Empfangen vom Herrn durch G. Mayerhofer, am 15. Juni 1875
Siehe, Mein liebes Kind, du kamst hieher aus andern Gründen und in anderen Gemütszuständen, und jetzt scheidest du wieder von hier, schon teilweise im Innern verändert, ein sanftes Licht einer geistigen Dämmerung hat in deinem Herzen Platz genommen, nur kannst du dir seine Macht und die Tragweite desselben, in wie ferne es auf deine künftige Lebensbahn einwirken wird, nicht bemessen.
Auch von deinen dir nächststehenden Verwandten, als Mutter und Bruder, habe Ich es zugelassen, dass sie dir näher gerückt werden, damit, was aus dem Munde deiner Mitlesenden dir zukommt, teils ergänzt, teils bekräftigt wird, und so bist du nun ausgerüstet mit all dem Werkzeug, welches dazu gehört, das empfangene Baumaterial zum Aufbau deines geistigen Ichs zu benutzen.
Nur Eines, und das ist die Hauptsache, nur die Liebe, wie selbe all Meine Kinder beseelen soll und wie selbe auch praktisch ausgeübt, dem Menschen Ruhe und Trost gibt, – nur diese Liebe kennst du noch nicht, wie Ich selbe bei euch Allen gekannt wissen möchte, und wie sie allein nötig ist, um Mein Wort aufzufassen und es praktisch im Leben auszuführen.
Siehe, Mein Kind! Ich – soll es dir nützen – muss dir die Wahrheit sagen; siehe, dein ganzes Leben bis jetzt trägt noch ganz wenig Spuren dieser Liebe, wie sie sein sollte, wenn sie derjenigen gleichen will, aus welcher Ich das ganze Weltall in’s Leben gerufen, es erhalten und es auch fortbestehen lassen will.
Diese Liebe heißt die aufopfernde Liebe, (oder – das Blut Jesu Christi); diese Liebe ist diejenige, die – eben weil sie Liebe, göttliche Liebe ist – nur darin den höchsten Genuss findet, wenn sie Andern Freuden, angenehme Stunden machen kann, und dann die höchste Befriedigung findet, wenn durch Aufopferung, durch Milde, Güte sie das erreicht, was auf anderem Wege nicht möglich gewesen wäre.
Von dieser Liebe kannst du wenig Proben aufweisen; denn – lege die Hand auf dein Herz, und so wirst du finden, dass du in deinem ganzen Lebenslaufe mehr deine eigenen Ideen verfechten wolltest, als dass du deine Wünsche Andern aufgeopfert hättest, oder durch Milde, Güte und sanftes Benehmen Anderen gezeigt hättest, wie sie gegen dich sein sollten, und du deinen Grundsätzen gemäß stets gegen sie handeln werdest.
Diese Liebe und Toleranz, (Duldung); diese Selbst-Verleugnung und Sanftmut, mit deren Beispiel Ich euch einst Selbst voranging; diese Liebe ist der Hauptpfeiler Meiner Lehre, der Hauptfaktor, um geistig vorwärts zu schreiten, und das Haupterfordernis, willst du Meine Worte verstehen und ausnützen, wie es Menschen – geschaffen nach Meinem Ebenbilde – geziemt.
So lange für dich nicht Alles um dich nur Liebe atmet, so lange du nicht in dem Leben des kleinsten Insektes, welches vor dir im Staube kriecht, im kleinsten Blümchen, das dein Auge oder deine Geruchsnerven ergötzt, nicht Meine Liebe herauslesen kannst, so lange du nicht Mitleid mit allen Verirrten, Verzeihung und Vergessen aus Liebe zu Mir, als erstes Prinzip all‘ deines Denkens und Handelns betrachtest, – so lange wirst du nicht eingehen in den wahren Geistes-Frieden, der aus all Meinen Worten dir entgegenkommt.
So lange du nicht begreifst Meine göttliche, allumfassende Liebe, die nur Gutes tun und nicht strafen, die nur belohnen und nie Übles vergelten will, – so lange du nicht fühlst und begreifst, dass du als Mein Geschöpf Mir gleichen, Meinen Eigenschaften nachkommen sollst, – so lange ist alles Lesen, Denken und Handeln unnütz. Denn nur diese allgemeine große Liebe, diese drückt auch dir den Stempel des Seelenadels auf; nur durch sie kannst du ein ruhigeres Leben dir und Anderen verschaffen, und durch sie kannst du Meine Liebes-Gebote verstehen, und eben aus Liebe auch leicht ausführen. –
Dieses soll das Resultat deines Aufenthaltes hier auf Erden sein, dieses die Basis all deiner künftigen Handlungen, und dann wirst du mit deiner Umgebung auf dieser Erde und mit deinen Begleitern aus einer andern Welt (Schutzgeister) in Frieden leben können; die irdischen werden dich segnen, und die überirdischen sich an deinen Fortschritten selbst erfreuen; so wirkst du dann für zwei Welten, deren Bürgerin du ja schon warst, als du das Licht der Welt erblicktest.
Dieses beachte, Mein Kind! es ist dein himmlischer Vater, der dir sie gibt, und zwar, damit du Seine Hand erkennen mögest, die Er noch nie von dir abgezogen hat, weil eben Er ja nur die Liebe in Person ist, und nicht allein stets euch zuruft, dass ihr zu Ihm kommen sollet, sondern Sich noch anbietet, mit euch die Lasten eines kurzen Prüfungslebens zu tragen, damit ihr im Jenseits desto freier und schneller zu eurem Ziele gelangen könnet. –
Kehre heim, Mein Kind, in dein Vaterhaus, werde deinem Vater eine Tochter, die nur Stunden versüßen, aber nicht fähig ist, eine Minute, geschweige eine Stunde einem Manne zu verbittern, dem du so viel Dank schuldig bist.
Fange zu Hause an, die moralischen Liebes-Gesetze ins wirkliche Leben zu übertragen; halte jeden Abend mit dir selbst Abrechnung, in wie weit du Andern Gutes getan, in wie weit du Schlechtes aus dir selbst ausgemerzt hast; denn wie man ein Haus nicht in Einem Tage erbauen kann, ebensowenig kann man sich selbst an Einem Tage bessern, sondern nach und nach nur diesen Zweck erreichen.
Vorerst lerne deine Fehler erkennen, und dann suche sie zu verbessern, Gelegenheit zur Versuchung vermeiden, und so Mein Kind zu werden, das kein anderes Gesetz kennt, als das der Liebe, wie Ich sie Allen schon so oft in Worten und Taten gezeigt habe, und durch welche nur ein Verständnis Meiner Lehre erzielt werden kann.
Amen!
NEUOFFENBARUNG