Joh. Kap. 17 – Weisheit
WEISHEIT
‚Das Wort Gottes ist der Brunnen der Weisheit!‘
Sir.1,5
Das hohe Lied der Weisheit. Viel lieber will man sich in seichten Liebereden baden, als die ‚herbe Wäsche einer Weisheit‘ zu ertragen. Was der Heiland sagt: ‚Die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern‘ (Matt.11,19), hat Paulus auch erkannt.
‚O, welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind Seine Gerichte und unerforschlich Seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist Sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat Ihm etwas zuvorgegeben, daß ihm werde wieder vergolten? Denn von Ihm und durch Ihn und zu Ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.‘ (Röm.11,33-36)
Die hohepriesterliche Rede. Paulus bekennt: ‚Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks‘ (Heb.5,6). Wenn durch diese Schrift der rote Faden läuft: Der Heiland für die Menschen bloß ein Mensch, für Sich Selbst der heilige ‚ICH BIN‘, weshalb folgt als Abschluß eine Rede, die wie ein Gebet zum Vater ist?
Das Gebet des einzig wahren Hohenpriesters ist ein Gespräch der Liebe zur Barmherzigkeit. Es dringt bis in die Hölle, um das ferne Kind noch einmal anzurühren, bevor der Vater jenen Schritt zu gehen hätte, bis zur Stelle, wo das abgeirrte Kind im Trotz verharrt.
Ach, es ist zu stolz, um selbst zu kommen; es will seine Scheinherrschaft bewahren. Das ist nicht mehr möglich. Das UR-Opfer, in letzter Konsequenz nach Golgatha hinaufzutragen, als Priester, der zu opfern hat und zugleich als Opferlamm, das verlangt das Ende: ‚Vater, die Stunde ist da, daß Du Deinen Sohn verklärst, auf daß Dich Dein Sohn auch verkläre‘ (V.1).
Die Verklärung, oft erwähnt, ist das Öffnen des Geheimnisses: ‚Ich im Vater und der Vater in Mir‘! Eine Gottheitsfülle; nicht mehrere Personen. Auch der zweite Satz hebt das nicht auf: ‚Gleichwie Du Ihm Macht hast gegeben über alles Fleisch, auf daß Er gebe das ewige Leben allen, die Du Ihm gegeben hast‘ (V.2).
Gern wird ausgelegt, daß ‚alle, die Du Mir gegeben hast‘, nur jene wären, die an Christus glauben, die bloß dieser, jener Kirche oder Sekte angehörten. (Siehe Anhang.) Handelt es sich aber um die Gottesmacht, wie ausdrücklich erwähnt, dann steht dicht daneben ‚alles Fleisch‘. Das bedeutet alle Kindgeschöpfe — ausnahmslos!
Das von Gott gegebene ‚alle‘ kennt niemals ‚diese oder jene‘, da sonst die Offenbarung unwahr wäre, Es wird auch keine Zahl genannt, die die Barmherzigkeit der Liebe übergab, zur Versöhnung und zur Sühne für die armen Hingestürzten, für alle, die aus Gott das Leben haben, Und wer hat es nicht aus Ihm — der Lebenswurzel — ?
‚Das ist aber das ewige Leben‘, in Gott und aus Ihm Selbst! Was gibt‘s im unermeßlich hehren Infinitum, das nicht URs Schöpfermacht geschaffen hätte? ER ist das Leben, ER hat daraus Sein Kindervolk gemacht. ER blies ihm, dem Kind (nicht erst Adam), den ‚lebendigen Odem‘ ein, da ward es eine lebendige Seele, ein Geschöpf, das durch Gottes Lebenskraft sich selbst und Ihn erkennen konnte.
‚Daß sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen‘ (V.3) läßt sich nicht oberflächlich deuten. Ist der Vater der allein wahre Gott, dann kann das Dogma keinen ‚Gott, der Sohn‘ lehren. Denn dann wären es zwei Götter, und das ‚allein‘ ist widersinnig. Drei Götter in einer Person (Trinität) konnte bisher keine Kirche vernunftsgemäß erklären.
‚Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört‘ (OJ.17,9). Der allein wahre Gott hat aus Seinen sieben Geistern, Seinen Eigenschaften, eine in die Materie gesandt, die LIEBE! Nicht, weil sie größer als die andern ist, sondern weil der sechste Schöpfungstag als Dominant die Liebe hat. Sie folgt auf die Geduld und ist die letzte vor der Barmherzigkeit. Von diesen beiden eingeschlossen, geht die Liebe als der Sohn, als die Versöhnung ihren Opferweg. Das sagt der Herr von Sich und von dem ‚allein wahren Gott‘.
Die gegenseitige Verklärung (V.4,5) bedarf weiter keiner Deutung, wohl aber noch die ‚Klarheit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war‘. Ehe UR ‚Es werde‘ rief, waren schon die Eigenschaften Seine Schöpfermacht und -herrlichkeit. Da gab es noch nichts Zugedecktes, das später für die Kinder und zu derem Heil geschah. Sie wurden ja auf die Entwicklungsbahn gestellt, um die ‚volle Klarheit‘, soweit von Kindgeschöpfen zu ertragen, nach und nach zu sehen und auf der Basis ‚Vater-Kind‘ die Gottheit zu erkennen.
‚Ich habe Deinen Namen offenbart den Menschen, die Du Mir von der Welt gegeben hast. Sie waren Dein, und Du hast sie Mir gegeben, und sie haben Dein Wort behalten‘ (V.6). Es mutet an, als ob erstmals Gott verkündet worden wäre. Er hat Sich aber immer offenbart, es hätte sonst zu Jesu Zeit auch keine Ein-Gott-Lehre existiert. Nicht allein der erste Bibelteil ist dessen Zeuge.
Es ist wie beim Neuen Testament, dem neuen Gebot, wieder neu gegeben. Die alte hehre Klarheit war verdunkelt worden. Das bedeutet es: dazu ‚sie waren Dein‘, alle Deine Kinder; und Du, ewig wahrer Gott, hast sie im Opfer Deiner Liebe anvertraut, Die ‚Dein Wort behalten haben‘ wirkt hier so, als wären jene nur gemeint, die Ihm durch die Lande folgten: Männer, Frauen und auch Kinder.
Wäre das kein mageres Ergebnis bei dem Aufwand, den die Gottheit zur Erlösung aller machte? O — wie alle Sonnen, Sterne und Planeten das gesamte Infinitum sind, so gehört die große Kinderschar, die ‚niemand zählen kann‘ (OJ.7,9; Dan.7,10), dazu. Des Lichtes Kinder haben längst das ‚Wort‘ erkannt, was auch Vers 7 uni 8 betrifft.
Das Weitere bedarf der Aufklärung, ‚Ich bitte für sie und nicht für die Welt‘ (V.9). Wo bleiben hier die ‚verlorenen Schafe aus dem andern Stall‘? Dies wirkt wie ein Widerspruch. Es ist keiner! ‚Die Welt vergeht mit ihrer Lust.‘ Stets wird das Wort ‚Welt‘ gewählt, wenn vom Vergänglicher die Rede ist. Der Herr meint, daß nicht die Welt, das Weltliche bestehen bleibt, zumal die Kinder der Materie sich an sie hängen und vom Licht, von Gottes Wort so wenig wissen wollen. Für all das wäre jede Bitte für umsonst gesagt. Daher wird sie auch nicht ausgesprochen.
Man muß den Hohenpriester Jesu tief erforschen, um zu verstehen, was in Seiner Rede liegt. Verständlich aber ist: ‚Alles, was Mein ist, das ist Dein, und was Dein ist, das ist Mein; und Ich hin in ihnen verklärt‘ (V. 10). Dein und Mein in einer Hand! Du wunderliche Offenbarung! Dafür ist das nächste wieder schwerer.
‚Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und Ich komme zu Dir. Heiliger Vater, erhalten sie in Deinem Namen, die Du Mir gegeben hast, daß sie eins seien gleichwie wir‘ (V.11). Er ist in Seinem Geiste ohnehin nicht in der Welt, in der Innigkeit des Sich-versenkens auch als Mensch so fern von allem, was vor ihm liegt, was hinter Ihm versinkt. Nicht versunken ist die BAHN, auf der der ‚Sohn‘ die Kinder Gottes und die Armen Sich erhält.
Niemand ist verloren; in das ‚LUSTRUM‘ (Gottesopfer) sind alle eingehegt, mit und ohne Wissen oder Willen, bis ‚auf das verlorene Kind‘ (V.12). Wird KIND gesagt, so steht fest, daß vor Golgatha bloß das eine Kind, um das die ganze Opferbahn erfolgt, nicht einbezogen werden kann, weil es ‚noch von ferne steht‘.
Verständlich ist das Weitere (V.13-16), zumal: ‚Ich bitte nicht, daß Du sie von der Welt nehmest, sondern daß Du sie bewahrest vor dem Übel‘ (V.15). Vor welchem? In Verbindung mit der Welt ist das Übel einzig auf die Seele zu beziehen. Die Heilsgewißheit: ‚Sie sind nicht von der Welt, gleich wie Ich auch nicht von der Welt bin‘, hat der Herr schon vorher angedeutet (15,19).
Ein Heiligsprechung wird dem Folgenden entlehnt: ‚Heilige sie in Deiner Wahrheit; Dein Wort ist die Wahrheit‘ (V.17). Wer will daraus die ‚Heiligkeit von Menschen‘ formen? ! Heilige sie — mache sie im Lichte Deiner Wahrheit rein, in des Lammes Blut gewaschen! Anders darf man diese Stelle nicht verstehen. Denn GOTT ist heilig, ER ist allein die Heiligkeit! Kein Geschöpf ist heilig, es müßte sich denn selbst geschaffen haben. Allein das Gnadenvolle:
‚Ich heilige Mich Selbst für sie!‘ Diese Selbst-Heiligung ist nicht umzudeuten. So besagt auch diese Stelle, daß Er keine andere Person als Gott Selber ist. Doch die treuen Kinder werden nun von Ihm geheiligt — in der Wahrheit (V.19), also nicht in ihrem Wesen als Geschöpf. Das erfolgt auch nicht erst jetzt, rückwirkend auf Äonen Zeiten; sondern wieder wird‘s getan, weil durch das Opfer nun auch die Verlorenen hinzugetragen werden sollen. Eben so:
‚Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an Mich glauben werden‘ (V.20). Das gilt gleichfalls nicht allein dem Kommenden; sonst hätten die Propheten ganz umsonst gelebt, umsonst gewirkt. ‚Auf daß sie alle eins seien, gleichwie Du, Vater, in Mir und Ich in Dir‘ (V.21). Das andere, daß auch sie in uns eins seien‘, besagt ja, daß die Abgeirrten einst ins ‚Haus des Vaters‘ auch gelangen sollen. Ein Hirte, eine Herde.
Die Wiederholung dieses eins-sein (V.22,23) ist eine Vorbildlehre, daß der Mensch nicht müde werden soll, abermals zu bitten, wenn es nötig ist. Nicht GOTT braucht eine Wiederholung; doch man soll beachten: ‚Betet ohne Unterlaß‘ (1.Thess.5,17). Die Wiederholung des Gebets, vordringlich der Fürbitte, enthält die Hingabe an Gott und die Liebe zu den Nächsten.
Das alles spricht der Heiland nicht für Sich und Seinetwegen, auch nicht zu einer Zweitperson; es ist das innige Gespräch zwischen Liebe und Barmherzigkeit, das für URs Opfer volle Klarheit schafft. Es ist das Zeichen, wie man beten soll. Wie schwer dies manchmal für den Menschen ist, sagt an:
‚Gerechter Vater, die Welt kennt Dich nicht; Ich aber kenne Dich, und diese erkennen (die Treuen), daß Du Mich gesandt hast‘ (V.25). Bald sehen sie, was das zu bedeuten hat: Sender, Sendling, Priester und Opfer in einem!, ‚ . . . auf daß die Liebe, damit Du Mich liebst, sei in ihnen und Ich (Sohnschaft, Wort) in ihnen.‘ (V.23 ).
Die urgewaltige Rede, wie nie ein Mensch gebetet hat, deren hehre Weisheitstiefe sich nicht leicht erschöpfen läßt, ist beendet. Und doch ist alles offenbar, dem — der will! Nebst den Jüngern hat es Paulus nachmals tief erfaßt, wie er es schreibt:
‚Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und
allein Weisen,
sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.‘
1.Tim.1,17
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