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Kap 8 – Ankündigung eines Gerichts; die große Dürre

Die Burginsassen sind erregt. Nebst Obadja gibt es nur noch wenig einheimische Kämmerer im Dienst. Isebel verbannt das ‚Gesindel‘. Dafür strotzt der Bau von Sidons Dienern und Soldaten. Sie hat sich auf Elias Kommen vorbereitet. Durch sie aufgeputscht, will Ahab ihn verderben. Unheimlich ist ihm dessen Gotteskraft. Auch vergißt er nicht, daß der Thisbiter vom Geblüt her höher steht. Zudem ist er ganz einfach neidisch auf die kühne Gestalt, auf das edle Gesicht, dessen etwas rauhe, helle Haut vornehm wirkt. Er ist ein Fürst vom Scheitel bis zur Sohle. Er dagegen? Kaum mittelgroß, eckig, mit einem oft lächerlich wirkenden Kindergesicht, kann er nur fesseln, wenn er buhlt. Mitunter ist sein Auftreten betörend, wenigstens solchen Leuten gegenüber, die keine Urteilskraft besitzen.

Der König empfängt Elia mit Hohn und Spott „Du sagtest, es würde nicht regnen. In der Nacht hat es trotz Südzeit“, gemeint ist die Trockenperiode „heftig gegossen.“ „Warte ab!“ erklingt es schwer. „Drei Ernten wirst du nicht einbringen, und die vierte wird eine späte, magere sein. Israels Vieh wird in der Wüste weiden, die man ‚Samaria‘ heißt! So wahr der HERR lebt, soll es nicht regnen eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit! Du wirst fünfundvierzig Monde sehen, aber keinen Tropfen Regen noch den Tau!“

„Wer gibt noch was auf dein Gefasel? Es hat geregnet!“ „Ja, bei Maggoths Haus, das deine Schergen branden wollten. Sie sind im Feuer umgekommen; das Kaufmannshaus hingegen blieb verschont. Ahab, hüte dich!“ „Vor was? Meine Knechte waren unvorsichtig. Oder willst du sagen, du habest das getan?“ „Ja, ich habe es getan, wie gestern dein Sidonier zum ‘Häuflein Asche wurde!“ „Hahaha, daß ich nicht lache! Die Burg hat für gewisse Zwecke Wärmerohre und unser Wächter trat auf eine solche Platte. Nur so kam er ums Leben.“

„Willst du GOTT verhöhnen? Du hast Maggoths Weib, eine Tochter Israels, versklavt! Also will ich eher dich vernichten als deine Buben!“ „Nein!“ brüllt Ahab los. „Ich . . . nicht ich habe Maggoths Weib . . . Isebel hat . . .“ (1. M. 3, 12.) „Schäme dich, deine eigene Schandtat hinter einer Bosheit deiner Dirne zu verbergen!“ Da schwirrt ein Pfeil an Elia vorbei. Es hat den Anschein, als wäre er auf Ahab abgezielt, denn er dringt in Kopfhöhe des Thrones ein. Ahab, der sich gerade zur Seite neigte, ist dem tödlichen Geschoß entgangen. Obwohl die Söldner wissen, wer der Schütze war, stürzen sie sich auf Elia.

„Du Mordbube!“ schreit Ahab. Der Prophet geht raschen Schrittes zum Perlvorhang und reißt daran, bis das Gestänge polternd zu Boden fällt. Dahinter steht Isebel, noch den Bogen in der Hand, einen zweiten Pfeil aufgelegt. „Wolltest du den König morden?“ fragt er verächtlich. „Ja, man kann nicht zielen, wenn die Hand vom Brandmal brennt! Dein Gift trifft mich nicht, Mörderin, weder das am Pfeil noch weniger jenes deines schmutzerstarrten Leibes, der ein Gefäß voll Greuel und voll Laster ist! Ich möchte dir ja predigen, daß du gerettet würdest; doch dein Herz ist tot, jede Frauensitte, die in ihrer Feinheit des Mannes Ehre ist. In dir, du Auswurf, wird man am letzten Erdenende die ‚Hure Babel‘ sehen! (Off. J. K. 17.) Gehe jetzt, oder es braucht nicht, daß ich meine Rechte recke, und du vergehst wie deine böse Bubenbrut!“

Leichenfahl weicht Isebel zurück. Sie bäumt sich auf: Nun erst recht! Doch die Angst ist größer als ihre Dämonie. O dies schreckliche Gesicht, die Feueraugen, der zornige Mund! Noch einen Blick wirft sie auf die hohe Gestalt und — flieht in den letzten Winkel ihrer Kammer, so schnell sie ihre Füße tragen. Bis zum Abend bleibt sie hocken; selbst Ahabs dringliches Gerufe erhört sie nicht.

Als sie andern Tages hört, Elia sei außer Landes, nimmt sie sich vor, daß Israel an sie gedenken soll um dieses Mannes willen, der sie verschmäht, der Dinge tut, die — sie gesteht sich’s ein — unerhörte sind. Am Hofe Ethbaals verkehrten oft Fakire. Sie merkt genau den Unterschied zwischen jenen Zaubereien und der ‚übersinnlichen Kraft eines Mächtigen‘, dem sie trotzig widerstehen will. Sagte nicht der Thisbiter, vier Ernten blieben aus? Ihren Unglauben zu beweisen, stellt sie vierzig sidonische Ascherabilder auf, und vierhundert Ascheradiener ruft sie herbei. Es sind eingeschworene Leute ihres Vaters Ethbaal, der sich vergnügt die Hände reibt. Schade, daß Isebel kein Junge ist, dann wäre ihm um seinen Thron nicht bang. Nun — sie macht Israel zu einer hörigen Provinz; billiger und ohne Schwertstreich ist kein Land einzunehmen. —

Allmählich spürt Israel die Fesseln. Fast ausschließlich Sidon beherrscht die Straßen, Geschäfte, Amt und Handel. Es gibt keine öffentliche Stelle mehr, wo den Brüdern Recht gesprochen wird. Die Ascherabilder müssen angebetet werden, und zu den immer häufiger veranstalteten Baalfesten werden Hunderte befohlen. Meist werden jene Bürger ausgewählt, die GOTT dienen und ihn nicht verleugnet haben. Sie müssen kommen, wenn sie nicht ihr Leben, Weib, Kind und all ihr Gut verlieren wollen. Wer sich weigert, wird bestraft; die Reichen mit dem Tod um ihre Habe einzustreichen, die Armen zu einer billigen Arbeitskraft.

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