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Kap 9 – Gottes heilige Rechnung

Die Trockenzeit ist längst vorüber, doch kein Wind bringt Regen für das ausgedorrte Land. Das anfangs sprossende Grün hängt schon vor der ersten Blüte braun herab. Die Tiere benagen Strauch und Baum und zerstören die Kulturen. Man fütterte anfänglich Getreide; doch als der zweite Regenmond sich rundet und von den Landesgrenzen immer nur gemeldet wird: Aufziehende Gewitter, Regenwolken, die sich da und dort segensreich entladen, nur nirgends über Israel, fängt man an, Isebel und Ahab zu bedrohen.

Die Baal- und Ascherdiener bekommen Anweisung, und bald flucht Israel seinem Gott samt dessen Knecht. Denn nur der Prophet verhält den Regen. Man sucht ihn allerorts. Keiner findet ihn und selbst die Freunde bleiben ohne Kunde, denen sonderbarerweise nichts geschieht, nicht mal Obadja, obwohl dieser als Vertrauter des Propheten auf der Liste steht. Auch der Wirt sitzt, wirtschaftlich zwar schwer belastet, ungefährdet in seinem Haus. Im Gegensatz zu früher geht sein Weib Rebora, die feine Israelin, häufig durch das Herbergshaus. Sie wird zu einem Trost. Ihr Glaube an den GOTT ihrer Väter ist unzerstörbar, wie auch jener an den Prophet.

Elia sitzt am Bache Krith. Einmal ziehen Häscher auf Steinwurfweite an ihm vorbei, daß er ob des Wunders lobend sagt: „Herr, Du handelst väterlich an mir. Die mich fangen sollen gehn vorüber und sehen mich nicht. Sie suchen nach Wasser und Früchten: mich aber lässest Du durch Deine Raben speisen. Mich erbarmt der Kindlein und des Viehs. Möchtest Du es nicht genug sein lassen, wenn es ein Jahr nicht regnet? O Gott, DU bist doch der Schöpfer aller Kreatur, ein VATER Deiner Menschenkinder!“ Da steht das Licht vor ihm im Schein der Sonne, die ein Schatten ist im Licht, das menschliche Gestalt besitzt. Und es spricht:

„Elia, soll ich dich denn lächerlich machen, da du drei und ein halb Jahre den Himmel zugeriegelt hast? Und nun soll es regnen, obwohl noch nicht einmal ein Jahr vorüber ist? Man wird mit Fingern auf dich zeigen.“ Elia stürzt seinen Kopf in beide Hände. Das ist wahr! Die Baaldirne soll sich nicht freuen, daß sein Wort nicht haargenau in Erfüllung geht. Doch er sieht klagende Frauen, hungernde Kinder, verschmachtetes Vieh, das bittere Elend eines Landes das ohne Ernte bleibt. Er stürzt vor dem Lichte nieder.

„Lieber ertrage ich den Spott; nur gib Regen, o Herr! Ich habe Deinen starken Arm und Dein Zorneswort mißbraucht, habe über Deine Hand hinausgegriffen. Vergib, und laß mich sterben!“ „Nein, Elia, du hast nicht gefehlt. Hätte Ich Selbst gesprochen, so von sieben Jahren wie bei den Ägyptern! Du hast nur die Hälfte von dem getan, was Meinem Recht gebührt. Das Volk muß leiden, weil es Meine Mühe ganz zuschanden macht. Es ist weit weniger aus Zwang als mehr aus der Wollust seines Lebens ein Volk des Baal geworden!“

„Aber Herr“, fragt Elia, „ich bin doch nicht barmherziger als Du? Wo wäre mein Gefühl, wenn nicht aus Deiner All- Erbarmung abgeleitet? So verstehe ich die sieben Jahre nicht.“ „Kannst du so schlecht rechnen, Elia? Es sind siebzig Jahre her, seit Salomo sich von Mir wendete und zum Götzendiener ward. Nenne Mir einen König, der sich samt Volk seither gewandelt hat! Ist es also nicht Mein Recht, von zehn Fingern einen zu erheben? von siebzig Jahren sieben?“

„O Herr, wie rechnest Du gerecht! Ich verschließe meinen Mund und gehorche Dir bis zu meinem Tod.“ „So wandle gen Zarpath und du wirst sehen, daß über Meinem Recht die Hilfe Meines Segens steht! Laß die Freunde wissen, wo du bist; und Obadja soll die letzten treuen Diener schützen.“ „Herr, ich folge dem Befehl. Doch nach Zarpath ist ein weiter Weg und die Hitze groß; auch hörte ich, daß dort ebenfalls kein Regen fiel.“ „Das darum, weil Benhadad Meiner Tochter Judith, die Ich liebe, und den Heimatlosen den Dienst an Mir versagt. So lasse Ich als absonderliches Zeichen ihn von Ahab schlagen; doch der letzte Schlag geht wider Ahab und sein Geschlecht.“

„O segne mich, mein Vater-Gott, damit ich Deine Wege gehe, Dein Wort verkünde und Dein Tun über meinen kleinen Händen sei.“ „Ich segne dich zu jeder Zeit! Du hast Mir dein Herz bewahrt, so wird Mein Herz auch dich bewahren bis zu deinem letzten Tag.“ „Ja sieh, Vater, das bekümmert mich ein wenig. Denn Du zeigst mir an, was geschehen soll; allein, das Letzte hältst Du vor mir versteckt.“

„Es ist nicht gut, wenn der Mensch sein Ende weiß, außer es soll kurz zuvor geschehen. Überlasse Mir deine Heimführung.“ „Verzeihe meine Neugier, ich will nicht wieder fragen.“ „Ein Sohn darf seinen Vater alles fragen; nur soll er sich begnügen, wenn nicht immer gleich die Antwort folgt.“ „Ich begnüge mich; denn gar reich steht Deine Gnade über mir. Habe Dank, Du Ewiggüte!“

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