Dritter Teil – Joh. Kap. 15 – Ordnung
ORDNUNG
‚Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.‘
Hebr.5,6
‚Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus‘ (1.Kor.3,11). ‚Ich bin der rechte Weinstock, und Mein Vater der Weingärtner‘ (V.1). Da die Jünger noch vom Menschlichen befangen sind, heißt es abermals vom ‚Ich und der Vater‘. Ich, die Liebe, bin der richtige Weinstock, und die Barmherzigkeit behütet sie und ihren Weg. Das ist gemeint.
Die Nachfolger sind die Reben ‚an ihm‘; und da enthüllen sich die Herrlichkeiten Gottes. Ungute Reben werden weggenommen. Es wird nicht gesagt, was damit geschieht; sicher aber nicht: in Ewigkeit verdammt. Verständlich, daß die guten Reben gereinigt, gebessert werden, um die Fruchtbarkeit, die guten Taten, zu erhöhen (V.2).
Um die Jünger stark zu machen, werden sie gelobt. ‚Ihr seid schon rein‘, freilich um des Wortes willen, das der Herr gepredigt hat (V.3). Noch ist‘s kein eigenes Verdienst; doch der GRUND ist hier gegeben, die hehre Ordnungsbahn, auf der später die Apostel wirken können. Das Beispiel macht sie mit der Lehre mehr vertraut. Ja, ohne GOTT ist nichts getan, ohne die ERLÖSUNG wird auch nichts erreicht! Allein am Weinstock kann die Rebe reifen (V.4,5).
Aber das: ‚Wer nicht in Mir bleibt, wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen‘ (V.6). Nicht verbrennen, sondern wie das Gold im Feuer auszulösen ist (OJ.3,18). Es tut ja weh, wenn man alles lassen soll, was den Weg ins Licht verdirbt. Ist man aber rein geworden, dann leuchtet auch das eigene Licht.
Aufgedeckt wird das falsche ‚Gott in uns!‘ ‚So ihr in MIR bleibt, und MEINE WORTE in euch‘ (V.7) besagt, daß in Gottes Vaterherzen Raum die Fülle ist für alle Kinder, im kleinen Kindesherzen nicht die Gottheitsfülle wohnen kann. Dafür Gottes Wort, Sein hehres Anbild, nach welchem wir geschaffen sind! Dann ist freilich vieles zu erbitten, was der Herr erhören wird.
Alles Bitten? Nein! Der Mensch bittet vieles, was den Heimkehrweg erschwert. Das wird zu seinem Segen nicht erhört. In rechter Bitte wird der ‚Vater geehrt und bringt der Bittende viel Frucht‘ (V.8). Dazu die freundliche Ermahnung, die Liebe zu beachten, die Gebote einzuhalten (V.9,1O).
Ist das der Ordnung beizustellen? Gewiß! Der GRUND, von dem Paulus spricht, ist die hehre Ordnung, mit der Gott als HEILAND Seine Bahn begonnen und vollendet hat — für alle (Röm. 11,32). Wer das erkennt, wird Jesu Freude in sich haben und wird vollkommen sein‘ (V. 11). Nicht so vollkommen, wie der Vater im Himmel vollkommen ist, daher wird auch stets vom ‚wird‘ gesagt, bezieht es sich auf ein Geschöpf, während es bei Gott das hehre ‚ist‘ bedeutet.
Der Meister nennt die Jünger Seine Freunde, nicht mehr Knechte, auch nicht Brüder. Überheblichkeit und Unterwürfigkeit sind abgetan.
‚Niemand hat größere Liebe denn die,
daß er sein Leben läßt für seine Freunde!‘
V.13
Danach wieder jener ernste Hinweis: ‚Ihr habt MICH nicht erwählt; sondern ICH habe euch erwählt und gesetzt, daß ihr hingehet und Frucht bringet, auf daß, so ihr den Vater bittet in Meinem Namen, Er‘s euch gebe‘ (V.16).
O ja, ihr seid Mir nachgefolgt, aber ICH habe euch gerufen; denn Ich kannte euch. Durch Meine Lehre habt ihr Mich erkannt. Das ist mit dem Vers gesagt. Einmalig ist, daß der Herr jetzt kein Gebot erläßt, das erhabene ‚du sollst!, du solltest, es ist gut, wenn du es tust‘, — nein, hier tritt der Gebieter auf, der Schöpfer, der aus Ordnung und aus Wille dieses sagt: ‚Ich gebiete euch‘ (V.17)! Aber was? Knechtsdienst oder Freundschaftsliebe — ?
‚Daß ihr euch untereinander liebt!‘ In der Steigerung wird an die Nächstenliebe appelliert, während Jesu vorher von der Gottesliebe häufig sprach. Wie nötig sie sich gegenseitig brauchen, wenn sie, auf sich selbst gestellt, den Apostelweg vollenden sollen, geht aus dem Weiteren hervor. Sie sind gewarnt und vorbereitet worden.
‚So euch die Welt haßt, so wisset, daß sie Mich vor euch gehaßt hat‘ (V.18). Für alle und zuerst geht der Herr den Kreuzesweg. Die Freunde folgen nach, so oder so. (Joh.21,18-22). Die Oberen, die Ihn um der Wahrheit willen hassen, werfen auch den Jüngern manchen Stein vor ihren Fuß. Allein — ER sammelt sie, auch die Dornen, nimmt allen Haß gesammelt auf Sein Kreuz.
Eine Licht-Offenbarung wird angefügt. Woher kommt der Mensch? Da der Heiland Seine Jünger ‚Freunde‘ nennt und schon rein, so kommen sie aus einem andern Ursprung als die Weltlinge, die an Ehre, Macht und Reichtum denken. Des Lichtes Kinder stammen aus dem Licht, jene kommen aus der Finsternis, von der der Heiland oftmals sprach. Den Jüngern wird der große Trost:
‚Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ICH habe euch von der Welt erwählt (abgesondert), darum haßt euch die Welt‘ (V.19). Ihr seid von obenher. Die Wurzel eurer Heimat ragt ins Irdischer herab; sonst hättet ihr Mich nicht erkannt. Aber auch den ‚andern Schafen‘ ist der Weg geebnet — wenn sie wollen. Darum hat sich mancher Pharisäer zu dem Herrn bekannt. Erst bloß auf Macht und Ehre aus, und dann still zu IHM gegangen, um die Wahrheit und das Licht zu erben.
‚Ich habe euch von der Welt erwählt!‘ GOTT hat diese Möglichkeit geschaffen, schon vor dem Kindesfall; hat die Wege vorgesehen für des Lichtes Kinder, für die Fernen, die erst ins Vaterhaus gelangen sollen. Die Jünger lösten sich von allem, was die Welt zu geben weiß: aber nicht aus eigener Kraft, sondern weil der HERR aus Seinem Geist die Kraft zur Löse gab.
Verständlich ist: nebst dem Willen, den Herrn nicht zu verlassen, greift die Bangnis immer mehr um sich. Was wird aus uns? Er verdeckt es nicht, was kommen wird. ,Haben sie Mich verfolgt, werden sie euch auch verfolgen; haben sie Mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten‘ (V.20).
Da zittert auch ein starkes Herz. Die Galiläer haben ja bemerkt, wie die Juden sie verfolgten. Und nun —? Des guten Meisters Reden sind so schwer. Nun wohl, wir werden — — In die Gedanken tönt das Wort: ‚Aber das alles werden sie euch tun um Meines Namen willen; denn die kennen DEN nicht, der Mich gesandt hat‘ (V.21).
Im Namen Jesu hat man Menschen bis zum Tod gefoltert, andere auf einen hohen Stuhl gesetzt, und das, weil sie weder Christus, Seine Sendung, noch DEN kannten, von dem der Herr als VATER sprach. Gott wurde in die kleine Menschennorm gepreßt. Man vergaß dabei, in die Tiefe der Erkenntnis einzudringen (Röm.11,33-36) Man will nicht um jeden Preis hinauf; viele nicht aus lauem Denken, sondern weil sie es nicht anders hörten. Und doch — was sagt der Herr?
‚Wenn Ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen‘ (V.22). Was bedeutet dieser Satz? ‚Wenn Ich nicht gekommen wäre‘, bezieht sich auf das WORT (Joh.1,1), das zu jeder Zeit verkündet ward. Wer von Gott nie etwas hört, kann an Ihn nicht glauben. Das verzeiht der Herr. Zeitgemäß meint Er die Oberen samt Volk, zu dem Er spricht, bei dem Er Seine Wunder wirkt.
Einst hilft nichts zu sagen: ‚Herr, Du hast Dich wie ein Mensch gebärdet, ich ahnte nicht ‘ „Du hast Mein Wort gehört; du hast gesehen, was Ich tat, was nie ein Mensch vermochte. Du wolltest nur nicht wissen, wer Ich war!“ Auch das entschuldigt nicht: ‚Ich habe stets an Gott geglaubt, bloß nicht an Gott in Jesu.‘ O nein! „Wer Mich haßt, der haßt auch Meinen Vater“ (V.23)!
Die Liebe wirkt, was die Barmherzigkeit ersah. Ich und der Vater sind eins; Ich in IHM, Er in MIR! Bei den Kindern heißt es: Ihr in MIR, Mein Wort in euch! Darum ist der Heiland nicht vom Vater-Gott zu trennen, wie geschrieben steht: ‚Du aber, Herr, bist unser Vater und Erlöser; von alters her ist das DEIN Name‘ (Jes.63,16). So deutlich steht es da: ‚Du bist‘ und nicht: ‚Ihr seid‘.
Die Wiederholung in Vers 24 beruht auf einer Zwischenfrage eines Jüngers. Man haßt Gottes Liebe und auch die Barmherzigkeit. Hätten sonst die Oberen ein Weib gesteinigt?, Leute, die an Jesu glauben, in den Bann getan?, und Mordgedanken in den Tempeln ausgesonnen —?‚ um billiges Geld Verräter sich gedungen? Das ist der Haß, von dem der Meister sprach.
Wie vermerkt, daß die Schrift erfüllet werde, ist hier ebenfalls kein Muß: ‚ . . . daß erfüllet werde der Spruch, in ihrem Gesetz (Buch) geschrieben: „Sie hassen Mich ohne Ursache“ ‘ (V.25)! Es bezieht sich mit auf David, der inmitten vieler Feinde ‚wie vergeblich‘ auf die Hilfe wartete. David war nicht immer gottgerecht; manches Ungemach hat er sich selber zuzuschreiben (Ps.69,5).
In vollster Tiefe trifft‘s allein auf JESU! Ohne Grund wird Er gehaßt, doch ein Grund gesucht, um Ihn zu verderben (Matt.22,16). Weil es hart genug für Jesu Jünger wird, folgt auf Schweres wieder etwas Gutes. ‚Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen Ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater aus geht, der wird von Mir zeugen‘ (V.26). Alsdann werdet ihr wissen, was Ich euch zu sagen hatte — Mein noch geheimnisvolles ICH.
GOTT ist der ‚Geist der Wahrheit‘; nur Wahrheit kann die Menschen trösten. Ich habe immer wahr gesprochen und gehandelt, niemand hat Mir eine Sünde nachgewiesen. Wenn also MEINE WORTE in euch bleiben (V.7), dann ist die Wahrheit stets bei euch; und diese wird euch trösten. Dann ‚werdet ihr auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei Mir gewesen!‘ (V.27) (,Anfang‘ bezieht sich nicht erst auf den Weg der Nachfolge. S.53,2).
Der Schlußvers ist ein Rätsel. Lichtmäßig aber ist‘s zu deuten. ‚Von Anfang an‘ gilt also nicht allein den Lehramtsjahren, sondern ‚Ihr seid nicht von dieser Welt, wie Ich nicht von ihr bin. Ich als Liebe bin vom Vater, ihr vom Lichtreich ausgegangen. Dort seid ihr von euerem Lebensanfang an bei Mir gewesen. Auf der Welt seid ihr Mir nachgefolgt vom Beginn, als Ich als Heiland durch die Lande zog. Auf Meinem Weg seid ihr gegangen und Meinem Fuß seid ihr gefolgt. Deshalb werdet ihr auch zeugen können!‘
Ehe das VOLLBRACHT geschieht, ordnet Jesu Seiner Jünger Weg, wie gleichfalls vom Anfang an: ‚Er ordnete die Zwölf, daß sie bei Ihm sein sollten! (Mark. 3,14).
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