch dazu am Sabbat, der ‚geheiligt‘ wäre. Daß ER am Sabbat einen ganzen Menschen heilte, soll Gesetzesübertretung sein (V.22,23)?

Es ist Barmherzigkeit, die Obersten darauf hinzuweisen: ‚Richtet nicht nach dem Ansehen, sondern richtet ein rechtes Gericht‘ (V.24). O ja, wenn ein Reicher dem Gesetz zuwiderhandelt, wird es heimlich ausgemerzt, gegen gutes Geld; sobald ein Armer, der nichts zahlen kann, ein Unrecht tut, oft aus Not, wird die Strenge des Gesetzes angewendet. Auch diese Heuchelei wird aufgedeckt. Was Wunder, wenn die Oberen den ‚Wahrheitsredner‘ hassen?

Ein paar Jerusalemer fragen, ob Er jener wäre, den die Oberen zum Tode richten wollen, oder ob Er wirklich der Messias sei. Nein, Er ist es nicht; wir wissen, woher Er kommt. Christus kommt aus einer unbekannten Stätte, wobei sie sich noch widersprechen (V.25-27). Er aber sagt, auch Seine Stadt sei unbekannt, denn ‚Ich kam von Ihm, von Gott, und Er hat Mich gesandt!‘ (V.29)

Stundenlang ist‘s hin- und hergegangen. Die Templer ziehen sich zurück, weil der ‚Nazarener‘ alles weiß: auch des Volkes wegen, daß ‚man‘ mit diesem ‚ganz Gewöhnlichen‘ nichts zu schaffen hätte. Das gerade macht die Leute stutzig. Man fragt sich: ‚Wenn der Christus — wie die Pharisäer sagen — kommen wird, wird er auch mehr Zeichen tun, denn dieser tut‘ (V.31)? Hand an Jesu anzulegen, war jetzt nicht gelungen, obwohl Er mitten unter ihnen stand und lehrte — im Bereich des Tempels.

Noch geht‘s weiter. Unverstanden bleibt, daß man ‚Ihn suchen und doch nicht finden wird, nicht dahin gelangen kann, wohin Er gehen wird‘ (V.33-36). Am letzten Tag des Festes lockt Er in Barmherzigkeit: ‚Wer an Mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen‘ (V.38). Gemeint ist die Anrührung des Geistes jener, die zum wahren Glauben kämen.

Die Ansicht über Ihn ist unterschiedlich. Für manche ist Er ein Prophet, für andere der CHRISTUS; die Feindlichen widerlegen es auf Grund des Wortes, daß nicht aus Nazareth, sondern aus Bethlehem der Heiland käme. Man unterschlägt, daß der Herr daselbst geboren ward und also der Gemeinde angehört. Wieder will man Ihn ergreifen, aber ‚Seine Zeit‘ ist noch nicht da (V.44).

Die Knechte werden von den Hohen angefaucht: ‚Warum brachtet ihr Ihn nicht‘ (V.45)? Leicht gesagt, wenn das Volk als enger Ring sich um Ihn lagert. Sollen wir denn unsere eigenen Leute niedermetzeln? Und sie ereifern sich. Nur Nikodemus, der beim Heiland war (Kap.3), verwarnt sie ernst: ‚Richtet auch unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhörte und erkennt, was er tut?‘ (V.51). Er hat die Barmherzigkeit des Herrn erkannt, die andern kennen nur das Gegenteil.

Nikodemus weist also auf die Gerechtigkeit und auf die Barmherzigkeit des Nazareners hin. Sie handelten dagegen, wenn sie jemand richten wollten, noch dazu zum Tod, der sich nicht verteidigt hätte. Um die Obersten vor der Gesetzesverletzung zu bewahren — jetzt zunächst —‚ darum war der Heiland nicht zu fangen. Die Amtsbrüder geifern Nikodemus an: ‚Bist du auch ein Galiläer? Forsche nach: aus Galiläa kommt kein Prophet‘ (V.52).

Licht und Welt stehen kämpfend gegenüber — Ungerechtigkeit und heilige Barmherzigkeit. ‚Wer Ohren hat, der höre, was der GEIST

— eben die Barmherzigkeit — den Gemeinden sagt‘ (OJ.2,29).

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