Während der Ernte müssen angesehene Samariten, deren einkassierter Reichtum Ahabs Schatz vermehrt im Zentrum der Stadt ein kostbar neues Haus errichten, Ethbaals persönlichem Götzen zugedacht: dem Baal-Sebub zu Ekron, zu Ehren der Philister so genannt. Bei dem Bau erniedrigt Isebel sich des öfteren die bösartigste Aufseherin zu spielen. Aus Sidon beordert sie vierhundertfünfzig Oberpriester, die sich ärgern, Isebels unmittelbarem Regiment zu unterstehen.
Die Otter weiß sie zu besänftigen. Israel muß für die Sebubleute sorgen: auch dürfen diese selber ihre Löhne fordern, was sie zu Erpressern macht. Das aufbrecherische Gemurre wird mit vorübergehendem Steuernachlaß gedämpft. Auf diese Weise wird Israel ein Götzenvolk. Auch veranstaltet das Königspaar bei Baalfeiern große Freiessen. Und noch immer verleugnete das ausgesuchte Volk um des Magens willen seinen Gott (4. Mo. 11; Joh. 6 V. 26, 41 und 66.), der auf Sinai die Gebote gab.
Elia zieht in dieser Zeit frei im Land umher, von ferne oft verhöhnt. Das bedrückt ihn nicht; ihn befällt nur große Traurigkeit ob Israels Verirrung. Dann rechtet er oft stundenlang mit Gott, der ihm Antwort gibt. Zu Beginn der Haupternte kehrt er bei Som-Hasad ein. Es wird Isebel gemeldet. Doch sogar sidonische Krieger weigern sich, den Propheten abzufangen. Isebels besinnungslose Wut steigert sich um so mehr, je öfter die Handbrandmale sie an ihn gemahnen.
Mit Recht ist der Wirt in Angst, auch um sich selbst. Die Sidonierin greift immer ärger in die Reihen reicher Bürger ein. „Sei unbesorgt“, beschwichtigt ihn Elia, als sie bei einem kleinen Trunk mit Obadja und anderen Freunden, darunter der fromme Oberpriester der Siloer Synagoge, in des Wirtes Wohngemach beisammen sitzen. „Auf euch, die ihr hier versammelt seid, wie auf manchem Treuen, liegt Gottes Hand mit Seinem Segen.“ „Ach“, sagt der Handwerker Sumnassa aus Ophra, der mit dem Oberpriester Ruhen-Heskael gekommen war, um Elia auch einmal zu sehen, „herzlich wenigen macht der Herr durch dich diese gnädige Verheißung. Warum müssen denn so viele unter solcher böser Königin verschmachten?“
„Die Unschuldigen sind zu zählen; glaubt es, Freunde.“ Elia ist bekümmert. Doch er kann und will nicht Gott in dessen Arme fallen. „Des Herrn heiliger Wille steht über allem Menschentum!“ „Schon recht“, sagt ein Händler namens Tusbala, der vorsichtshalber nach dem kleinen Flecken Enon ausgewichen war.
„Kaufherr Maggoth, der in Damaskus ein Handelshaus besitzt, wurde kürzlich auch kassiert. Ich sah ihn gestern Steine schleppen. Fast hätte ich ihn nicht erkannt. Er sah mich sehr verzweifelt an. Seine Frau wurde Isebels Dienerin. Zum Glück konnten ihre kleinen Kinder gerettet werden. Ich erhalte ihm das syrische Handelshaus. Maggoth war stets ein gläubiger, rechtschaffener Mensch.“
„Soweit jemand vor Gott rechtschaffen ist, war es dein Freund“, bestätigt Elia. „Warte nur; Maggoth ist auch ein Finger, den GOTT Sich gegen Ahab und Isebel bewahrt, obgleich die Götzenlarven noch manches Unrecht tun.“ „O guter Freund“, enthält der Hofmeister sich nicht des Schmunzelns, „seit wann gebrauchst du Kraftausdrücke?“ Elia lächelt freundlich, daß die Runde befreit aufatmet. Wie nahe steht ihnen der Prophet doch auch als Mensch.
„Obadja hat recht, mich eines Fehls zu zeihen, wenn auch Gott im heiligen Zorne harte Worte sagt. Also hier! Sie in der Burg eine Baaldirne schimpfen, dazu hatte ich ein doppelt Recht wegen ihrer Schrift an Benhadad und weil ihre Buhlschaft mich zu fangen suchte. Sagt man Worte in bösem Zorn und Leidenschaft, was die Grenze des Gerechtfertigten nur zu leicht verletzt, so sind sie teuflisch; sie vergiften das eigne Herz. Darum hütet euch vor harten Worten und gebraucht sie nur, wenn es Gottes Geist euch sagt. —
Doch wegen Wichtigerem rief ich euch zusammen. Höret! Bis zur Abernte sind noch zwei Wochen. Verkauft nichts ins Ausland; schüttet Kornböden auf, dörrt alle Feld- und Gartenfrüchte. Macht die Brunnen sauber und geht sparsam mit dem Wasser um. Dir, Tusbala, weist Gott eine Aufgabe zu, denn du hörst auf Ihn, während Maggoth trotz guter Taten dem Herrn wenig Zeit erübrigte. Jetzt freilich ruft er Ihn an in seiner Not und Gott wird ihn retten. Gib den Händlern einen Wink und schließt eure Verträge über das Handelshaus Damaskus ab. Kauft Getreide und Öl soviel als möglich auf. Aber hütet euch, ihr Händler!“ Des Elias Stimme härtet sich, wie die Freunde sie nicht kennen. „Wie ihr die Waren billig kauft, sind sie ohne Wucherpreise abzugeben, sobald man sie bedarf.“
Entsetzt starrt man dem Thisbiter in das ganz streng gewordene Gesicht. Som-Hasads Zunge löst sich zuerst. „Warum, unser aller Freund, sagst du solches? und auf diese schwere Art?“ „Ihr versteht mich heute nicht“, Ella deutet in die Runde, „doch baldigst wird man Gottes Hand erfahren. Ich darf euch zu euerm Besten nicht die Zukunft künden. Aber — seid bereit! —
Jetzt wollen wir uns trennen. Ich gehe nach Silo, bin aber bald zurück.“ „Wie gern begleitete ich dich.“ Obadja drückt fest Elias Hand. „Doch gerade in der Zeit hat Ahab täglich absonderlichste Wünsche; ich muß stets bereit sein.“ „Deine Aufgabe, Freund, ist hier“, entgegnet der Prophet. „Die Gefangenen brauchen dich. Gehe in die Kerker, bringe ihnen Trost und Brot. Es ist ein priesterliches Amt, das der Heilige dir übergibt.“ „O Elia! So sah ich das noch gar nicht an. Nun soll mehr geschehen als ich bisher tat. Ich hatte manchmal Angst, wenn ich mich zu ihnen schlich.“
„Vor wem? Steht Ahab über Gott oder der Allmächtige über Seinem Werk?“ „Welch ein Wort!“ ruft begeistert Oberpriester Ruben-Heskael. „Auch ich gestehe ein, daß mich letzthin um mein Leben oft die Angst befiel; denn die Sidonier, zumal die neue Sorte“, er meint jene vom Baal-Sehub-Haus, „fordern uns Samarier heraus. Sagt einer von uns das Geringste gegen Baal, Isebel und Ahab, dann wehe ihm! Kürzlich erst wurden auf dem Karmel drei der Unseren verbrannt.“ Die Männer schüttelt es bei dieser Mär. Elia erhebt sich rasch.
„Auf daß das Maß voll werde!“ Wohl unverstanden, spürt dennoch jeder Anwesende: So spricht der Allmächtige! Sie neigen sich und Ella segnet sie aus Gottes Geist. Nach herzlichem teils betrübtem Abschied läßt man ihn ungern ziehen, schon deshalb, weil sich jeder wie beschützt vorkommt, sobald man neben diesem Gottesmanne steht. Eine unerklärlich hohe Kraft geht von ihm aus.
Als die Männer ihre Straßen ziehen, merken sie, daß diese Kraft sie wie ein Schutzgewand umgibt, zumal Obadja, der ja in der Burg mit allerlei Gefahr zu rechnen hat. Er schüttelt in den nächsten Wochen oft den Kopf. Was er auch unternimmt, — es glückt. Trägt er nachts Körbe voll Brot den Gefangenen zu, dann begegnet ihm kein Wächter, obwohl sie haufenweis an jeder Ecke lehnen. Die Gefangenen hängen an ihm und er betet mit ihnen. Da wenden sie sich wieder ihrem Glauben zu und das Bittere der Haft fällt von ihnen ab.
NEUOFFENBARUNG